Text 2022 minimal überarbeitet. Neue Fassung im eBook
II 66wki NEUES LEBEN
Ich werde bei Euch sein! Alle Tage. Das ist die Botschaft, die uns
der Auferstandene, der universale Christus für Alle hinterlassen hat.
Finden wir den Herrn denn nun auch wirklich in unserer Gegenwart? Im Alltag, in der Politik? Ja, wir können Ihn erkennen - aber nur mit dem Herzen - denn mit dem Verstand allein ist dieses Geschehen nicht zu begreifen. Der Sonntag, der 18. April 2021 wird mir im Gedächtnis bleiben. Wegen der Pandemie und der ziemlich hohen Inzidenzwerte hatten wir uns entschlossen, nicht in unsere schöne Wallfahrtskirche zu gehen sondern stattdessen einen - so hieß es lapidar in der Programmankündigung - ökumenischen Gottesdienst im Fernsehen anzusehen. Es war der Gottesdienst, der in der Landeshauptstadt für die Toten in der Pandemie von staatswegen gefeiert wurde. Also traditionell mit evangelischen und katholischen Gläubigen gemeinsam - so mutmaßten wir.
Die Besetzung war von beiden Kirchen sehr bedacht vorgenommen worden. Die für ihre Offenheit bekannten hochrangigen
Kirchenvertreter Landesbischof Dr. Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, und der Vorsitzende der Bischofskonferenz Bischof Dr. Georg Bätzing standen als
Vertreter der in Deutschland ansässigen großen Kirchen vor den Versammelten.
Auf der Ausschnittvergrößerung des folgenden Fotos erkennen Sie zwischen den genannten hochkarätigen Würdenträgern noch eine weitere sehr bedeutende Person. Ich sehe in diesem Herrn den Erzpriester Miron und denke, dass sich in dieser Person die orthodoxe Kirche symbolisiert. Und an unauffälliger Stelle ganz rechts: Mit einem kleinen weißen Häubchen ist die jüdische Kantorin Gerstetter erkennbar, die ein paar Worte sprach und mit ihrem Gesang den Gottesdienst bereicherte. Diese beiden Personen zeigen etwas ganz Wichtiges an: Sowohl die Kirchen und auch die Politiker in Deutschland gehen offen auf Menschen anderen Glaubens zu.
Es ist ein bedeutendes Zeichen, das mit diesem Gottesdienst vor der Welt gesetzt wird. Den Herrn, den man auf dem Bild oben in der ersten Reihe links von hinten sieht, möchte ich als Herrn Bundespräsidenten Steinmeier deuten und der Mann im Rollstuhl dürfte der Bundestagspräsident Schäuble sein.
Das Interreligiöse dieser Feier - wahrhaftig ein NEUES LEBEN - wird auf den Fotos deutlich. Dieses Bild allerdings braucht noch eine kleine Erläuterung. Denn es enthält ebenfalls eine sehr wichtige Aussage. Darüber spreche ich jetzt. Die mir von der KNA überlassenen Fotos, für die ich mich ganz ausdrücklich bedanke, sagen sehr viel über unsere Bemühungen um eine die Kulturen und die Religionen übergreifende Menschengemeinschaft aus.
So sehe ich es nicht einfach als Zufall an, dass das folgende Bild, die ein Fotograf ja nur aus den sich ergebenden Möglichkeiten des Geschehens heraus machen kann, eine wichtige Szene zeigt:
Wir erkennen unsere verehrte Frau Bundeskanzlerin, die inzwischen ihren wohlverdienten Ruhestand ansteuert, im Gespräch mit Herrn Dr. Esnaf Begić, dem Vorsitzenden des Islamkollegs Deutschland.
Solche Bilder kann man nicht "stellen", zumal der Blickfang dieses Bildes der Vordergrund mit dem bekannten Politiker und den ansprechenden jungen Frauen ist. So gesehen hat dieses Foto als absoluter "Schnappschuss" der beiden Gesprächspartner, die sich nicht als Zielpersonen für eine fotografische Darstellung wähnten, natürlich eine gewaltige und gute Aussage.
Während der Feierlichkeiten wandte sich auch Herr Dr. Begić mit einigen Worten und einem vorgetragenen Lied an das Publikum. „An das Publikum“ ist eine gern gebrauchte Redewendung. Ich denke, dass diese Worte in solchen Situationen wie bei dieser Feierlichkeit insbesondere immer auch an den Gott gerichtet sind, Der für die Menschen aller Kulturen und Religionen da sein will. Das wäre sozusagen die bessere Formulierung, die genau Den mit einbezieht, Der ohne Ansehen der Person oder der Religion immer voll Liebe auf uns alle schaut. Damit verweise ich auf die große Kraft, die unser erdgebundenes Denken übersteigt. Dieser von der Hoffnung getragene Blick aus der furchtbaren Pandemie heraus war wohl das Eigentliche, was dieser Gottesdienst bringen wollte. Das kam sowohl in den Ansprachen als auch im passend gewählten Evangelium von den Emmaus-Jüngern zum Ausdruck.
Bedeutsam waren auch die Beiträge von Menschen, die von der Pandemie betroffen waren. Hinterbliebene und ein Herr, der in der Pflege für Covid-Patienten arbeitet, sprachen bewegend von Erlebtem. Hinter den Masken erkannten wir im Publikum sehr hochrangige Politiker. Neben Bundespräsident Steinmeier nahmen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, teil. Ich denke, dass diese Feier als ein Novum in der Geschichte der Religionen und auch der Geschichte Europas anzusehen ist. Die Saat von Papst Franziskus zeigt Früchte. Gern gehen wir diesen gemeinsamen Weg. Wenn ich es mit den Worten des Neuen Testaments ausdrücken will, das scheint mir so etwas zu sein, was Jesus meint, wenn Er sagt, dass das Reich Gottes schon unter uns ist. Es wird sichtbar. Es sind die ersten Pflänzchen, die sich in die Höhe recken. Danke an alle Initiatoren und Beteiligten.
Ich nenne nun die Vortragenden, die ich wie die oben schon genannten Namen der Einladenden, der Pressemitteilung entnehmen konnte: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron. Mitgewirkt haben die jüdische Kantorin Avital Gerstetter sowie Dr. Esnaf Begić, Vorsitzender des Islamkollegs Deutschland e. V. (IKD e. V.).
Es ist eine der ganz wenigen Ausnahmen, wenn ich auf dieser meiner Website fremde Bilder verwende. Aber man kann ja schließlich nicht überall sein. Das wäre auch ökologisch sehr bedenklich. Deshalb bedanke ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bei den Fotografen und der Agentur KNA für die kostenlose Überlassung der Fotos. Auch das ist beispielgebend für unsere für die Zukunft erhoffte nachhaltige Lebensweise. Allerdings kann es nicht sein, solches Verhalten nur von anderen zu erwarten. Irgendwie müssen wir uns natürlich auch selbst einbringen.
Die Bundesregierung sucht übrigens systematisch das Miteinander von Religionen und Kulturen. Wenige Zeit später konnte man aus der Tagespresse erfahren, dass unsere Bundeskanzlerin den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma erhalten hat.
Der Chef des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte über Merkel: "Die Bundeskanzlerin hat sich um die Minderheit verdient gemacht und steht wie kaum eine Zweite für ein offenes, demokratisches und dem Rechtsstaat verpflichtetes Europa." Ein Lob von diesem Mann zählt meines Erachtens mehr als die Höflichkeits-Floskel eines Politikers aus dem Milieu der Diplomaten. Im Übrigen hat die evangelische Kirche diesen guten Öffnungsprozess fortgesetzt beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt Mitte Mai 2021. Der Zielrichtung eines solchen Festes entsprechend war selbstverständlich die Gästeliste etwas anders zusammengesetzt, was aber eigentlich selbstverständlich ist.