IV29wki PRIMAT LIEBE
Primat Liebe - Liebe ist das oberste Gebot
"Die Königin der Tugend ist die Liebe" das ist ein Beitrag von Prof. Martin Balle für das "Magazin zu Ostern" des Straubinger Tagblatts im Jahre 2021. Im Untertitel
wird erklärt, um was es geht: "Mit "Der Primat der Liebe" hat der Theologe August Adam 1931 ein revolutionäres Buch veröffentlicht."
Sie werden sich fragen, warum ich gerade hier in einem religiösen Kontext auf diesen Beitrag hinweise. Ich sage es Ihnen mit meinen Worten: Irgendwie kann ich zwischen der - den drei - von uns verehrten Person(en) und dem abstrakten Begriff Liebe nicht trennen. Das ist vom analysierenden Verstand her vielleicht nicht korrekt, aber für das Verstehen der Welt überhaupt nicht entscheidend. Das kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass man sagt: Gott ist Liebe. Was übrigens gar nicht davon abhängig ist, ob ich Gott nach katholischem, buddhistischem oder einem ganz anderen Verständnis begreife. Umgekehrt sagt ein bekannter kirchlicher Würdenträger, dass eine Religion, die Gott als "personifizierte" Liebe erkennt, niemals falsch sein kann. Vielleicht kann man das so ausdrücken: Liebe ist das Elementare, das von Gott kommt, sich über Gott offenbart und dazu auch noch vom Höchsten als Auftrag an uns weitergegeben wird.
Man könnte auch sagen, dass Liebe der Problemlöser in unserer Welt sein könnte. Ganz grob ausgedrückt: Es würden sämtliche Kriege aufhören. Das wäre ein großer Sieg der Vernunft. Wäre schon gut, aber ich höre schon den Aufschrei der Rüstungslobby: "Da gehen ja so viele Arbeitsplätze verloren." Was wir nicht hören, das sind die, die fürchten, dass auch die Exportzweige zusammenbrechen, die beim Wiederaufbau verdienen. Ja, ohne Krieg ist eine Welt für manche Menschen gar nicht denkbar. Und auch manches Versicherungsunternehmen, das in die Rüstungsindustrie investiert, müsste die Gewinne für die Anleger nach unten korrigieren. Und Kunden verlieren!
Das ist ähnlich wie beim Alkoholiker. Ohne Alkohol hört das Zittern nicht mehr auf. Und nur eine intensive Behandlung könnte den Alkoholkranken retten. Ohne Rüstung kommt es sicherlich zu massiven Problemen für manche Hersteller - auch für die Arbeitnehmer. Nur eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Problematik könnte ähnlich wie der Entzug beim Suchtkranken zur Heilung unseres gesellschaftlichen Systems führen, das bis jetzt immer noch dem Profit oberste Priorität einräumt. Den Weg zum Frieden in der Welt sollten wir aber wagen. Auch wenn es nicht einfach ist. Denn die Liebe fordert uns dazu auf.
Genug der Vorrede, hören wir, was uns der Autor des Artikels zu sagen hat. Es geht um das Verstehen des Ostergeschehens: "Es ist vor allem der Karfreitag, der den Menschen allzu häufig im Magen liegt: das Opfer des eigenen Sohnes, das ein allmächtiger Vater offensichtlich einfordert, um die Schuld der Menschen zu sühnen. Das stößt aus gutem Grund ab. Wer sollte einen solchen Gott lieben! Auch wenn der Sohn dann drei Tage nach seinem Tod auferstehen darf. Das erinnert an dunkelste Mythen der Antike, an Opferkulte heidnischer Religionen, an eine Welt von gestern und vorgestern. Damit will man aus gutem Grund nichts zu tun haben!"
Längst sehen moderne Theologen das ähnlich: "Im Kreuzestod steht Jesus für die ein, die ihn töten. So verstehen wir das heute. Es ist nicht der Wille eines herzlosen Gottvaters, der ihn in den Kreuzestod jagt. Vielmehr versöhnt Jesus aus eigenem Willen in dem radikalen Friedenszeichen des Kreuzestodes den Mörder mit sich selbst und nicht den Gottvater. Bringt die Menschen nicht vor einen Richterstuhl, sondern bricht gerade dem Bösen neue Bahn - zurück in seine besseren menschlichen Möglichkeiten." Zum Besseren - kann man ohne weiteres ergänzen. Das ist es, um was es an Karfreitag geht. Sehr schön kann man darüber lesen in einem Büchlein von Walter Wink "Verwandlung der Mächte" (IIIc10) . Karfreitag ist nicht das Letzte. Nach diesem traurigen Tag kommt die Auferstehung des Herrn, Der uns mitnehmen will in das Reich, das Er für uns erworben hat, damit wir leben.
Nun möchte ich doch endlich den Bogen schlagen zu Adams Buch "Der Primat der Liebe", das so alt ist und dennoch geradezu
modern anmutet. Und da denke ich an Goethe, der Faust fragen lässt, was es denn sei, "dass die Welt in ihrem Innersten zusammenhält." Die überraschende Antwort gibt der
Verfasser dieser Schrift: Ein Leben aus dem Glauben, so schreibt Adam am Ende, "erschöpft sich nicht in der bloß verstandesmäßigen Bereitschaft zur
Annahme der Dogmen, erst in der Begegnung mit dem Leben wirken sie ihre göttlichen Energien aus". Und was hält dann dieses Leben ganz im Innersten zusammen? Nicht die Vernunft, wie Adam
herausstellt, nicht die Dogmen aus Rom, auch nicht die Leistung eines Menschen, und mag sie noch so großartig sein. "Die
Königin unter allen Tugenden, die Perle unter ihnen ist darum unzweifelhaft die Liebe."
In einem der ansonsten nicht sehr anspruchsvollen Filme, deren Aufgabe es lediglich ist, Menschen nach der anstrengenden Tätigkeit des Tages Entspannung zu bringen, wurde ebenfalls die bekannte Frage von Faust angeschnitten "nach dem, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält". Die sympathische Filmheldin, die einer jungen Frau helfen soll, die Deutschprüfung zu bestehen, sagt es mit ganz einfachen Worten: Ja, natürlich, die Liebe ist's, was denn sonst?"