IV 20wki* SEIN DENKEN
Ja, natürlich, wenn wir um Gottes Idee wüssten, das würde uns weiterbringen! Dann könnten wir zielgerecht handeln - und wir würden endlich um das große Geheimnis wissen, das sich uns einfach nicht erschließen will, auch wenn uns die Naturwissenschaften gerade in den letzten Jahren sehr viel Erkenntnisse gebracht haben. Aber vielleicht gehen wir nur falsch an die Auflösung dieses großen Geheimnisses heran. Vielleicht sind wir durch unser Wissen über die Welt voreingenommen und denken, dass wir mit unserem Verstand weiterkommen. Aber wenn wir Gott als Den uns Übergeordneten begreifen wollen, dann müssen wir zuerst einmal verstehen, dass Gott kein Gott wäre, wenn Er sich von uns einfach analysieren und untersuchen lassen würde. Genau diesem Ansinnen gegenüber muss Er sich also verschließen. Dabei ist Er allein die erste Wirklichkeit. Und wenn die erste Bitte des Vaterunser beinhaltet, den Namen Gottes zu heiligen, dann sollten auch wir selbst den Namen Gottes heilig halten, Ihm also zuerst die Ihm zustehende Ehre als Schöpfer bringen und dann könnten wir vielleicht auf eine Antwort hoffen.
Doch Gott hat längst zu uns gesprochen. Die Altvorderen haben uns schriftliche Aufzeichnungen über ihre Erfahrungen mit der großen Kraft hinterlassen. Mit all den Missverständnissen, die vorprogrammiert waren, weil wir eben ganz anders ticken als Der, Der alles erschaffen hat. Als es nun nach mehreren Jahrtausenden wohl Zeit geworden war, uns vorsichtig mitzuteilen, was wirklich Sache ist, kam Einer "im Namen des Herrn" mit dem Auftrag, uns zu sagen, was für uns wichtig ist. Lange genug hatte das Volk Israel auf diesen Messias gewartet. Doch was im Himmel so ganz anders gehandhabt wird ist als auf unserem Planeten, das wollen wir auch heute noch nicht so gern hören, denn das Befolgen Seiner Gebote passt überhaupt nicht zu unserem Lebensstil. Auch verstehen wir nicht, dass dieser Gott uns Erdenbewohnern wegen unserer Vermessenheit nicht schon längst ein Ende bereitet hat. Schlussfolgerung von unserer Seite: Er ist gar nicht da und wenn Er da wäre, dann hätte Er gar nicht die Kraft, uns zu vernichten. Schlussfolgerung von Seiner Seite: Ich warte auf Euch und Eure Umkehr, so wie der Vater im Gleichnis auf den "verlorenen Sohn" wartet. Ja, das genau könnte das Geheimnis Gottes sein. Jesus selbst hat uns das erklärt. Dieses Gleichnis, das man besser "Gleichnis vom barmherzigen Vater" nennen sollte, ist eine Kernaussage Jesu. Das ist womöglich einer der wichtigsten Gedanken des liebenden Vaters und das Verhalten des "Menschensohns" ist als Realisierung der Gedankengänge des Allmächtigen in einem menschlichen Leib zu verstehen.
Die Kirche spricht vom "Heilsplan" und ich denke, dass das vorherige Kapitel über die Gottesmutter genau an dieser Stelle wichtig ist, denn für die Entwicklung des Jesuskindes war natürlich die Geborgenheit in einer liebevollen Umgebung, genauer gesagt, bei einer liebevollen Mutter, ganz wichtig. Das ist ein Hinweis darauf, dass wir es mit der Erziehung unserer Kinder sehr genau nehmen sollten und zwar nicht in Richtung "angepasster Leistungsmensch", sondern in genau der Weise, wie sie Jesus uns später in der Bergpredigt vorgegeben hat, als einer Person, die uns vom Schöpfer liebevoll anvertraut worden ist. Ich spreche jetzt also von unseren Kindern. Wenden wir uns nun wieder dem Sohn des Höchsten zu.
Viel schöner als ich das kann, hat Prof. Biser ausgedrückt, was Jesus für und bedeutet. Dessen Worte habe ich wegen ihrer Bedeutung im Kapitel "GOTT IST LIEBE" zitiert. Ich nehme es hier vorweg: Jesus ist der Gedanke Gottes in Person. Vielleicht
verstehen Sie nun, warum ich auf meiner Website immer wieder die Krippe zeige. Es ist das Zeichen der Hoffnung auf Den, Der selber arm zum Freund aller Armen geworden ist. Der arm war er, weil Er
alle Macht abgelegt hatte.
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Gedanken Gottes sind nicht irgendwo in einem amtlichen Papier festgehalten. O, Pardon, natürlich sind sie festgehalten in den heiligen Schriften, besonders im Neuen Testament. Aber das ist nicht das Primäre. Das ist schon wieder eine Ableitung des Eigentlichen. Und was, bitte, ist denn das Eigentliche? Kommen wir denn überhaupt noch näher an die Überlegungen des Höchsten heran? Ja. Das wird im Johannes-Evangelium verdeutlicht: Das Wort (Gottes) ist Fleisch geworden. Der göttliche Gedanke ist in einem Menschen aus Fleisch und Blut real und für jedermann sichtbar geworden. Er ist die erste Wirklichkeit, nicht mehr ableitbar von etwas Anderen.
Und zwar als historische Person. Der Mann aus Nazareth, der "nicht aus dem Willen des Mannes" sondern gottgewollt auf die Erde gekommen ist, ist selbst die
Botschaft, Er ist Der, Der im Namen des Herrn alles gesagt hat, was für uns wichtig ist. Und diese Seine Worte durch Sein Tun bestätigt hat. Er ist "der Gedanke Gottes", Er ist das lebendige
Wort, Er ist nicht nur der Botschafter, Er selbst ist die Botschaft. Und diese Botschaft ist nichts weniger als unendliche Liebe. Er ist das lebendige Wort, das schließlich von den Evangelisten
"fotografiert", also dokumentiert wurde, damit wir leben. Er ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, um unsere Sehnsucht nach Gott zu stillen. Und noch eine
Steigerung, die, ach so schwer zu verstehen ist: Mit dem "Brot des Lebens" und dem "Kelch des Heiles" nehmen wir Den bei uns auf, Der uns die Fülle des Lebens bringt. Alles
Bilder für etwas, das wir jetzt noch nicht verstehen, das wir aber begreifen werden, wenn wir uns von Ihm ergreifen lassen. Auch die Emmaus-Jünger haben lange gebraucht, um Ihn, die erste
Wirklichkeit, zu erkennen. Und der Sohn aus dem Gleichnis vom barmherzigen Vaters hat auch ziemlich lange gebraucht, bis er begriffen hatte, dass er geliebt war, dass er gar
nicht der verlorene Sohn war, für den er sich selbst gehalten hatte.

Hier zeige ich Ihnen noch eine Krippe, die in der Stadt Bethlehem geschnitzt wurde. Das
Schnitzen von Figuren ist eine der wenigen Einnahmequellen der Menschen in diesem Gebiet. Die gehören nämlich zu den Armen.
Im Karmelitenladen in Straubing - dem "Haus mit Aussicht" genau auf die Klosterpforte - ist ein ganz kleines Geschäft untergebracht, in dem man solche Schätze erwerben kann.