+IV21me BEGEGNUNG
In der Begegnung spielt sich das wirkliche Leben ab. Das gilt auch für die Beziehung zum Herrn.
Tore auf!
Hier geht es um eine Adventslied. Es ist etwas Besonderes an diesem alten Text.
Jesus wartet nicht nur an Weihnachten auf uns alle.
Egal, welchem Glauben wir angehören.
Hier möchte ich Ihnen ein Lied vorstellen. Auch wenn ich denke, dass es viele von uns kennen. Es wird in beiden Kirchen im Advent gesungen. Ich finde, dass der Text ganz gut zu meinem Bericht über Christus passt. Den Liedtext habe ich bei Wikipedia gefunden. Sehr interessant ist, was in Wikipedia noch über dieses Lied erzählt wird (https://de.wikipedia.org/wiki/Macht_hoch_die_T%C3%BCr). Mit meinen Worten: Das Lied ist religiös und dabei universal.
Und es ist die höhere Wirklichkeit, also etwas das mehr ist als, das, was uns täglich umgibt: Wie Mahlzeiten, Schlaf, Arbeit, also was zur Existenz des Menschen gehört.
Im Zusammenhang mit den Gesprächen über den Glauben hat dieses Lied eine große Bedeutung. Weit über das christliche Weihnachten hinaus. Ich kann recht schön heraushören, dass es ein Lied ist, das nicht nur für uns Christen ein Geschenk ist. Es ist ein Lied, das alle Menschen zur Begegnung mit Christus ruft. Es ist also - um es mit den Worten des Fachmanns zu sagen - nicht nur ökumenisch, sondern allumfassend. So ökumenisch wie sich die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen abgespielt hat. Ich könnte auch sagen "universal" und dabei denke ich durchaus daran, dass der Begriff "Universum" nicht auf so etwas "körperliches" wie das Weltall begrenzt ist, sondern alle Religionen, Wissenschaften, alles Denken eben unser ganzes Dasein umfasst. Weil Christus der Mittelpunkt dieses unseres Universums ist. Nun schauen wir uns gemeinsam den Liedtext an: Finden Sie einen einzigen Satz, der im Gegensatz zu irgendeiner Religion der Welt steht?
Wir müssen dazu sagen, dass der liebevolle Blick auf Christus für uns Christen etwas Selbstverständliches ist. Das ist natürlich etwas, das für Angehörige einer anderen Religion sicher zunächst einmal befremdlich ist. Das Lied ist aber auch kein Glaubensbekenntnis, sondern eine Einladung. Es liegt an uns, ob wir die Freude über Christus weitergeben können, ohne unsere Mitmenschen in ein Korsett zu zwängen. Wie lädt Christus selbst ein? Etwa so: Kommt und seht, wie freundlich der Herr ist! Oder so: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch eine Ruhepause verschaffen!
Macht hoch die Tür
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.
O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.
Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.
"Kommt alle zu mir!"
„Macht hoch die Tür“ - war das letzte Thema. Wir singen auch: „Wie soll ich Dich empfangen?“ Die Sehnsucht des Menschen nach Gott spricht aus diesen Liedern. Dabei denken wir an ein Weihnachtsfest nach alter Tradition mit Feier der Messe und vielleicht auch an eine Übertragung der heiligen Feiern aus Rom. An Menschen anderen Glaubens denken wir weniger, denn wir sagen uns, dass diese Menschen ihre eigenen Feste haben, deren Inhalte für uns teilweise auch verborgen sind. Genau genommen, wir wollen das auch gar nicht wissen, denn wir glauben schließlich etwas „ganz anderes“, in dieser heiligen Zeit eben an die Geburt des Herrn. Und das ist ja ein Fest, an dem Andersgläubige nur notgedrungen als Außenseiter teilnehmen, beispielsweise registrieren sie - vielleicht recht kritisch - unseren Kaufrausch in der Vorweihnachtszeit. Vielleicht hinterfragen sie den nicht ganz billigen Schmuck unserer Straßen und Plätze mit Lichterketten. Und denken daran, dass ihre Angehörigen in der Heimat vielleicht sehr arm sind. So arm wie das Paar, dessen Herbergssuche wir in gut geheizten Kirchen nachspielen. Nun, ich will da nichts beschädigen, was uns unsere Kultur jedes Jahr schenkt. Das alles gefällt mir ja selbst und es hat damit ja auch seine Richtigkeit und ist - wenn es unserem Gemüt gut tut - eine schöne Facette im Jahreskreis. Mit geht es hier nur darum, einmal festzuhalten: Das ist unser Fest, eines der schönsten, das wir Christen feiern. Nur ein Wermutstropfen ist in dieser Weihnachtsfreude enthalten: Gerade in dieser Feier sind wir - ob wir das wollen oder nicht - ganz weit weg von den Menschen, die einen anderen Glauben haben. Und Jesus hat immer gesagt, dass wir alle zusammengehören, dass wir eine einzige Gemeinschaft sein sollen. Doch was sollen wir da machen, wenn wir die Forderung von Jesus ernst nehmen wollen? Verstehen Sie diesen Absatz einfach als eine Beschreibung der derzeitigen Situation. Da ist keine versteckte Kritik enthalten.
Jetzt muss ich noch einmal weit ausholen: Es ist Tatsache, dass es da bei uns eine lang gewachsene Tradition gibt und dass das Leben der Menschen, die einen anderen
Glauben haben, uns erst jetzt in dieser ereignisreichen Zeit so recht zu Bewusstsein kommt. Darüber hinaus geht es aber noch etwas, das gewissermaßen über diese kulturellen Inhalte waltet: Die
Institution Kirche ist wachsamer Hüter der Volksfrömmigkeit. Auch das ist gut so. Denken Sie an die Passionsspiele in Oberammergau. Das Einvernehmen der Kirchenoberen ist eine
Selbstverständlichkeit. Aber auch eine Bedingung, die für die Aufführungen notwendig ist. Das ist lediglich eine Feststellung. Und zwar eine solche, die klarstellt, dass eine derartige
„Oberaufsicht“ notwendig ist. Ich bin mir sicher, dass bei dem Spiel von den Regisseuren - sozusagen in der künstlerischen Freiheit - vielleicht einmal Szenen vorgesehen werden, deren
Aussagen möglicherweise dem Sinn des Spieles widersprechen könnten. Da ist es dann ganz gut, wenn eine „Amtsperson“ anmahnt: "So bitte nicht, so verfälscht ihr den Inhalt des Spieles". Ob es
schon einmal so eine Anmahnung gegeben hat, das weiß ich nicht. Ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur die (meist stillschweigende) Übereinkunft zwischen Künstlern und
Glaubenshütern.
Die „Wachsamkeit“ der Kirche ist schlichtweg eine ihrer Aufgaben. Denken Sie einmal daran, wie Papst Franziskus mit den Anhängern der Mafia verfahren hat: Er hat sie kraft seines Amtes
exkommuniziert. Nun ist Franz der erste Papst, der das gewagt hat. Das zeigt uns aber auch, dass es Gewichtungen im Rahmen der Autorität der Kirche gibt und auch Entwicklung. Trotzdem besteht
Einigkeit über gewisse Grundsätze, die auch die Oberen einhalten und von den Gläubigen einfordern müssen. Ich denke da an die Ehrfurcht vor dem Leben. Mit Recht ist es so, dass niemand, der ein
Amt in der Kirche ausübt, an diesem Grundsatz rütteln darf. Diesen ihren Grundsätzen muss die Institution Kirche auch Nachdruck verleihen können. Und das tut sie auch.
Das Prinzip der Hierarchie in der Kirche lässt sich sehr gut mit dem Lehrbetrieb der medizinischen Wissenschaft vergleichen. Und da kenne ich mich ein wenig aus.
Der Stand der Wissenschaft ist der Maßstab für alles, was es auf diesem Gebiet zu besprechen und zu lehren gibt. Wenn ein funktionierendes Heilverfahren außerhalb der Lehrmeinung bekannt werden
sollte, dann würde die medizinische Wissenschaft ein solches Verfahren aufgreifen, ganz genau untersuchen und bei bestandener „Prüfung“ weiterentwickeln. Während meines Medizinstudiums wurde mir
das deutlich gemacht und ich war jahrzehntelang genau dieser Auffassung. Irgendwann später erfuhr ich dann von Heilverfahren, die nicht „schulmäßig“, also auch nicht anerkannt waren. Da war ich
äußerst skeptisch. Allerdings: Eines dieser Heilverfahren, das ich direkt kennenlernen durfte - das funktionierte. Das deute ich für mich so, dass man eben auch in den Horten der Weisheit nicht
alles weiß. Diese meine Ausführungen bis hierher dienen nur dazu, die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen Entwicklung in der Welt und genauso in der Kirche stattfindet - hier wie dort oftmals
mit Verzögerung. Ich will erklären, auf was ich hinauswill. Ich möchte andeuten, dass die Kirche eine noch größere Öffnung gegenüber anderen Glaubensrichtungen braucht. Ich spreche da für eine
Entwicklung, wie sie Papst Johannes Paul II. mit seinem Beten gemeinsam mit den Vertretern anderer Religionen in Assisi angestoßen hatte. Franziskus hat - auch das habe ich schon mehrfach
angesprochen, weil ich das für so wichtig halte - hochrangige Vertreter anderer Religionsgemeinschaften nach Rom eingeladen und mit ihnen zusammen gebetet. Das ist ein außerordentlich positives
Signal. Und ich bin sicher, dass Papst Franz diese interreligiöse Gemeinschaft weiterhin pflegt und stärkt.
Mein Anliegen ist also sehr einfach. Doch bevor ich es nun vorbringe, möchte ich Sie noch mit einer kleinen erfundenen Geschichte auf meine Überlegungen einstimmen. Ich will mit Ihnen gemeinsam
darüber nachdenken, wie Jesus diesen meinen Vorschlag sehen könnte. Lassen Sie mich das nun ein wenig ausbauen: Als Jesus in Jerusalem angekommen war, ist ein frommer Jude namens Nikodemus
heimlich in der Nacht zu Ihm gekommen, um mit Ihm zu sprechen. So viel ist wohl sicher, dass dieser Mann von Jesus tief beeindruckt war. Später, nach der Festnahme Jesu, stimmte er beim Hohen Rat
bekanntlich gegen die Verurteilung Jesu.
Jetzt erlauben Sie mir ein kleines Gedankenspiel. Ich setze diese meine Überlegungen in kleine Kursiv-Schrift, um klar herauszustellen, dass ich mich jetzt von dem entferne, was uns aus der heiligen Schrift bekannt ist. Der folgende kleine Einschub - das muss ich noch einmal ganz deutlich hervorheben - ist eine freie Erfindung von mir. So h ä t t e es sich vielleicht zutragen können, wenn Nikodemus, umhergetrieben von der Begegnung mit Jesus, noch einmal den Kontakt zu Ihm gesucht hätte.
Nikodemus - der er sich so begeistert hatte für die Lehre dieses Mannes aus Nazareth, könnte nun später noch einmal nach Ihm gesucht haben. Da hätte er Ihn vielleicht zusammen mit Seinen Freunden im Abendmahlssaal gefunden. Natürlich wäre er da nicht einfach in die Tischgemeinschaft hineingeplatzt. Er hätte sich respektvoll und bescheiden der Tür genähert - und weil es keine Wachleute gab - angeklopft und weil das niemand gehört hätte, die Türe leise aufgemacht und dort gewartet, bis man ihn ansprechen würde. Was man von den Jüngern erzählt hat, könnte ich mir vorstellen, dass diese ihn sofort und bestimmt nicht gerade höflich wegen seines Eindringens zur Rede gestellt hätten.
Jesus hätte sich umgewandt und man könnte denken, dass Er den Neuankömmling erst jetzt bemerkt hätte. Zu Seinen Freunden hätte Er vielleicht gesagt: „Wer
anklopft, dem wird aufgetan.“ Und zu Nikodemus: „Komm näher, mein Freund. Ich habe gewusst, dass Du kommst. Nimm Platz und nimm teil an unserem Mahl. Es wird zu Deinem Heil sein.“ Und etwas
leiser, mehr für sich selbst könnte er vielleicht gemurmelt haben: "Mögen doch alle zu mir kommen, die Lasten tragen und auf Hilfe warten."
Den weiteren Verlauf kennen Sie. Wir sind nun wieder auf dem Boden der Überlieferung. Er sprach die Worte, die den Gläubigen mit heiliger Ehrfurcht erfüllen und Seinen Feinden ein Ärgernis sind.
Im nächsten Kapitel wiederhole ich, wie sich Jesus schon früher bei einer passenden Gelegenheit ausgedrückt hat, um auf diese wichtigen Einsetzungsworte zur Eucharistie hinzuweisen. Es sind Worte
des Lebens.
Mein Anliegen und meine Frage an uns Christen alle: Was können wir tun, damit alle Menschen, die das lebendige Brot begehren, es nach dem Willen des Herrn auch erhalten? Auch heute ist es ähnlich
wie damals für manche Leute sehr gefährlich, sich auf den Weg zu Christus zu begeben. Müssen wir diesen Menschen nicht entgegengehen? So wie es Jesus immer wieder getan hat. Erinnern Sie sich,
wie Er einmal am Brunnen mit einer Samariterin gesprochen hat. Denken Sie darüber nach, was es bedeutet, wenn der Priester die Gläubigen zur Kommunion mit diesen Worten einlädt:
Kommt und seht wie gütig der Herr ist. Allen wird Heil, die Ihm vertrauen.
Der Streit zwischen den Konfessionen, ob bei der Heiligen Kommunion von den Gläubigen tatsächlich der Leib Christi empfangen wird, verliert seine Schärfe, wenn wir darauf verzichten, diesen
Vorgang mit unseren Worten aus dem täglichen Leben zu beschreiben. Unser Begriffsvermögen kann das nicht fassen, was Gott kann und tut. Deshalb halte ich es für richtig, das, was Jesus gesagt
hat, so als wahr zu akzeptieren, auch wenn wir das Geschehen mit unserem begrenzten Verstand noch nicht erfassen können. In gläubigem Vertrauen können wir diese Worte annehmen. Wir glauben es,
weil der Jesus, Den wir als Sohn Gottes erkannt haben, es so gesagt hat.
Ich habe das Abendmahl – wie es im evangelischen Umfeld bezeichnet wird – als gläubiger heranwachsender Christ der evangelisch-lutherischen Kirche des Öfteren empfangen. Nun - wenn auch
die Erklärung für das Geschehen in meinem Konfirmanden-Unterricht eine andere war – auch meine Familie und die anderen Christen haben dieses Lebensbrot stets in demütiger und ganz besonderer
gottgläubiger Haltung empfangen. In einem Bewusstsein, dass etwas ganz Wichtiges geschieht, etwas, das unsere ganze Aufmerksamkeit und Ehrfurcht erfordert. Es wurde im Anschluss an den
Gottesdienst für die Menschen gegeben, die das absolut wollten. Und das bedeutet doch wohl, dass diese Menschen im Abendmahl schon das Besondere erkannt hatten, auch wenn es unaussprechlich ist.
Ich kann natürlich nur darüber sprechen, was ich vor 60 Jahren - also zwei Generationen zurück - erlebt habe.
Hinzufügen möchte ich noch, dass ich in jüngerer Zeit Gast bei einer Konfirmation war. Da war das etwas anders. Ein Abendmahl fand während der Feier nicht statt. Auf meine Anfrage, ob ich da
vielleicht nicht richtig aufgepasst hätte, erklärte man mir, dass dieser Teil des Festes schon vor der eigentlichen Feier stattgefunden habe, da dies bei der Vielzahl der Konfirmanden den
Gottesdienst zu sehr in die Länge gezogen hätte. Ich lasse das unkommentiert, zumal es so durchaus mit der evangelischen Tradition in Einklang gebracht werden kann. Das eigentliche Geschehen war
schon immer aus dem Gottesdienst ausgegliedert. Vielleicht war diese Feier im kleinen Kreis sogar intensiver als bei der großen Anzahl von Verwandten? Wie auch immer: Mit hat etwas gefehlt, das
Wesentliche.
Ich erzähle einfach aus den Geschehnissen aus meinem Leben. Mit diesen Erfahrungen steht jeder für sich allein. Glauben kann niemand befehlen. Aber mir kann diese Erfahrung dazu helfen, dass ich
die Schwierigkeiten der ökumenischen Arbeit besser verstehe. Ich sehe aber auch die Notwendigkeit, trotz dieser Problematiken aufeinander zuzugehen und vor allem auf die Menschen zuzugehen, die
einen ganz anderen Glauben haben. Denn es gibt nur den Einen, den Gott, Der uns alle liebt und Der uns alle an sich ziehen will. Ist der Streit um das faktische Vorhandensein des Leibes Christi
nicht am Ende gar nur ein Gelehrtenstreit? Wir können das Geheimnis der Anwesenheit eben nicht in unsere Worte fassen. Vielleicht ist das Sprechen von Christus in Gestalt des Brotes eine
Formulierung, die vielleicht nicht von allen, aber doch vom Großteil der Nichtkatholiken mitgetragen werden könnte.
Vielleicht noch etwas Historisches: Beim gemeinsamen Essen im Abendmahlssaal hat Christus sich in Brotgestalt Seinen Jüngern hingegeben. Es konnte nicht anders sein, dass diese Seine Freunde
alles Juden waren – wie Er selbst auch. Es konnte auch nicht sein, dass diese Seine Jünger die Worte ihres Herrn in ihrer ganzen Tragweite begriffen haben. Wie sollten sie das auch? Aber wenn Er
Seinen Freunden dieses Geschenk nicht gemacht hätte, weil diese nach den heutigen Kriterien der Kirche keinen Zugang dazu haben dürfen? Wo würden wir dann heute stehen? Sicher ganz weit weg von
Ihm. Und übrigens: Bis Papst Franziskus den Mafiosi die Exkommunikation erklärte, war es so, dass diese Leute mehr Freiheiten in der katholischen Kirche genossen als beispielsweise
zu Unrecht von der Kommunion ausgeschlossene Frauen, die ihren Mann verlassen hatten, weil sie beispielsweise von dem misshandelt worden waren. Die waren nämlich von der Kommunion
ausgeschlossen. Mein Kommentar: Rücksichtslose Männergesellschaft - von Franziskus entlarvt.
Ich hoffe, dass man es mir als Nicht-Theologen erlaubt, eine Formulierung zu suchen, die eine Brücke schlagen könnte zwischen den beiden Positionen, die jeweils für sich betrachtet, anscheinend schlecht in Übereinstimmung zu bringen sind. Wir erinnern uns, dass die Worte Jesu nicht immer auf Anhieb verständlich sind, weil Er immer wieder gern in Seinem Sprechen auf etwas verweist, das die Realität des Alltags übersteigt und deshalb gleichzeitig auch auf einer höheren Ebene verstanden werden muss. Sie wissen, was ich meine, wenn ich daran erinnere, dass eine Handlung sowohl Zeichen als auch gleichzeitig reale Handlung sein kann. Das ist dann stets mehr als nur entweder Symbol oder Geschehen für sich allein. So etwas dürfte wohl auch für die heilige Kommunion oder - um das andere Wort zu gebrauchen - das Abendmahl zutreffen. Aus katholischer Sicht ist die Eucharistiefeier so zu verstehen, dass sowohl Zeichen als auch wirkliches Geschehen das darstellen, was Christus mit den Einsetzungsworten formulierte. Evangelische Sichtweisen stimmen mit dem teilweise nicht ganz überein. Und genau das ist der Punkt, der einer Einigung zwischen den Konfessionen im Verständnis entgegensteht. Doch ich denke, dass Uneinigkeit nur über eine Formalität besteht. Das Eigentliche, um das es bei der Kommunion geht, wird meines Erachtens bei dieser Frage gar nicht so sehr berührt. Das will ich erläutern.
Was ist das eigentlich, was wir in uns aufnehmen, wenn wir - ich sage es jetzt aus der Sicht der einen Seite - den Leib Christi, die gewandelte Hostie - in uns aufnehmen. Übereinstimmung zwischen beiden Konfessionen dürfte wohl darin bestehen, dass es sich nach "naturwissenschaftlichem" Verständnis um ein Stück Brot handelt, das gegessen wird. Diese Sicht erscheint als Teilaspekt eines Vorgangs, der auf einer anderen Verstehensebene in einem weitergehenden Sinn begriffen werden muss. Da aber besteht Uneinigkeit, weil die eine Seite darauf besteht, dass bei diesem Geschehen Christus in Brotgestalt zugegen ist, während die andere Seite in verschiedenen Gemeinschaften die Deutung zulässt, dass es sich beim Essen des beim Abendmahl ausgegebenen Brotes lediglich um eine symbolische Handlung handelt.
Eine Gemeinsamkeit könnte erkennbar werden, wenn wir die Anwesenheit des Leibes Christi hinterfragen. Da müssen wir über die Leiblichkeit des Herrn hinausdenken. Der Leib Christi ist mehr als Fleisch und Blut. Wenn Er sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", dann ist auch dies eine Formulierung, die man nicht gegenständlich versteht. Der Herr ist eben der Sohn Gottes und nicht gleichzeitig eine Straße, ein Pfad oder ein Weg. Das ist uns allen selbstverständlich, dass man diese Aussage nicht wörtlich im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs verstehen darf. Das ist ähnlich zu verstehen, wie wenn man formuliert: "Wir sind Papst." Natürlich sind die Leute, die sich so ausdrücken, nicht einfach so etwas wie kleine Päpste, sie gebrauchen eine Formulierung, die ganz ungewohnt und überdeutlich ausdrückt, dass diese Menschen sich erkennbar als Anhänger des Kirchenoberen outen. Wenn wir nun sagen, dass wir Christus als Brot des Lebens in uns aufnehmen - darin sind sich die Konfessionen wohl einig - dann meinen wir, dass wir Ihn, den Gottessohn jetzt während und durch diesen heiligen Akt ganz bewusst in unser Herz einschließen, Den, Der sich als "Weg, Wahrheit und Leben" zu erkennen gibt - was eine höhere Wirklichkeit ist als Fleisch oder Blut. Und das ist ja das Eigentliche bei diesem Geschehen, dass wir Christus, dem menschgewordenen Gedanken Gottes, den tatsächlichen Eintritt in unsere Existenz erbitten und gewähren. Wenn dies sozusagen die oberste "Ebene des Verstehens" ist, dann ist es sicher auch berechtigt, wenn die einen das als Vorgang so und die anderen eben etwas anders verstehen. Ich denke, dass es eher darauf ankommt, dass der Herr bei diesem heiligen Geschehen eben auch wirklich bei uns ankommt. So könnte man vielleicht beide Ansichten nebeneinander als "Verschiedenheit des Weges zu ein und demselben Herrn" getrost gegenseitig akzeptieren, wobei man dabei sein eigenes Verstehen - also die Sichtweise - nicht aufgeben braucht.
Noch einmal: Bei der Kommunion wird die Hingabe des Gottessohns - also Seine Wirklichkeit, die wir als den "Weg, die Wahrheit und das Leben" begreifen - uns zur Speise, dient der Erfüllung unseres Verlangens nach Leben, nach ewigem Leben. Funktioniert aber nur, wenn auch wir den kleinen Schritt auf Ihn zugehen und uns mit dem Brot des Lebens und dem Kelch des Heiles speisen lassen in dem Sinn, den der Herr uns in geheimnisvollen Worten vorgegeben hat. Dazu passt auch das andere Wort von Ihm: "Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt." (Joh 6,51) Von diesen Worten her sind die heilige Kommunion oder das Abendmahl als etwas zu verstehen, das sich nur in der Form aber nicht vom Inhalt her unterscheidet. Ich für meine Person kann das annehmen, so wie es gesagt ist. Ich kann aber auch verstehen, wenn jemand das nicht so direkt akzeptieren kann. In meiner Jugend als evangelischer Christ habe ich sehr viel an Ehrfurcht vor dem Geheimnis erlebt bei den Menschen, die das Abendmahl gefeiert haben.