Ih7 Fazit
An der Situation der Honigbienen lässt sich erkennen, was für die gesamte Landwirtschaft gilt: Die Bienenhaltung ist in eine Sackgasse geraten. Wie prekär die Lage ist, kann man daran erkennen, dass man in China die Pflanzen von Hand bestäubt, weil es nicht mehr genügend Bienen gibt, die das übernehmen. Auch in anderen Ländern leiden die Bienen. Das liegt zum großen Teil daran, dass wir die Tiere ohne Rücksicht auf Höchsterträge gezüchtet haben. Heute wundern wir uns nun, warum die sanftmütigen Bienen nicht mehr mit ihren Feinden, den Milben, fertigwerden. Statt unsere Zuchtziele zu ändern, behandeln wir die Bienen mit starken Säuren, die den Bienen gar nicht gut tun. Im Laufe der Jahre musste die Einbringung der Säuren immer öfter vollzogen werden. Auf diese Weise haben wir aber keine "kämpferischen" Bienen, sondern aggressivere Milben gezüchtet. Unser Verhalten ist den Menschen ähnlich, die gegen Hochwasser immer höhere Dämme bauen, um irgendwann zu erfahren, dass bei einem Jahrhunderthochwasser die Schäden dann umso größer sind. In manchen Gegenden ist es deshalb jetzt schon üblich, statt vermehrter Einengung der Flutströme weite Flächen bereitzustellen, die überschüssiges Wasser für einen begrenzten Zeitraum aufnehmen können. Auch für den Bereich der Donau wird ja über derartige Flutpolder und deren Auswirkungen heftig diskutiert. Wir kommen bei all den Problematiken immer wieder zum Thema "Gemeinschaft". Bei allen politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen geht es immer wieder darum, ob wir bereit sind, für die Gemeinschaft Leistungen zu erbringen oder ob wir nur unsere eigenen Interessen durchsetzen wollen. Zurück zur Situation der Bienen in ihrem Umfeld.
Es gibt erhebliche Veränderungen in der Landwirtschaft, die der Bienen abträglich sind. Wenn man sich vor Augen führt, dass es heutzutage mehr bringt, Bienen in den Großstädten als auf dem Land zu halten, weil das besser ist, dann weiß jeder, was es geschlagen hat. Monokulturen in der Landwirtschaft, die Verwendung von Spritzmitteln und veränderte Arbeitsweisen sind der Grund für die veränderte Situation.
Allerdings gibt es tatsächlich varroaresistente Bienen. Die "dunkle" Biene beispielsweise ist in der Lage, Milben zu ertragen. Die gibt es ja in anderen Ländern. Allerdings fürchtet man in der Imkerschaft, dass eine Erbgutvermischung zu einem Verlust der Zuchteigenschaften der heimischen Bienen führen könne. Die Bienen könnten weniger Erträge erzielen und aggressiver werden. Das will man nicht. Lieber wird weiter mit den scharfen Säuren behandelt. Und wer will sich schon als Einzelner dem allgemeinen Trend entgegenstellen und sich die varroaresistenten Bienen nach Hause holen? Und was würde das bringen? Ich denke, dass so etwas der menschlichen Gemeinschaft ernsthaft schaden könnte. Fazit: Man muss Gespräche führen, um das Beste aus dieser verfahrenen Situation zu machen. Ob diese Art von Miteinander möglich ist und zu Erfolgen führt? Das liegt an uns allen. Vielleicht ist dieser Blick auf die momentane Situation in der Bienenhaltung ein Blick auf die Gesamtsituation in der Landwirtschaft. Oder ist unser Umgang mit den die Bienen vielleicht sogar ein Modellfall für unser Verhalten als Bürger oder Verbraucher?
Lichtblick
Eine etwas ausgefallene Idee scheint mir sehr gut zu sein. Eine befreundete Imkerin macht folgendes: Bei der Völkervermehrung werden bekanntlich Brutrahmen entnommen und zu einem neuen Volk zusammengesetzt. Wenn man dabei alle Brutwaben entnimmt, dann kann man das zurückbleibende Volk gut mit Milchsäure behandeln. Nach drei Wochen kann man aber auch das Ablegervolk genauso behandeln, weil alle Bienen geschlüpft sind und bis zu diesem Zeitpunkt keine neue Brut dazugekommen war.
Auf diese Weise haben alle Bienen dieses zweigeteilten Volkes eine vollständige Behandlung bekommen. Aggressive Säuren sind dabei nicht eingesetzt wurden. Dieser Weg erscheint mir vielversprechend. Allerdings ist diese Art der Bienenhaltung sehr arbeitsintensiv, was sehr viele Halter möglicherweise davon abhalten könnte, so zu wirtschaften.
Ob es nun um Arbeitsweisen oder um die "schwarze Biene" geht: Beides bringt Schwierigkeiten mit. Was sollen wir tun?
Doch es gibt noch einiges an wertvollen Erkenntnissen festzuhalten:
1. Meine viele Mühe mit den langen Beuten hat mir für die Praxis überhaupt nichts gebracht. Erstens ist der Bau der Beuten sehr kostspielig und zweitens muss ich in meiner Imkergemeinschaft so imkern, dass meine Beutenteile kompatibel sind mit denen der Imkerfreunde. Ich muss Bienen auch mal tauschen können. Deshalb wird der nächste Versuch wohl so ablaufen, dass ich auf die Normalzarge zurückgreifen werde. Allerdings in 1 1/2facher Höhe. Dann bin ich immer noch kompatibel, kann aber auf größere Rahmen umstellen. Dann entfällt das sehr lästige Aufklappen der Beuten bei den Frühjahrsdurchsichten.
2. Sehr viele Mühe hatte ich mir mit Beutenisolierungen und Durchlüftung der Außenwände gemacht. Das ist prinzipiell nicht schlecht. Aber wichtig erscheint mir letzten Endes nur der vertikale Luftaustausch. Und da - denke ich - bieten die Klimadeckel nach Torben Fischer ganz große Vorteile. Das System ist auch nicht kostspielig. Und mit den Zanderbeuten (oder ähnlichen Systemen) ist das auch praktikabel.
Damit wäre wohl der weitere Weg vorgezeichnet.