I 66he* Konrad Lorenz
Ich will Ihnen etwas von diesem bekannten Wissenschaftler erzählen.
Ist es eigentlich selbstverständlich, dass die Vögel singen, dass die Bienen da sind? In manchen Ländern hat man sie schon vernichtet. Die Schmetterlinge verschwinden und auch viele andere Insekten sterben. Igeln und vielen anderen Tieren wird der Lebensraum entzogen. Mit unserer Gier nach immer mehr greifen wir in großem Stil mit chemischen Mitteln in den Haushalt der Natur ein und fügen dem Leben schweren Schaden zu. In Spanien werden unter Vernichtung der Wasservorräte des Landes Tomaten in solchen Mengen produziert, dass sich Menschen bei organisierten Events "zum Spaß" mit den Lebensmitteln bewerfen. Ganz Spanien ist von den Plastikplanen der Gewächshäuser "eingehüllt", besser gesagt "eingemüllt". Die EU-Tomaten werden zum Teil nach Nordafrika exportiert und auf dem Markt verschleudert. Dabei zerstört man die Existenzgrundlage der Bauern dieser Länder. Warum? Weil Profite locken! Weil mittlerweile die Probleme schon sehr drängend werden, setzen sich sehr viele weitblickende Persönlichkeiten für den Umweltschutz ein. So auch die beiden Päpste Benedikt XVI. und Franziskus. Unbedachter Ressourcen-Verbrauch bis zur Erschöpfung ist ein Symptom für die Arbeitsweise in einer kapitalistischen Gesellschaft.
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat schon 1973 die Probleme unserer Zeit in einem einzigen Satz treffend formuliert.
In dem Maße, in dem das Handwerk durch die Konkurrenz der Industrie ausgerottet wird und in dem der kleinere Unternehmer einschließlich des Bauern, existenzunfähig wird, sind wir alle ganz einfach gezwungen, uns in unserer Lebensführung den Wünschen der Großproduzenten zu fügen, die Nahrungsmittel zu fressen und die Kleidungsstücke anzuziehen, die sie für uns für gut befinden, und was das Allerschlimmste ist, wir merken kraft der uns zuteil gewordenen Konditionierung gar nicht, dass sie dies tun.
Das ist der wohl bekannteste Satz aus seinem Buch
Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (1973)
Das Buch von Herrn Lorenz ist wahrscheinlich des Öfteren verlegt worden. Ich beziehe mich hier auf die 2. Auflage 1973, herausgegeben von R. Piper und Co. München. Zunächst einmal möchte ich auf den Hauptinhalt seiner Arbeit hinweisen. Ich zitiere aus dem Vorwort (S. 12). Wozu dient der Menschheit ihre maßlose Vermehrung, ihre sich bis zum Wahnsinn steigernde Hast des Wettbewerbs, die zunehmende, immer schrecklicher werdende Bewaffnung... Dieser Teilsatz zeigt eigentlich, worum es dem Verhaltensforscher geht, nämlich um eine Sackgasse, in der die gesamte Menschheit unterwegs ist.
Über unsere hausgemachte Klimaproblematik ließe sich lange diskutieren. Bemerkenswert ist, dass sogar Menschen, die weit oben auf der
Karriereleiter stehen, nicht in der Lage sind, den Ernst der Situation zu erfassen. Weil ein Umdenken in Politik und Wirtschaft unangenehme Aufgaben nach sich zieht, vermeiden es die Befürworter
des unendlichen Wachstums, sich darüber Gedanken zu machen, was aus der Welt werden könnte, wenn die Ressourcen erschöpft sein werden und die Klimaerwärmung zu Veränderungen geführt haben wird,
die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Oder was noch schlimmer ist, diese Leute denken sich: Nach mir die Sintflut. Und das kann es wirklich nicht sein, dass wir wegen ein paar billiger
Vorteile die Zukunft unserer Kinder ruinieren. Schutz der Umwelt und des Klimas steht aber überhaupt nicht auf dem Programm der Leute, denen es nur um das "schnelle Geld" geht.
Das ist leider so, dass es im Wesen des Kapitalismus liegt, nicht an das Wohl der Allgemeinheit zu denken.
Die Wissenschaftler warnen, weil der Golfstrom, der warmes Wasser nach England und Skandinavien transportiert, zum Erliegen kommen wird und damit dem nördlichen
Europa schwerer Schaden entsteht. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel mit dem Abschmelzen der Polkappen. Das bedeutet aber, dass nicht nur Hamburgs Fischmarkt unter den Meeresspiegel zu liegen
kommt - das schreckt uns kaum noch - und große Teil der Niederlande, die man dem Meer einst abgerungen wurden, wohl kaum als Nutzland erhalten werden können. Auf jeden Fall werden ganze sehr
große Küstenstreifen ärmerer Ländern unter Wasser geraten und sehr viele Menschen aus diesen Gebieten werden flüchten müssen.
Der Forscher Konrad Lorenz kommt bei seinen Überlegungen auf ein Phänomen zu sprechen, das jetzt schon deutlich wird, das als Teil-Ursache und gleichzeitig als Folge einer weltweiten Problematik
angesehen werden muss. Darüber will ich jetzt sprechen.
Ja, wir müssen auf die Wissenschaft hören, die uns hilft, Wege aus Krisen zu finden. Und das Klima ist eine Katastrophe, die von uns allen Anstrenungen erfordert. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.
Mitdenken ist notwendig
Das Zitat, das ich Ihnen nun bringen möchte, finden Sie auf der Seite 95 des genannten Buches. Es geht dem Verfasser in diesem Abschnitt darum, zu erläutern, dass eine gefährliche Irrlehre im Umlauf sei, die besagt, dass alle Menschen konditionierbar seien. Man kann es auch so formulieren: Fremdeinwirkung wird immer wieder versucht. Sagen wir es mal anders. Es es sei möglich, aus allen Menschen ideale Staatsbürger zu machen. Sie wissen natürlich, dass das nicht so ganz funktioniert. Vor allem könnten - wenn dem so wäre - auch Machthaber die Menschen nach ihren Wünschen manipulieren. Das geht also kaum, aber - es wird immer wieder mit mehr oder weniger Erfolg versucht:
...noch nie hatten die Manipulanten eine so gute, auf wissenschaftlichem Experimentieren aufgebaute Werbetechnik, noch nie verfügten sie über so eindringliche "Massenmedien" wie heute. Entsprechend der grundsätzlichen Gleichheit der Zielsetzung sind auch auf der ganzen Welt die Methoden gleich, mittels deren die verschiedenen "Establishments" ihre Untertanen zu idealen Repräsentanten des American Way of Life, idealen Funktionären und Sowjetmenschen oder sonst was Idealem machen wollen. Wie sehr wir angeblich freien westliche Kulturmenschen von den kommerziellen Beschlüssen der Großproduzenten manipuliert werden, ist uns gar nicht mehr bewusst.


Dieses kleine Foto oben allerdings ist nicht nur voll Symbolkraft, es ist - es war - Wirklichkeit. Das ist ein altes Bild. Und ich denke, heute wird man auch an dieser Stelle etwas anderes zu sehen bekommen.

Ich glaube nicht, dass Sie das Transparent am nächtlich erleuchteten Rathaus in Calbe lesen können. Diese Forderungen des Staates an die Bürger der "DDR" waren aus den Bildern der Städte und Dörfer nicht wegzudenken. Man sollte nichts anderes denken als das, was vom totalitären Staat vorgegeben war. Der geschmückte Christbaum war da, um die "Toleranz" gegen Andersdenkende nach außen hin zu demonstrieren.
Als früherer Bewohner der DDR bin ich äußerst sensibel, wenn ich Fremdeinwirkung spüre. Ich kenne diese Mischung aus höflich ausgesprochenem Angebot, das einem zunächst einmal ganz plausibel erscheint und andererseits unausgesprochen aber unübersehbar die Drohung beim Ausschlagen des „Vorschlags“ beinhaltet. Ich habe zwölf Jahre Schulzeit in diesem Land hinter mir. Uns Schülern wurde erklärt, dass wir uns der Bildung, die uns der Staat ermöglichte, würdig erzeigen müssten. Deshalb müssten wir auch am Maifeiertag, der in der DDR ein Repräsentationstag des Regimes war, zum „Friedensmarsch“ antreten. Andernfalls könnten wir damit rechnen, dass man uns wegen dieser „fehlenden Einsicht in die Zusammenhänge“, also wegen Unreife die Versetzung in die nächste Klasse verweigere. In den oberen Klassen war es Pflicht, vor Beginn der Schule zum Fahnenappell zu erscheinen. Ich bin in den freien Teil Deutschlands gekommen, weil ich diese Beeinflussungen alle nicht wollte.
Nun war es endlich vorbei mit den roten Transparenten und den verhassten Lügen. Auch die Lautsprecher-Anlagen, die oft ganze Dörfer mit „Informationen“ - also roter Propaganda - versorgt hatten, waren nun nicht mehr zu hören. Das war jetzt alles anders. Die bunten Reklametafeln schienen Wahlfreiheiten zu verkünden. Versteckte Drohungen waren zunächst nicht zu erkennen. Die kamen erst später auf. Ganz witzig verpackt war die Einladung zum Krawattenkauf. Etwa so: Wenn Du keine Krawatte trägst, dann gehörst Du nicht dazu. Dann mag man dich nicht. Das damals aufgekommene Negativwort für Nichtkrawattenträger haben die Älteren sicher noch in der Erinnerung.
Dieses „Nichtdazugehören“, also das Ausgeschlossensein aus einer Gruppe ist eine schwere Bestrafung, weil wir alle auf Gemeinschaft angelegt sind. Man hat das Ganze nach den Regeln der Psychologie weitgehend ausgebaut und inzwischen ist auch die noch subtilere Fernsehwerbung dazugekommen. Das ist etwas, das uns unsere Zeit stiehlt. Weil niemand von uns wirklich Werbung sehen will. Genaugenommen ist es eine Unverschämtheit, den Zuschauer mit diesem Unsinn zuzumüllen. Doch - wie Konrad Lorenz das schon richtig festgestellt hat - wir nehmen das alles in Kauf, weil es zu anstrengend ist, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Übrigens: Wieso brauchen wir überhaupt die vielen Fernsehsender?
Und nun zum Inhalt der Reklame. Oft geht es um Lebensmittel aus der Industrie. (Aber die Wortwahl „Lebensmittel“ ist schon eine Lüge, denn die angepriesenen Produkte brauchen wir nicht zum Leben). Ganz geschickt werden Kinder angesprochen und zu Helfern der Süßwarenhersteller gemacht. Da knicken die Mütter gern ein, wenn der Kronprinz sich etwas wünscht. Da wird nicht noch einmal nachgedacht, dass dieses „Lebensmittel“ eigentlich nur aus Zucker (und einer Menge anderer nicht definierbarer Stoffe) besteht.
Und dass man zur Gewinnung dieser undefinierbaren Begleitstoffe vielleicht Plantagen hat, die dort angelegt worden sind, wo vorher der Regenwald gestanden ist. Wir können das alles auch gar nicht nachprüfen, weil uns das Wissen fehlt und die Produktkennzeichnung wenig Auskunft gibt. Und bei der beworbenen Designerkleidung wissen wir auch nicht, ob sie nicht mit gefährlichen Substanzen zur Produktion vorbereitet und danach unter Tränen geschneidert und wurde. Schauen Sie doch mal nach unter: IIIf4 Wirtschaftspolitik