II 0wki WEG ZUM LEBEN

II 0wki WEG ZUM LEBEN

Es gibt tatsächlich eine gültige Antwort auf die Frage nach dem Weg zum Leben, die finden wir bei Johannes 6,47 in der sogenannten Brotrede:

                           Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.

Ich füge (nach meinem Verständnis) hinzu, wer an Ihn, an Christus den Sohn des Höchsten glaubt, der hat das ewige Leben. Ist da die Rede von einer bestimmten Religion? Nein, es geht nur um die Beziehung zu Dem, Der uns erlöst hat. Ich sehe das so, dass jeder, der an Ihn, den Herrn glaubt, nicht gerichtet werden wird. Denn an anderer Stelle heißt es weiter: Wer nicht an den Sohn glaubt, der ist schon gerichtet. Weil er nicht geglaubt hat. Das alles klingt einfach. Was vielleicht dabei übersehen wird: Der Glaubende wird seinen Glauben auch vor der Welt und vor den weltlichen Herrschern irgendwann bekennen müssen - und wollen.

 

Diese Antwort lässt sofort andere Fragen zutage treten: Warum braucht man dann noch die Sakramente? Wozu ist dann noch die Taufe notwendig? Warum brauchen wir die Eucharistie? Warum hat Jesus gesagt, dass die Jünger in die ganze Welt gehen und Bericht von Jesus geben und die Menschen taufen sollen? Ich will das wieder nur für mich beantworten, weil ich keine Befugnis habe, darüber verbindlich zu sprechen. Also ich meine, dass ein Mensch, der sich in seinem Innern für Jesus entschieden hat, den Wunsch verspürt, alles zu erfahren und anzunehmen, was als Gnadengeschenk von der Kirche an die Gläubigen ausgeteilt wird. Denn es geht um Hilfen auf dem Weg des Glaubens.

 

Nach diesen Hilfen sehne ich mich, weil ich erwarte und erfahren werde, dass ich auf diese Weise der von mir verehrten und geliebten göttlichen Person noch näherkommen kann. Das für unseren Glauben sehr wichtige Bild ist ebenfalls Thema eines der schönen Fenster der Jakobskirche, das ich Ihnen schon gezeigt habe: Jesus schenkt sich uns selbst in Brotgestalt. Mit diesem Geschehen wird in geheimnisvoller Weise die Frage des reichen Jünglings beantwortet, der nachgefragt hatte, was man tun müsse, um das ewige Leben zu erhalten. Das ist letztlich auch unsere Frage. Über das Geschenk der Eucharistie sprechen ich im folgenden Kapital mit dem Titel: Der Erlöser.

 

Bei all diesen Erörterungen ging es um die Beziehung zwischen dem großen und liebevollen Gott und mir (also jedem von uns). Es ging darum, welche Antwort ich Ihm auf dieses Sein Liebes- und Lebensangebot gebe. Nun ist das nicht irgendeine Entscheidung, wie wir sie vielfach im Leben treffen müssen. Es ist etwas, das die Mitte unseres Wesens berührt. Deshalb will ich mit ein paar Sätzen noch einmal herauszuarbeiten versuchen, warum dieser Zimmermannssohn mit Seinem zunächst recht kleinen Freundeskreis aus Fischern und anderen einfachen Leuten derjenige ist, der als Sohn des Höchsten die ganze Welt in Händen hält und nicht einfach eine Religion verkündet hat, sondern als Person - als Botschafter - auf die Erde gekommen ist. Im Namen Seines - und unseres - Vaters, des Allmächtigen und Allbarmherzigen hat Er uns, die Er Freunde nennt, gesagt hat, auf was es ankommt. Ich muss deshalb zu diesem Thema einfach noch etwas sagen, weil es um das Wichtigste auf dieser Welt geht. Das könnte sonst vielleicht in der Vielzahl der Informationen, die wir erhalten, untergehen.

 

Ich hatte versucht, anzudeuten, dass wir unser Dasein als Christ oder Christin nicht nach einem Gesetzeswerk führen müssen, wie das von uns als Staatsbürger verlangt wird. Die Rechte des demokratischen Staates will ich auch keineswegs einschränken. Sie sind für uns alle bindend. Aber hinter allem Gesetzeswerk steht noch etwas anderes. Etwas, das letztlich auch diese gesetzlichen Regelungen weltlicher Mächte bestimmt. Man formuliert besser: „bestimmen sollte“, denn dieses Gesetz, von dem ich gleich sprechen werde, ist noch nicht vollständig auf der Welt in die grundlegenden Gesetzeswerke eingearbeitet. Das ist eben die Entwicklung unserer Lebenskulturen. Da stehen wir mittendrin. Es ist also noch einiges zu tun.

 

Im Übrigen ist es in manchen anderen Ländern so, dass die Gesetze im Staat direkt als Gesetze Gottes verstanden werden. Letzten Endes erkennt man, dass sich in jeglicher Gesetzgebung der Wille Gottes widerspiegeln sollte. Das ist auch richtig so, denn wir gehen davon aus, dass der Wille des Höchsten von uns zu respektieren und zu beachten ist. Unter dieser Prämisse können wir religionsübergreifende Gespräche führen. Es ist sehr wichtig, das Verbindende zu entdecken. Doch jetzt fragen Sie nach diesen Grundsätzen, die hinter jeglicher Gesetzgebung stehen. Denn es geht um den Prüfstand für all unser Tun und Handeln. Die Antwort ist einfach.

                                           Es geht in der Nachfolge Jesu immer um Liebe.

 

In den existenziellen Fragen des Lebens geht es um Liebe. Es geht genau um das, was Papst Franziskus als Barmherzigkeit bezeichnet.  Der Prüfungsprozess, dem ich mich als Anwärter auf das Erbe zu unterziehen habe, wird meine Grundhaltung gegenüber meinem Mitmenschen betreffen. Etwa in der Frage: Manfred, liebst du deine Mitmenschen? Ich gehe davon aus, dass diese Frage nicht irgendwann, sondern jetzt an mich geht. Es geht um eine Frage, die vom Bruder Konrad seinerzeit richtig beantwortet wurde. Im Vorbereitungsprozess auf ein taugliches Gemeinschaftswesen sind wir alle, bin ich, mittendrin. In diesem meinem Leben muss ich reif werden zu wirklichem Miteinander. Die christliche Urgemeinschaft, von der wir gerne träumen, ist ja wohl im Laufe der Zeit anscheinend durch äußere Einflüsse verloren gegangen.

 

Ich denke, dass der gemeinschaftliche Besitz dadurch aufgezehrt worden ist, dass einzelne Mitglieder meinten, sich aus der Gemeinschaftskasse bedienen zu dürfen, weil entsprechender Bedarf eben auch damals da war. Man könnte darüber nachsinnen, ob es nicht Traditionen gibt, die Ähnliches in späterer Zeit aufleben ließen oder in anderer Form fortführten. Ich denke da an die Klöster. Und wenn ich mir vorstelle, wie Bruder Konrad im Kloster in Altötting als Pförtner den Besitz des Klosters verwaltet und Arme gespeist hat, dann ist das ein gutes Beispiel eines Lebens für andere. Im Übrigen ist das ganz aktuell. Informieren Sie sich über das Haneberghaus (einer Einrichtung für Obdachlose) in München - um nur ein Beispiel zu nennen - dann wird für Sie deutlich, dass auch in der Gegenwart die Werte der Urchristen durchaus gepflegt werden. Da könnte man noch auf viele andere Einrichtungen verweisen. Auf die bekannte Friedensnobelpreisträgerin aus Kolkata werde ich später noch zu sprechen kommen.  Nun ist nicht jeder Mensch für ein klösterliches Leben geeignet. Für uns an weltlichem Leben orientierte Menschen gibt es nicht so eindeutige Regeln wie in einer Ordensgemeinschaft. Neben den oben ansatzweise aufgeführten „Werken der Barmherzigkeit“ sind wir „in Eigenregie“ meistens für eine Familie und deren berechtigte Anliegen verantwortlich. Da ist Augenmaß erforderlich, weil nicht nur Privateigentum, sondern vielleicht auch beruflich notwendiger Besitz verwaltet werden soll. Da geht schon manchmal etwas von der altruistischen Komponente verloren. Trotzdem gilt die Aufforderung des Herrn, auch wenn wir eine Vielzahl finanzieller Verpflichtungen haben. Kurzum, vor der Verantwortung für die Gemeinschaft sollten wir uns nicht drücken. Doch zunächst einmal möchte ich über das sprechen, was Jesus Liebe nennt. Das sollten wir genau definieren.

 

Spüren wir denn die Liebe nicht, wenn wir von dem ergriffen werden, die uns zu einer Person anderen Geschlechts hinzieht? Da wird doch etwas von urgewaltigen Kräften deutlich. Oder wenn wir eine Mama mit einem Kind auf dem Arm beobachten. Das ist doch Liebe! Oder nicht? Ich denke, diese Art von Liebe ist in beiden Fällen etwas, das nicht nur bei uns Menschen vorhanden ist.

 

Welche Freude macht es uns, Tierkinder mit ihren Müttern zu betrachten! Man meint da etwas zu spüren, was uns als Menschen im Innersten anspricht. Und wenn ich an gute Beziehungen zwischen Mann und Frau denke, dann ist es manchmal, als würde ich in einen heiligen Bereich eintreten. Vielleicht kann man hier von einer - schon in den Genen verankerten - Vorgabe sprechen, die doch bei uns Menschen - so wünschen wir uns das jedenfalls - auf eine noch höhere Ebene gehoben wird. Auf eine Ebene, die über das instinktgebundene und oft auch zeitlich begrenzte Niveau der Zweckgemeinschaft, hinauswächst.

 

In der Theologie unterscheidet man da seit alters her zwischen Amore und Caritas. Sie wissen schon, was ich meine. Der Mutterinstinkt ist etwas, das bei dieser Bewertung nicht vorkommt. Also: Mit Liebe ist nicht allein das angesprochen, was sozusagen von selbst mit uns funktioniert. Das alles ist zwar eingeschlossen. Aber die Liebe, von der Christus spricht, ist mehr. Sie geht darüber hinaus. Es ist eine von uns zu erbringende Leistung.

 

Zumindest ist es ja schon einmal gut, wenn in der naturgewollten geschlechtlichen Beziehung dieses Extra hinzukommt, dieses Extra, das aus der Lebens- und Glaubenskultur genährt wird. In den Trauungspredigten gibt es ein Lieblingsthema der Priester, den 1. Korintherbrief, der eine literarische Glanzleistung ist. Sie erinnern sich sofort an diesen Text, wenn ich nur einen Zweizeiler (Vers 13,1) zitiere: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

Es ist also auch hier die Rede von einer Haltung, die weit über das hinausgeht, was uns die Hormone diktieren. Ich will Ihnen noch einen berühmten Mann zitieren und sogleich einen kleinen Kommentar dazu. Auf der Website des Zentrums für Augustinusforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg habe ich die folgende interessante Bemerkung zu einem Zitat des bekannten Kirchenlehrers gefunden. Wiederum geht es darum, dass die Liebe eben das Entscheidende ist.  

 

Vielen bekannt ist Augustins Wort: „Liebe und tu, was du willst“ (ama et fac, quod vis), das aber so bei Augustinus nicht zu finden ist und zudem oft falsch verstanden wird. Die Texte zu „Liebe“ beginnen mit dem richtig zitierten Wort Augustins (AZS 130): „Dilige, et quod vis fac“. Zutreffend übersetzt Cornelius Mayer: „Liebe, und was du willst, das tu!“ Dieses Wort ist kein Freibrief für Libertinisten, als könne man tun, was man wolle, wenn man es nur mit Liebe tue... Augustinus fordert seine Hörer mit diesem Wort vielmehr dazu auf, sich in allem Tun von göttlicher Liebe leiten zu lassen, in allem Tun den Vorrang der uneigennützigen, wohlwollenden Liebe anzuerkennen... Jetzt - so denke ich - habe ich deutlich dargestellt, was Jesus meint, wenn Er uns auffordert, zu lieben.

 

Die Idee, der Geist, ist das, was eine Person letztlich ausmacht. Damit - so denke - fließt der schon erörterte Gedanke „Gott ist Liebe“ in diese unsere Gedankengänge mit ein. Es ergibt sich als Fazit dieser Überlegungen das Bild des Schöpfers als eines Wesen, das nicht einfach bloß ein „lieber Gott“ ist, sondern eine gewaltige geistige Kraft, dessen innerer Kern die Liebe ist. Die Liebe ist das Geheimnis des Schöpfers, sie ist die Identität dieser unendlich erhabenen und gewaltigen Fülle des majestätischen Wesens, das wir verehren. Egal, welchem Glauben wir angehören. Die Liebe ist das A und O dieser Welt. Wahrscheinlich ist sie das Einzige, was Bedeutung hat, wenn unsere Herzen gewogen werden. Mir gefällt dieses Bild von der Herzenswaage, das etwas ausdrückt, das wir nur schwer mit Worten beschreiben können.