II20me* ANFÄNGE

II20me* ANFÄNGE

Text minimal überarbeitet. Neue Fassung im eBook

 

Prof. Rager
Prof. Günter Rager war Ordinarius und Direktor des Instituts für Anatomie und spezielle Embryologie an der Universität Fribourg/Schweiz.

Hier stelle ich Ihnen die Zusammenfassung des Kapitels "Person und Bewusstsein" aus dem Buch "Mensch sein" von Prof. Rager vor. Auf Seite 92 heißt es über den Beginn des Lebens:

 

Der Mensch ist von der Fertilisation an ein Individuum. Mit einem vorsichtigen Brückenbau zwischen Biologie und Philosophie können wir sagen, dass dieses Individuum von rationaler Natur ist. Damit entspricht es der Definition von Person, wie sie Boethius formuliert hat. Der Mensch ist von der Befruchtung an Person. Diese Person entfaltet im Laufe ihrer Entwicklung Bewusstsein, Ich-Bewusstsein und alle übrigen geistigen Fähigkeiten. Das lässt sich sowohl in der lebensweltlichen Erfahrung und deren philosophischer Deutung als auch in der embryologischen und neurowissenschaftlichen Forschung zeigen. Als bewusstes Ich können wir über uns selbst und unseren Werdegang reflektieren. Bewusstsein und Ich-Bewusstsein sind nicht immer aktuell vorhanden, aber gründen in dem Selbst des Individuums und erhalten von dort Identität und Kontinuität. Das Selbstsein des Individuums ist die Person.

 

Über das Weltall - Voraussetzung für Leben

Wie kann man sich den Anfang vorstellen. Das wird von Prof. Rager erklärt.

 

Es ist vielleicht so, dass das gesamte Weltall mit seinen unendlich vielen Sonnensystem, den riesigen schwarzen Löchern und seiner unvorstellbaren Ausdehnung gar nicht "so nebenher" existiert. Zwar sagen unsere Wissenschaftler, dass es möglich sei, dass es auch auf anderen Planeten in diesem System außer uns noch Leben geben könnte. Sie erinnern sich, dass man vor Jahren eine metallene Tafel in das All geschickt hat, die Bilder von uns Menschen und eine Reihe naturwissenschaftlicher Formeln enthält, aus denen intelligente Lebewesen von unserer Existenz erfahren würden, falls es solche Lebewesen außer uns geben sollte.

 

Aber die Frage, wieso wir als Voraussetzung für unser Dasein eines riesigen Weltalls bedürfen, die erwähnen wir oft nur nebenbei. Doch wir wissen, dass es so ist. Bekanntlich gab es nach dem Urknall nur wenige - sehr leichte - Elemente, Ganz viel Wasserstoff, weshalb ein bekannter und brillanter Wissenschaftler ein Buch geschrieben hat, das hieß in Anlehnung - oder in Kontrast zu dem Originalzitat "Im Anfang war das Wort..." "Im Anfang war der Wasserstoff". Erst im Laufe langer Zeiträume kam es durch die gewaltigen Vorgänge im Weltraum zum Auftreten neuer Sonnensysteme nach dem "Zusammenbruch" der älteren auch dadurch zum Auftreten neuer und schwererer Elemente. Ich denke da an Eisen, das in unserem Blutkreislauf eine so wichtige Rolle spielt. Ähnliches gilt für den Schwefel. Beide Elemente - und noch viel mehr - mussten erst einmal entstehen, bevor sich Leben in den uns bekannten Formen entwickeln konnte. Es schadet nicht, wenn man sich bewusst macht, wie die uns bekannten Entwicklungen nacheinander efolgten. Damit kommen wir zu den Theorien der Evolution.

 

Der anerkannte Wissenschaftler Prof. Dr. Günter Rager spricht über die Anfänge und erklärt:

 

Im Gegensatz zu den Kreationisten einerseits und den ideologischen Übertreibungen der Evolutionisten andererseits sind die Vertreter des Intelligent Design der Meinung, dass zahlreiche Beobachtungen der Darstellung der Evolutionisten widersprechen. Der intelligente Plan (intelligent design) sei schon unmittelbar nach dem Urknall ersichtlich. Dort habe ein Gleichgewicht geherrscht zwischen der nach außen gerichteten Energie der Expansion und den Gravitationskräften, die alles wieder zurückzuziehen suchten. Dieses anfängliche Gleichgewicht musste bis auf 1:1059 exakt sein. Wäre die Energie der Expansion kleiner gewesen, dann wäre das Universum kollabiert. Wäre die Energie größer gewesen, dann wären höchstwahrscheinlich keine Sterne und Galaxien entstanden.

 

Das seien aber längst noch nicht alle Naturkonstanten, deren Zahlenwerte extrem genau eingehalten werden mussten.

 

Der Wissenschaftler Professor Hans-Peter Dürr drückt das ähnlich aus:

 

„Es gibt keine Materie! …  Wenn wir die Materie immer weiter auseinander nehmen... bleibt am Ende nichts mehr übrig, was uns an Materie erinnert.“  (Nora Eichinger: Lektionen aus der Quantenwelt – Straubinger Tagblatt vom 30.11. 2011). Der Wissenschaftler präzisiert in seinem Buch „Warum es ums Ganze geht“:

 

„Die Grundlage der Welt ist nicht materiell sondern geistig. Und die Materie ist gewissermaßen die Schlacke des Geistes“. 

 

Im Umkehrschluss bedeutet diese Aussage, dass eben am Anfang der Geist, also das Wort stand. Der Wasserstoff kam also erst viel später. Dies nur nebenbei. In Wikipedia können Sie das sehr schön nachlesen: Im Anfang war der Wasserstoff ist der Titel eines populärwissenschaftlichen Buches von Hoimar von Ditfurth, das 1972 erschien. Es beschreibt die Entstehung des Weltalls, der Erde und des Lebens auf der Erde bis zur Entstehung des Bewusstseins auf Grundlage des damaligen Wissensstandes und behandelt viele Themen, die Ditfurth auch in seiner Fernsehserie Querschnitt beleuchtet hatte. Der Titel spielt provokativ auf den Anfang des Evangeliums nach Johannes an: „Im Anfang war das Wort“. Mit Wasserstoff meinte Ditfurth das erste chemische Element, das mutmaßlich nach dem Urknall entstanden ist.

 

Über den Menschen

 

Kein Licht gibt es, das heller leuchtet als die Strahlen,

die von einem menschlichen Wesen ausgehen,

das in der Dunkelheit des Mutterschoßes eingeschlossen ist.

Khalil Gibran, Flügel 104

 

 

              

      Dem Töpfer sah einst im Basar ich zu,

       wie er den Lehm zerstampfte ohne Ruh.

      Da hört ich, wie der Lehm ihn leise bat:

      Nur sachte Bruder, einst war ich wie du.

                                                                                                                                                                                                                           Omar Khayyam  (1048-1131)

 


Das Leben ist ein ganz hohes Gut

 

Es braucht keine weitere Erklärung dazu. Oder etwa doch? Weil wir von manchen Geschehnissen nicht einmal Kenntnis bekommen, denn alle Vergehen an Ungeborenen und an Kindern geschehen in der Abgesondertheit. Und sind damit der allgemeinen Wahrnehmung entzogen. Das Kind im Mutterleib ist in Deutschland nicht genügend geschützt. Die Gesetze lassen sich wohl kaum noch ändern. Aber immerhin kann man Hilfen anbieten. Bei all diesen Fragen geht es um die Würde des Menschen. Und es geht um zwei verschiedene Sichtweisen. In der einen geht es um das Praktikable, um das, was im Moment als vorteilhaft erscheint. Vordergründig erscheint es, wenn Abtreibungen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Die Vorteile für die Schwangere scheinen darin zu bestehen, dass sie der Sorge für ihr Kind enthoben ist. Ich sage es hier ganz deutlich, dass es sich bei der Abtreibung um die vorsätzliche Tötung eines ungeborenen Kindes, also um eine ernst zu nehmende Straftat handelt. Ja, ich bin überzeugt, dass Abtreibung vom Grundgesetz nicht gedeckt ist. Ich spreche das so deutlich aus, weil die Wissenschaft uns klar macht, dass ein Ungeborenes von der Befruchtung an als Mensch anzusehen ist. Als Mensch, der sich nur noch nicht entfaltet hat, aber dies tun wird, wenn man nicht künstlich in diesen Entwicklungsprozess eingreift. Die dem Menschen gemäße Sichtweise erkennt das Lebensrecht eines jeden Menschen an und fordert, sich dem schutzlosen Kind oder dem hilflosen alten Menschen gegenüber so zu verhalten, wie es der Würde dieses menschlichen Wesens entspricht. Grundlage für diese Auffassung ist, dass jeder Mensch als Kind Gottes anzusehen ist. Das ist auch die Auffassung von Papst Franziskus.

    

Im Übrigen ist der gesellschaftliche Druck für Abtreibung sehr hoch. Was auch immer die Gründe dafür sind - viele Menschen glauben, dass sie das Recht hätten, über das Leben der Ungeborenen frei zu verfügen. Das mag damit zusammenhängen, dass man das Kind noch nicht sehen kann. Auf jeden Fall hat jedes Ungeborene schon eine unverwechselbare Identität.

 

Es ist Aufgabe der demokratisch gewählten Volksvertreter und der Regierung, dass sie sich an das Gebot der Achtung vor dem Leben halten.

 

Auch wenn das vielleicht Wählerstimmen kosten könnte. Bei der Debatte geht es auch um die Frage, inwieweit man mit den Methoden der modernen Medizin Babys nach Wunsch - Designer-Babys - "produzieren" kann, wobei ich das Wort produzieren ganz bewusst gebrauche, denn dadurch wird schon durch die Sprache deutlich gemacht, dass wir die "Designer-Babys" nicht mehr als Geschenke ansehen sondern als eine Art von Ware - schließlich bezahlt man ja für das, was man sich "bestellt". Nun, das mag genügen, um anzudeuten, in welche Richtung wir uns bewegen. Es ist keine gute Entwicklung. 

  

Nun zur Mitte des Lebens: Keinesfalls darf ein Mensch durch einen anderen als Mittel zum Zweck "benutzt" werden. Von daher ist es eigentlich auch nicht vertretbar, dass Menschen zum Krieg "eingezogen" werden. Grundsätzlich ist diese Gepflogenheit vieler Länder meines Erachtens nur legitimiert, wenn es um die direkte Verteidigung der Heimat geht. Die Möglichkeit zur Wehrdienstverweigerung ist eine Regelung, die es einem jungen Menschen erlaubt, sich vom Dienst an der Waffe freistellen zu lassen.

 

Auch am Ende des Lebens greifen Kräfte des Todes an. Das Greisenalter ist in einer Reihe anderer Länder mit hohen - gesellschaftlich bedingten - Risiken behaftet. Die nicht akzeptable "aktive Sterbehilfe" ist in einigen unserer Nachbarländer schon fast etabliert. Aber auch bei uns in Deutschland versuchen immer wieder gewisse "Vereine" hier in das "Geschäft mit dem Tod" zu kommen. Es gibt eine Reihe von älteren Menschen, die sagen: "Was bin ich noch nütze?" Mit diesem Denken ist man natürlich anfällig für alle möglichen Angriffe auf das Leben. Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir uns alle nicht von unserer Leistung her für die Gesellschaft oder Familie definieren, sondern auch in der Blüte des Lebens immer daran denken, dass unser Leben immer ein Geschenk ist.  

 

Ich möchte eine Europäische Bürgerinitiative berichten, die sich dem Schutz des Lebens verschrieben hat. Ich zitiere aus Wikipedia: "Einer von uns (englisch One of us) ist eine europäische Bürgerinitiative. Sie wurde 2012 registriert. Sie setzt sich dafür ein, dass die Gewährleistung des Schutzes menschlicher Embryonen gemäß EU-Recht durchgesetzt wird. Die Initiative will erreichen, dass die Europäische Union keine Stammzellenforschung mehr finanziert, bei der Embryonen für die wissenschaftliche Forschung verwendet werden."


Im Februar 2019 - so war es im "Lebensforum" Nr. 130, 2. Quartal 2019 zu lesen - wurde von "Einer von uns" das europäische Menschenrechtsforum" ins Leben gerufen, bei dem eine Reihe hochrangiger Wissenschaftler Pate gestanden ist. 

 

Dieses Lebensrecht gilt es mit entsprechenden Gesetzen abzusichern. Allerdings sollte an dieser Stelle auch gesagt werden, dass es alleinerziehende Mütter in unserer Zeit nicht leicht haben. So ist es zu verstehen, dass sich in Straubing eine Initiative zur Unterstützung betroffener Mütter gründete. Bevor ich Ihnen hier eine Vorstellung dieser hervorragenden Einrichtung mache, lasse ich die Institution selbst zu Wort kommen:

                                                                           "Haus für das Leben, Straubing". 

 

 

Hilfen für Ungeborene - Fetalchirurgie

 

Es gibt neue Spezialgebiete der Medizin: Behandlungen im Mutterleib

 

Diese Behandlungsverfahren haben die Erkennung und Behandlung der Krankheiten Ungeborener zum Ziel. Die Methoden sind ethisch gerechtfertigt, weil sie das Ziel einer frühzeitigen Behandlung schwerwiegender Erkrankungen verfolgen. Dadurch werden die Aussichten der Betroffenen auf ein Leben ohne Behinderung viel besser als sie es wären, wenn man die Behandlung erst nach der Geburt beginnen würde. Aus einer ganzen Menge von Möglichkeiten, die man heutzutage hat, will ich hier nur auf eine einzige Erkrankung eingehen, die  - wie andere hier nicht genannte Behandlungsmethoden - dem angegebenem Kriterium entspricht: Die vorgeburtliche Behandlung muss von beträchtlichem Vorteil für die Betroffenen sein. Es geht hier um die Operation des "offenen Rückens" im Mutterleib: Diese schafft

 

"die große Chance, die Funktion von Beinen, Blase und Schließmuskeln zu erhalten und die begleitenden Hirnbefunde zu bessern. Hierdurch erklärt sich die bessere psychomotorische Entwicklung pränatal operierter Kinder mit offenem Rücken im Vergleich zu erst nach der Geburt operierten Kindern. Grund dafür ist, dass das zuvor exponierte Nervengewebe in der Fruchthöhle wasserdicht abgedeckt und so über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft vor mechanischen und chemischen Reizen geschützt wird."

 

Der hier wiedergegebene Ausschnitte entstammt dem Artikel: "Einführung der minimalinvasiven Fetalchirurgie in Deutschland" von Prof. Dr. med. Thomas Kohl in der Zeitschrift "Lebensforum Spezial 2018". Die Zeitschrift "Lebensforum" ist das Organ der "Aktion Lebensrecht für Alle e. V."  (ALfA). Die Zusammenfassung zum Artikel möchte ich allerdings hier noch zitieren, um deutlich zu machen, in welche Richtung diese Entwicklung geht:

 

In Deutschland werden die Diagnosen Zwerchfellhernie und offener Rücken heutzutage meist schon vor der Geburt gestellt. Zwei minimalinvasive vorgeburtliche Operationsverfahren bieten die große Chance, die Prognose für hieran erkrankte Kinder deutlich zu verbessern.

 

Kindern mit zu kleinen Herz- und Gefäßstrukturen steht mit der vorgeburtlichen Sauerstofftherapie (Kohl-Verfahren) sogar eine völlig nicht-invasive Therapie zur Verfügung. Diese Informationen sind in der pränatalen Beratung von potentiell lebensrettender Bedeutung für betroffene Ungeborene.

 

Im Übrigen sind in der genannten Zeitschrift noch weitere medizinische Aufsätze (beispielsweise zur Glasknochenkrankheit) zu finden, die für die Eltern betroffener Kinder oder für Beratungsstellen reichlich Information über weitere Behandlungsmöglichkeiten bieten.