Ih1Bienenwohnung

Bienengemäßes Imkern - ein Projekt mit Versuchs-Charakter
Der Weg vom Magazin zur Einraumbeute
Juni 2020
Voraussetzung für das Projekt ist eine Arbeitsweise, die alle Arten von Behandlung ermöglicht.
Hier stelle ich den Weg von der gängigen Zanderbeute zur "Mellifera-Einraumbeute" vor.

Der Unterschied zwischen den beiden Beutesystemen ist deutlich: Bei der Zanderbeute arbeite ich in verschiedenen Etagen, die ich durch Absetzen der oberen Räume zugänglich machen muss. Bei der Einraumbeute habe ich nach dem Öffnen sofort den gesamten Bienensitz vor Augen. Das Wegheben der Zargen entfällt. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Brutnest der Bienen nicht auseinandergerissen werden muss, das wird deutlich, wenn man Arbeiten am Bienenstock vornimmt. So – und noch mit weiteren Verbesserungen – stelle ich mir sie vor: Die Wohnung nach Bienenart.
1. Umzug des Bienenvolks in die neue Behausung
Üblicherweise sollte man den nächstbesten Schwarm in die neue völlig anders gestaltete Einraumbeute einlogieren. Das ist prinzipiell kein Kunststück. Von der Fischermühle wird dies auch vorgeschlagen. Mit dem Schwärmen haben es meine Bienen aber nicht so. Deshalb habe ich einen kleinen - arbeitsintensiven - Kunstgriff anwenden müssen, um meine fleißigen Tiere termingerecht umzuquartieren. Das möchte ich Euch zeigen, weil es tatsächlich nicht so ganz einfach ist. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare zu diesem Vorgang. Ich selbst bin auch gespannt, wie dieses Experiment enden wird. Deshalb werde ich Euch als nächstes die beiden Arten von Rähmchen gegenüberstellen, auf denen die Bienen ihre Waben bauen. Das ist zwar weithin alles bekannt, aber wenn man die Bilder vor Augen hat, dann kann man sich doch eine bessere Vorstellung machen. Jedenfalls habe ich das für mich selbst gebraucht.
Das Beste wäre es natürlich, einfach einen neuen Schwarm einzulogieren, wie es vom Hersteller der Beute empfohlen wird. Das würde sicher auch mit der Schwarmvorwegnahme funktionieren. Aber wenn ich meine ganze (zugegeben: sehr kleine) Imkerei umstellen will, dann bleiben bekanntlich nach jedem Schwarmabgang ja immer noch Bienen in ihrer alten Wohnung zurück. Die vermehren sich im nächsten Jahr auch wieder. Die alten Wohnungen bleiben also weiterhin Heim für die Zurückgelassenen. Wenn ich die auch umsiedeln will, weil ich mich völlig auf die - ich denke, bessere Bienenhaltung - umstellen will, dann muss ich einen Weg finden, wie ich die alten Rähmchen in die neue Beute bringe. Ganz egal, ob ich das jetzt oder später machen will.
Die unterschiedlichen Rähmchen
Das Foto zeigt die Rähmchen, auf denen die Bienen Platz finden. Links ein Rahmen im Zandermaß mit Mittelwand. Auf solchen Rähmchen hatte ich meine Bienen bis jetzt untergebracht. Der kleine Holzklotz über dem Zanderrähmchen links oben ist - Ihr werdet es schon ahnen - eine Art Adapter. Was ist damit auf sich hat, werde ich weiter unten genau erklären.
Rechts ein Rähmchen "Dadant hoch" von der Fischermühle passend zur Einraumbeute.
Das muss auch dann funktionieren, wenn sich Bienen auf der Wabe befinden.
Der Adapter
Nun könnt Ihr zusehen, wie ich aus dem Zanderrahmen und dem eigens angefertigten Adapter eine Art Provisorium mache, das ich problemlos in die Einraumbeute einhängen kann. Jetzt muss nur noch ein Weg gefunden werden, um Adapter und Rahmen miteinander zu verbinden.


Anbringen des Adapters an die Zanderrähmchen
Die Zanderrähmchen, auf denen in Wirklichkeit ja eine Menge Bienen sitzen, sollen mittels "Bienendraht" miteinander verbunden werden. Für Nichtimker: Das ist der Draht, den man in den Rahmen ausspannt als "Fixpunkt" für den Wabenbau. Auf einigen der Fotos können Ihr den feinen, gespannten Draht erkennen, der hier zweckentfremdet benutzt wird.
Als nächstes entnehmen wir die Zanderwaben einzeln aus dem kleinen Ableger, um sie in provisorische "Dadant-Hochwaben" umzumodeln.

Hier könnt Ihr nun zuschauen, wie wir zwei ältere Knaben damit beschäftigt sind, Adapter an bienenbesetzten Rähmchen zu befestigen. Zwei solcher Drähte rechts und links sind notwendig, damit beide Teile einigermaßen sicher miteinander verbunden werden können.
Übrigens haben wir beim vorherigen Entnehmen der Wabe aus der Zanderzarge jedes Mal geschaut, ob sich vielleicht die Königin auf der Wabe befindet. Klar, dass man bei einer derartigen Aktion ganz besonders auf diese "Hauptperson" achten muss.
Die neue Unterkunft - noch nicht die Einraumbeute
Hier sieht man die neue provisorische Beute. Auf dem Beutenrand liegt ein Adapter . Die neue Beute ist fast so etwas wie die angepeilte Einraumbeute. Aus gutem Grund etwas kleiner. Weil auch der Schwarm sehr klein ist benötige ich noch nicht die volle Länge. Der Bienenraum, der im Prinzip aus zwei übereinander gelagerten Zanderbeuten besteht, ist nämlich schon teilweise mit Stroh nach außen hin isoliert, was sich leicht erkennen lässt. Stroh ist ein ideales Isoliermaterial. Das weiß man noch aus der Zeit, als die Immen in Bienenkörben aus Stroh "wohnten".

Einbringen Rähmchen mit Adapter in die neue Bienenwohnung
Nachdem Adapter und Rähmchen aneinander fixiert sind, kann dieser Verbund ohne Probleme - als wäre es ein einziges Dadant-Rähmchen - senkrecht in die neue Beute der Marke "Eigenbau" eingehängt werden. Das macht Hans gerade auf den beiden Fotos rechts von hier.


Erstes Etappenziel in Sicht:
Statt Etagenwohnungen - Bienenbungalows
Genaugenommen ist das auch nicht richtig formuliert, denn die Bienenbungalows - also die Einraumbeuten - sind ja auch nicht niedriger als die Zanderbeuten. Aber man kann besser an den Bienensitz heran. Und die Bienen sind nicht mehr getrennt voneinander. Als nächsten Schritt in unserem Programm habe ich vor, mein zweites Volk, also die momentan noch sehr fleißigen Honigsammler, in die von mir oben vorgestellte Einraumbeute umzusiedeln. Bilder wird es dazu eher nicht geben, denn der Vorgang als solcher unterscheidet sich kaum von dem, was ich oben beschrieben habe. Es geht lediglich um mehr Bienen, um mehr Rähmchen und als neue Bienenwohnung habe ich keine Übergangslösung sondern die schon gezeigte Mellifera-Einraumbeute vorgesehen. Diese Arbeit werde ich erst nach der Honigernte vornehmen, weil es keinen Sinn macht, die fleißig sammelnden Bienen jetzt während der Saison umzuquartieren. Jetzt will ich das Ganze etwas erläutern.
Bei der nach Abschluss der Saison üblicherweise vorgesehenen "Einengung" werden die Bienen im Zandersystem, die momentan auf 2x12 Rähmchen - das entspricht zwei Zanderbeuten - besiedeln, auf nur etwa 12 Rähmchen untergebracht werden. Das wäre bei der Imkerei mit Zanderbeuten die Einengung auf den sogenannten einzargigen Wintersitz. Doch dieser Wintersitz wird bei diesem Volk die neue Einraumbeute sein. Die bietet mehr Platz als die Zanderzarge und braucht im nächsten Frühjahr wegen der wachsenden Volksstärke nicht mehr durch Zargenaufsetzen "erweitert" werden.
Diese von mir beschriebene Methode der Umsiedlung hat sicherlich auch Nachteile. Einer könnte darin bestehen, dass die Bienen zunächst einmal weiterhin bei den "adaptierten" Zanderrahmen bleiben und gar keine Anstalten machen, die schönen Rahmen der Einmalbeute zu besetzen. Das ist zwar grundsätzlich nichts Schlimmes, aber die Rähmchen sind doch ein wenig wackelig an den Adaptern befestigt und die Abstandhaltung funktioniert nicht so gut wie auf den hochwertigen Rahmen der Einraumbeute. In der Zukunft wird sich zeigen, ob das alles so geht, wie ich es mir vorstelle.

Wenn dieser Schritt "Umzug" erfolgreich abgeschlossen werden kann, ist ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Es stehen jetzt für das Ablegervölkchen und für das sogenannte Wirtschaftsvolk jeweils eine Beute zur Verfügung, die einfacher als bisher bearbeitet werden können. Das ist also das teilweise schon erreichte Ziel der beschriebenen Maßnahmen: Ich verfüge nach den beschriebenen Aktionen über:
1. die weiter oben gezeigte schon besiedelte "Übergangs"-Beute im Selbstbau gefertigt mit teilweiser Isolierung der Wände. Hier müssen nur noch das Wachstuch aufgelegt und der Deckel aufgesetzt werden.
2. Eine mit einem mitgelieferten Metalldeckel versehene Mellifera-Einraumbeute. Eines der seitlichen Flugloch für die Bienen ist geöffnet. So als wäre das Wirtschaftsvolk bereits eingezogen.
Ich zeige nun noch einmal die Bienenkästen vor dem Umzug des Volkes in die neuen Behausungen. Auf den Fotos vom Jetzt-Zustand ist recht schön zu erkennen, wie ich die Magazine auf die ziemlich langen Unterbauten gestellt habe. Daneben sieht man jeweils die in der Vorbereitung befindlichen "Fundamente" der neuen Häuser, die wesentlich andere Maße haben, aber aus Teilen der alten Unterbauen gefertigt wurden. Aus verschiedenen Gründen habe ich für meine isolierten Beuten ein Maß gewählt, das in etwa der Mellifera-Einraumbeute entspricht, anders gesagt: Zwei nebeneinander gestellte Zanderbeuten. Das hat sich irgendwie ergeben. Doch es könnte von Vorteil sein, weil man doch einige Bauteile der Zandermagazine in den entsprechenden Normmaßen, die überall problemlos erhältlich sind, weiter hin gebrauchen kann. Dazu erfahren Sie mehr, wenn wir über den Aufbau der neuen Beuten sprechen werden. Nun zu den Unterbauten, die momentan vorbereitet werden.




Der Umzug
der Bienen hat
eine Menge
Konsequenzen:
1. Neu-anschaffungen,
2. Arbeits-aufwand und
3. "Umzugs-kosten".
Keine ernsthaften, aber organisatorische Änderungen, die zu Anfang des Experimentes nicht vollumfänglich vorauszusehen waren. Das Maß der Bienenbeuten hat sich geändert. Und bei mir beispielsweise auch die Anordnung des Flugloches. Vielleicht muss auch der Platz für die Aufstellung neu gewählt werden, denn die neue Beute nimmt insgesamt mehr Platz ein als die Zander-Magazine. Der Platz zum Arbeiten hinter der Beute ist auf einmal notwendig geworden wegen der neuen Arbeitsweise. Das bedeutet in meinem Fall, dass zusätzlich eben auch noch neue Standorte der Bienenbeuten gesucht werden müssen. Im Übrigen ist es so, dass das neue Beutenformat manchmal auch eine Änderung des Untergestells für die Bienenbeute verlangt. Wegen der Standfestigkeit der neuen Beute wird das in einigen Fällen - so wie bei mir - notwendig sein. Man kann schon erkennen: Der Teufel liegt wie immer im Detail. Und diese Details könnten schon manchen ansonsten interessierten Imker davon abhalten, sich umzustellen. Denn was bei wenigen Bienenvölkern leicht bewältigt werden kann, das wird mit der Anzahl Völker schwieriger und dementsprechend kostspielig. Mit Bildern will ich die zu lösenden Aufgaben darstellen.
Vorweg noch eine Vorbedingung, die ich den Imkern von Mellifera verdanke: Die prinzipiell varroafreien Ableger, die sinnvollerweise auch noch mit der "nicht so
aggressiven" Milchsäure behandelt werden, nehmen immer wieder mal Bienen aus anderen Stöcken auf. Das kommt vor allem dann vor, wenn ein Volk in der Nähe gerade dabei ist, an den Folgen der
Milbenerkrankung zu sterben. Und die Bienen von einem solchen Stand bringen natürlich Milben in ganz großer Anzahl mit. Deshalb empfiehlt man bei Mellifera, dass man einen Sicherheitsabstand zu
den "alten" Bienenstöcken einhält. Auch das sollte man bedenken, wenn man neue Standplätze für die Einraumbeuten aussucht. Einzelplätze sind da eindeutig von Vorteil.
Allerdings ist das alles nur der Anfang für das umfassende Projekt "Bienengesundheit". Sozusagen die Vorbereitung durch das Zurverfügungstellen passender Räumlichkeiten. Es sind meines Erachtens noch eine Reihe weiterer Maßnahmen erforderlich. Darüber werden wir der Reihe nach - nämlich dem tatsächlichen Fortschritt entsprechend - berichten. Vielleicht sprechen wir hier zunächst einmal über die Möglichkeiten, auf die man im Internet stößt, wenn man neue Wege gehen will.
Es scheint so, als sei jetzt fast das Ziel erreicht. Ich brauche ja nur noch die Mellifera-Beute besiedeln und die Selbstbaubeute durch eine größere ersetzen - so gesehen - sind wir anscheinend schon auf der Zielgeraden. Ganz so ist es aber nicht. Zunächst einmal müssen sich die Bienen doch in ihr neues Zuhause eingewöhnen und die in der Imkerei üblichen Arbeiten (Säurebehandlung gegen Varroa nach der Honigernte und vor Wintereinbruch) sind auch noch vorgesehen. Die Fütterung für den Winter muss erfolgen. Erst nach diesen Maßnahmen zeigt sich, ob man im nächsten Frühjahr den Umzug als als erfolgreich abgeschlossen bezeichnen kann.
Und über meine ersten Erfahrungen (Mitte Juli) kann ich schon berichten: Bei meinem Ableger in provisorischen Rähmchen gab es zunächst ein gutes Bienenwachstum, nachdem ich dem jungen Volk immer mal wieder eine halbgefüllte Honigwabe zur Futterergänzung dazugestellt hatte. Bei meinen nicht so akkurat eingebrachten Waben an den Adaptern hatte sich dann auch schon mal ein Draht gelöst und da gab es dann kleinere Verklebungen zwischen den einzelnen Waben. Da muss man wohl immer wieder mal kontrollieren.
Und nun ein für die Bienen gar nicht einfacher Notfall: Leider musste ich - wie im Protokoll verzeichnet - Anfang August das Ablegervolk auflösen, da es einem Ansturm von Wespen nicht standhalten konnte. Ich habe die Bienen dem stärkeren Volk zugeschlagen - und dieses nun noch stärker gewordene Volk in die modifizierte Einraumbeute umquartiert.
Danach konnte ich recht schön beobachten, wie sich die Bienen dann gegen die aggressiven Wespen wehrten, die ihre Angriffe nun gegen den noch übrig gebliebenen Bienenstock richteten. Da konnten sich die Angreifer allerdings gegen die doch recht starke Verteidigung nicht durchsetzen.

Allerdings ist das alles nur der Anfang für das umfassende Projekt "Bienengesundheit". Sozusagen die Vorbereitung durch das Zurverfügungstellen passender Räumlichkeiten. Es sind meines Erachtens noch eine Reihe weiterer Maßnahmen erforderlich. Darüber werden wir der Reihe nach - nämlich dem tatsächlichen Fortschritt entsprechend - berichten. Vielleicht sprechen wir hier zunächst einmal über die Möglichkeiten, auf die man im Internet stößt, wenn man neue Wege gehen will. Das nächste Kapitel, das über diese Diskussionspunkte informiert heißt „Theorien“ Es ist ein Kapitel voller theoretischer Ansätze, die bei mir nicht alle verwirklicht worden sind.
Nun zeige ich Ihnen, wie es auf meinem "Bienenanwesen" im August 2020 aussieht.
