In6 Leid der Erde
Predigt zu Jeremia 14: Leid der Erde
gehalten am 19.01.2020 in der Christuskirche Ulm von Herrn Pfarrer Markus Grapke.
(Der Text der Lesung ist gekürzt)
Was ist nur mit der Erde los?
Was ist nur mit der Erde los? Sie glüht. Und unser Kopf wird heiß. Früher gab es an Weihnachten Schnee. Heute wachsen Kiwis auf dem Balkon. Es gibt jetzt Sommer genug. Was ist nur mit der Erde los?
Lesung aus Jeremia 14. Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: 2 Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor. 3 Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück.
Was ist nur mit der Erde los? Sie brennt. Verzehrt Baum und Haus. Auch das Nest der Amsel. Weiden werden Wüsten. Wasser wird knapp. Scharfschützen verteidigen es. Gegen Kamele und ihren Durst. Als Gastarbeiter 1840 ins Land geholt. Für schwere Lasten. Leben nun mit dem Känguru. Jetzt sind die Gäste lästig: Was für eine Plage. Kamele. Zum Abschuss freigegeben.
Was ist nur mit uns Menschen los? Als ich Kind war, glaubte ich: Mache ich die Augen zu, sieht mich keiner mehr. Heute glauben wir: Sehen wir das Elend nicht, ist es nicht mehr da. Kindliche Fantasie kennt keine Altersbegrenzung. Die Erde glüht. Unser Kopf wird heiß. Und wir verschließen die Augen. Unsere Seele hat dunkle Kammern. Da guckt niemand hinein. Auch wir nicht. Platz gibt es dort genug. Wir schieben ab, was wir nicht wahrhaben wollen. Verdrängung nennen es Psychologen. Die Erde glüht. Unser Kopf wird heiß. Und wir verschließen die Augen. Verdrängen erfolgreich. War da noch was? Soll Greta sagen, was sie will. Wo kämen wir hin, wenn 17-Jährige uns diktieren, wie wir leben sollen. Wir wissen: Sie hat Recht. Aber: Wir glauben es nicht. Auch Wissenschaftler sind heute Pfaffen. Ihre Märchen sind was für Kinder. Wir wollen Fakten, Fakten, Fakten. Nur wenn sie uns passen. Was ist nur mit uns Menschen los? Die Erde glüht. Unser Kopf wird heiß. Und wir verschließen die Augen. Verdrängen erfolgreich.
Beruhigen unser Gewissen. Singen ihm ein Wiegenlied: Schlaf, Gewissen, schlaf. Bald gibt es keine Schaf. Bild dir nur ein im Träumelein, gesund noch sind die Bäumelein, schlaf, … Sie wissen schon. Mein Gewissen ist müde. Will sich schlafen legen. Niemand soll es wecken. Die Erde glüht. Unser Kopf wird heiß. Und wir verschließen die Augen. Verdrängen erfolgreich. Müde ist unser Gewissen. Käme heute einer wie Jeremia. Ergehen würde es ihm wie Greta. Du nervst! Auch das Grauen – poetisch schön verpackt – stört nicht den Gewissensschlaf. Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen. Was soll’s? Und wollte jemand stören, holen wir die Keule: Hysterisch seid ihr! Ihr übertreibt. Macht doch gleich „Klimahysterie“ zum Pfui-Wort. Was soll’s? Was ist nur mit uns Menschen los? Unsere Sünden verklagen uns. Hören wir deshalb auf, alles schönzureden? Unser Ungehorsam ist groß: Wir überhören die Signale. Was ist nur mit uns Menschen los?
Warum kommt heute eigentlich keiner und sagt: Yes, we can? Ein Obama fürs Klima. Wer singt das Lied der Hoffnung mit? Wir schaffen das. Wir schaffen den Klimawandel ab. Und wer tut was? Was ist nur mit unserem Gott los? Gott lässt uns nicht in Ruhe. Er kommt. Auch wo wir ihn nicht haben wollen. In die dunklen Kammern der Seele. Es ist ihm Ernst. Dicke Bretter muss er bohren. Bis er Herz und Hirn erreicht. Gott kommt. Wie lange wird er bleiben? Nur über Nacht? Wie ein Gast? Wie einer auf der Durchreise? Verlass uns nicht! Was ist nur mit unserem Gott los? Die Erde glüht. Seine Erde, unsere Erde. Wenn sie verglüht, ein Spektakel wäre das. Nur nicht für uns. Dieses Feuerwerk sieht Gott allein. Vom Himmel aus. Was ist nur mit unserem Gott los? Gilt noch, was er geboten? Damals – am Anfang? Bebauen und bewahren. Gilt noch, was er verheißen? Kamel und Känguru werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Die Hirschkuh wird ihre Jungen gut versorgen und der Wildesel auf grünen Auen weiden.
Was ist nur mit unserem Gott los? Wir brauchen dich, Gott. Gegen die Schönfärberei. Für unsere Hoffnung. Verlass uns nicht! Wir brauchen einen, der sagt: Yes, you can. Ihr schafft das. Einen, der an uns und unsere Zukunft glaubt. Damit die Erde blüht. Amen.