IV 6me GIBT ES GOTT?

IV 6me GIBT ES GOTT?

Gleich zu Beginn meiner Ausführungen muss ich diese Frage stellen. Weil es die Grundfrage menschlicher Existenz überhaupt ist. Deshalb beginnt meine Ausführungen mit genau dieser Frage. Also lassen Sie uns ein wenig darüber nachdenken. Sehr früh in der Geschichte der Menschheit ist die Frage aufgetreten: Gott? Gibt es Gott denn überhaupt? Und wenn ja: Wo ist Gott? Im Laufe der Geschichte hat sich auch die Gottesvorstellung gewandelt. Für uns geht es bei dieser Thematik um eine Grundsatzentscheidung. Es geht darum, ob ich bereit bin, mich mit meinem ganzen Wesen vielleicht für Ihn und Seine Philosophie zu entscheiden. Ja, letzten Endes geht es darum, ob ich bereit bin, zu lieben. Ohne Wenn und Aber. Auch wenn das Einschränkungen mit sich bringen könnte. Wenn wir uns nun - und das ist ja richtig - unserer Freiheit bedienen wollen, dann müssen wir klar zwischen Gut und Böse unterscheiden. Wir dürfen uns getrost dem Bösen entgegenstellen, denn im Grunde genommen hat Christus ja das Böse schon besiegt. Die Entscheidung für Gott kann nur in völliger Freiheit vollzogen und ausgesprochen werden. Solche Worte klingen gut. Manche Leute sagen jedoch, dass wir gar nicht frei sind, sondern äußeren und inneren Zwängen gemäß handeln. Wenn ich ein Auto lenke, ist mir der Weg so ziemlich vorgegeben. Ich muss lediglich versuchen, "möglichst auf der rechten Fahrbahnseite zu bleiben" - So haben wir das doch einmal gelernt. Also sind wir zumindest beim Autofahren ziemlich determiniert.Wenn ich nun in den folgenden Kapiteln über Gott sprechen will, dann ist es am besten, wenn ich dem Schöpfer der Welt selbst das Wort erteile. Was ist das für ein Wort? Jesus Christus ist - darüber werde ich noch intensiv gemeinsam mit Ihnen nachdenken - der menschgewordene Gedanke Gottes. Ein bedeutender Satz.  Zu lesen ist das am Beginn des Johannesevangeliums. Vielleicht sollte man allerdings erst einmal etwas über die Mutter des "Menschensohns" sagen, weil dies dem Verständnis dessen dient, der die Welt im wahrsten Sinne des Wortes umgekrempelt hat. Doch vorher noch ein paar Worte zur Freiheit.

 

Wenn man über Gott und die Menschen spricht, ergibt sich die Frage nach der Freiheit des Menschen. Im „Brandner Kaspar“ - einer Erzählung von Franz von Kobell - versucht der Tod - einer der wichtigsten Figuren dieses Stückes - dem Titelhelden zu erklären, warum dieser denn nun gerade jetzt sterben müsse: „Es ist dir aufgesetzet!“ Da bringt er es in oberbayerischer Mundart auf die Spitze, was manche Menschen vom freien Willen halten. Bedeutet das nun, dass wir gar keinen freien Willen haben? Sicher ist einmal, dass wir unentwegt Entscheidungen treffen. Und dass manches tatsächlich fast automatisch geht. Aber nur deswegen automatisch, weil wir schon im Vorfeld einen Plan gefasst haben.

 

Mit allen Konsequenzen entscheiden wir beispielsweise - und nur wir ganz allein - ob wir die Liebeswerbung Gottes annehmen und beantworten oder ablehnen. Es stellt sich die Frage, warum das alles so ist. Warum ist dieses Leben ein Wagnis, bei dem es darauf ankommt, wie wir uns entscheiden. Hätte uns Gott das nicht einfacher machen können? Natürlich hätte er das, aber dann wären wir eben nicht frei. Er wollte uns als freie Menschen, die ihr „Ja“ zu Ihm selbst aussprechen. Vielleicht ist es das, warum wir überhaupt auf der Welt sind.

 

Freiheit ist die Voraussetzung für das Übernehmen von Verantwortung.

Sind wir überhaupt frei?

 

Eine eindrucksvolle und detailreiche halbplastische Darstellung der Kreuzigung
In der Apsis einer unserer schönen Kirchen habe ich diese halbplastische Kreuzigungsszene gefunden

 

 

 

 

Mit allen Konsequenzen entscheiden wir beispielsweise - und nur wir ganz allein - ob wir die Liebeswerbung Gottes annehmen und beantworten oder ablehnen. Es stellt sich die Frage, warum das alles so ist. Warum ist dieses Leben ein Wagnis, bei dem es darauf ankommt, wie wir uns entscheiden. Hätte uns Gott das nicht einfacher machen können? Natürlich hätte er das, aber dann wären wir eben nicht frei. Er wollte uns als freie Menschen, die ihr „Ja“ zu Ihm selbst aussprechen. Und mitwirken an der Gestaltung dieser Welt. Vielleicht ist es das, warum wir überhaupt auf der Welt sind.  Ganz deutlich herausgestellt hat das der Theologe Professor Gründel, der irgendwie formuliert hat, dass das eigene Gewissen, also die innere Stimme, immer die oberste Instanz eines Menschen ist.


Das Thema Freiheit steht in direktem Zusammenhang mit Verantwortung. Verantwortung für die Welt, Umgang mit Ressourcen sind die Stichpunkte, Punkte, die diskutiert werden müssen, wenn wir uns selbst ernst nehmen wollen. Ich werde versuchen, immer wieder Fachleute zu Wort kommen zu lassen. Für alle zu treffenden Entscheidungen sind Vorinformationen notwendig. Sonst kann die Entscheidung nicht sachgerecht sein. Deshalb ist Bildung Voraussetzung für einen vernünftigen Weg. Gern möchte ich Ihnen zeigen, wie so eine freie und zugleich vernünftige Entscheidung aussehen kann: “Nach dem Einzug der AfD in den Bayerischen Landtag geht die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) strikt auf Distanz.... weil sich die Partei „offen für Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit zeigt...“. Diese Meldung konnte man am 12.11.18 in der Tageszeitung lesen.

Wer ein Auto richtig lenkt ist nicht völlig frei, denn das Fahren ist nur auf vorgegebenen Bahnen sinnvoll.
Wer ein Auto richtig lenkt ist nicht völlig frei, denn das Fahren ist nur auf vorgegebenen Bahnen sinnvoll.

Es spricht für ein neues und freies Denken in unserer Gesellschaft, wenn die Inhaber von Gaststätten den Mut aufbringen, Anhänger derartiger Bewegungen aus ihren Räumlichkeiten zu verweisen. Es ist ganz wichtig, mit Zivilcourage dem Unrecht zu widerstehen.

 

In Freiheit sich für Gott entscheiden

Gott in der Zeitlosigkeit des Seins

Bevor wir im weiteren Verlauf theologische Einzelheiten sprechen, sollten wir doch zunächst einmal die provokativ erscheinende aber in Wahrheit ganz normale Frage stellen: Bewegen wir wir uns überhaupt auf dem Boden der Wirklichkeit, wenn wir die Existenz eines uns übergeordneten Wesens einfach voraussetzen! An unserer Antwort auf die Frage nach der Wahrheit entscheidet sich sehr viel. Hören wir den Text der Alten Schrift, der uns zu einer Entscheidung auffordert:

 

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe;

und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

 

In einer Bildsprache, die unserem Verständnis angepasst ist, wird das Wesentliche ausgedrückt: Es gibt eine Kraft, die Werden und Vergehen bestimmt, eine Kraft, die über den Dingen steht. Das sind nur ein paar kurze Sätze, über die man gern schnell hinwegliest, weil wir das schon oft gehört haben. Trotzdem, für denjenigen, der das einmal so annimmt, wie es formuliert ist, ergeben sich zwei Alternativen: Erstens, wir tun es ab, weil wir denken, dass da ein paar ältere Herren aus längst vergangenen Zeiten über die Ursprünge der Welt "philosophiert" und nach Erklärungen gesucht haben und uns das nicht mehr interessieren muss. Oder wir denken, dass niemand auf der Welt wirklich etwas weiß und es nicht schaden kann, wenn man versucht, diesem Geheimnis, um das es anscheinend geht, irgendwie nahe zu kommen. Vielleicht gibt es gar eine Möglichkeit, mit der "Energie", die wir nicht sehen und nicht begreifen können, in Kontakt zu treten, denn wir werden noch darauf zu sprechen kommen, dass die geheimnisvolle Person, von der die Rede ist, von sich sagt, dass sie uns Menschen wohl gesonnen sei und - aus Gründen, die wir nun wirklich nicht verstehen - unsere Nähe sucht.

 

Also: Die geschriebenen Worte können uns leiten. Wenn wir diesen Worten folgen wollen. Die Frage nach der zu leistenden Akzeptanz dieser Sätze haben Sie für sich und ich für mich schon längst geklärt. Sie würden wohl kaum auf diese Seite schauen, wenn Sie sich als „religiös unmusikalisch“ oder als bewusster Agnostiker ansehen. Trotzdem möchte ich ein paar Gedanken vorausschicken, die für mich ein so eindeutiges Bild zeichnen, dass ich gar nicht anders kann, als an die Große Kraft zu glauben, Die uns erschaffen hat und trägt. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass unsere Welt so groß und schön ist, dass ich mir schlecht vorstellen kann, dass diese Erde einfach so zufällig da ist, weil der Zufall „das so gewollt“ hat. Der Zufall kann überhaupt nichts „wollen“. Etwas wollen kann nur eine Person. Von unserem wissenschaftlichen Denken her bereitet uns der Glaube an die Auferstehung Schwierigkeiten. Weil wir das eben sonst noch nie erlebt haben. Wenn wir allerdings anerkennen, dass der Geist der Materie übergeordnet ist, dann finden wir leichter den Zugang zu diesem „unbegreiflichem“ Geschehen. Was hätte der Herr denn noch alles an Zeichen geben können, wenn nicht dieses? Ein Zeichen, das Er vorher in verschlüsselter Form angekündigt hat, damit wir Sein Sprechen und Handeln im Nachhinein verstehen.

 

Übernatürliche Fähigkeiten muss jemand haben, der so sprechen kann, dass die Worte auch noch nach 2000 Jahren für uns verständlich sind. Ohne vorheriges Universitätsstudium. Übernatürliche Kräfte muss der Mann aus Nazareth haben, der Zeichen geschehen ließ, die alle Menschen erstaunen ließen. Da ist Er einmal durch die Menge einfach hindurchgegangen, als man Ihn packen wollte. Die Naturwissenschaftler würden sagen, dass so etwas tatsächlich theoretisch gehen könnte, wenn nämlich alle Teilchen zum entsprechenden Zeitpunkt so im Raum angeordnet wären, dass feste Materie einander durchdringen kann. Mit einem so hohen Grad von Unwahrscheinlichkeit, der um Abermillionen größer (besser gesagt: geringer) ist als die Chancen auf einen Hauptgewinn beim Lotto, dass es eben - praktisch gesehen - wiederum unwahrscheinlich, also eben doch unmöglich, ist. Also für uns niemals irgendwie realisierbar. Auch das Sonnenwunder in Fatima, das - biblisch gesehen - erst in jüngerer Zeit beobachtet worden ist, ist in den Augen der Physiker kein Wunder sondern „nur“ eine ganz hochgradige Unwahrscheinlichkeit.

 

Doch wo ist denn dieser Gott?

 

Wenn wir unsere Wege gehen, fühlen wir uns oft allein. Wo ist denn dieser Gott?

Der vor vielleicht 5000 Jahren oder noch davor durch die Propheten gesprochen hat,

Der vor 2000 Jahren Seinen Sohn zu uns geschickt hat.

Ja, irgendwie übersteigt das alles unser Denken. Wer an Gott glaubt, der weiß es irgendwo in seinem Innern, dass es nicht anders sein kann. Lassen wir diese Überlegungen. Da haben sich ganz andere den Kopf heiß gemacht. Gehen wir gehen doch einmal ganz anders an diese Frage heran. Setzen wir einfach voraus, dass Er unter uns lebt und uns liebt. Und siehe da, jetzt auf einmal macht vieles Sinn. Werden Zusammenhänge klar. Die Philosophen erklären das so: Man muss eine Sache erfahren, um sie zu verstehen. Aber das gilt eben nicht nur für Sachen. Das gilt noch viel mehr vom Menschen. Wenn ich einen Menschen kennenlernen will, dann muss ich eine Wegstrecke mit ihm gehen. Dabei entsteht Beziehung. Und die Menge aller Beziehungen macht doch schließlich unser Menschsein aus. Erfahrung ist immer mehr als Theorie. Und ganz besonders wird diese Beziehungserfahrung deutlich, wenn wir auf Gott zugehen. Die Leute fragten Christus seinerzeit: Wo wohnst du? Und dachten vielleicht, sie könnten ein Gespräch mit Ihm anfangen. Er antwortete: Kommt und seht. Ich jedenfalls werde weiter mit Ihm gehen. Da habe ich gute Erfahrungen gemacht.

 

Manchmal sagt ein Lied mehr als Worte.

Ich zeige Ihnen zwei Sätze aus dem deutschen Text des Liedes schwarzer Sklaven „Deep River“.
Die Dreierbeziehung „Ich-Du-Gott“ in der gegenseitigen Liebe 
kommt in den wenigen Worten sehr schön zum Ausdruck.

Herr, deine Güte und deine große Liebe, Herr, deine Gnade, dein Erbarmen preisen dankbar wir.

Du willst uns Dasein und Leben jeden Tag von neuem geben.

Und wir solln das Leben behüten jederzeit.

 

Ist Er vielleicht im Petersdom in Rom, wo bis vor kurzem noch die Päpste residiert hatten?

 

Papst Franziskus liebt Bescheidenheit. Er lebt und arbeitet im Gästehaus "Martha" des Vatikans. Das ist als Zeichen für einen Neubeginn der Kirche zu verstehen..
Vor uns liegt der Vatikan, der Palast der Päpste. Doch der Hirte der Christenheit lebt seit 2013 nicht hier sondern in einer Pension

Auch beim Besuch von Papst Benedikt in Berlin wird Er dabei gewesen sein. Schließlich war das ein kirchliches Event.

Im Olympiastadion in Berlin feierte Papst Benedikt XVI. einen Gottesdienst mit den gläubigen Menschen unseres Landes.
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland war ein herausragendes Ereignis

Doch es wäre schade, wenn Er nur bei den Feierlichkeiten dabei wäre.

Ich denke sicher ist Er auch in Prag. In der Stadt mit großer Geschichte.

Hier gibt es auch Glasfenster von der Heiligen Elisabeth.

Die größte Burganlage der Welt ist die Prager Burg mit dem Veitsdom
Die Prager Burg ist die größte Burganlage der Welt. Hier blickt man vom Fuß des Burgbergs auf den Dom St-Veit
Im Dom der Prager Burg findet man am Eingang dieses leuchtende Glasfenster mit einer Abbildung der Heiligen Elisabeth
Im Dom der Prager Burg findet man am Eingang dieses leuchtende Glasfenster mit einer Abbildung der Heiligen Elisabeth

Blich über die Stadt Prag
Eine schöne Aussicht über die Stadt Prag hat man beim Abstieg von der großen Burganlage in die Altstadt

Nun das mag alles richtig sein. Aber das Wesentliche ist nicht gesagt.

Gott sagt nämlich zu uns: Ich bin da.

 

Wir sagten: Gott ist immer uns. Meister Eckhart sah das schon vor 800 Jahren ziemlich klar. Er sagt: Gott ist in uns.

 

Der Mystiker Meister Eckhart hat sich in einer sehr gefährlichen Zeit mit der Amtskirche angelegt. Noch bevor ihn der Bann des Papstes Johann XXII. erreichte, war er allerdings verstorben. Es war im 14. Jahrhundert nicht so einfach, zu sagen und zu schreiben, was man dachte. Christian Feldmann hat dem aufrührerischen Dominikanermönch am 21.3.2020 eine ganze Seite im "Magazin zum Wochenende" (Straubinger Tagblatt) gewidmet. Vielleicht, weil dieser Mann mutig genug war, um gegen den Strom zu schwimmen. Vielleicht, weil in unserer Zeit die reaktionären Kräfte in der Kirche mit allen Mitteln gegen eine Öffnung der Kirche angehen, wie sie sich Franziskus - der Revolutionär und Papst - das wohl wünscht. Franziskus will die immer noch an Prunk, Macht und Reichtum orientierte Kirche zu ihren Wurzeln, zu Jesus Christus zurückführen. Meister Eckhard stellt eine Beziehung her, die in unserer eher rational orientierten Welt etwas in Vergessenheit geraten ist: Gott will in uns wohnen. Dieser Gedanke orientiert sich an Christus. In der Eucharistie wird uns Gläubigen der Leib Christi als Speise gereicht. Mit diesem äußeren Zeichen verbunden ist das nicht sichtbare Geschehen: Gott selbst nimmt Wohnung bei uns. Er, der Höchste wird in uns lebendig. Über das "Wie" brauchen wir nicht zu diskutieren. Gott ist für uns unbegreiflich. Aber mit gläubigem Herzen kann er sehr wohl erkannt werden. Nun, denke ich, sind wir wieder bei dem großen Mystiker des Mittelalters. 

 

"Wer auf der Suche nach der eigenen Identität ist, stößt unweigerlich auf Eckhart. Wer Ich und Welt in eins bringen will, wird ihm irgendwann begegnen. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Hinter dem vermeintlich friedlichen Dominikaner steckt auch ein gefährlicher Radikaler, der zwangsläufig mit der Inquisition in Konflikt geraten musste. Eckhart war mit jeder Faser seiner Seele ein Mystiker. Mystiker sind aber immer Extremisten, unbekümmert um Denkverbote und Normen, die irgendwelche Lehrämter erlassen haben. Sie stürmen den Himmel und stören sich wenig um die von irdischen Heilsverwaltern zugelassenen Pfade. Ungestüm verlangen sie nach der letzten, großen, ganzen Wahrheit - und vernachlässigen die vielen kleinen Wahrheiten der religiösen Katechismen und politischen Programme. Meister Eckhart stellte die existenziellen Fragen, die das Lehramt gern als längst beantwortet, abtut, und gab Antworten, die demselben Lehramt damals wie heute zu freizügig und beliebig erscheinen. Wenn der Mensch... auf den Grund seiner Seele herabsteigt, dann entdeckt er Sinn und Ziel des Lebens, wird er eins mit Gott...

 

Am Ende dieses Absatzes folgt ein schönes Wort über den Menschen: Groß und schön hat er ihn gemacht, um in ihm wohnen zu können: "Warum ist Gott Mensch geworden? Damit ich Gott werde." Das ist ein wunderbarer Gedanke, der vielleicht an anderer Stelle noch weiter entfaltet werden kann. Doch jetzt sollte ich hier noch einmal auf die Geburt Gottes zurückkommen. "Denn die Geburt Gottes in der Seele bringt zum ersten Mal in der Philosophiegeschichte ein subjektives Moment in die menschliche Vernunft. Das ist kein Mittelalter mehr, sondern Neuzeit. Gott wird in der Menschenseele geboren, das heißt, diese kleine, arme Menschenseele nimmt an der schöpferischen Kraft Gottes teil. Menschliche Vernunft steht nicht in Konkurrenz zu Gott... partizipiert an der göttlichen Vernunft, die alles Sein hervorbringt und begreift." Vielleicht sollte an dieser Stelle auch noch Bezug genommen auf den früheren Inhaber des Theologie-Lehrstuhls an der Universität München (1968-1997) Prof. Gründel Johannes. Dieser hochkarätige Theologe hat der menschlichen - ernstlich geprüften - Einsicht den Vorrang über alle religiösen und politischen Gebote eingeräumt. 

 

Vielleicht darf ich da noch einen Gedanken einbringen, der mir ganz wichtig erscheint. Meine „innere gute Stimme“ – wer ist denn das, der da spricht? Ich stelle es einfach mal ganz provokativ in den Raum: Das könnte doch eigentlich nur Gott selbst sein!