II 37rel* DU BIST PERSON

II 37rel* DU BIST PERSON

Der Mensch ist Person

 

Die Formulierung stammt von Prof. Bartscherer. Das möchte ich erörtern. Prof. Bartscherer bezieht sich in seinen Ausführungen auf den jüdischen Philosophen Martin Buber, der erklärt hatte, dass ein Mensch erst zum Menschen werden kann, wenn er ein "Du" hat, das er ansprechen kann. Stille, aber auch Gemeinschaft können eine Hilfe sein, wenn man den rechten Weg sucht.

 

Gemaltes Bild
Vielleicht führt dieses kleine Kunstwerk eines Hobbymalers unsere Gedanken in die Richtung, die ich andeuten möchte.
Wallfahrerbrunnen in Neukirchen beim Heiligen Blut.
Das Relief zeigt eine Gemeinschaft, es ziert den Wallfahrerbrunnen in Neukirchen beim Heiligen Blut.

Unter dieser Überschrift entfaltet der Philosoph Bartscherer sein Bild vom Menschen im Magazin zum Wochenende (Straubinger Tagblatt vom 20.11.2010). Der Autor erklärt mit Martin Buber die „Personalität als Frucht eines Beziehungsgeschehens“: „Person erscheint, indem sie zu anderen Personen in Beziehung tritt“. Endlich - so formuliert es der Philosoph - kommt es zur „Selbstwerdung durch Bejahung von Ich und Welt“. Professor Bartscherer lässt uns in seinem Aufsatz über den Menschen wissen, dass erst die Gemeinschaft den Menschen erhebt. Also: Der Mensch ist Selbstzweck. Für sich und andere.

 

Nur als wirkliche Gemeinschaft können wir die Probleme der Zukunft meistern. Wir sollten global denken: Wir schneiden sehr viele Menschen von unserem Reichtum ab. Das ist ein Verhalten, das uns der Zeitgeist eingeben will. Wir müssen aber im Gespräch auf Augenhöhe den Benachteiligten entgegenkommen. Diese und alle anderen Überlegungen gelten nur, wenn eines vorausgesetzt wird: Wir müssen authentisch - ehrlich - sein. Das Ja sei ein Ja und das Nein ein Nein. Wenn das nicht gegeben ist, dann ist jedes Gespräch von vornherein Unsinn. 

 

Ein Bild vom Aufbruch in die Eiswelt
Gemeinschaft drückt auch dieses Foto aus.

Die Allround-Komödianten und Schauspieler Heißmann und Rassau kommen aus Fürth. Sie sind auch als "Waltraud und Mariechen" bekannt. In Scheibelsgrub bei Mitterfels haben Sie gastiert und - schwupp - hatte ich sie schon in meinem Fotokasten. Danke, dass Ihr uns immer wieder das Lachen in unsere manchmal ziemlich verrückte Welt tragt.

 

Künstler bringen Freude...
Künstler bringen Freude...
...in unseren Alltag
...in unseren Alltag

 

Huxleys „Schöne neue Welt“

 

Die Roman-Welt ist inzwischen von der Realität überholt worden. Das Datensammeln und (-verkaufen) ist heutzutage das große Geschäft. Schließlich kann man mit diesen abgeschöpften Informationen maßgeschneiderte Werbung und sogar Wahlpropaganda produzieren. Der Skandal um Facebook im Jahr 2018 sollte uns nachdenklich stimmen. Vielleicht sollten wir uns über die neue Datenschutzverordnung vom Jahr 2018 gar nicht so ärgern. Sie ist nämlich für uns da.

 

Viele von uns leben im Wohlstand. Vergnügungsparadiese werden aus dem Boden gestampft – und von uns eifrigst bedient. Autos werden – so vermittelt es uns die Reklame – bei Kauf nicht mehr real bezahlt, sondern auf Pump angeschafft. Dass Supermarktketten die Preise der Erzeuger drücken, das wissen wir auch. Wenn man das alles nutzt, da bleibt dann noch genug Geld, um in den Urlaub zu fliegen. Dahin, wo Aktion ist und Bespaßung. Auch die Flüge in den Urlaub werden immer billiger. Ein im Spiegel erschienener Bericht vom August 2018 lässt uns wissen, dass einer der Billigfluganbieter das Flugpersonal gnadenlos ausbeutet.

 

Kreuzfahrten gibt es heutzutage für jedermann. Und ein wenig habe ich in jüngeren Jahren immer davon geträumt, die große weite Welt  auf diese zu erleben. Wenn man dann aber irgendwann erfährt, dass es den einfachen Angestellten auf manchen Schiffen gar nicht so gut dabei geht und dass die Kreuzfahrtschiffe bis auf neuerdings ganz wenige (eher geplante als echte) Ausnahmen den minderwertigen und gar nicht umweltfreundlichen Schiffsdiesel verbrauchen, dann ist das nicht gerade erfreulich. Und was geht da alles über Bord. Alles, was man im Meer überhaupt nicht brauchen kann. Das Meer wird zur Müllkippe. Ist das wirklich das, was wir wollen? Oder geht es nur darum, dass uns etwas verkauft werden soll, damit ein paar Reiche noch reicher werden? Nein, auch wenn es auf den Traumschiffen noch so toll aussehen mag: Ich will keine Kreuzfahrt unternehmen.

 

Ach, das hätte ich beinahe vergessen: Partner sucht man sich heutzutage nicht mehr selbst – dazu gibt es ja das Internet! Und da ist alles verlockend. Wenn auch hinter manchem Traumpartner nur Einer oder Eine am PC sitzt, die uns lediglich hinhält und uns den Mund wässrig macht und für dumm verkauft. Träume werden geweckt aber nicht erfüllt. Hauptsache, der Rubel rollt. Da ich mich gern auch mal boshaft zynisch ausdrücke: Ich sagte: Der Mensch ist Person. Doch mit einem Seitenblick auf vielfach Berichtetes kann man etwas übertrieben formulieren: Nach der Partnersuche im Internet kann es sein, dass es aus ist mit der eigenen Person.

 

Noch eine Frage sei erlaubt: Ist nicht überhaupt unser ungeheuer großer Drang nach ganz besonderen „Events“ etwas, das damit zusammenhängt, dass irgendetwas nicht ganz stimmt? Dass Konsumgesellschaft allein nicht genügt?  

 

 

 Wo ist das "einfache kleine Glück"? Die Zufriedenheit - wenn man gemütlich seinen Kaffee trinkt?

 

Achtsamkeit als Aufgabe

 

Vielleicht ist es angebracht, an dieser Stelle darüber nachzusinnen, ob ich als Mensch irgendwie einen „Selbstzweck“ habe. Schließlich redet man - und auch bei mir werden Sie das feststellen - viel über Gemeinschaft. Da könnte man denken, man müsse sich da ganz bescheiden hinten anstellen und vielleicht sogar sein eigenes Verhalten nach dem richten, was andere machen. Weit gefehlt! Die Gemeinschaft ist gewissermaßen der zweite Schritt, den ich erst machen kann, wenn ich zu mir selbst gefunden habe. Da hatte ich Ihnen bei meiner Buchvorstellung im Kapitel "DAS SIND WIR" ein Foto von einem Gleitschirmflieger gezeigt. Bei dieser Sportart ist zwar auch Gemeinschaft gefragt. Anders geht das nicht. Aber beim Fliegen selbst ist man ganz allein. Und - auf was es dabei ankommt: Man sollte sehr aufmerksam sein, auch für die Freude des Fliegens.

 

Ein bisschen habe ich schon vorweggenommen, von dem, was ich sagen möchte. Doch fragen wir zuerst einmal: Was ist das, dieses Zusichselbstfinden, dieses Sichselbstverwirklichen? Da gibt es zunächst einmal ein technisches Problem, das den Zugang zum Ich versperrt. Denn ganz viel strömt täglich auf uns ein. Will uns in Beschlag nehmen. Stichwort Handy, Laptop. Oder auch Telefon. Man verlangt von uns: Updaten, Nachrichten lesen und beantworten. Dem ganzen Unsinn muss ich wohl zuerst einen Riegel vorschieben und selbst bestimmen, was ich mir da von dem allen zukommen lasse. Da ist ja durchaus Wichtiges dabei. Dann sollte man sich darüber klar werden, dass es dieses oft zitierte „Multitasking“, das ein Mensch unserer Zeit irgendwie können sollte, gar nicht machbar ist. Sagen die Wissenschaftler. Denn, gleichzeitig geht gar nicht. Da wechseln sich die Gehirnhälften in der Arbeit ab und schließlich wird mit dem Umschalten auf die verschiedenen Aufgaben unser Zentralnervensystem nur zusätzlich belastet.

 

Bevor ich Sie nun mit einem interessanten Artikel bekanntmache, werde ich Sie auf eine Sehenswürdigkeit hinweisen, die uns auf das Thema einstimmen könnte. Es geht um den Nepal-Tempel in Wiesent. Er zeigt auf die Kultur des Ostens. In der Weisheit der dort beheimateten Religionen wird vielfach darauf verwiesen, dass es sehr wichtig ist, zu sich selbst zu finden. 

 

Nun lasse ich Sie lesen, wie sich Frau Nora Eichinger den Weg zum Ich vorstellt. Im Wochenendmagazin des Straubinger Tagblatts vom 9.3.19 finden Sie unter dem Untertitel: „Achtsamkeit ist eine Form des Bei-sich-selbst-Sein, die uns zu mehr Mitgefühl und Freude verhilft“ den interessanten Aufsatz, aus dem ich einige Passagen aufgezeichnet habe. In der Einleitung sagt Frau Eichinger Ähnliches wie das, was ich weiter vorn schon angedeutet hatte. Das lasse ich nun weg und komme gleich auf den Kern der Aussage zu sprechen:   

Die wesentlichen Dinge seien einfach, sagt man. Auch unser Glück sei gar nicht so weit von uns entfernt, wie wir oft meinen. Angeblich sitzt es bereits in unserem Herzen und wartet nur darauf, entdeckt zu werden... „Lass deinen Geist zur Ruhe kommen und schaffe Raum zwischen deinen Gedanken und deinen Handlungen“, meint die erfahrene Yogalehrerin Elena Brower. Ein Weg, um das zu erreichen und unseren Geist zu beruhigen, ist die Achtsamkeit. Doch was ist Achtsamkeit eigentlich genau? Nach Jon Kabat-Zinn sind wir achtsam, wenn wir konzentriert und bewusst wahrnehmen, was soeben in diesem Moment passiert, ohne zu urteilen. Wir achten beispielsweise darauf, was in unserem Geist geschieht, bewerten es aber nicht. Oder wir spüren, wie unser T-Shirt uns am Oberarm berührt, ohne dies für gut oder schlecht zu befinden. [Es werden nun auch eine Menge Beispiel für die Anwendung bei bestimmten Stresserkrankungen angegeben und es wird erklärt, wie die seelische Stabilität durch entsprechende Übungen gestärkt wird. Fahren wir nun fort im Text.] Die Achtsamkeit scheint fast so etwas wie ein Glücksrezept zu sein, denn sie macht uns nicht nur nachweislich gesünder und wacher, sondern beschenkt uns auch mit Lebensfreude und Mitgefühl. Sobald unser Geist aufhört umherzuwandern und sich liebevoll bei uns selbst einfindet, können wir auch viel besser spüren, was wirklich wichtig für uns ist. Wir können die überflüssigen Dinge und Gedanken weglassen, sodass wir unter der Oberfläche dieser Belanglosigkeiten selbst in Erscheinung treten können.

 

In einer Welt, in der Habsucht und Ausbeutung eine große Rolle spielen, werden aber auch die Stimmen lauter, die an unsere Vernunft appellieren. Es gibt genügend weise Menschen, die daran erinnern, dass Glück und Zufriedenheit nicht vom Wohlstand abhängen. Man meint das nur, weil es uns erstens von unserer Konsumgesellschaft eingeredet wird und zweitens ein gewisser Mindest-Lebensstandard da sein sollte, wenn man kreativ sein will. Uns geht es vielmehr darum, in unserer Gesellschaft einen Platz zu finden, an dem man "sich selbst wiederfindet" und sich der ständig andrängenden Fremdbestimmung entziehen kann. Letztlich ist das die Aufgabe jedes Einzelnen, herauszufinden, was er eigentlich wirklich will. Zu dieser Bewegung gegen das "Immer-mehr, immer-weiter, immer schneller" gehören philosophische und religiöse Impulse. Da denke ich an die Zeitschrift "Der Pilger", das ist ein Magazin im Verlag Peregrinus, das die Leser an die "Quellen des Lebens" auf eine sanfte und ansprechende Art hinführen will. Unaufdringlich und freundlich wird der Leser an die Schönheiten dieser Welt, die man "erwandern" kann, herangeführt.  

 

Der Mensch ist Person. Es gibt gewisse Grundsätze, deren Einhaltung unsere demokratische Gesellschaft gewährleisten sollte.  Unverletzlichkeit der Würde des Menschen, die von jedermann gefordert wird. Allerdings bestehen - wenn es um die Ausformulierung der Rechte geht - auch in unserem Land Uneinigkeiten, über die gesprochen werden sollte. An dieser Stelle sei ganz deutlich auf die Unverletzlichkeit der menschlichen Person hingewiesen. Das gilt von der Zeugung bis zum Sterben. Ich fordere von den Politikern:

 

Schützen Sie das menschliche Leben von Beginn an bis zu seinem natürlichen Ende. Ich denke, dass dieser unbedingte Schutz in vielen Ländern und auch bei uns bei der jetztigen Rechtslage nicht gegeben ist und fordere zu Nachbesserungen auf.

 

Ich spreche auch die katholische Kirche an: Suchen Sie Wege, um die Schwangerenberatung wieder zu finanzieren, so wie das früher war. Die Rettung eines einzigen Menschenlebens ist mehr wert als die formale Richtigkeit von Vorschriften und Regelungen.