VII 44ma "HERREN" + 1 FRAU

VII 44ma "HERREN" + 1 FRAU

Unsere Ohren verschließen wir, weil es unerträglich ist, was über die Not in dieser Welt berichtet wird. Zwar gehört es zum "Guten Ton" über die Vernichtung der Regenwälder zu jammern. Solange es uns selbst noch nicht an  den Kragen geht.

 

Wir können ja doch nichts ändern. Sagen wir. Oder vielleicht doch. Vielleicht schauen, woher das Fleisch kommt, das wir gerade grillen. Gefüttert mit Soja, gewachsen auf einem Land, das man Bauern weggenommen hat? Und die Holzkohle? Aus dem Supermarkt. Woher denn sonst! Die Verpackung sagt nichts aus über die Herkunft des Brennmaterials. Sollten wir das denn auch noch kontrollieren, wo das alles herkommt, was wir so verbrauchen? Vielleicht doch, denn die Holzkohle könnte  ja genau dort "produziert" worden sein, wo die Wälder massenweise verschwinden.

 

Nun, auch ich will nicht jammern, weil man uns das alles gar nicht so gern wissen lässt, was wir gar nicht wissen sollen und vielleicht auch gar nicht wissen wollen. Besser ist es, jemanden sprechen zu lassen, der (die) das alles wirklich weiß und auch ahnt, dass sie mit uns zugrunde  gehen wird, wenn wir, die Reichen in der westlichen Welt uns nicht einmal wehren, wenn wir zu Helfershelfern geldgieriger Mächte gemacht werden.

 

Es ist eine Indigene, die der Welt  erzählt, welche Sorgen sie hat und uns fragt, ob wir ihr, ihren Landsleuten und der Natur nicht ein wenig helfen wollen. Sie weiß, dass ohne unser Engagement auch uns unsäglicher Schaden entsteht. Lassen wir sie nicht allein. Unsertwegen. Kay Sara kämpft nicht nur für sich und ihre Leidensgenossen, sondern für uns und unseren Planeten. Wir sprechen über eine Eine Frau & die Herren, die sie in der Gewalt haben. Und wir finden uns wieder als diejenigen, die den Indigenen auch heute noch unsägliches Leid zufügen.

 

Die indigene Künstlerin und Aktivistin hätte auf der Bühne des Hoftheaters in Wien eine Rede halten sollen. Doch wegen Corona war dies nicht möglich. Ich wäre direkt von unseren Proben im Amazonas zu Ihnen gekommen... Wir hätten diese neue "Antigone" auf einer besetzten Straße durch den Amazonas aufgeführt - jenen Wäldern, die in Flammen stehen. Diese Antigone wäre  kein Theaterstück gewesen, sondern ein Akt des Widerstands: gegen jene Staatsmacht, die den Amazonas zerstört...

 

Unser Unglück begann als die Spanier und Portugiesen in unser Land kamen. Mit ihnen kamen die Krankheiten zu uns. Millionen starben. Weitere Millionen starben von der Hand der Soldaten und der Geistlichen, im Namen des einen Gottes, im Namen des Fortschritts und des Gewinns. Heute sind nur noch wenige von uns übrig. Ich bin einer er Letzten der Tariana.

 

(Corona breitet sich weiter aus ...) Die Weißen nutzen das Chaos, um noch tiefer in die Wälder einzudringen. Die Feuer werden nicht mehr gelöscht. Von wem auch? Wer den Holzfällern in die Hände fällt, wird ermordet. Und was hat Bolsanaro getan? Das, was er immer getan hat: Er schüttelt die Hände  seiner Unterstützer und verspottet die Toten. Er, Bolsanaro, will den Genozid an den Indigenen, der seit 500 Jahren anhält, zu Ende bringen.

 

Das Blut möchte einem gefrieren, wenn man diese Klage vernimmt. Und ich frage in den leeren Raum: Ist denn niemand da unter uns Mitbewohnern dieser Erde, der sich erbarmt?

 

Etwas ganz Wichtiges hat Kay gesagt, etwas, das wir gar nicht gerne hören, etwas, was schon die Reise eines Papstes nach Südamerika vor einigen Jahren sehr problematisch gemacht hat: Wir, die wir vom Schöpfergott den Glauben an Christus als Geschenk bekommen hatten, wir haben dieses Geschenk verspielt um der Ausbeutung willen und jetzt wundern wir uns, warum diese Vergehen nach einigen hundert Jahren auf uns zurückkommen, weil wir Seinen Namen benutzt haben, um Unrecht zu begehen. Wir sind es, die die Indigenen kaputt gemacht haben. Im Namen des Schöpfers vernichtet haben. Gott sei uns gnädig, die wir in der Schuld stehen. Wir spüren, dass wir da gefordert sind?