IV 34soz ALTMODISCH?
Noch altmodisch? Oder dem Neuen gegenüber aufgeschlossen? Viele neue Formen der Gemeinschaft zwischen Mann und Frau haben sich entwickelt. Vor allem in unserer Gegenwart. Denn die Klischees aus der Vergangenheit haben anscheinend ausgedient. Es ist heutzutage uncool, sich als "Heimchen am Herd" zu outen. Lieber wendig und trendig! Das hängt wohl mit der neuen Freiheit zusammen, die Frauen genießen können, nachdem der Gesetzgeber den Frauen mehr Rechte eingeräumt hat, ihnen beispielsweise die Wege in die berufliche Selbstständigkeit etwas geebnet hat. Und unsere auf Leistung getrimmte Gesellschaft hat freie Arbeitskräfte gefunden, die über ihre neue Freiheit so viel Begeisterung aufbringen, dass sie bereit sind, Arbeiten zu leisten, die um einiges schlechter bezahlt sind als die ihrer männlichen Kollegen.
In der Realität ist die Gleichberechtigung tatsächlich noch nicht so ganz angekommen, sonst würde man wohl nicht darüber sprechen, wie man die sogenannte "Frauenquote" verbessern könnte. Es ist schon seltsam, dass man darüber nachdenkt, wie man es machen könnte, dass nach außen hin alles nach Frauenfreundlichkeit aussieht. Dass man zuerst einmal eine Gleichstellung bei der Entlohnung der Tätigkeiten herbeiführen sollte, darüber hört man wenig. Schließlich müsste man dabei mehr Geld auf den Tisch legen.
Und wie ist es mit der Gleichstellung der Frau in der katholischen Kirche. Da beißt man auf Granit. Und immer wieder kommt man zurück auf die Regelungen und Vorstellungen, wie sie schon bei den Vorfahren der Christen als göttliches Gesetz galten. Da könnten wir ja alle gleich evangelisch werden, wenn wir die alten Traditionen einfach aufgeben würden - so etwas könnte man bestimmt hören, wenn man eine Diskussion führen würde. Doch eine Diskussion allein ist schon eine Zumutung! Nun, die orthodoxen Christen sind da aufgeschlossener, es stimmt doch, dass die orthodoxen Priester heiraten dürfen? Oder? Wenn man schon die Ökumene immer wieder als wichtigen Weg ansieht, dann könnte man doch auch in dieser Richtung die Türen öffnen. Ist denn bei der Ökumene immer nur der Andere gefragt, wenn es darum geht, Änderungen zur Gemeinsamkeit herbeizuführen? Aber wir sollten bei diesen Fragen erst mal bei den gesellschaftlichen Ungleichheiten ansetzen. Es wäre als biblisches Wunder zu werten, wenn die katholische Kirche hier den ersten Schritt machen würde.
Gesellschaftlich gesehen gibt es ebenfalls Traditionen, die sich nicht wegdiskutieren lassen, weil wir Menschen uns nicht gern in unser Privatleben dreinreden lassen. Sollte man ja auch nicht, schließlich hat jeder seine Privatsphäre. Aber wenn man immer davon spricht, dass man die Tätigkeit der Frauen aufwerten will, wieso müsste dann nicht jeder Ehemann seinen Lohn schon teilen, wenn das Arbeitsentgelt auf sein Konto gutgeschrieben wird. Man kann leicht von Gleichberechtigung sprechen, wenn man die "Finanzhoheit" in der Ehe besitzt. Und das Wort Besitz ist hier ganz wörtlich zu nehmen. Wenn man die Tätigkeit der Ehefrau wertschätzt, dann müsste mindestens die Hälfte des Erlöses auf dem Konto der Ehefrau landen. Und wenn Kinder da sind, noch mehr. Natürlich wäre das Zahlen-Verhältnis anders, wenn auch die Frau einen Erlös aus auswärtiger Arbeit erzielt. Allerdings müsste sich der Ehemann dann im Haushalt und bei der Kindererziehung einbringen. Warum brauchen wir so viel Kinderkrippen- und KIndergartenplätze? Weil die "Nur-Hausfrau" sich in dieser Rolle als unterbewertet erfährt. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass es gar nicht so leicht ist, als Ehefrau und Mutter eine Familie zu versorgen. Die klassische Arbeitsteilung wäre gar nicht schlecht, wenn da nicht die gesellschaftliche und finanzielle Unterbewertung der Mütter wäre. Seltsamerweise schreibe ich diesen Absatz am Muttertag. Es hat sich einfach so ergeben, denn ich habe ja Zeit, weil ich nicht mit der Essenszubereitung befasst bin. Ja, ich gebe es zu, ich gehöre auch zu denen, die sich gern versorgen lassen.
Nun stellt sich sofort die Frage, ob diese Entscheidungen über die Arbeitsteilung in der Ehe nicht - wie bisher auch - den Eheleuten selbst überlassen bleiben sollte. Das wäre wirkliche Freiheit. Fragt sich nur, für wen. Der Bedarf an Frauenhäuser (also an Zufluchtsstätten für misshandelte Frauen) lässt erkennen, dass in vielen Familien patriarchales Denken immer noch üblich ist. Der Stärkere sucht sein Recht manchmal mit der Faust durchzusetzen. Und in Einzelfällen ist es heute schon so, dass auch Männer körperliche Misshandlung von ihren eigenen Frauen erfahren.
Es ist also sehr schwierig, von außen her Regelungen vorzugeben. Irgendwo hat auch der Staat nur dann ein Recht zum Eingreifen, wenn einer der Partner misshandelt oder auf andere Weise seiner Grundrechte beraubt wird. Das alles sind Fragen, die man nur im Einzelfall lösen kann. Wie könnte man denn nun etwas an den derzeitigen Zuständen ändern, die in manchen Fällen einem der Partner die Hölle bescheren? Es gibt da kein Patentrezept. Anders gesagt, über Verfassung und Gesetzgebung ist tatsächlich in unserem Rechtsstaat eine Grundlage für ein vernünftiges Miteinander vorgegeben.
Bleibt nur noch der Blick auf Den, Der für uns Maßstab ist und menschliche Maßstäbe gesetzt hat. Er hat beispielsweise dargelegt, dass es keinen Sinn macht, jemanden schwer zu bestrafen, der sich gegen die eheliche Gemeinschaft vergangen hat, die er zuvor freiwillig eingegangen ist. "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein." Dem ist nichts hinzuzufügen.
Doch bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, was gilt denn da als allgemeines Prinzip? Auch dafür gibt es ein Wort des Herrn. Das gilt nicht nur die Ehe sondern ganz allgemein: Liebt einander! Und er fügt noch hinzu: Wie ich euch geliebt habe. Dieser Aussage braucht man nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen, weil dieser Satz alle hier angedeuteten Probleme und deren einvernehmliche Lösung beinhaltet. Und wir sind gezwungen, nicht einfach nach einer vorgegebenen Formel zu handeln. Wir müssten - wenn wir auf Ihn hören - konstruktiv nach dem für uns richtigen Weg suchen. Bei einer solchen Weisung werden nicht bevormundet, sondern geachtet als mündige Leute, denen eigene Entscheidungen zugetraut werden.