Ih5 Biene gesund

Ih5   Biene gesund

 

Naturnah Imkern - das erscheint fast als Notwendigkeit, wenn wir das Bienensterben endlich aufhalten wollen. Stark gegen Milben zu sein - das ist das meiner Arbeit als Imker. Bei diesem Thema - an das ich mich hier wage - sehe ich mich nicht als den großen Helden, der den Durchbruch schaffen könnte. Ich fühle mich eher als jemand, der in einer großen Gemeinschaft einen kleinen Beitrag erbringen möchte. Und ich habe einen ganz großen Vorteil meinen Kollegen gegenüber: Ich habe sehr viel Zeit als Rentner und betreue gerade mal ein oder zwei Bienenvölker. Da kann ich mich sehr intensiv der Problematik widmen. Und vielleicht sind wir da schon beim Kern unserer Überlegungen: Das Wohl der Bienen als gesundmachender Faktor. Ich werde also versuchen, vitale und kräftige Völker heranzuziehen, die möglicherweise selbst Wege finden, um sich gegen die Milben zu wehren.

 

Sehr schön erklärt Herr Friedmann in wenigen Sätzen am Schluss seines Buches, was wir alle tun können, wenn wir irgendwie den Versuch starten, der Imkerei einen neuen Schub in eine nachhaltige Richtung zu geben. Und da geht es wiederum um die Milben, die wir "zurückdrängen" müssen. Wenn man versuchen will, vom Einsatz scharfer Säuren wegzukommen, dann sollte man ein paar wichtige Grundregeln nicht außer Acht lassen: Einige ganz wichtige und leicht zu beherzigende Ratschläge von Herrn Friedmann werde ich hier zitieren und - weil ich sie für sehr wichtig halte - optisch etwas hervorheben:

 

- Kleine Bienenstände mit nur wenigen Völkern.

- Keine Reihenaufstellung, sondern lockere Verteilung der Völker im Gelände mit möglichst großen Abständen.

- Kein Verstärken der Völker mit fremden Brutwaben.

- Selektion auf eine vitale Biene, wodurch auch Räuberei minimiert wird. Nur starke Völker überwintern.

- Zur Stärkung der Völker nicht so viel Zucker füttern, sondern mehr Honig in den Völkern belassen.

- Weniger Eingriffe in die natürlichen Bedürfnisse, um Stress zu reduzieren. Aber unbedingt die richtigen Eingriffe zur richtigen Zeit.

- Extensive Imkerei mit einer Vermehrung über den Schwarmprozess bzw. der Methode der Schwarmvorwegnahme als Kernelement.

 

Was das Varroen-Problem betrifft: Das Ziel, die Milben auszurotten, ist - so scheint es wohl zu sein - nicht erreichbar. In unseren Bemühungen wird es also eher darum gehen, die Bienen so zu kräftigen, dass es ihnen gelingt, mit den Varroen zusammen zu leben. Vielleicht wird man auch erfahren, dass die hier gemachten Versuche nicht zum Erfolg führen. Dann müssen eben andere Wege gesucht werden. Ich werde dieses Problem nicht lösen - aber vielleicht ein paar Erkenntnisse finden.

 

Arbeitshypothese:

Bienen ohne Behandlung mit aggressiven Säuren gegen Varroa.

 

Es gibt ein Youtube-Video, das hat mich fasziniert. Da schauen sich zwei Imker eine Dadant-Beute (quer) an und beim Öffnen der Beute verhält sich der Imker sehr vorsichtig und löst eine oder zwei der vollständig mit Propolis verkitteten Waben mit einem scharfen Meißel. Es ist, als wird jetzt etwas ganz Besonderes gezeigt. Und das ist es ja auch. Die beiden Leute unterhalten sich nur halblaut, als wollten sie die Bienen nicht stören. Es kommt dem Zuschauer so vor, als dringen die beiden ganz vorsichtig in ein Geheimnis ein, das den Bienen gehört. Sie schauen in ein Volk, das schon drei Jahre völlig ohne (Varroa-)Behandlung auskommt. Das ist etwas, was das Herz des Imkers höher schlagen lässt. Aber es ist neben dem Imkergeschick tatsächlich wohl auch ein besonderer Glücksfall, denn wie weiß denn der Imker vorher ganz sicher, dass er auf die Behandlung mit Säure verzichten kann. Dazu braucht es viele Kontrollen mit dem Varroaschieber und ganz sicher eine Menge Erfahrung. Ich habe sehr großen Respekt vor den Menschen, die so etwas erreichen! Was dieses Video zeigt: Es geht also tatsächlich. Jetzt muss nur noch ein Weg gefunden werden, der für alle Imker begehbar ist.

Roland Sachs: 3 Jahre unbehandeltes Honigbienenvolk in Dadant Beute

https://www.youtube.com/watch?v=uEqbBxl3enY

Herr Sachs ist übrigens führend auf dem Gebiet der Bienenforschung

 

Wiederum werde ich auf die Erfahrungen von Fachleuten zurückgreifen. Hier verweise ich auf das letzte Kapitel. Da hatte ich Ihnen den Klimadeckel von Herrn Torben Schiffer vorgestellt. Den habe ich nachgebaut.

 

Mittelfristiges Ziel:

Imitation der Baumhöhlen - Was habe ich über dem Bienensitz?

 

Im vorherigen Kapitel habe ich Ihnen den nach meinen Plänen umgebauten Bienenkasten gezeigt, die veränderte Einraumbeute (von Mellifera). Nun will ich die inzwischen angefertigte Abgrenzung nach oben etwas genauer beschreiben. Da habe ich mir die Erfahrungen von Herrn Torben Schiffer zunutze gemacht und einen Oberbau fertigen lassen, der die naturgemäße Unterbringung in einer Baumhöhle imitiert: Über den Bienen befindet sich eine "atmungsaktive" Schicht, die in der Lage sein soll, Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und nach außen abzuleiten. In Abwandlung der Vorgaben besteht der Boden meines "Klimaturms" aus einem Weichholzboden, der mit einer Schicht Sägespäne abgedeckt ist und Luftaustausch mit der Außenluft ermöglicht. Über der Schicht mit Sägemehl ist nämlich ein Luftraum, der durch einen Deckel verschlossen ist, der aber nicht fest aufsitzt sondern den Austausch mit der Umgebungsluft ermöglicht. Dieser "Klimaturm" nach Torben Schiffer ist der wichtigste Teil der Beute. Die nachfolgend beschriebene seitliche Isolierung ist eher ein Versuch der weiteren Verbesserung. Der mit Sägemehl gefüllte Boden unter der Beute ist auch wichtig. Aber ein wirklicher Luftaustausch wie beim Klimaturm findet am Beutenboden nicht statt. Die Wirkung beruht hier eher auf der Möglichkeit einer zeitweisen Aufnahme der Luftfeuchtigkeit, die aber nicht nach außen, sondern wieder in den Innenraum abgegeben wird. Im Übrigen wird auch in den Baumhöhlen die Klimaverbesserung nur dadurch bewirkt, dass das umgebende Holz die Flüssigkeit gut aufnehmen kann.

 

Hier ist ein Bild vom Lüftungsturm einmal auf der Beute, ein anderes Mal in der Aufsicht. Der Deckel auf dem Klimaturm sitzt nicht schlüssig auf, sondern ist durch Holzleisten etwas erhöht angebracht. Wegen des Luftaustauschs.

Einraumbeute mit "Klimaturm"
Einraumbeute mit dem "klimaturm" rechts
"Klimaturm" in der Aufsicht
"Klimaturm" in der Aufsicht

Zur Vervollständigung zeige ich Euch noch, was in dem linken kleineren Kasten ist: Ein Futtergeschirr. Von unten kommen die Bienen über einen Steg an das Flüssigfutter. Es scheint, als sei gar kein Futter im Trog. Aber das täuscht. Sonst wäre wohl auch die Wespe nicht da, sich für alles Süße interessiert. Aber die Bienen interessieren sich auch. Wenn man nämlich genau durch das Gitterblech schaut, dann sieht man, dass der weißliche Holzbalken viele Schatten zeigt. Das sind die Bienen, die von unten her über die "weiße" Holzschwelle zum Futter herunterwollen. Ich habe diese Art der Fütterung gewählt, weil man die Futterabnahme gut kontrollieren kann, ohne dass einem die Bienen gleich entgegenschwirren.


Während der Trachtzeit steht an Stelle des Futtertroges hier ein kleiner Honigraum, den ich Euch natürlich vorstellen werde, wenn es so weit ist. Und im Winter, wenn weder Futtertrog noch Honigraum gebraucht werden, soll hier ein zweiter "Klima-Turm" stehen. Vielleicht etwas kleiner, denn die Abdeckung mit zwei Deckeln scheint ganz praktisch zu sein. Im übrigen wird sich durch vorgesehene Messungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Bienenraum zeigen, ob vielleicht der Bienenturm durch eine noch umfangreichere Sägespänefüllung noch größer werden muss. Darüber werde ich ausführlich berichten.

 

Die Auswirkungen meiner "Klimapolitik" im Kleinen werde ich nämlich mit einem Fernthermometer kontrollieren, das heutzutage nicht mehr viel Geld kostet. Das misst zusätzlich auch noch die Luftfeuchtigkeit. Diese Parameter sind wichtig, denn nur wenn die Werte stimmen, dann hört auch die Schimmelbildung in den Beuten auf. Bei über 70% Luftfeuchte kommt es zu Schimmelbildung. Es ist also sehr wichtig, unter diesem Wert zu bleiben. Denn Schimmel schadet der Gesundheit der Bienen. Über meine Untersuchungsergebnisse werde ich ausführlich berichten. Zunächst bitte ich Euch aber, noch einmal mit mir einen Blick von oben auf die Beute ohne den Überbau zu werfen.

 

Imitation der Baumhöhle - Was ist seitlich vom Bienensitz?

 

Auf den nächsten Fotos zeige ich die Strohisolierung der Beuten an der Vorder- und Rückseite der Beute. Man erkennt die Klappen mit den provisorisch angebrachten und etwas hochgeklappten Folien, die den Regen vom Anbau mit Klimaausgleichsteil (Strohfüllung) fernhalten sollen. Das Stroh selbst ist einem Stoffsack untergebracht, der in dem vorderen bzw. hinteren Kasten steckt. Die Füllung als "Strohsack" war notwendig, weil man sonst die Klappen wegen der immer wieder herausstehenden Strohhalme nicht verschließen kann. Hinter dem kleinen "Wiener Vorreiber" befindet sich der Stoffsack mit Stroh.

 

Die Isolierung an den Stirnseiten der Beute ist weniger aufwändig: Isolierende Trennschiede.

 Isolierung des Bienenraums an der Vorderseite mit Stroh, das in einem Stoffsack steckt
Isolierung des Bienenraums an der Vorderseite mit Stroh, das in einem Stoffsack steckt
Auf dieser Großaufnahme wird deutlich, dass sich hinter der Holzseitenwand der Stoffsack mit der Strohfüllung befindet.
Auf der Großaufnahme wird deutlich, dass sich hinter der Holzseitenwand der Stoffsack mit der Strohfüllung befindet.
Weichfaserplatten am Anfang und Ende Bienentraube
Isolierung durch Weichfaserplatten am Anfang und Ende Bienentraube

Mittelfristiges Ziel:

Imitation der Baumhöhle - Was ist unter dem Bienensitz?

 

 

Auch hier berufe ich mich auf die schon genannten Empfehlungen von Torben Schiffer. Es ist gut, wenn die Füllung im Unterboden ebenfalls aus einem Material besteht, das Feuchtigkeit aufnehmen kann. Also habe ich meine Sägespäne auch in die deutlich erkennbaren aus hellem Holz bestehenden Kästen unter den Böden eingebracht.

Unterteil der Bienenbeute
Beuten-Unterteil, von unten nach oben: Kisten mit Füllung, handelsübliche Unterböden (altes dunkel verfärbtes Holz) und Abdeckung

Man erkennt ganz gut die über den Kästen angebrachten  handelsüblichen Unterböden, die ich bisher bei der Imkerei mit Zanderbeuten in Betrieb hatte. Das sind die Teile aus älterem Holz mit der Aussparung für den Varroa-Schieber. Bei dem linken Unterboden ist der Varroa-Schieber zum Teil eingeschoben. Üblicherweise sind diese Böden nach unten völlig offen. Sie können aber durch die Schieber zu geschlossenen Böden umfunktioniert werden. Man kann nun darüber nachdenken, in ganz strengen Wintern den Varroa-Schieber einzuführen. Oder als Kompromiss die Öffnung für den Schiebereinschub zu verschließen. Das sind aber schon wieder Überlegungen, die wahrscheinlich schon überzogen und überflüssig sind. Wenn ich nun später Temperaturmessungen im Stock vornehmen werde, wird sich zeigen, ob die Möglichkeit des Verschlusses interessant ist oder nicht. 

 

Erinnert sei nur noch daran, dass oberhalb des Varroa-Schieber-Einschubs ein Drahtgitter vorhanden ist, das es den Bienen verwehrt, in den Unterboden zu kommen. Oberhalb des hier natürlich nicht sichtbaren Drahtgittes ist auf der Vorderseite des Unterbodens auch noch das Flugloch gewesen, das hier natürlich verschlossen ist, weil die Bienen ja im Beutenkörper schon ihr - halbrundes - Einflugloch haben. Halbrund deswegen, weil die Bienen in ihren ursprünglich Wohnungen, den Baumhöhlen auch runde Fluglöcher hatten.