VI 0soz* REICH gegen ARM

VI 0soz* REICH gegen ARM

Schauen wir jetzt auf die Menschen in armen Ländern, in denen schon lange und auch weiterhin die Armut regieren wird, wenn wir nicht helfen.

 

Alle fünf Sekunden stirbt laut Unicef weltweit ein kleines Kind, das meist mit einfachen Mitteln hätte gerettet werden können. Es geht um die von uns Ausgestoßenen, Alleingelassenen. Reich gegen Arm - Das ist ein eingefahrenes System der Industrieländer. Wir halten fest:

 

Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind.

 

Reich gegen Arm steht über diesem Kapitel, denn unser Reichtum beruht auf Ausbeutung der Armen. Außerdem sind wir nicht in der Lage, die Weltbevölkerung zu ernähren. Das ist ein Armutszeugnis für uns reiche Länder.

 

Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, zunächst einmal zu schauen, wie es bei uns im "normalen" Leben zugeht. Wir haben doch wirklich alle Möglichkeiten, die sich denken lassen. Es ist interessant, was wir daraus machen. Ohne jetzt den großen Moralprediger zu machen möchte ich Ihnen etwas zeigen, was Sie sich sicher nicht so vorgestellt hatten. Der Fotograf Hechenblaiker hat dokumentiert, was sich in Ischgl, einem Hotspot von Corona, so alles in dem an und für sich recht schönen Ort in den Alpen getan hat. Eine Dokumentation gesendet vom Bayerischen Rundfunk in "Cappricio." Lois Hechenblaikers neuer Bildband zeigt die enthemmte, zügellose Welt der Tourist:innen von Ischgl. Er dokumentiert darin, wie mit der Kulturlandschaft der Berge umgegangen wird. Autor: Henning Biedermann.

 

https://www.youtube.com/watch?v=wkxxpgjRR-k

 

Hier geht es um meine Begegnungen mit den Ärmsten auf dieser Erde. Da liegt ein Bettler in der Vorstadt Kolkatas in der glühenden Mittagshitze. Erinnern wir uns: Alle fünf Sekunden verhungert auf dieser Erde ein Mensch. Jesus gab dem Ausgestoßenen, der sich von den Essensresten des Reichen ernährte, einen Namen: Lazarus. Heute ist es so, dass von den Hähnchen, von denen wir das Edelfleisch zu kaufen bekommen, ja eine Menge übrigbleibt: Köpfe und Beine beispielsweise. Die werden in die ärmeren Länder verfrachtet und dort verkauft.

 

Das Gleichnis vom Lazarus ist also ziemlich aktuell. Und wir müssen erkennen, dass wir - ohne es zu wollen - zu den reichen Prassern gehören, die dem Lazarus die Abfälle hinwerfen. Im Übrigen identifiziert sich Jesus selbst mit Lazarus. „Was ihr den Schwachen und Geringsten tut, das habt ihr mir getan!“ Eigentlich müsste man verzweifeln. Doch wir haben eine Hoffnung, wir hoffen auf Ihn. Er will, dass wir untereinander eins sind. Dieses Ziel wird Er nie aus den Augen verlieren. Mit uns gemeinsam will Er das auch verwirklichen.

 

Ich persönlich bekenne mich zu den Rechten der Benachteiligten in dieser Welt. Ich verurteile die Politik und die Wirtschaft, die nur ihren Profit kennt. Ich lehne Gesellschaften ab, die sich durch Ausbeutung anderer ungerechte Vorteile verschaffen, im Klartext: Sich bereichern. Dazu kommt aber noch der Faktor Misswirtschaft: Eine Weltwirtschaft, die doppelt so viel produziert, um die gesamte Welt ausreichend ernähren zu können aber trotzdem Menschen hungern lässt, ist schlecht. Gegen eine solche Miss-Wirtschaft wehre ich mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

 

Es ist der Menschheitsfamilie noch nicht gelungen, all ihre Kinder zu ernähren.

 

Unterenährte Kinder sind in armen Ländern immer wieder zu sehen
Ausgehungertes Kind - einer der täglichen Fälle
Ein behindertes Kind - versorgt in einer Einrichtung
Inklusion - darum hatte sich Mutter Teresa schon bemüht, als man hierzulande das Wort noch gar nicht kannte.

Kranke und Behinderte werden von Bettlerorgansationen  zum Betteln geschickt.
So etwas wie Lazarus. Ein kranker Mensch bettelt.

Auf dem nächsten Foto sieht man eine Frau, die mit ihrem Kind buchstäblich in der Gosse lebt. Sie kann  noch lachen. Sie ist dankbar, dass sie etwas zu essen bekommen hat. Man erkennt neben dem Kind eine kleine Essensschüssel.

 

In ärmeren Ländern sieht man Menschen ohne Heim auf den Straßen
Leben auf der Straße - Alltag in ärmeren Ländern
Babynahrung aus Europa in armen Ländern anzupreisen und zu kaufen ist keine gute Idee. Man hilft den Leuten nicht.
Ein Arzt erklärt, warum das Kind unterernährt ist: Die Frau hat ihr Kind mit Baby-Nahrung aus Europa gefüttert, die Nahrung aber stark verdünnt, weil sie sich die notwendigen Mengen nicht kaufen kann.

Zumindest ein europäischer Konzern hat sich tatsächlich auf den indischen Markt gedrängt. Man konnte die Produkte kaufen. Nur für den größten Teil der Bevölkerung waren sie nicht erschwinglich. Trotzdem wurden sie gekauft und verdünnt, weil sie ja so teuer waren und dann als "Wassersuppe" an die Babys verfüttert. Auf dem Bild sehen sie eine Mutter, die mit ihrem unterernährten Kind bei einer Hilfsorganisation erscheint. Leider - so sagte man mir - seien das keine Einzelfälle. Nein, das waren die "Erfolge" einer aggressiven europäischen Wirtschaftspolitik, frei nach der Devise: Reich gegen Arm. Man kann auch gleich sagen: Ausbeutung. 1986 schon hatte ich in Kolkata Reklametafeln für Säuglingsnahrung aus Europa gesehen. Nun, dachte ich, da kann es doch gar nicht so schlimm mit der Armut der Menschen sein, wenn sie sich diese hochwertige Babynahrung kaufen können.

 


Doch das war ein schwerer Irrtum. Es ist wie ein Hohn. Und ich nenne es Ausbeutung, wenn wir unseren Reichtum auf Kosten der Armen aufbauen.

Von den Auswirkungen der Klimveränderung sind arme Länder besonders stark betroffen.
Von den Auswirkungen der Klimveränderung sind arme Länder besonders stark betroffen. Ein ausgetrocknetes Gewässer - in armen Ländern sind die Auswirkungen der Klimakrise schlimmer als bei uns.
Gute Entwicklungshilfe besteht darin, Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitsplätze, die dem Land nützlich sind.
Trotz Armut fröhlich - Die Männer sind dankbar, dass sie Arbeit haben.

Die Not in vielen Ländern dieser Welt ist groß. Wir aber teilen nicht, nein, wir nehmen den Armen auch noch den letzten Besitz. Es kommt zur Landflucht mit verödenden Landschaften.   

 

Wohin geht der Weg dieser Menschen? Kann man es ihnen verdenken,

wenn sie versuchen, in ein anderes Land zu kommen?

Die Landflucht ist vorprogrammiert, wenn man es versäumt,

den Bedürnissen der Menschen nachzukommen.

 

Es wäre sehr wichtig, Menschen in armen Ländern Aussichten für die Zukunft zu eröffnen.
Irgendwann werden diese Leute versuchen, nach Europa zu kommen. Wir sollten uns dafür bemühen, dass sie in ihren Heimatländern Zukunftsaussichten bekommen.
Getrockneter Mist ist ein gutes Heizmaterial in Indien.
Ein Kind klebt Kuhmist an eine Mauer - der wird in der Sonne zu wertvollem Heizmaterial.
Rikschah-Fahrer arbeiten immer am Limit.
Rikschah-Fahrer werden ausgebeutet.
Hilfswerke versuchen Handwerkern bei Geschäftsgründungen zu unterstützen. Hilfe zur Selbsthilfe.
Vergleichweise gut geht es den Menschen mit einem eigenen kleinen Geschäft.
Kreativ und gefährlich aber nicht ungewöhnlich ist für Einheimische ist das Mitfahren auf dem Dach eines Busses.
Für uns ungewöhnlich, für Einheimische eine Selbstverständlichkeit - das gefährliche Mitfahren auf dem Dach eines Omnibusses.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird bei diesem Bild besonders deutlich.
So sieht es auf den Straßen in Kolkata aus. Im Hintergrund ein "First-Class-Hotel" für Ausländer und Reiche mit Pool und allem Komfort.

In Kolkata haben sich Menschen auf der Straße einen Herd aus Lehm gebaut. Das sieht gar nicht so furchtbar aus. Manch einem möchte vielleicht sogar der Begriff "Picknick" einfallen. Doch - wenn man einmal von der sozialen Schieflage absieht - bei einem anhaltenden Monsunregen, wie er hier üblich ist, bleibt nichts mehr übrig vom "Picknick-Gefühl". Wahrscheinlich nicht einmal der "Herd". Wir Reiche aus der westlichen Welt wohnen, wenn wir diese Länder besuchen, in komfortablen First-Class-Hotels der Oberklasse. Im Bild ist hinten ein rötlicher Gebäudekomplex erkennbar. Dort finden wir den gewohnten Luxus mit Swimming-Pool im Palmengarten. Eine Reihe von Bediensteten ist damit beschäftigt, die Gäste nach dem Bad mit großen Badetüchern zu versorgen. Wir, die reichen Prasser machen es uns hier gemütlich. Woher ich das denn so genau weiß? Ich war zwar sehr einfach untergebracht, habe es mir nicht nehmen lassen, bei meinem Aufenthalt in Kolkata einmal an einem freien Nachmittag einen Kaffee zu genehmigen und gegen ein Entgelt von rund 5 DM als Nichtgast in den Pool zu springen. Einer der anwesenden Gäste, mit dem ich ins Gespräch gekommen war, musste allerdings auf eine Bitte von mir schriftlich bestätigen, dass ich schwimmen kann. Wahrscheinlich wäre niemand von den Angestellten in der Lage gewesen, mich aus dem Wasser zu holen, wenn das denn notwendig geworden wäre.   

 

Die Rikschafahrer gehören mit zu den Ärmsten auf dieser Erde. Sie wollen arbeiten. Solange sie das können. Bei 45 Grad im Schatten fahren sie die „besser Betuchten“ durch die Städte. Oder durch das Hochwasser bei Monsunregen. Menschenrechtsorganisationen möchten die Ausbeutung verbieten lassen. Doch die Rikschahfahrer wollen das nicht. Sie würden dann arbeitslos werden. Damit würden sie in der Hierarchie noch eine Stufe tiefer fallen. Das Vorhandensein der menschlichen Gier erklärt sich wohl aus der allgemeinen Armut vergangener Jahrtausende. Die Menschen mussten um ihr tägliches Brot kämpfen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es in den Zeiten meines Lebens, wo es Mangel gab, ganz starke Kräfte frei wurden, die diesen Zustand nicht hinnehmen wollten. Im besten Fall - und wenn Möglichkeiten da sind - werden Fleiß und Ausdauer die Folgen solcher Not sein. Vor diesem Hintergrund lässt sich vielleicht das krankhafte Verhalten von unendlich reichen Herrschern in den ganz armen Ländern zumindest vom Psychologischen her irgendwie in ein Schema einordnen. Trotzdem bleibt es für uns unverständlich, dass in Indien, einem Land, das von seinem Reichtum insgesamt mit Deutschland durchaus vergleichbar ist, so erschreckende Armut herrscht. Und was dazukommt: Wir - die Reichen - sind die Schuldigen an der Klimakrise. Ausbaden tun es aber die Armen in der Welt.

                    

Es klafft eben die Schere zwischen Arm und Reich ganz weit auseinander. Der furchtbaren Armut der Mehrheit steht ein unendlicher Reichtum einiger Weniger gegenüber. Doch sollten wir uns vor Vorurteilen hüten, denn unsere Gesellschaft scheint sich in eine ähnliche Richtung zu entwickeln. Ab einem bestimmten Vermögen geht es anscheinend finanziell nur noch aufwärts. Und umgekehrt genauso in der anderen Richtung. Es geht ganz schnell noch weiter bergab, wenn man den "Anschluss" verpasst hat. Oft schneller als man meint. Mancher ist vielleicht geneigt, zu lächeln, wenn man sieht, wie mühselig das Leben hier auf dem indischen Subkontinent ist. Doch da sollten wir vorsichtig sein. Bei näherer Analyse der Situation zeigt sich nämlich, dass der Wohlstand der Reichen - da denke ich vor allem an uns, an die Bürger in der westlichen Welt - an die Ausbeutung der Menschen in ärmeren Ländern gekoppelt ist.

 

Hier im Text wenden wir uns wieder den Ausgebeuteten zu

Und das ist keineswegs romantisch.

Menschen leben auf der Straße. Das ist hier alltäglich. Was können wir tun, dass alle Menschen zu ihrem Recht kommen?
Kolkata liegt am Ganges, genauer gesagt an einem Arm des großen Flusses. Ein Mensch liegt am Strand. Aber das ist kein Urlauber.
Verkehrsprobleme sind wegen fehlender Infrastruktur vorprogrammiert. Trotzdem läuft der Verkehr, weil die Leute geduldig sind.
Das Leben in einem armen Land ist nicht leicht. Ausgenommen davon sind die Reichen, also wir, die wir als Touristen hierherkommen.