IV 40edv* "GUTE EDV"
Von den in der IT-Branche Beschäftigten werden Ihnen zwangsläufig - auch ohne dass Sie darum bitten müssen - die Vorteile der etablierten Produkte erklärt oder vor Augen geführt. Die Marktführer auf dem IT-Sektor verstehen es, Ihnen Ihr (tatsächlich hochqualifiziertes) Angebot schmackhaft zu machen. Es wird viel Geld auf diesem Sektor umgesetzt, deshalb ist es für die Marktführer wichtig, den potenziellen Kunden immer wieder deutlich zu machen: "EDV-Alternativen kannst Du vergessen. Es gibt keinen ernst zu nehmenden Ersatz für unsere qualitativ hochwertigen Betriebssysteme." Da hat es ein gemeinnütziges Unternehmen nicht leicht, auf Software hinzuweisen, die unentgeltlich zu bekommen ist und tatsächlich sehr viel leisten kann. Es besteht auch kaum ein Anreiz dazu, denn es bringt ja für den Einzelnen, der in seiner Freizeit kostenlose Software in Eigenregie erschafft, kaum einen Gewinn. Höchstens einen ideellen, aber von dem kann niemand herunterbeißen. Dass das mit dem Idealismus auch von den Entwicklern so gesehen wird, das geht schon aus der Namensgebung des Produktes hervor. Ubuntu heißt nämlich auf Deutsch so viel wie Gemeinschaft. Man soll es nicht glauben, aber die Idealisten, die noch an das Gute im Menschen glauben, die sind noch da. Und genau die machen sich die Mühe, die Alternativ-Betriebssysteme auch weiterzuentwickeln. Nun will ich Ihnen erzählen, was Sie machen können, wenn Sie den schwierigen Weg aus der absoluten Abhängigkeit "von den Großen" suchen. Ich sage aber gleich dazu: Leicht ist das nicht. Wenn die Freizeitidealisten mit denselben Leistungen wie die Marktführer aufwarten wollten, dann bräuchten sie sehr viel Zeit und noch mehr Geld. Trotzdem sind manche Leistungen beachtlich - und systematisch manchmal sinnvoller als die Systeme, die wir alle gewohnt sind.
Was sollten die (meist älteren und nicht mehr benötigten) PCs denn alles haben, damit man sinnvoll ein Alternativprogramm installieren kann? Eigentlich gar nicht viel, die Alternativprogramme sind da nicht anspruchsvoll. Die Hardware-Eigenschaften sind hier zweitrangig. Ob sich die PCs wirklich für die Alternativ-Programme eignen, das merkt man erst bei oder nach der Installation. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie Ihr vorheriges Programm auf keinen Fall löschen. Sie müssen es auf jeden Fall sichern!.
Zunächst einmal müssen Sie sich klarmachen, was Sie mit Ihrem PC alles machen wollen. Deshalb zeige ich Ihnen zuerst einmal, was ein Alternativ-PC alles kann. Für die hier vorgestellten Programme gilt, dass Sie auch unter Windows funktionieren. Wer sich also irgendwann einmal umorientieren will, sollte sich jetzt schon unter Windows mal mit den zu nennenden wichtigsten Programmen anfreunden.
1. Keine Einschränkung besteht beim Besuch des Internets. Der Internetbrowser Firefox beispielsweise funktioniert sowohl unter Windows als auch unter Linux. Damit können Sie auf die gängigen E-Mail-Anbieter zurückgreifen. Wer also gern im Internet surft und E-Mail-Konten benutzt, ist mit den verschiedenen Linux-Varianten ganz gut dran. Das Mail-Programm Thunderbird versteht sich übrigens auch mit beiden Betriebssystemen recht gut. Bedeutsam ist, dass man die Wahl hat, ob man es online oder offline betreiben will. Im Klartext: Man kann sich aussuchen, ob man seine Mails im Server oder auf dem eigenen PC lesen will.
2. Sie brauchen auf jeden Fall ein ordentliches Textverarbeitungsprogramm. Libre office bietet etwa so viele Möglichkeiten wie das bekannte Microsoft Word. Es gibt aber bei Libre Office manche Besondernheit, die Sie woanders nicht finden. Beispielsweise können Sie in Libre Office Ihre Datei problemlos in das Epubformat umwandeln (mache ich allerdings lieber unter Windows-OS). Es kommt also hier auf die speziellen Einsatzgebiete an. Wenn Sie das Programme nicht kennen sollten, dann lohnt es sich, dieses schon einmal auf Ihrem Windowsrechner zu installieren und auszuprobieren. Auf jeden Fall gilt: Libre office kann Word-Dateien lesen und bearbeiten und wieder als Word-Datei abspeichern. Das ist sehr wichtig, damit auch andere Nutzer ihre verfassten Texte lesen und bearbeiten können. In Libre office sind aber nicht nur das Schreibprogramm sondern auch noch weitere Unterprogramme (wie die Tabellenfunktion) verfügbar.
3. Zur Bildbearbeitung eignet sich GIMP, das man genauso unter Windows wie Linux verwenden kann. Wenn Sie das wollen, dann empfehle ich Ihnen eher die alte Version 2,8. Die ist übersichtlicher und wohl auch schneller. Außerdem gibt es eine tolle Funktion, um Veränderungen schrittweise zu verändern. Diese Funktion fehlt bei den moderneren Versionen. Die Bilddateien können Sie direkt von GIMP in alle gewünschten Bilddateien wie JPG oder Tiff exportieren. Das ist genauso einfach wie das Speichern im hauseigenen GIMP-Format, das man eigentlich gar nicht braucht. Übrigens hat Gimp einige Möglichkeiten, die man bei manchen hochwertigen Bildbearbeitungsprogrammen teuer bezahlen muss.
4. Musikfreunde kennen das Programm "Audacity". Das funktioniert auf Windows-PCs genauso wie auf Linux-Systemen.
Was kann man denn nicht mit den alternativen Betriebssystemen? Für InDesign von Adobe beispielsweise gibt es eine Alternative, die heißt VIVA-DESIGN. Ist günstiger als der Marktführer. Das Programm kann man kaufen und braucht es nicht zu mieten. Dieses Zwangsmieten erscheint mir ganz und gar nicht verbraucherfreundlich. Das werde ich demnächst einmal testen, denn anscheinend läuft es auch auf Linux-Rechnern.
Von Linux werden die verschiedensten Anwender-Programme vorgeschlagen, die sich allerdings von den bekannten Windows-Programmen unterscheiden. Es ist wegen der Namensgebung auch nicht ganz leicht, für sich das Passende zu finden. Da muss man sich selbst auf die umständliche Suche machen. Das macht natürlich erst Sinn, wenn ein Linux-System bereits installiert worden ist. Die Benutzeroberfläche der alternativen Betriebssysteme ist meist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Allein schon deswegen, weil die Fenster etwas anders gebaut sind. Und das kann die Arbeit manchmal ziemlich erschweren.
Es werden zig Möglichkeiten zum praktischen Einsatz der Alternativ-Betriebssysteme angeboten. Verlockend ist das folgende Angebot, das aber problematisch ist: Das Starten des Alternativprogramms von einem entsprechend präpariertem Stick. Das erscheint auf den ersten Blick überzeugend. Man braucht nur den Stick in den Windows-Rechner einzustecken, bevor man das System startet und schon funktioniert das Alternativprogramm. Ohne Stick startet man wie gewohnt Windows. Das hört sich gut an. Bis man nach vielen Versuchen merkt, dass es dann schließlich eben doch nicht so richtig funktioniert. Bewährt hat sich bei mir die schon genannte Methode, bei der man einfach auf einem älteren Rechner dauerhaft installiert.
Wenn man das Alternativ-System ausprobieren will, dann sollte man dazu am besten also einen überflüssigen PC nehmen, auf dem sich keine wichtigen Daten
befinden. Also ein Gerät, das manche Leute ausrangieren, weil es in seiner Leistung für heutige Ansprüche nicht mehr ganz ausreichend erscheint. Dieses Gerät sollte entweder über ein integriertes WLAN verfügen oder während der Installation und während des Betriebs ständig über Kabel mit dem Internet verbunden sein.
Für den Probelauf und vielleicht auch für später eignet sich Ubuntu ganz gut. Ich habe die Software 20.4 auf meinem PC. Bei manchen älteren PCs hat man möglicherweise Schwierigkeiten mit den neueren Versionen von Ubuntu. Mit ging das jedenfalls so. Was Sie vor der Installation klären müssen: Haben Sie einen 32 Bit oder 64 Bit PC? Allerdings ist die Installation der genannten Version von Ubuntu auf einem PC mit Internetverbindung sehr leicht.
Das folgende Foto zeigt einen Screenshoot von Ubuntu mit eingeblendetem Fenster "Systemeinstellungen", das man am Systembildschirm aufrufen kann.

Nach einem ähnlichen Muster wie bei Ubuntu geht die Installation von Linux Mint vor sich. Es ist Geschmackssache, für welches System Sie sich letzten Endes entscheiden. Da muss man dann doch vielleicht die einzelnen Programme ansehen, dann weiß man, was einem am besten gefällt. Bei Linux Mint ist übrigens eine spezielle Suchmaschine voreingestellt, die man in dieser Art sonst nirgends sieht. Wichtig ist auch, dass sich Ihr PC mit dem ausgewählten Betriebs-System auch "verträgt". Das ist nicht selbstverständlich. Das Installieren und Probieren kostet natürlich alles schon ein wenig Zeit, aber die Installationsroutine läuft ja beinahe selbständig. Währenddessen können Sie an Ihrem "Haupt-PC" etwas anderes Wichtigeres erledigen.

Ich habe Ihnen beschrieben, wie ich mit Ubuntu und mit Linux Mint klarkomme. Von der Oberfläche her gefällt mir allerdings das etwas neuere Linux MX am besten. Aber da geht es mit der Installation etwas anders. Man wird da auch viel gefragt, teilweise in Englisch und irgendwie ist es wohl eher dem Zufall zu verdanken, dass dieses ausgezeichnete Programm auf meinem Laptop gut und schnell arbeitet.

Sie haben nun inzwischen vielleicht schon herausgefunden, welche alternative Software Sie am ehesten installieren wollen. Wenn Sie nun die Installation starten, dann werden Sie vielleicht gefragt werden, ob Sie die Festplatte löschen wollen oder ob Sie Ubuntu neben dem bestehenden Betriebssystem installieren wollen. Wenn es geht, dann lassen Sie das alte System getrost auf dem PC. Das schadet nicht und Sie machen nichts kaputt. Später zusätzlich das Windows-System neben einem Alternativ-OS neu zu installieren ist nämlich in manchen Fällen gar nicht möglich. Im Übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zu dieser Frage überhaupt nur kommt, wenn der PC feststellen kann, dass vorher etwas anderes installiert war, wie die Platte partitioniert ist usw. Die Frage nach der Installation neben oder anstelle dem vorhandenen Betriebssystem ist also anscheinend vom Altbestand auf der Festplatte abhängig.
Ich verwende für meine Aufgaben in der Regel einen Rechner mit Windows-OS (weil ich bestimmte Programme benötige, die nur auf Windows laufen) und einen mit Linux-OS. Auf meinen PCs habe ich nur das jeweilige Betriebssystem und einige Zusatzprogramme wie Internetbrowser, Virenschutz und natürlich Anwendersoftware. Alle wichtigen Daten habe ich auf externen Festplatten. Dadurch bin ich natürlich unabhängig von einzelnen PCs. Das macht allerdings auch dann Sinn, wenn ich gar keinen Linux-PC habe. Da bekomme ich nämlich keine Probleme, wenn mal ein PC ausfallen sollte. Manchmal geht so etwas im wahrsten Sinne des Wortes "blitzartig". Das Erschrecken beim Knall und nachher ist dann schon erheblich. Vielleicht kauft man sich doch lieber schon zuvor eine Steckerleiste mit Überspannungsschutz.
Bei Ubuntu ist der Installationsvorgang "interaktiv" und so eindeutig beschrieben, dass ich hier nicht darauf eingehen brauche. Nur ein paar Kleinigkeiten: Zunächst einmal entscheide ich mich für "Ubuntu probieren", wenn die Frage kommt, ob ich eine Probierfunktion direkt von der DVD oder die Sofort-Installation wünsche. Das ist zwar anscheinend egal, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser funktioniert, wenn ich zunächst einmal die Probierfunktion starte und erst dann von dort aus die eigentliche Installation vornehme. Außerdem kann ich den Installationsvorgang abbrechen, wenn sich zeigt, dass der PC nicht kompatibel ist mit dem Linux-Programm.
Mit der MX-Linux-Installation kann man vielleicht nicht ganz so leicht zurechtkommen. Unbedingt sollte man schon bei der Installation die Sprache mit F2 wählen, sonst wird es noch schwieriger. Da sind die beiden erstgenannten Programme leichter auf die Festplatte zu bringen.
Nach vielen Versuchen bin ich dazu gekommen, Ubuntu als Favoriten zu betrachten. Vielleicht ist das aber nur eine Geschmacksfrage.
Ich wünsche viel Erfolg und Spaß beim Ausprobieren der verschiedenen Alternativen, deren Aufzählung hier nur beispielhaft bleiben kann.