I 23me* MEIN WEG?

I 23me* MEIN WEG?

Neues Denken: Weniger ist manchmal mehr

Das Augenmaß zu wahren gehört von alters her zu den wichtigsten vier Tugenden. Dieses Verständnis ist verloren gegangen, weil man - ich schätze mit dem Beginn des Industriezeitalters - das Ziel der Optimierung vernachlässigt hat, denn die Entwicklung schien wohl anzudeuten, dass das Größtmögliche auch stets das Beste sei. Das liegt daran, dass mit steigendem Umsatz und durchlaufender Produktion einiges an Nebenkosten wie Vorbereitung der Maschinen auf die Produktion wegfällt. Da fällt das nicht mehr ins Gewicht, dass für die Angestellten in der Nacht Zuschläge für Nachtarbeit gezahlt werden müssen. Vor allem trifft dies für solche Anlagen wie Hochöfen zu, denn da macht es tatsächlich keinen Sinn, die Apparaturen über Nacht zum Stillstand zu bringen. Das wäre mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Bei den Elektrizitätswerken geht es sowieso schon gar nicht anders.

In der Autoindustrie ist es so, dass die sehr teuren Roboter, die man bei der Produktion einsetzt, möglichst durchgehend in Betrieb sein sollten, damit die Investitionen sich auch wirklich auszahlen. Das ist für den Hersteller durchaus sinnvoll, allerdings nur, wenn die Produkte auch tatsächlich verkauft werden. Das ist aber auch das Problem in der Autobranche, dass der Inlandmarkt schon längst nicht mehr ausreicht. Doch irgendwann wird auch der Markt im Ausland gesättigt sein. So muss man die Anstrengungen der Industrie für das autonome Fahren als einen ganz neuen Geschäftszweig verstehen. Nur ein einziges Mal habe ich von einem Wissenschaftler gelesen, dass es nichts Unsinnigeres gibt als diesen „Fortschritt“, der letzten Endes dem Durchschnittsbürger nichts bringen wird. Dem kann ich mich uneingeschränkt anschließen.

 

Wie schon an anderer Stelle angedeutet, wäre es vom volkswirtschaftlichen Standpunkt sinnvoller, etwas für den öffentlichen Personen- und Güterverkehr zu tun. Individualverkehr mit Belastung der Umwelt und Staus haben wir genug. Auch die Politiker werden erkennen, dass es nicht sinnvoll ist, industrielle Entwicklungen zu unterstützen, die letzten Endes - ich formuliere das bewusst etwas überspitzt - irgendwann nur noch Auslaufmodelle produzieren werden. Mit Kreativität ließen sich vielleicht auf ganz anderen Gebieten - wo wirklicher Nachholbedarf besteht - neue Geschäftsfelder finden. Dabei denke ich vor allem an schienengebundene Fahrzeuge. Im Übrigen ist es auch gar nicht so schlecht, wenn Fahrzeuge mit automatischen Bremssystemen ausgestattet werden. Das kann helfen, Unfälle zu vermeiden. Aber den Schritt zum autonomen Fahren sollte man wirklich ernsthaft überlegen, bevor man da unnötig investiert. Aber da wird sich die Industrie wohl nicht mehr umstimmen lassen. Vordergründig und kurzfristig gedacht könnte man da sicher auch einiges erreichen. Aber eben nur vordergründig.

 

Im Autoland Deutschland gibt es (noch) Autobahnstrecken, die mit Höchstgeschwindigkeit befahren werden dürfen. Das ist vielen anderen Ländern nicht mehr möglich. Wissenschaftler haben übrigens nachgewiesen, dass ein allgemeines Tempolimit dem Verkehrsfluss dienlich ist. Und ich denke, dass auch die Unfallzahlen in den Ländern mit Geschwindigkeitsbeschränkung niedriger sind. Irgendwann werden auch die Länder ohne Tempolimit nachziehen, wenn sich nach noch längerer Beobachtung bestätigen wird, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen so viel bringen, dass der Staat zum Handeln gezwungen sein wird. Vielleicht kann es für manche Industriezweige besser sein, sich - falls keine besseren Ideen da sind - auf das Kerngeschäft zu besinnen und dafür etwas langsamer zu treten. Das würde einem schweren Kollaps in der Zukunft vorbeugen.

In der Computerbranche gibt es ebenfalls keinen Tagesrhythmus mehr. Mit Recht sagen die Hersteller von PCs, dass es für die Lebensdauer der Geräte ganz gut sei, wenn sie nicht andauernd ein- und ausgeschaltet werden. Bei den Servern, bei denen die Informationen aus einem ganzen Werk zusammenlaufen, ist der durchgehende Betrieb gang und gäbe. Das gilt schon bei so einem kleinen Betrieb wie einer Arztpraxis mit einer geringen Anzahl von Arbeitsplätzen. Es ist schon genug, wenn jede Mitarbeiterin „ihren“ PC nach Dienstschluss ausschaltet. In der Nacht läuft dann „im Hintergrund“ für eine gewisse Zeit noch die mehr oder weniger aufwendige Datensicherung. Es ist nicht üblich, diesen Hauptcomputer, der als Server bezeichnet wird, auszuschalten.  

Dieser Einstieg in die Thematik soll keinen Industriezweig verteufeln. Im Gegenteil, durch vorsichtiges und zukunftsträchtiges Handeln wird es möglich sein, auch diesen langfristig zu erhalten. Nachdem anscheinend jeder 10. Arbeitsplatz von der Autoindustrie direkt oder indirekt abhängig ist, sind das Überlegungen, die man nicht einfach abtun sollte. Es geht um mehr als um Geldverdienen. Und es hilft nichts, wenn man so tut, als sei alles im „grünen Bereich“ und dabei die Augen vor der Zukunft verschließt. Im Übrigen werde ich versuchen, herauszuarbeiten, dass unser aller Denken viel weiter gehen muss als wir das gewohnt sind.

 

In Herrn Zulligers Buch - übrigens ein erfahrener Mann aus der Industrie - werden ein paar Vorschläge gebracht, wie man sich auf die Zukunft einstellen könnte. Da ist die Rede von Arbeitszeitverkürzungen, um der Überproduktion mit dem Zwang, Märkte zu „erobern“ entgegenzuwirken. Dieses Modell stammt also nicht von einem „schlau“ daherredenden Außenseiter, wie ich das einer bin, sondern von jemandem, der die Gesetze des Marktes kennt und bei seinen eigenen Projekten sicherlich beachtet hat. Damit habe ich jetzt die eine Seite der Medaille beschrieben und als Wesentliches den recht simplen Vorschlag zur Verkürzung der Arbeitszeiten eingebracht. Eine solche Maßnahme würde die Wachstumsspirale zwar nicht zum Stillstand bringen, aber vielleicht die erschreckende Geschwindigkeit etwas verringern. Die gewonnene arbeitsfreie Zeit sollte natürlich sinnvoll verwendet werden. Schließlich müssen sich alle Beteiligten irgendwie daran gewöhnen, dass sie - sagen wir mal - eine Stunde weniger am Tag arbeiten.

 

Im Übrigen muss man an dieser Stelle auch ansprechen, dass es für die kulturelle und politische Bildung gar nicht unbedingt das Beste ist, wenn Frauen in das Berufsleben drängen. Das ist ein Zug der Zeit und viele glauben, dass das mit der Emanzipation der Frau zusammenhängt und ein notwendiger Schritt sei, um Frauen Perspektiven zu eröffnen. Sagen wir es mal so: Die Frau kommt aus der Ausbeutung in der Familie heraus um dort einen Platz zu finden, wo arbeitszeitmäßig und vom Lohn her vieles besser ist als in der klassischen Familie. Das ist aber auch alles. Dem gerade kritisierten Trend zum Wirtschaftswachstum kommt die Tendenz - sich vom Berufsleben nicht zu sehr auszuliefern - allerdings sehr entgegen. Denn je weniger Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, um so weniger Kräfte befördern die der Wachstumsspirale.

 

Das ist schon ein Faktor, wenn man daran denkt, wie viele Frauen seit der Jahrtausendwende diesen Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit - und gleichzeitig die Unterbringung in den Arbeitsprozess geschafft haben. Es gäbe natürlich eine ganze Menge anderer Möglichkeiten für Frauen zum Engagement. Aber es ist natürlich auch so, dass die "moderne Familie" (aufgrund unseres Wohlstands) gewaltigen finanziellen Bedarf hat. Da scheint es sich zu rechnen, wenn ein Mitverdiener dazukommt. Das trifft sich gut mit anderen Problemen unserer Zeit. Darüber will ich jetzt sprechen.

 

Horizont erweitern

 

Das ist notwendig, um negativen Kräften widerstehen zu können. Niemand von uns weiß, wie Volkswirtschaft funktioniert. Die Anwälte und Firmenberater wissen das schon. Schließlich sind sie es, die den Geldanlegern erklären, was sie machen müssen, um sich dem Zugriff des Finanzamtes zu entziehen. Doch dieses Wissen wird nicht eingesetzt, um Werte zu schaffen oder die Ungerechtigkeit in der Welt zu beseitigen. Nein, dieses Wissen dient dazu, den Großverdienern zu helfen, die zu zahlenden Steuern niedrig zu halten. Ich will sagen, dass eine Menge an Wissen da ist, das aber nur von bestimmten Leuten abgefragt und genutzt werden kann. Das ist ein Mechanismus, der dafür sorgt, dass gut zahlende Kunden zu weiteren finanziellen Vorteilen kommen, ein Mechanismus, bei dem Menschen, denen so etwas nicht gefällt, bewusst ausgeschlossen werden. Die Aktivitäten sollen möglichst so abgewickelt werden, dass kein Fremder Einblick erhält. Wir sollten um diese Dinge eigentlich gar nicht wissen. Ich meine, das sollte sich ändern.

 

Der Dünkel  der sogenannten "Elite" der Republik ist nicht mehr zu überbieten. Das geht nach dem Motto: Wir machen das alles perfekt, Ihr braucht nichts mehr zu tun, ja nicht einmal denken braucht Ihr. Haben wir euch vorausschauend schon abgenommen. Das ist ein Beispiel aus der Politik, über die Industrie werde ich noch sprechen. Ich möchte verstehen, warum dies oder jenes so gehandhabt wird. Da wird der Bau einer Gaspipeline von Russland nach Europa vorangetrieben, wobei wir alle doch wissen, dass der Verbrauch von natürlich vorkommendem Erdgas sehr klimaschädlich ist. Doch anstelle von Argumenten hört man nur, dass das notwendig sei. Vielleicht politisch notwendig. Anscheinend so notwendig, dass man es nicht wagt, dem Kreml mit dem Stopp der Pipeline zu drohen, um menschenwürdige Behandlung für einen Kremlkritiker zu erreichen. Vielleicht für die Industrie von momentanem Vorteil. Der immer wieder so genannte und vielleicht doch gar nicht gewollte "mündige Bürger" hat überhaupt keine Chance, von diesen Hintergründen etwas zu erfahren. Dabei geht es hier tatsächlich um Unsummen von Steuergeldern, die eben dieser Bürger aufgebracht hat und nun nicht erfahren darf, warum dies oder jenes geschieht.

 

Das Bequemlichkeitsangebot der Industrie macht uns zu Sklaven der Mächtigen. Etwa in dieser Weise:  Sie kaufen ein Produkt. Eine komplexe Apparatur erfordert eine Einweisung durch eine "autorisierte" Person. Die steht aber unter erheblichem Zeitdruck. Anschließend werden Sie mit einer Anlage alleingelassen, die manchmal gar nicht richtig eingestellt worden ist und nicht ordentlich funktionieren kann. Eine Unzahl von Bedienungsknöpfen gaukelt Ihnen vor, dass Sie Handlungsspielräume hätten. Stimmt aber nicht. Den Handwerkern werden Merkblätter in die Hand gegeben, die es kaum ermöglichen, das Prinzip der Anlagensteuerung zu verstehen und richtigstellend einzugreifen, denn "alles was Sie wissen müssen, das sind die dargestellten Möglichkeiten. Und die sind angegeben." Warum dies oder jenes so ist und wie es funktioniert, das sagt Ihnen niemand. Die Fachausdrücke kennen Sie sowieso nicht. Das ist das Elitedenken der Leute, die zwar ein hochwertiges Produkt geschaffen haben, aber keine Schaltpläne herausgeben, damit nur der Kundenservice Fehler beheben kann. Ich sage es mal so: So ausgefeilt kann ein Produkt für den Haushalt des Bürgers gar nicht sein, dass nicht jeder Fachmann Fehler erkennen und beseitigen kann. Vorausgesetzt, aus den Unterlagen geht hervor, wie das Gerät funktioniert.


Die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten sind aber auch nur ein Teilproblem. Auch darüber schreibt nicht nur Herr Zulliger, dass es letztlich darum geht, unsere Ich-Gesellschaft in eine Wir-Gesellschaft zu verwandeln. Es geht um ein neues Bewusstsein, das von der Gemeinschaft her und nicht vom Einzelnen geprägt ist. Es sind humanitäre Probleme zu lösen, es muss religionsübergreifend gedacht und gehandelt werden. Jesus meint wahrscheinlich etwas Ähnliches, wenn er vom Reich Gottes spricht, das wir - wenn auch das Handeln schwierig ist - zumindest als Ziel herbeisehnen müssen und im Gebet um die Verwirklichung nachsuchen sollen. Es geht um das Verflochtensein unserer kleinen Bestrebungen mit der Welt. Eigentlich konnte ich nur andeuten, was der Kreativität des Einzelnen obliegt, es dürfte das Richtige sein, hier immer wieder neu die Richtung zur Gemeinschaft einzuschlagen. Über das alles Nachzudenken, diese Zeit sollten wir uns nehmen. Und Augenmaß wieder neu erlernen, um zu verstehen, was um uns herum passiert.

 

Ich sage nicht: Mehr lernen, denn das erinnert an Schule und Pauken von Jahreszahlen oder Formeln, die bald wieder vergessen werden. Ich meine, dass es uns allen ansteht, zu erfahren, was in der Welt abgeht. Sie kennen das ja, dass Experten unseren Wissensstand, was Technik betrifft, als hervorragend beschreiben, vor allem, wenn wir dabei auf die Industrienationen blicken. Allerdings muss man sagen, dass unsere Entwicklung im Bereich des Umgangs miteinander, im Anpeilen von Lebenszielen und eben von alledem, was zum Menschsein dazugehört, dem Niveau der Steinzeitmenschen entspricht. Das hat mal jemand recht eindrucksvoll formuliert. Und es scheint zu stimmen: Zwar haben wir im Gegensatz zu den Menschen der Steinzeit alle in der Schule die Grundrechenarten, Anstandsformen und Grundkenntnisse im Religionsunterricht erworben. Aber es fehlt uns allen tatsächlich am Überblick über die Welt. Wer eine höhere Schule besuchen konnte, der weiß vielleicht, wie man aus Steinkohle Benzin macht und vielleicht auch, wie ein Atomreaktor funktioniert. Aber letzten Endes ist das alles Teilwissen, das nicht in unsere Überlegungen einfließen kann. Politwissenschaftler müssen uns erklären, warum dieser oder jener Krieg niemals hätte entstehen dürfen. Nachprüfen mit dem eigenen Verstand können wir die Überlegungen der Fachleute allerdings nicht. Was wir über Ausbeutung in der Welt erfahren, ist Bruchstückwissen und erschwert uns eher die Entscheidung, welcher Organisation wir Hilfe zukommen lassen. Aber das ist nicht das Wichtigste. Jeder Bürger sollte genügend Informationen bekommen, um Entscheidungen der Großmächte richtig beurteilen zu können.

Jeder von uns hat eine Hausbank, ausgesucht vielleicht nach nur kurzfristig geltenden Kriterien wie Zinsen auf Sparguthaben und andersrum Zinsen auf geliehene Gelder. Die Werte verändern sich in kurzen Zeiträumen. Erfahren wir etwas darüber, wie dieses Geldinstitut mit unserem Ersparten umgeht? Steckt man das Geld in die Rüstung oder landet es irgendwie bei BlackRock? Da vertrauen wir blind dem Kundenberater des Institutes, der natürlich nur Gutes zu berichten weiß.

 

Junges Denken

Hier geht es um die friedliche Revolte derjenigen, die im Herzen jung geblieben sind. Es ist zwar frustrierend, was ich über das Weltgeschehen bisher berichtet habe. Vielleicht haben Sie aber auch herauslesen können, dass in vielen Bereichen ein frischer Wind weht. Wenn auch die Autoindustrie sich (noch) nicht bereit gefunden hat, spritsparende Fahrzeuge zu produzieren. Sie wird den Zwang dazu zu spüren bekommen. Denn die Mehrheit der Bevölkerung hat erkannt, dass auch der Umstieg auf E-Autos letzten Endes energiewirtschaftlich wenig bringt. Und bis das autonome Fahren neue Geschäftsfelder aufmacht, werden die Pläne in den Schubladen verschwinden. Weil es im Endeffekt nichts bringt. Der Individualverkehr ist am Ende - zumindest sind weitere quantitative Steigerungen nicht mehr sinnvoll. 

Dafür machen sich zaghafte Bestrebungen bemerkbar, immer mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Der Bau des Brenner-Basistunnels ist ein langfristig angelegtes Unternehmen, das voran geht. Auf jeden Fall macht uns unser Nachbarland Österreich jetzt schon deutlich, dass es nicht bereit ist, als reines Transitland für den Autoverkehr zu funktionieren. Und die Schweiz zeigt und, dass man mit der Eisenbahn im doppelten Sinn des Wortes sehr viel erreichen kann.

 

Und während wir noch darüber diskutieren, wann der Flughafen in Berlin endlich fertig wird, bauen die Eidgenossen Eisenbahntunnel durch die Alpen. Die Preiskonstrukte im Flugverkehr und die Insolvenzen der Betreiber lassen uns ahnen, dass die Billigfliegerei nicht das Gelbe vom Ei, sondern eher das Letzte ist. Es spricht sich herum, dass man im Flugverkehr immer wieder Treibstoff ablassen muss, weil Landungen mit vollem Tank Schwierigkeiten und Gefahren mit sich bringen. Das wollen wir aber nicht. Es wächst auch sehr langsam wieder der Tourismus in unserer Region. Nicht jeder will mehr fliegen. Vielen Touristen wird klar, dass sie im weiter entfernten Ausland zwar als zahlende Gäste willkommen sind, dafür aber mit der Not der Menschen auf Sichtweite konfrontiert werden. Mit etwas Einfühlungsvermögen in die Situation der einfachen Menschen in den Urlaubsländern sieht manch einer heute schon davon ab, sein Geld in das Ausland zu tragen, um dort reiche Menschen noch reicher zu machen. Das Heizungsverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Neue Technologien sind am Markt.

 

In der katholischen Kirche weht ebenfalls ein frischer Wind, sagen wir ganz vorsichtig, ein Lüftchen. Denn ganz schnell werden die Fenster wieder zugemacht, wenn jemand auf die Idee kommt, neu zu überlegen. Der Vatikan wollte angeblich Archive öffnen, um das Verhalten von Papst Pius XII. während des zweiten Weltkriegs vor der Öffentlichkeit deutlich werden zu lassen. Seit langer Zeit hat man von diesem Vorhaben allerdings nichts mehr gehört. Könnte sozusagen schon wieder vergessen sein. Über den Segen, den Papst Franziskus mit sich gebracht hat, habe ich anderer Stelle ausführlich gesprochen. Turbulenzen gibt es, weil Franziskus sich mit dem Missbrauchsproblem konfrontiert sieht, dass Jahrzehnte - man muss vermuten Jahrhunderte - von den Oberen vertuscht und verheimlicht wurde. Dieser Papst wird mit den Verbrechern abrechnen und der Kirche ein neues Gesicht geben. Aber Wunder wird er auch nicht vollbringen können.

Die IS-Milizen sind zumindest von den zuvor besetzten Territorien vertrieben worden. Der religiöse Islam ist auf einem guten Weg.

Und schließlich scheint heute, am 9.3.19, die verfahrene Situation des Präsidenten Trump immer mehr öffentlich zu werden. Ich denke daran, dass eine Reihe seiner ehemaligen Berater nicht mehr auf freiem Fuß sind. Mit der Abschottungspolitik hat Trump eher eine Verschlechterung seiner Handelsbilanz erreicht. Schließlich geht es - und das ist wohl dem Widerstand des amerikanischen Volkes zu danken - mit dem Mauerbau zu Mexiko nicht so, wie es sich Trump gedacht hat. Es ist jetzt schon so sein, dass in Amerika eine neue politische Ära beginnt, die nicht mehr vom derzeitigen Präsidenten bestimmt wird, auch wenn er wohl noch eine Zeitlang an der Spitze des Landes stehen könnte.  In Amerika war es eine junge Frau, die sich mit ihrem Protest nach einem Amoklauf an ihrer Schule gegen die in Amerika verbreitete Vorstellung wandte, dass man als Bürger Waffen haben müsste. Ich kann all die jungen Menschen gar nicht aufzählen, die sich für eine neue Zukunft einsetzen. Es ist gewaltig.

 

 Wir Menschen machen uns frei. Und was mich am meisten freut und eine ganz große Hoffnung ist: Die Jugend ist es, die revoltiert. Sie wehrt sich gegen Krieg und Hass. Sie wehrt sich dagegen, dass wir ihr eine ausgebrannte und kaputte Erde hinterlassen werden, wenn alles so weitergeht wie bisher. Die Protestaktionen der Schüler gegen die Erderwärmung nehmen immer mehr Form an. Am 9.3.19 war in der Presse zu lesen, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Schülerproteste für mehr Klimaschutz ausdrücklich begrüßt. Viele der Erwachsenen hätten noch gar nicht gemerkt, „dass es fünf vor zwölf ist“, sagte Steinmeier am Freitag [also am 8.3.19] in Neumünster zu Schülern einer „Fridays for Future“-Mahnwache vor dem Rathaus. Es war das erste Mal, dass sich der Bundespräsident zu den Freitagsdemos äußerte... Es gehe nicht nur um Schutz des Klimas, sondern auch um den Schutz der Weltmeere, sagte Steinmeier. Er verwies auf seine Eindrücke vor zwei Wochen bei seinem Besuch der Galápagos-Inseln. Dort trieben Berge von Plastikmüll im Wasser, der zu 90 Prozent von anderen Ländern und Kontinenten stamme. 

Die Problematik wird von unserer Regierung wahrgenommen und der Protest der Jugend wird respektiert. Und das zeigt, dass eigentlich alle Beteiligten einen guten Weg gehen wollen. Übrigens ist Greta Thunberg, die „Erfinderin“ der Schüler-Proteste in Schweden zur wichtigsten Frau des Jahres gekürt worden. Man kann also durchaus hoffen - und nach besten Kräften mittun.

 

Ein wenig älter als die Jugendlichen auf dem Foto sind die Leute schon, die in der Vereinigung „Mehr Demokratie e. V.“ ihre Vision darstellen. Im Internet findet man sie unter www.mehr-demokratie.de. Der Verein schreibt über sich selbst: Mehr Demokratie i. V. ist die größte Nichtregierungsorganisation für direkte Demokratie weltweit. Wir treten dafür ein, dass Bürger das Recht haben und faire Bedingungen vorfinden, wichtige Fragen selbst zu entscheiden... Für gute Ziele auf einem guten Weg. Mehr Demokratie hat „bisher 39 Volksbegehren und Volksinitiativen selbst initiiert, insgesamt rund sechs Millionen Unterschriften bei Aktionen, Volkinitiativen und Verfassungsbeschwerden gesammelt. Der Verein hat ein Buch von Ute Scheub herausgegeben. „Europa -Die unvollendete Demokratie - Eine Vision für die Europäische Union“. Nicht nur wegen der Europawahl interessant. Da findet man viele Anregungen. Fragen Sie doch mal nach beim Verein, ob es noch Exemplare gibt. Und derartige Initiativen gibt es noch mehr.

 

Das "junge Denken" wird deutlich, wenn wir auf die vergangene Europawahl im Mai 2019 schauen. Viele junge Wähler haben sich für die Partei entschieden, die sich Klimaziele gesetzt hat und diese auch verwirklichen will. Mit dem Nachrücken der Jungen werden Parteien, die sich dem Klimaschutz verschrieben haben, bei den nächsten Wahlen ganz sicher hohe Gewinne einfahren. Weil sie auf Zukunft setzen.

 

Fragen wir nach, wo wir eigentlich stehen

 

Da wird uns sogleich klar, dass dieser für den Einzelnen so wichtige Punkt auf der Oberfläche einer Kugel liegt, die sich rasend schnell dreht und überhaupt nichts Konstantes oder Stabiles vermittelt. Ergänzen wir noch, dass sich die Erde im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne herum bewegt, dann wird unsere Bewegung schon komplizierter. Wenn wir dann aber auch noch die ständig wachsende Ausdehnung des Weltalls berücksichtigen, dann müssen wir unsere Erkenntnis noch erweitern und ergänzen, dass unsere Erdkugel sich gleichzeitig zusammen mit der Sonne irgendwie auf einer Bahn befindet. Die Kreisbahn, die wir an einem Tag zurücklegen, ist gar keine Kreisbahn, sondern wohl eher so etwas wie ein ziemlich deformierter spiralförmiger Kurs. Das liegt daran, dass das Weltall sich ohne Unterlass immer weiter ausdehnt und uns alle auf dieser Reise mitnimmt. Ja, und wenn wir genau im Mittelpunkt des Weltalls wohnen würden! Dann würden wir tatsächlich mit unseren Kreisbahnen an diesem Fleck bleiben, aber anscheinend ist das Weltall einer Kugel gar nicht ähnlich. Und wo wäre dann ein Mittelpunkt? Sicher nicht da, wo wir unsere Heimat haben. Wie man das früher glaubte. Dieser kleine Absatz hat uns anscheinend ganz schnell an das Ende der Wissenschaft geführt. Doch nur anscheinend, denn man kann das alles tatsächlich irgendwie berechnen. Und was man noch nicht sicher weiß, das wird man in Zukunft wissen. Die Wissenschaft lässt sich von der komplexen dynamischen Struktur des Alls nicht abschrecken.  Allerdings: Eine Bemerkung sei mir noch gestattet. Bei den ganz kleinen Teilchen, wie es beispielsweise die Bausteine des Atoms sind, da kann man tatsächlich nicht bestimmen, wo genau diese (das sind nämlich auch wieder sich schnell bewegende Teilchen) sich gerade befinden. Im ganz Große und im ganz Kleinen versagen unsere Messmöglichkeiten - könnte man meinen. Aber das ist anders. Zumindest für die Vorgänge im Atom ist es so, dass diese Ortung tatsächlich nicht funktioniert. Herr Heisenberg hat dieses Gesetz der Physik herausgefunden. Eigentlich könnte uns das ja auch egal sein. Aber irgendwie wollen wir - oder zumindest  die Wissenschaftler - gern wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Und unser "Standpunkt", also unser Wissen über das, was uns umgibt, ist natürlich auch etwas, das sich ständig ändert wird, korrigiert wird, zurückkorrigiert wird und einer dauernden Beeinflussung von außen unterliegt.

 

Wir können die Frage nach unserem Platz in der Welt, die uns umgibt, auch anders stellen: Wo stehen wir Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts mit unserer Entwicklung, unseren Zukunftsplänen? Haben wir Rezepte, um die Erderwärmung zu bremsen? Wie wollen wir mit der Tatsache umgehen, dass viele unserer Mitmenschen sterben, weil sie nicht genug zu Essen haben? Auch das ist eine Art von Standortbestimmung. Noch dazu eine, die uns zum Handeln auffordert. Über diese Weltprobleme habe ich im Kapitel "DAS SIND WIR" ausführlich berichtet.

 

In diesem Abschnitt soll es um die Frage gehen, wo ich mit meinem "inneren Kern" angesiedelt bin. Irgendwo zwischen Himmel und Erde? Gestalte ich mein Leben mit Blick auf die "große Kraft" oder im "Alleingang"? Oder gibt es da ein Zusammenwirken zwischen Beidem? Im Absatz "LEBEN GLAUBEN" habe ich das alles schon einmal versucht zu erörtern. Wenn wir in den folgenden Kapiteln die zu lösenden Aufgaben der Menschheit ansprechen wollen, dann brauchen wir eine Basis des Denkens und Handelns. Muss diese Basis religiös begründet sein oder nicht? Doch es geht nicht darum, welche Einstellung ich habe. Es geht darum, ob die "große Kraft" real und allgegenwärtig ist oder nicht. Wenn es Gott nicht gibt, dann macht es keinen Sinn, so zu tun, als ob Er da wäre. Wenn Er aber da ist, dann sollte ich Ihn, den Schöpfer genau dieser Welt nicht außer Acht lassen.  Ich werde meine Überlegungen jetzt so starten, als wäre ich ein Mensch, der keinen festgelegten Glauben hat, also einer, der die Kirche ablehnt, andererseits aber die große Kraft nicht ausschließt, sondern der Auffassung ist, das "da schon etwas da ist", das aber nicht durch eine bestimmte Religion erfasst wird oder erfasst werden kann, geschweige denn von Menschen als verbindlich für andere erklärt werden könnte. Das scheint mir die Auffassung der Leute zu sein, die sich so äußern "Gott ja, Kirche nein". Und das dürfte eine Auffassung sein, die ziemlich verbreitet zu sein scheint. Dem ersten Teil des Satzes "Gott ja" könnten sich viele Menschen der verschiedensten Religionen anschließen unter der Bedingung, dass sie auf die Besonderheiten ihres Glaubens nicht verzichten müssen.

 

In vorhergehenden Erörterungen hatte ich schon einmal versucht, herauszuarbeiten, dass mit Christus eine neue Sicht auf die Religiosität gekommen ist: Ich wiederhole deshalb sinngemäß: Christus hat keine neue Religion mitgebracht, wenngleich man Ihn im allgemeinen unter die Religionsstifter "einordnet", Christus ist die "Erfüllung aller Religionen", also aller tiefen Sehnsüchte der Menschheit. Nun werden Sie mir entgegnen, mit dieser Formulierung habe ich jetzt aber das "Christentum" gewissermaßen durch die Hintertür als "Standardglauben" wieder eingeführt. Dazu ist zu sagen, dass sich der oben von mir gerade beschriebene "formlose" "Glaube an das Gute" abseits von religiösen Ritualen mit dem in etwa deckt, was uns Christus als Aufforderung hinterlassen hat, wenngleich die Gebote Christi genauere Vorgaben machen als allgemeine Aufforderungen zum "Gutsein". Es sind andere (aber nicht ganz so verbindliche) Worte für den gleichen Tatbestand, wenn der Pantheist Goethe sagt: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Man könnte auch sagen, das Gute ist im Menschen angelegt. Wenn ich mich recht erinnere, hat der gleiche Mensch, der große Dichter und Denker auch gesagt, dass er kein Verbrechen wüsste, dessen er nicht fähig wäre. Damit ist die Zerrissenheit des Menschen angesprochen. Im Übrigen hat der Dichter diese - uns Menschen zugehörige - Zwiespältigkeit in seinem Lebenswerk, dem "Faust" herausgearbeitet und schließlich als Erfüllung des Lebens ein Bild gezeichnet, das den Menschen in einer Gemeinschaft zeigt, die den Naturgewalten trotzt: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss. Bezogen auf den Glauben und die Religion: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.

 

Das alles sind beherzigenswerte gute ethische Grundsätze. Kommen diese Worte nun aus dem Innern? Ist es die Tradition, die religiöse Erziehung, das humanistische Gedankengut, das wir empfangen haben und nun in uns tragen? Und auch wie Goethe weitergeben? Auch über die Verneinung des Guten hat sich Goethe geäußert, sehr ehrlich - beinahe beichtend - über seinen Verrat an seiner ersten großen Liebe. Viel von religiösem Gedankengut haben die Freimaurer übernommen. Allerdings haben sie sich doch wohl auch abgewandt von Dem, Der diese Wahrheiten einmal explizit ausgesprochen hat. Und es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ich eine allgemeingültige Wahrheit als solche verkünde und diese Wahrheit als gegeben voraussetze oder ob ich sie auf jemand beziehe, der diese Wahrheit vermittelt und erklärt hat. Biser hat das so gesagt - und da schließt sich der Bogen wieder - Jesus Christus ist der menschgewordene Gedanke Gottes. Was gibt es da zu staunen, wenn wir als Anhänger dieses Wahrheitsträgers jubeln und glücklich sind? Wir danken Ihm im Gottesdienst, dass Er für uns Menschen da ist, da sein will. Er hat die von Gott kommende Grundidee der Gemeinschaft als Reich Gottes verkündet und sich als Beginn dieses Reiches erklärt, denn "Ich bin von Herzen gut". Er hat die Macht des Bösen gebrochen. Deshalb ist Er für uns alle der Weg, die Wahrheit und das Leben. Unabhängig von Religion und Status. 

 

Vielleicht kann ich das noch auf eine ganz andere Art sagen. Auf eine märchenhafte Weise: Ein Vertreter einer großen Religion sagt: Wir wollen ab heute auf dieses oder jenes Ritual verzichten, weil es von unseren Brüdern und Schwestern (anderen Glaubens) nicht mitgetragen werden kann. Oder so: Wenn die Vertreter der Weltreligionen plötzlich erklären würden: Wir wollen für einen Probezeitraum alle die Formen der Verehrung Gottes aussetzen, die dem Glauben Anderer widersprechen und laden während dieser Zeit zu Gesprächen ein: Würde das irgendetwas in Richtung Gemeinschaft in Gang bringen? Doch lassen wir das, es ist nur ein Gedankenspiel - und es gab mal eine Zeit, da war es in der Wirtschaft "up to date", sich mit besonders mit solchen - vorher nie zu Ende gedachten Überlegungen - zu befassen. Dazu hatte man auch gleich eine hübsch klingende Bezeichnung "Brain-Storming".  Nun, wir wollen das alles hier nicht durchdenken. Plötzlich alles in Frage zu stellen, was in Jahrtausenden gewachsen ist - das geht nicht. Aber mit kleineren Ansätzen könnte man schon punkten. Vor Jahren schon wurde die päpstliche Krone aus den kirchlichen Ritualen entfernt - und auch gleich nach Amerika verkauft. Papst Johannes Paul II. hat mit dem Reisen in andere Länder die Begegnungen mit Menschen anderer Religionen kultiviert und mit dem interreligiösen Gebet in Assisi neue Wege aufgezeigt.

 

Wenn wir uns daran erinnern, dass die großen Philosophen in der Begegnung eine ganz wesentliche Art des guten Miteinander sehen, dann erkennt man, dass die Auslandsreisen des Pontifex ein wichtiger Aspekt des Menschlichen, ja des Menschseins überhaupt sind. Unter einem ähnlichen Vorzeichen ist zu sehen, dass Papst Benedikt XVI. die Liebe als das oberste göttliche Gebot erklärt hat. Moderne Theologen erklären, dass die Liebe in allen ernst zu nehmenden Religionen eine ganz wichtige Rolle spielt. Das geht so weit, dass man sagt, eine Religion, die Liebe im Grundsatzprogramm hat, kann nicht verkehrt sein, denn Gott ist die Liebe. Auch in diesem Punkt besteht Einigkeit. Schließlich hat Papst Franziskus all die vorangegangenen Überlegungen weiter fortgeführt und erweitert. Die Begegnung zu Beginn des Jahres 2019 mit hohen Vertretern des Islam bei einer Konferenz in der Vereinigten Arabischen Republik ist als ein Meilenstein im Aufeinanderzugehen zu werten. Ganz bewusst sucht Franziskus diesen Dialog. Es gibt also eine gewissen Einigkeit unter den verschiedenen Religionen. Aber nicht nur das. Auch die Menschen, die sich selbst als nicht gläubig ansehen, können das sicher ganz gut akzeptieren, was ich über das "Miteinander" gesagt habe. Wir sind schließlich alle in derselben Richtung unterwegs. Es ist derselbe Weg in den verschiedensten Religionsgemeinschaften. Es ist aber auch der Weg des "ungläubigen" Humanisten. Nun will ich etwas über unsere speziellen Ansichten sagen, die mit dem Auftreten Dessen, Der im Namen des Herrn zu uns gekommen ist, zusammenhängen. Eine Analyse, ob dies in anderen Religionen Entsprechung findet, müssten - wenn das gewollt ist - Fachleute machen: Es geht um  die von Christus gemachte Ankündigung des Gottesreiches. Wir erinnern uns, dass Er gesagt hat, dieses sei nicht hier oder dort. Man könne es nicht sehen wie einen Baum oder einen Berg. Und - es würde wohl in den Herzen guter Menschen beginnen.

 

So jedenfalls habe ich das verstanden. Und so könnte die Diskrepanz überwunden werden zwischen dem Weltgeschehen, das einerseits von Krieg und Gier bestimmt ist und andererseits von dem, was Menschen an Frieden in ihren Herzen tragen. Und manche tragen diesen Frieden durch die Welt. Deshalb ist es gar nicht verkehrt, zu denken, dass das Reich Gottes da und dort schon da ist. Ob diese Überlegungen schon eine Antwort auf die Frage nach unserem Standort im Blick auf unser Inneres ist? Eher nicht, aber vielleicht eine Anregung zum Nachdenken. Wenn ich nun Christus als Denjenigen ansehe, Der für die Menschen der ganzen Welt "zuständig" ist, dann frage ich, was Christus uns denn gebracht hat, das vor allem für die Nichtchristen bedeutsam ist. Wichtig für alle Religionen ist, dass Er die Liebe Gottvaters, der von allen Religionen gleichermaßen verehrt wirt, als so groß beschreibt, dass es unsere Vorstellung, die sich an der menschlichen Liebe orientiert, irgendwie sprengt.

 

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat Er uns diese wichtige Botschaft verkündet. Und diese Liebe gilt auch denen, denen wir das Brot verweigern, denen, die Ihn verraten haben und immer noch verraten. Er liebt auch diejenigen, deren Verhalten längst das Ende unserer Geduld mit solchen Leuten bewirkt hat und weiterhin bewirkt. Es geht bei Jesus immer um das geduldige Miteinandersein, das uns oft so schwerfällt.

 

Der Psychotherapeut Erwin Möde hat ein Buch herausgegeben, das vom Miteinander der Menschen berichtet, ein Buch, das zeigen will, dass nur in der Begegnung der Sinn des Lebens zu finden ist. Dieses Buch hat das Thema von Martin Buber in einer anderen, der Zeit angepassten Form zum Inhalt. Im Magazin zum Wochenende wird von Prof. Balle dieses Buch mit dem Titel "Spiritualität und Hermeneutik" vorgestellt. Passend zur Thematik ist ein Gemälde abgebildet, das die Emmaus-Jünger auf ihrem gemeinsamen Weg mit dem unerkannten Christus darstellt, gemalt vom "Meister des verlorenen Sohnes". Auf diese wichtige Begegnung kommt der Buch-Autor nämlich zu sprechen. Herr Möde verortet den Menschen in seinen Überlegungen gewissermaßen zwischen zwei Polen: Zwischen Himmel und Erde. Der Mensch ist für Möde erst einmal ein begehrendes Wesen. Er suche nicht weniger nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse als nach dem Sinn des Lebens. Jede Theologie oder auch Philosophie, die die konkrete Triebwelt in Abrede stelle, sei absurd... Unser Leben bedürfe sowohl des transzendenten Sinnhorizonts als auch der innerweltlichen Perspektive, in die sich dieser Sinn einschreibe.  Mit diesen Gedanken aber öffnet Möde die Tür zum Kern seines Anliegens, nämlich zur wahren Begegnung von Menschen.