II 39me* MANN & FRAU

Das ist ein Thema, das sich durch das ganze Menschenleben zieht.
Ich komme nun auf etwas zu sprechen, das anscheinend unser wohlbedachtes Suchen nach Sinn völlig zu durchkreuzen scheint: Die Beziehung zwischen MANN UND FRAU. Da geht es um eine Kraft, die unser Leben bestimmen kann und keineswegs aus einem ruhigen Herzen kommt. Ganz im Gegenteil. Da kommt manchmal etwas wie ein Sturm daher - und scheint uns aus der Bahn zu werfen. Es ist die Kraft, die den Mann zur Frau und die Frau zum Mann hinzieht. An der Wende zum 20. Jahrhundert hat sich der russische Philosoph Solowjew sehr moderne Gedanken über die geschlechtliche Liebe gemacht.
Es gibt wohl kaum einen Lebensbereich, der so viel an Widersprüchlichem und (anscheinend) Ungeordnetem enthält wie dieser. Das Geschlechtliche mit seiner wilden Kraft scheint alles durcheinanderzubringen. Beim Gesunden scheint das dazuzugehören. Hinzu kommt, dass diese Thematik unterschwellig - beispielsweise bei den Fachleuten für Reklame - eine ganz große Rolle spielt. Andererseits geht es um ganz geheime und intime Sehnsüchte, über die man kaum spricht. Und schließlich hat es den Anschein, als würde die Kirche von alledem nichts wissen. Da gibt es seit Jahrhunderten ungeschriebene Vorschriften, die werden nicht einmal im Ansatz diskutiert. Und verwirren manche Menschen, die glauben, dass sie darüber ständen. Es ist ja auch wirklich nicht einfach, im Klartext über all das zu sprechen. Eines nur sollte gesagt werden: Die Geschlechtlichkeit ist von Gott geschaffen. Sie ist gut. Unsere Aufgabe ist es lediglich, das alles, was uns bewegt, zu lenken. Schauen wir, was gescheite Menschen da zu sagen haben.


Stellen Sie sich doch einfach einen schönen nackten Menschen vor. Vielleicht den „David“ von Michelangelo, der – wenn ich mich nicht täusche - in Florenz zu bestaunen ist. Umgkehrt gilt das auch, wenn man voll Zärtlichkeit an die Frau seines Herzens denkt. Ich denke, wir dürfen uns ganz gewiss an dieser Schönheit erfreuen. Sie gehören zu uns: Unsere geheimen Sehnsüchte. Wenn man dabei auf das Gesicht des Anderen – oder der Anderen – schaut, dann erfährt man viel - auch über sich selbst. Und findet den Weg zum Du über die geschlechtliche Anziehung hinaus. Denn der andere Mensch ist immer mehr als nur Zielscheibe der Hormone. Wenn Sie meine Ausführungen als Überlegungen eines Christenmenschen deuten, dann darf ich vielleicht noch einen einzigen Gedanken anfügen, der in seinen Konsequenzen wohl kaum durchdacht, geschweige denn ausgesprochen wird:
Sind wir sicher, dass ein gelebter Akt körperlich-geistiger Gemeinschaft - etwas, das uns als Ziel vorschwebt - so vollzogen werden kann, dass in jedem Moment der Begegnung etwas geschieht, das noch etwas Zusätzliches ganz Gutes, ganz Großes beinhaltet, das sich schwer in Worte fassen lässt? Ich kann das alles nur andeuten, weil unser Erleben - wenn es uns geschenkt wird – sehr oft nicht diese Größe hat. Ich denke, dass das, was wir Leib-Seele-Gemeinschaft nennen, ein ganz großes Geschenk dessen ist, der uns so und nicht anders erschaffen hat. Weil Er uns so gewollt hat.
Immer wieder machen sich Menschen IIIj1 Gedanken über Liebe. Im Bereich der Beziehungen, vor allem der Liebesbeziehungen, da haben die Dichter und Poeten ihren angestammten Platz. Mein Thema hätte ich verfehlt, wenn ich einem solchen hier nicht das Wort erteilen würde. Vielleicht lesen Sie hier einfach etwas von Herrmann Hesse. Ich jedenfalls werde Ihnen hier zwei ganz verschiedene IIIj2 Gedichte vorstellen.
Nun gehören nicht alle Menschen zu denen, die sich einen andersgeschlechtlichen Partner wünschen. Das ist einfach so. Und der Herrgott wird sich schon etwas dabei gedacht haben, wenn Er auch solche Menschen geschaffen hat. Fazit: In Anerkennung Seiner Weisheit sollten auch wir solche "Nonkonforme" genauso achten wie die Anderen. In Rom meint man, man dürfen derartige Partnerschaften nicht segnen, denn es gibt alttestamentliche Texte, aus denen hervorgeht, dass man das auch früher nicht tat. Das als den Willen Gottes zu sehen, kommt mir reichlich weltfremd vor. Ich denke, wir dürfen diese Menschen segnen. Und wenn man in Rom meint, das kann nicht Gottes Wille sein, dann wage ich da ernsthaft zu widersprechen. Schließlich sollten wir die Freiheit haben dürfen, auch unsere Vernunft einzusetzen - bei allem, was wir tun. Und das Argument: "Gott liebt alle Menschen" - das überwiegt gegenüber den alten Texten.
Tatsächlich hat aber Papst Franziskus dieses Segnungsverbot der Glaubenskongregation unterschrieben. Das hat mich zuerst doch ein wenig erschüttert. Momentan scheint es sehr stark voran zu gehen bei dem Bemühen, Konsens mit anderen Religionen zu erreichen. Und da ist es wohl tatsächlich das kleinere Übel zu sein, dieses Segnungsverbot auszusprechen als den Bruch mit den Religionen, die auf das Alte Testament aufbauen, zu riskieren. Denn die Einheit der Gläubigen - das ist ein starker Wunsch von Franziskus.