VI 12ma OHNE WAHRHEIT

VI 12ma OHNE WAHRHEIT

Wenn man den Umgang bestimmter Sekten mit ihren Mitgliedern näher betrachtet, kommt einem der Gedanke an  Vergewaltigung. Meine persönliche Meinung ist, dass Menschen der Wahrheit beraubt und auf ein Weltbild eingeschworen werden, das sie letztlich in körperliche und seelische Isolation treibt. Menschen ohne Wahrheit, weil man ihnen die Wahrheit genommen hat. Zunächst einmal denken viele Leute gleich an die Praktiken, wie sie von Scientologie hinreichend bekannt, weil oft genug beschrieben worden sind. Doch Vorsicht, es gibt auch noch andere Sekten, die einiges an krimineller Energie aufbieten. Da ist es sehr gut, wenn Medien mit kritischen Berichten Aufklärungsarbeit leisten.  

 

Frage ist: Wie entkommt diesen Gangstern, die uns mit ihren Krallen zu packen versuchen? Da braucht man den gesunden Menschenverstand. Und den erwirbt man sich, indem man ein ganzes Leben schaut und immer selbständig urteilt. Am Gefährdetsten sind die "immer Braven", die alles machen, was ihnen Erwachsene anschaffen, die niemals überlegen, ob das auch richtig ist, was sie tun. Das kann ihnen momentan Vorteile bringen, weil sie vielleicht mit guten Noten in der Schule glänzen. Aber dabei verlernen sie vielleicht, darauf aufzupassen, dass man ihnen nicht die Persönlichkeit nimmt und die Kritikfähigkeit "ab-erzieht". Bitte schaut Ihr jungen Leute, die Ihr gern vorzeigen wollt, was Euch die Erwachsenen beibringen. Immer mitdenken. Immer nachfragen. Auf das Gelernte schauen, ob Ihr es auch voll verstanden habt. Und Auswendiglernen? Nur wenn es Dinge sind, die man einfach behalten muss, weil man sie im Leben braucht: Also beispielsweise so etwas wie Liter oder Zentimeter. Und natürlich Vokabeln in den Fremdsprachen. Schon die Jahreszahlen sind oftmals nur Aufhänger, damit zeitliche Zusammenhänge besser einzuordnen sind. Einen Selbstzweck haben diese Zahlen meistens nicht.  Ob der Kaiser xy in diesem oder jenen Jahr geboren ist, das lernt man, falls es notwendig ist, wirklich nur für die Schule. Und vergisst es dann bald wieder. Warum das Mitdenken so wichtig ist, das merkt man erst, wenn Sekten unsere Gutgläubigkeit auszunutzen versuchen. 

 

Da wird am Samstag, dem 23.1.2021 über das Schicksal eines Mannes berichtet, der - in eine Sektenfamilie hineingeboren wurde. Und da können sich einem die Haare sträuben. Der Titel "In Käfighaltung" und auch der Untertitel eines Abschnitts: "Die Auslöschung" verheißen nichts Gutes:

 

"Selbstvertrauen, Glaube an sich selbst, das nehmen sie dir alles. So was hast du nicht, wenn du als Zeuge aufwächst", sagt der heute 42-jährige. Was nach dem Ausstieg noch weg ist: Freunde, soziales Umfeld, der scheinbare Rückhalt der Gemeinschaft, Leute, die mir ihm sprechen.

 

" Die Exkommunikation ist ihre schärfste Waffe. Alle brechen jeglichen Kontakt mit dir ab. Plötzlich stehst du allein da, in der bösen fremden Welt." Die Zeugen Jehovas haben einen Teil von ihm ausgelöscht. Strobl, 18 beim Ausstieg, fällt in die Dunkelheit, versucht das Loch mit Drogen zu stopfen...

 

Das System Zeugen Jehovas stürzt für ihn endgültig ein, als eine befreundete Familie für übermäßigen Glauben abgestraft wird. "Die waren so tiefgläubig und haben den Herrn Jesus über alles geliebt. Solche, denen man das auf den ersten Blick ansieht", sagt der 42-Jährige. Deshalb haben sie weit über das Geforderte hinaus in der Bibel studiert und in altaramäischen Schriften über Jesus gelernt.

 

Aber: Eigene Studien sind bei den Zeugen verboten. Man könnte Fehler in der Zeugenlehre bemerken. "Die wurden dann rausgedrängt , der Vater - auch ein Ältester - wurde abgesägt." Die Führung der Gemeinschaft wirft die Familie kurz darauf aus der Glaubensgemeinschaft, exkommuniziert sie.

 

Für mich, der sich sehr für Freiheit interessiert und die Verhältnisse in der DDR kannte, ist dieser Artikel sehr aufschlussreich, denn es finden sich tatsächlich die gleichen "Umgangsformen", wie wir sie in allen totalitären System immer wieder finden. Und ich stelle es dem Leser anheim, weitere Ähnlichkeiten zu Cliquen oder "Gemeinschaften" zu finden, die für Außenstehende oft gar nicht direkt auffällig sind. Und wenn ich da an eine gewisse Studentenverbindung denke, nämlich an die, der ich mich mal eine ganze Zeitlang zugehörig gefühlt hatte, dann kann ich nur sagen: Gott sei Dank bin ich nicht dabei geblieben. Obwohl ich eben auch darüber traurig war, dass ich plötzlich nach meinem Abgang merkte, dass niemand mehr mit mir etwas zu tun haben wollte. Und wenn ich auch jetzt noch bei den social media bin, dann nur deswegen, dass man wenigstens noch eine gewisse Zeit meinen letzten Post sehen kann, der meinen demnächst erfolgenden Rückzug ankündigt. Deswegen - und nur deswegen - wünschte ich mir, dass ich richtig berühmt wäre. Dann hätte mein Abgang auch wirklich etwas. Aber so - wer interessiert sich denn wirklich dafür, was ich denke? 

 

Vielleicht noch eines: Was hilft uns davor, in einen Strudel zu geraten, der so geschickt gemacht ist, dass es manchen Leuten nicht gelingt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

1. Ich habe einen Gott, Der mich liebt und trägt und

2. hatte ich ein Elternhaus, das mich beschützt hat.

3. Folge ich - halten Sie sich jetzt fest - an den bekannten Kommunisten Lenin, der hat nämlich tatsächlich etwas Gutes gesagt, dem grundsätzlich auch heute niemand widersprechen kann: "Lernen, lernen und nochmals lernen." Aber der meinte vielleicht doch wohl nur das dümmliche "Stoff pauken", das mir von Herzen verhasst ist. Lenin wird wohl gedacht haben, dass es im geplanten kommunistischen Staat gut ausgebildete Fachkräfte braucht. Ich denke aber eher, dass es ganz wichtig ist, zu kapieren, zu begreifen, wie die Welt funktioniert. Nur so werden wir in der Lage sein, die Spreu vom Weizen trennen und den für uns richtigen Weg finden.