IV 32 wki ER ST BEI UNS w

IV 32wki ER IST BEI UNS w

Gut ist es für den Mann, ein Joch zu tragen in der Jugend. Er sitze einsam und schweige, wenn der Herr es ihm auflegt. Er beuge in den Staub seinen Mund; vielleicht ist noch Hoffnung. Er biete die Wange dem, der ihn schlägt, und lasse sich sättigen mit Schmach. Denn nicht für immer verwirft der Herr. Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder nach seiner großen Huld (Klgl 3,27-32).

 

Worte aus dem Kreuzweg 2020 in Rom

Der mit uns geht - weil Er uns in Sein Herz geschlossen hat. Weil Er uns in unserer Not nicht alleinlassen will. Und Not haben wir genug. Das wollte Papst Franziskus deutlich machen, als er im Jahre 2020 die sonst mit vielen Gläubigen begangene Erinnerungsstunde am Karfreitag stattdessen coronabedingt im "kleinen Kreis" hielt. Der Kreuzweg fand in diesem Jahr der Not vor dem Vatikansgebäude mit nur wenigen Menschen statt. Bei dieser Feierlichkeit wird des Leidens Jesu gedacht, der vor Seiner Hinrichtung das Kreuz durch die Straßen von Jerusalem getragen hatte. Dabei erinnern wir uns daran, dass genau diese Stadt auch heute noch ein Schmelztiegel der drei großen Buchreligionen ist. Und jede der drei Religionen erklärt zu Recht, dass sie in dieser Stadt ihre Heimat sieht.

 

Anders gesagt, der Heiland hat genau an diesem Ort der Begegnung - sie diese nun freundlich oder anders - Sein Leben dafür hingegeben, dass Seine Freunde - egal, welcher Religion sie angehören - durch Ihn gerettet werden sollen und das ewige Leben haben. Man kann auch hinzufügen, Er ist Mensch geworden, damit wir göttlich werden können. Nur annehmen müssen wir das Geschenk Seines Lebens und Seines Sterbens, das uns aus der Not der Vergänglichkeit herausnehmen will. Er möchte uns in Sein Reich des Friedens führen. Sein Tod bringt das Leben für alle, die an Ihn glauben. Es scheint für Ihn kaum von Bedeutung, welcher Religion die Menschen angehören, die Ihn lieben und Ihm nachfolgen. Es geht da um Größeres, das wir gerade eben erst beginnen zu verstehen - und Ökumene auf dieser Basis neu anfangen. Christus ist eben für uns alle Mensch geworden - nicht nur für uns, die wir uns Christen nennen und manchmal meinen, dass nur wir alles wissen. Weit gefehlt: Man muss das anders sehen: Weil wir gute Voraussetzungen eine Menge an Erfahrungen von den Alten überliefert bekommen haben, wird von uns gefordert, dass wir die Worte Christi auch umsetzen und unser Leben wirklich auf Gott hin ausrichten. Das ist eine Glaubensdimension, die sich allerdings erst noch herumsprechen muss. Papst Franziskus ist da so eine Art Vermittler und "Sprachrohr", wie wir das von Johannes dem Täufer kennen, der dem Herrn den Weg bereitet hat. Und solche Wegbereiter brauchen wir auch heute.

 

Es ist keine Überraschung, wenn dieser Kreuzweg am Karfreitag eine Auseinandersetzung mit der Not unserer Zeit zum Inhalt hatte. Nun können Sie diesen Kreuzweg im Internet mit sorgfältig ausgesuchten Bildern nachvollziehen. Man findet den Kreuzweg von 2020 nicht ganz leicht, deshalb bekommen Sie hier den Link

 

  https://www.vatican.va/news_services/liturgy/2020/documents/ns_lit_doc_20200410_via-crucis-meditazioni_ge.html

 

Ich bringe einen ganz kleinen Ausschnitt, der den Geist dieser Veranstaltung deutlich macht:

 

IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz;   

Betrachtung eines Häftlings

Es ist nie angenehm hinzufallen. Wenn man aber immer wieder fällt, dann ist das nicht nur unschön, sondern man scheint gleichsam dazu verurteilt, sich nicht auf den Beinen halten zu können. Als Mensch bin ich sehr oft gefallen – aber ebenso viele Male bin ich wieder aufgestanden. Im Gefängnis denke ich häufig daran, wie oft wohl ein Kind zu Boden fällt, bis es laufen lernt. Ich bin immer mehr überzeugt davon, dass das die Generalproben sind für die Abstürze, die man als Erwachsener erfährt. Als Kind erlebte ich mein zu Hause als ein Gefängnis. Ich lebte in ständiger Angst vor Bestrafung und empfand abwechselnd die Traurigkeit der Erwachsenen und die Unbekümmertheit der Kinder. Wenn ich an diese Jahre zurückdenke, erinnere ich mich an Schwester Gabriella, die allein Freude in mein Leben brachte. Sie war die Einzige, die selbst in meiner schlimmsten Zeit das Gute in mir sah. Wie Petrus suchte und fand ich tausend Entschuldigungen für meine Fehler. Das Seltsame ist, dass das Gute in mir nie ganz verlosch.

Im Gefängnis wurde ich Großvater. Ich verpasste die Schwangerschaft meiner Tochter. Eines Tages werde ich meiner Enkelin nicht von dem Bösen erzählen, das ich begangen habe, sondern nur von dem Guten, das mir widerfahren ist. Ich werde ihr sagen, wer mir Gottes Barmherzigkeit gezeigt hat, als ich am Boden lag. Im Gefängnis besteht die wahre Verzweiflung in dem Gefühl, dass nichts in deinem Leben mehr Sinn hat. Dies ist der Höhepunkt des Leidens, du fühlst dich als der einsamste aller einsamen Menschen auf der Welt. Es stimmt, dass ich innerlich zerbrochen bin; aber das Schöne ist, dass all diese Bruchstücke wieder zusammengesetzt werden können. Das ist nicht einfach, es ist jedoch das Einzige, was hier drinnen noch von Bedeutung ist.