VI 21me* FREIWERDEN

VI 21me* FREIWERDEN

Mein Freisein - die neue Freiheit des Autors

 

Mit meinem Einzug in das freie Deutschland erlebte ich Ähnliches wie die Menschen 1989 später nach der Wiedervereinigung. Man war sich fremd geworden, bestaunte und fürchtete sich gleichzeitig vor den modernen Maschinen im Westen. Nach dem Tanken des Autos erwartete man beim Bezahlen über den Tisch gezogen zu werden, denn es war ja für uns Menschen aus der DDR nicht selbstverständlich, dass die an der Tanksäule angezeigten Zahlbeiträge mit denen an der Kasse übereinstimmten. Ja, so waren wir, wie Kinder. Wir waren es gewohnt, dass man bei den wenigen Partys in der DDR bespitzelt wurde und in den Tagen darauf die Quittung dafür bekam, was man mit lockerer Zunge von sich gegeben hatte. Man fürchtete sich davor, gelassen zu bleiben und das Leben mitzufeiern. Dazu war Niemandem so recht zumute. Und nur langsam nahm die Angst vor den Obrigkeiten ab. Es war eine Angst, die in der DDR überlebensnotwendig gewesen war.

 

Noch etwas Amüsantes: In der DDR konnte man schon vor 1960 auch ohne „grünen Pfeil“ beim Rot an der Ampel nach rechts einbiegen, wenn der Verkehr das erlaubte. Schließlich war der Verkehr in diesem Teil Deutschlands noch sehr gut überschaubar. Das hatte ich im Kopf, als ich im Herbst 1960 in München an der Kreuzung Von-der-Thann-Straße und Ludwigsstraße (Die Münchner kennen sich da aus) in die schon damals schon ziemlich stark befahrene Ludwigstraße einbiegen wollte. Das tat ich auch. Natürlich war auch gleich ein Polizeifahrzeug hinter mir. Mit Blaulicht. Damals hießen die Polizisten noch nicht Bullen, sondern Putzis, was ein Beispiel dafür ist, dass eine Verrohung auch der Sprache stattgefunden hat. Jedenfalls gab es etwas Ärger und ich musste einen Verkehrsunterricht über mich ergehen lassen. Dazu kam eine Strafe von 30 DM, die man auch hätte im Gefängnis absitzen können. Nun, ich sage mal: Glimpflich davongekommen. Auf die Idee, mich nach meinem Führerschein (aus der DDR) zu fragen, ist seinerzeit kein Mensch gekommen. Das lag irgendwie außerhalb des damals Denkbaren.

 

In der freien Welt kam die Auseinandersetzung mit Vielem, was uns unbekannt geblieben war. Zwar hatte das „Westfernsehen“ und der Rundfunk einiges gezeigt, aber zur modernen Literatur hatte wir keinen Zugang gehabt. Camus und andere Nihilisten wurden uns in dem Jahr Schule vorgeführt, das uns verordnet worden war. Der Zusammenhang zwischen der Art seines Sterbens und seiner Weltanschauung beschäftigte mich schon. Irgendwie war das alles schon traurig. Seit meinem Übergangsjahr im Westen kann ich stolz erzählen, dass ich zwei „Abitüre“ habe, was meine Familie durchaus ziemlich albern findet, schließlich gibt es im Sprachgebrauch dieses Wort gar nicht im Plural. Hemingway hat mich seinerzeit fasziniert. „Der alte Mann und das Meer“ – Dieses Buch ließ mich nachdenklich werden. Heminways Ende allerdings fand ich furchtbar und dieses Ende zeigte nun eben auch eine Kehrseite des grenzenlosen Freiseins, denn in der DDR war Selbstmord etwas, das eher eine Rolle spielte, wenn Menschen in die Fänge des Staatssicherheitsdienstes geraten waren – so jedenfalls dachte ich mir das. Während des Medizinstudiums spürte ich ein wenig meine Verlassenheit in der großen Welt. Ich hatte den Eindruck, dass meine Kollegen zum großen Teil ihre Freunde schon mitgebracht oder sehr schnell gewonnen hatten. Großen Eindruck machte ein Kollege auf mich, der mit einem schnellen Auto zu den Vorlesungen kam und anscheinend der Sohn eines Arztes war, der eine kleinere Privatklinik hatte. Wenn ich auch niemals mit ihm gesprochen habe, allein sein Auftreten hatte etwas an sich, das durchaus filmreif war. Und dann gab es auch noch die Tochter einer Familie, die eine Kaffeefirma hatte. Habe ich aber leider niemals gesehen. Es war wohl eine brave Frau. Auf jeden Fall war ich durch meinen Studiengang in eine Welt vorgestoßen, die ich zwar nicht direkt erleben konnte aber sozusagen als vorhanden in meinem Leben durchaus wahrnahm. Meine zwei oder drei wirklichen Freunde begleiteten mich durch die ganze Studienzeit. Einer ist leider verstorben, der andere lebt in einer entfernten Stadt und unser Kontakt ist sehr schwach geworden.

 

München. Diese Stadt hat es mir angetan. Seit ich mit dem Flieger über das Gebiet der DDR in den Westen gekommen war, eröffnete sich eine ganz neue Welt. Die Freiheit, nach der ich so sehr gedürstet hatte, war Wirklichkeit geworden. Nun hieß es anpacken. Zuerst einmal das Abitur nachholen, denn die Reifeprüfung aus meiner deutschen Heimat wurde hier nicht einfach so akzeptiert. Ich ging also noch einmal ein Jahr in die Schule. Was ich im Laufe des Jahres lernte? Ein wenig Englisch. In Deutsch etwas von der modernen Literatur. Naturwissenschaften brauchten wir nicht zu pauken. Weil wir da so viel wussten, dass ich später sogar beim Studium nicht mehr zuhören musste. Alles nur Wiederholungen! Später merkten wir, warum wir überhaupt diesen "Sonderkurs" hatten ablegen müssen. Wir mussten lernen, die ganze immer wieder eingeübte Ideologie des Unrechtsstaates durch ein freies Denken zu ersetzen. Und man merkte auch, dass das notwendig war. Man hatte uns schon auf den Weg zu funktionierenden Automaten gebracht. Einer war es mehr, ein Anderer weniger. Über sich selbst konnte wohl niemand eine vernünftige Aussage machen. Das ist anscheinend das Schwerste, dass man sich selbst beurteilt. Deswegen habe ich natürlich auch über mich nur ein völlig subjektives Urteil, das kaum der Wirklichkeit entsprach. Das Jahr bis zum "richtigen" Abitur, das "Sonderreifeprüfung" genannt wurde, nutzte ich, um nebenbei Geld zu verdienen. Ich fotografierte am Flughafen die Gäste und sprach dann sehr freundlich mit den Leuten. Die zahlten dann im Voraus eine kleine Summe und der Inhaber des Geschäftes schickte dann später die Bilder zu den Kunden. Das ging gut, zu höflichen jungen Leuten, die sich als zukünftige Studenten zu erkennen gaben, war man sehr entgegenkommend.

 

Glücklicherweise machte ich das nicht zu meinem Beruf, denn der Herr, dem das Geschäft gehörte, wollte mich gern behalten und redete mir zu, ich solle doch eine Lehre als Fotograf machen. Glücklicherweise spürte ich hier das erste Mal ganz deutlich: Hier ging es nicht um einen Beruf mit einem einigermaßen akzeptablen Hintergrund, sondern nur noch ums "Geldverdienen". Das war gewissermaßen meine erste Berührung mit dem, was man "american way of life" nennen könnte.

 

München
...im schönen München
Das Bild ist am Starnberger See gemacht worden.
...mit seiner herrlichen und geschichtsträchtigen Umgebung.

Also ein Jahr nach meiner Flucht hatte ich das Abitur in der Tasche und - was ein Wunder - einen Studienplatz in München. Ein König kann es nicht besser haben. Ich fuhr also jetzt täglich mit der U-Bahn in die Innenstadt. Lange hatte ich vor dem Studium überlegt, was ich denn tun sollte. Sinn sollte es machen. Was nützt mir eine Tätigkeit, die vielleicht einen guten Verdienst bringt aber mir selbst vielleicht gar nicht sinnvoll vorkommt? Deshalb studierte ich Medizin. Das habe ich auch nie bereut. Jetzt war eigentlich alles okay. Aber ich hatte da manches nicht eingerechnet. Erstens hatte ich einen Nebenjob, der sehr viel Zeit kostete und zweitens war ich auch noch anderweitig orientiert. Das kam so. Bei meiner Fotografiertätigkeit hatte ich einen älteren freundlichen Herrn kennengelernt, der im Fotogeschäft immer mal wieder als Aushilfe arbeitete. Der mochte mich ganz gern und als ich mich schließlich bei meinen Kollegen im Fotografier-Betrieb für immer verabschiedete, da gab er mir eine Visitenkarte und meinte, ich solle mich doch mal bei einer bestimmten Adresse melden. Was ich dort finden würde, das verriet er nicht. Da ging ich denn auch mit meiner Visitenkarten-Empfehlung hin und fand eine Gemeinschaft von Studierenden vor, die zunächst einmal einen ganz vernünftigen Eindruck machte. Und weil noch viel das Gespräch von Ehre und anderen Tugenden war, blieb ich bei denen. Nun, dann will ich ein wenig plaudern über meine Begegnung mit einer Studentenvereinigung.

 

Doch es wurde viel Zeit von mir verlangt, beispielsweise, um in einer Art Lesestunde die Verhaltensetikette der Frau Pappritz - oder so ähnlich - zu erlernen. Nun, diesen Quatsch erträgt man schon einmal eine gewisse Zeitlang. Schließlich ging es hier um lebenslange Freundschaften. Das ist doch schließlich etwas. Allerdings gab es da noch etwas, das nichts für mich war. Es wurde gesoffen bis zum Geht-nicht-mehr. Die Schuldenliste mancher meiner neuen Freunde erschreckten mich schon. Aber was solls, ich bin der Vereinigung beigetreten. Das war sehr feierlich und schon fast ein wenig unheimlich. Doch bald darauf merkte ich, dass ich den finanziellen Belastungen durch die Ausgaben für Getränke und den körperlichen Problemen durch den Genuss dieser Getränke nicht gewachsen war und auch die Zeit für die gar nicht sinnvollen "Lernveranstaltungen" tatsächlich nicht hatte.

 

Ich war aber bis jetzt geblieben, weil die Kumpels gar nicht unrecht waren. Doch den Preis für die Gemeinschaft konnte ich tatsächlich nicht leisten. Ja, so hieß es dann, ein Austritt aus der Vereinigung sei gar nicht möglich. Das gibt es nicht, dass ich einfach wieder gehe. Zumindest brauchte es eine Bescheinigung mit Angabe der Gründe. Nun, die Gründe hatte ich. Hintergrund des Ganzen: Wieder hätte ich mich einem "System" untergeordnet und einer meiner neuen Freunde hatte mir schon vorher erklärt, dass der eigentliche unausgesprochene Zweck dieser "Gemeinschaft" darin bestand, dass man nach Abschluss der Studien am Ende eine gute Stellung mit Aufstiegschancen findet. So bin ich denn "in Unehren" entlassen wurden. Als ich mich später mal schriftlich an einen der Mitglieder mit einer Bitte wandte, da bekam ich nicht einmal eine Antwort. Okay. Jetzt hatte ich auch das gesehen. 

 

Eigentlich sind wir uns dessen bewusst, dass wir immer wieder angelogen werden. Doch wenn uns jemand entgegnet, dafür müsse man erst einmal Beweise bringen, bevor man mit solchen Pauschalurteilen daherkommt, dann ist es manchmal gar nicht so einfach, etwas zu erwidern. Hier steht es schwarz auf weiß. Im Straubinger Tagblatt vom 8.2.2022: Berlin. (dpa) Nur ein einziges von 25 untersuchten Unternehmen - der dänische Logistikkonzern Maerst - hat laut einer Studie "angemessene Integrität, wenn es um die Einhaltung von Klimaschutzversprechen geht. Unter den Unternehmen mit "sehr geringer" Integrität sind laut den Autoren auch BMW und die Deutsche Post.

 

Bevor ich mich jetzt äußere: Bedenken Sie bitte kritisch alle Äußerungen, in denen von Freiheit und Verantwortung gesprochen wird. Nichts wird so oft missbraucht wie diese Worte, nur noch das Wort "Liebe" gehört zu den Ausdrücken, die oft genug für ganz schlimme Dinge herhalten müssen. Das gilt für die Politik genauso wie in der Religion. Auf das alles hat schon Jesus deutlich hingewiesen. Da darf man niemand vertrauen. Das gilt auch für das, was Sie hier lesen werden. Weil jeder Mensch unbewusst Dinge sagt, die er hätte vorher hinterfragen sollen. Da nehme ich mich nicht aus.

 

Gerade in Krisenzeiten wird das sehr deutlich: Ich bin begeistert, wie sich Frau Baerbock höflich mit sehr hochrangigen Diplomaten unterhält, ihre aufrichtige Empathie bekundet und dann aber auch mit viel Mut ganz klar und deutlich in der Sache bleibt. Beispiel: Ihr Vorschlag, endlich die Zwei-Staaten-Lösung in Nahost zu etablieren. Auch hätten ihr viele Menschen nicht zugetraut, dass sich die Frau in der Ukraine an die Frontlinie traut, wo es für sie ganz persönlich gefährlich hätte werden können. Von Frauen in der Politik können wir viel lernen. Schließlich hat das Frau Merkel auf eine etwas andere - ihre persönliche - Art vorgelebt. Beide Frauen dürften als authentisch eingestuft werden können, auch wenn unsere Männergesellschaft so etwas nicht so gern wahrhaben will.

 

In vielen Fällen ist alles, was wir so im Laufe des Lebens zu hören bekommen, bewusste Verdummung. Denken Sie an die scheinheiligen Argumente, mit denen beispielsweise der Krieg im Irak geführt wurde. Denken Sie daran, dass hochrangige Politiker sehr oft bei ihrem Tun nur an eigene Vorteile denken. Über die sogenannten Führungsriegen in der katholischen Kirche habe ich mich an anderer Stelle schon ausführlich geäußert. Doch nun will ich wieder über meinen eigenen Weg reden. Der natürlich auch nicht immer geradlienig war. Entwicklung muss jeder durchmachen. 

 

Im Übrigen: Ich bin üppig beschenkt worden. Von allen Seiten. Am meisten aber von denen, die mir nahe standen und das auch jetzt noch tun. Jeder, der etwas Anstand hat und dem die Muße zuteil wird, etwas zu tun, das nicht der Familiengemeinschaft zuteil wird, bedankt sich bei seiner früheren und bei der jetzigen Gattin, die mir beide immer wieder den Rücken freigehalten haben und immer noch freihalten. Danke. Ich habe ich nicht den Wunsch nach Ruhm und Ehre, aber ansonsten gefällt mir das Zitat von Khalil Gibran: Der Mann kauft sich Ruhm, Größe und Ansehen, aber die Frau ist es, die den Preis zahlt. (Flügel, 87)

 

Irgendwann wird mein Dasein als Gast auf dieser Erde eine Ende finden. Meine eigene Geschichte schließe ich an dieser Stelle ab. Andere werden meine Stelle einnehmen. Vielleicht gibt es jemand, der diese unendliche Geschichte hier weiterführt. Wie? Das wird man sehen. Auf jeden Fall anders. Herzliche Einladung zum Weiter- und Mitmachen. 

 

Konkret: Wir alle stehen in Abhängigkeiten: Ob jemand der Staat taugt, in dem er lebt, gefällt oder nicht: Die Gesetze dieses Staates müssen beachtet werden, weil man sonst in Schwierigkeiten gerät. Ist der Staat aber ein Unrechtsstaat, dann wird es schwierig. Das Flüchtlingsproblem zeigt uns, dass das oftmals gar nicht möglich ist, sich dem Unrecht auf legale Weise zu entziehen. Wir in Deutschland dürfen dankbar sein, dass wir in einem Rechtsstaat leben dürfen. Dass es Bürokratie und schrecklichen Lobbyismus gibt, das kann man dem Staat selbst nicht direkt anlasten. Aber es ist nicht alles gut, wie es ist. Auch wenn Deutschland zu den Ländern gehört, in denen man mit demokratischen Mitteln gegen derartige Verwerfungen angehen kann, es ist sehr schwierig, sich beispielsweise dem Lobbyismus zu widersetzen. Zu fest ist die Industrie schon in der Politik verankert. Trotzdem müssen wir es immer wieder versuchen, uns dem Gewinnstreben Einzelner zu widersetzen. Auch wenn der Weg nicht leicht ist.

 

Nun gehöre ich einer Kirche an, die momentan dabei ist, das Vertrauen, das Gläubige in diese Institution setzen, endgültig kaputt zu machen. An was oder wen kann ich mich denn eigentlich noch halten. Prof. Gründel, ein bekannter Theologe und Hochschullehrer, hat einmal gesagt, dass das Gewissen eines Menschen immer noch die höchste Instanz ist, nach der man sich zu richten habe. Definitiv hat er damit gesagt, dass Obrigkeiten - seien sie staatlich oder kirchlich, gut oder schlecht - nicht das letzte Wort haben. So war das wohl bei den Mitgliedern der "Weißen Rose", die unter Lebensgefahr dem Nazi-Regime den Kampf wiederstanden und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Nach dem Vorbild des Zimmermanns aus Nazareth, der 2000 Jahre zuvor für die Wahrheit eingetreten war und schließlich mit dem Tode bestraft wurde, weil Er sich nicht von den seinerzeit Herrschenden verbiegen lassen wollte. Ich hatte seinerzeit nicht den Mut, dem Unrechtsstaat öffentlich zu widerstehen. Aber heute darf ich frei reden und über den Wert der Freiheit und unseren sehr kostbaren aber immer gefährdeten Schatz "Demokratie" sprechen. 

 

Aus dieser Sicht ist mir jegliche Machtkonzentration äußerst suspekt, auch wenn sich Mächtige heute ganz anders darstellen. Das sind keine Herrscher mehr wie wir sie aus der Geschichte kennen. Nach außen hin geben sich die Großen umweltfreundlich, gönnerhaft und als "Kaufleute" äußerst kundenfreundlich. Es ist sehr schwierig für uns Nomalbürger herauszufinden, ob eine Stiftung tatsächlich einem guten Zweck dient oder einfach nur etwas ist, was der Publicity dient. Da hat mich ein Freund kürzlich auf ein Internetportal aufmerksam gemacht, das Websites nicht einfach archiviert sondern sogar die verschiedensten "Entwicklungs-Stadien" festhält. Ich war sehr erstaunt, meine Website aus früheren Zeiten wiederzufinden.

 

Fragen Sie nicht, wer das Geld für diese hervorragende Einrichtung gestiftet hat. Sie können es ja auch selbst herausfinden: Ein weltweit agierendes Unternehmen, eines der größten überhaupt. Nun, da es üblich ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten viel Geld in Sozialprojekten unterzubringen, hat mich das nicht allzsehr überrascht. Der Privatmann in Europa macht ja oft ähnliches in ganz bescheidenen Größenordnungen. Da spart man bekanntlich Steuern.

 

Momentan bin ich dabei, eine Form zu suchen, meine schriftlichen Überlegungen meinen Mitmenschen in einer Weise vorzulegen, dass sie für den Nutzer gut zu finden sind und dass die Maßnahmen im Einklag stehen mit  unserem Wunsch nach Nachhaltigkeit. 

 

Eines meiner Ziele ist Offenheit gegenüber den Leuten, die meine Bildbände anschauen oder die "Texte in den e-Medien" lesen. Wenn ich ein kostenloses Projekt anbiete, dann werde ich gar nicht so leicht Kanäle für eine Veröffentlichung finden, obwohl die Anbieter von e-Books entsprechende Möglichkeiten anbieten. Aber das geht nur, wenn sie auf andere Weise für das Zurverfügungstellen von Inhalten entlohnt werden. Üblicherweise durch Werbeinhalte. Ich hasse es, wenn ich auf YouTube etwas anschauen will und zunächst einmal die Werbung für irgendein Industrieprodukt anschauen muss.

 

Ein eigentliches Ziel habe ich nicht (mehr). Ich hatte einen sehr schönen Beruf ausgeübt, mit Erfolgen und mit Versagen, ich stehe auch mit meinen Angehörigen in einer ganz guten Beziehung und brauche nicht hinzufügen, dass ich - wie fast alle Menschen - mit Höhen, Tiefen und erheblichen Gefährdungen zu tun hatte. Um es noch etwas klarer zu sagen: Ich bin ein Mensch mit Fehlern und wäre auch öfter zu Fall gekommen. Aber ich bin mir sicher, dass ich gehalten wurde. Papst Franziskus hat wohl Ähnliches im Kopf, wenn er formuliert: Ich bin ein Sünder. Prinzipiell also keine "äußeren" Ziele. Wenn es so bleibt, wie es ist, dann bin ich restlos zufrieden. An der schwierigen Situation in der Welt kann ich wenig ändern.

 

Was bleibt also noch? Wahrhaftig zu sein. Irgendwie wollen wir das doch wohl alle. Aber es gibt natürlich da noch Dinge, die man in Zukunft besser machen könnte. Sich auf redliche Art gegen Ungerechtigkeit wehren beispielsweise. Ich kann mich dem Einfluss mancher Mächte ganz schlecht entziehen. Da möchte ich meine Überlegungen, die ich hier mache, gern der Öffentlichkeit vorlegen. Weil sie das Fazit eines lebenslangen Prozesses sind.

 

Beispielsweise würde ich gern meine Schreibtätigkeit so ausüben, dass ich nicht angewiesen bin auf Werkzeuge, die von weltweit agierenden Konzernen mit deutlich erkennbarer Ausrichtung auf Profit bereitgestellt werden. Aber so einfach geht das nicht. Schließlich haben die IT-Konzerne etwas zu bieten: Nämlich Möglichkeiten des Schaffens, die größtenteils nicht nur wohltuend für den Anwender sind, sondern teilweise durchaus notwendig sind, um die vorgenommenen Aufgaben korrekt zu erledigen. Habe ich überhaupt das Recht, die Industrie zu verteufeln, die teilweise recht angenehme Dinge produziert, die mir selbst natürlich auch gefallen?