Die Überschrift dieses Kapitels in Kleinbuchstaben verweist auf das eBook. Dieser Aufsatz ist auf der Website nur gekürzt oder gar nicht zu finden.  Es macht keine große Mühe, mein eBook zu öffnen, das ich Ihnen

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+III29wki* DIE PERLE

+III29wki* DIE PERLE

Dieses Kapitel ist formal die Mitte meiner Website. Es ist aber auch inhaltlich die wichtigste Aussage, die ich überhaupt zu machen habe. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

DIE PERLE, die wir suchen, um glücklich zu werden, das ist Jesus Christus. Er ist Derjenige, Der uns uneingeschränkt Seine Liebe schenkt und uns zu unserem Heil führen will.

 

Außerdem ist die Krippe ein Symbol für die Liebe der Mutter,

die trotz Armut alles für ihr Kind tut.

 

Und die Krippe zeigt auch an,

dass die einfachen Leute, denen man keine Herberge zugesteht,

wichtiger sind als die "Großen" dieser Welt.

 

Foto vom Ulmer Münster
Ein sehr schönes Foto von Herrn Armbruster-Meyer (www.fotografie-und-gedanken.de)

Wer die Lehre von Christus begreift, hat das gleiche Gefühl wie ein Vogel, der bis dahin nicht wusste, dass er Flügel besitzt, und nun plötzlich begreift, dass er fliegen, frei sein kann.

                                                                                                             Leo Tolstoi

 

Der Begriff "Perle" steht für etwas ganz Schönes und Wertvolles. Hier auf dieser Seite steht der Begriff "Perle" für Jesus Christus, der Menschensohn. In der Umgangssprache spricht man gern von der Perle des Hauses und meint damit die Frau, die für alles und jeden in der Familie liebevoll sorgt. Ähnlich ist es mit Jesus Christus. Auch Christus sorgt sich unentwegt um uns und auch um unsere Pläne und Vorhaben. Er möchte, dass wir uns fest vornehmen, alles zu tun, um einmal zu Ihm zu kommen. Er ist Der, Der uns liebt. Obwohl Er alle Macht der Welt in Seinen Händen hält.

 

Vor fast genau 60 Jahren kam mir das Buch "The pearl" von John Steinbeck in die Hände. Es war das erste (und auch das letzte) Buch, das ich in englischer Sprache zu lesen versuchte, um endlich die Weltsprache zu lernen, die in der DDR kein Schulfach war. Über den Anfang bin ich aber nie hinausgekommen. Bei der Schilderung des Lebens der einfachen Familie ist es geblieben. Dann kam nämlich die Zäsur meines Lebens und das Buch habe ich meinem Freunde zurückgegeben, der sich gleich darauf dachte, dass ich wohl nicht länger im Lande bleiben würde. Dies nur nebenbei. Mir gefiel das Buch doch sehr. Wie sich die Menschen in ihrer Armut durchschlugen und trotz ihrer Not nicht unglücklich waren!

 

Erst viele Jahre später im Nepal konnte ich Menschen in einer irgendwie vergleichbaren Situation aber diesmal in Wirklichkeit beobachten, die als Bauern in Schwerstarbeit mit ihren Ochsen Felder im Gebirge bewirtschafteten und nicht unglücklich wirkten. Da kann man nun viel drüber nachdenken, warum das alles so ist. Warum diese Leute unserem Klischee entsprechend noch nicht längst alles getan haben, um von dieser Schwerarbeit wegzukommen. Über den "Sozial-Aspekt" diskutieren kann man natürlich. Doch dieses Kunstwort kann das nicht fassen, um was es hier geht. Das ist nämlich irgendwie viel mehr. Aber diese Fragen lasse ich jetzt offen. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus. Jetzt zeige ich Ihnen erst einmal diese Familie aus dem Nepal, deren Leben und Arbeiten mich sehr tief beeindruckt hat. Im Hinblick auf diese Oase des Friedens, die ich hier beobachten konnte, könnte man geneigt sein, an das Wort des Herrn denken: Das Reich Gottes ist nahe.

 

Ochsengespann in Nepal
Eine Familie bewirtschaftet mit einem Ochsengespann einen Hang in Nepal

Doch die Vorstellung von der heilen Welt traf für die Fischersleute in Steinbecks Geschichte nicht zu. Ich erfuhr, als ich viele Jahre später in dem Buch weiterlas, dass das Kind der armen Leute von einem giftigen Skorpion gebissen wurde. Es wurde sehr krank. Aber schon in den nächsten Tagen fand sein Vater, der als Perlentaucher sein Geld verdiente, eine wunderbare Perle und so kam die Hoffnung auf, dass er mit dem Erlös dieses Fundes auch den Arzt bezahlen konnte, der das Kind nur gegen Cash behandeln wollte. 

 

Sie werden es sicher wissen, wie es weiter gegangen ist: Die Erzählung endet in einem Wust von Hass, Gier, Not und Verbrechen. Wie es auf der Welt so geht, die armen Leute waren am Schluss die Leidtragenden. Nicht einmal der Besitz der kostbaren Perle hat sie aus ihrer Not befreien können. Im Gegenteil, die Perle wurde zum Unheil für sie. Diese Perle war also gar nicht das, was wir meinen. Es war wohl eher etwas wie eine "Tränenperle". Und mein Traum, dass auch die einfachen und armen Menschen ein glückliches Leben führen können, war nun auch auf einmal weg. Nicht ganz, denn irgendwann wurde mir klar, dass Reichtum oder Armut gar nicht einmal unbedingt das Problem auf der Welt sind. Ich denke, es ist eher entscheidend, wie wir alle, vor allem die Wohlhabenden die Kostbarkeiten verwalten, die auf der Erde wachsen und gedeihen. Und wie wir alle miteinander umgehen.  Aber auch das ist ein anderes Thema. Bleiben wir noch einen Moment bei den Perlen und Schätzen, die irgendwie auch in unsere Traumwelten gehören.

 

Vielleicht ein Stein voller Kristalle
Vielleicht ein Stein voller Kristalle? Wir wissen es nicht.
Kristalle in einem Stein
Dieser Stein hingegen zeigt uns die Schätze, die er beherbergt. Erst wenn wir diese wunderbaren Kristalle sehen, wird uns der Wert des Steines deutlich.

Der Inhalt des Gleichnisses von der Perle ist ähnlich dem vom Schatz im Acker. Es wird berichtet, dass ein Mann diesen wertvollen Fund auf einem Acker machte. Das war wohl das Feld, auf dem er Tag für Tag für einen Gutsherrn arbeitete. Der Mann verkaufte nun all sein Hab und Gut, erwarb den Acker und wurde damit zum Besitzer des Schatzes. Gemeint ist mit dieser Erzählung, dass alles Gut der Welt klein und gering ist gegenüber der Freundschaft mit Gott. In beiden Geschichten geht es um etwas, das ganz wertvoll ist und im Kontrast zu der Novelle von Steinbeck tatsächlich allen Einsatz zur Erlangung wert ist.

 

Nach diesen Vorbemerkungen komme ich auf eine Aussage des Religionsphilosophen Biser zu sprechen. Biser möchte uns klarmachen, dass es für uns ganz wichtig ist, zu erfahren, dass Gott Liebe ist, ja, dass alle Ideen Gottes immer nur Gedanken der Liebe sind, der Liebe, die uns Menschen - besser gesagt - allen Menschen gilt.

 

Und das ist etwas, das für viele nicht selbstverständlich ist. Man sprach früher - in Anlehnung an das Alte Testament - von einem Gott, der rachsüchtig sei, unbedingten Gehorsam fordere und Ungehorsam streng strafte. Im Katechismus, den ich einmal vor 65 Jahren zu lernen hatte, kam das deutlich zum Ausdruck: "Du sollst den Herrn, deinen Gott über alles fürchten..." (erst danach kam das mit der Liebe und dem Vertrauen, sozusagen als Konsequenz aus der Furcht vor Gott). Was für eine Art von Liebe, die auf Angst vor dem Herrscher beruht! Diese Art von Gottesbezug hat es vor einem halben Jahrtausend möglich gemacht, den einfachen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, damit in Rom der Petersdom gebaut werden konnte. Und wohl nicht nur dieser. Kein Wunder, dass der moderne und aufgeschlossene Papst Franziskus gar nicht in den dazugehörigen Palästen wohnen will. Das ist ein ganz großes Zeichen, das von diesem Entschluss ausgeht. Es ist ein Zeichen des Rückzugs von der Macht.

 

Nun zurück zu dem Theologen und Pfarrer der Ludwigskirche, die man in München schräg gegenüber der Universität findet. Hier predigte Biser nämlich viele Jahre unentwegt vom Gott der Liebe, vor allem von Jesus Christus. Dieser konsequente Blick Bisers auf den liebenden Herrn ist - abgesehen von einigen nicht allzu zahlreichen ähnlich Denkenden - ein Novum in der Geschichte der christlichen Religion.

 

Mit welcher Innigkeit Herr Biser diese seine Gesinnung ausdrückt, das erscheint mir einmalig. Es ist eine Poesie der Liebe. Die Zitate habe ich an anderer Stelle niedergeschrieben. Hier möchte ich auf eine seiner Formulierungen aufmerksam machen, in der es darum geht, die Offenbarungen Gottes als den "Schatz" darzustellen, die für uns eine ganz große Kostbarkeit ist. Dabei geht es im Wesentlichen darum, dass ein Schatz erst dann Bedeutung gewinnt, wenn er als solcher wahrgenommen wird. Im Fachjargon: Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion.

 

Herr Biser sagt nun, dass ein wundervoller Stein erst dann zu einer Kostbarkeit wird, wenn er von einem Menschen erblickt wird und dieser Mensch seinen Wert erahnt. Vor diesem Geschehen kann dieser Stein nichts bewirken. Er ist einfach nur da. Plötzlich aber, nachdem das Interesse geweckt ist, wird er zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Man könnte auch sagen, das ist wie mit einem wertvollen Kristall, das man erst im grauen Gestein finden muss. Man findet Jesus Christus als Freund und weiß, dass man das Kostbarste gefunden hat, das es gibt.

 

Das Äußere eines Steins
Natürlich ahnen Sie es schon: Dieser Stein birgt einen Schatz
Das Innere des Steins enthält wunderbare Farbschichten und im Innern glänzende Kristalle
Ja, so sieht es also im Innern dieses Steins aus

Soweit Biser, der in seinen Gedanken fortfährt, dass es mit den Gedanken Gottes ähnlich ist. Sie werden uns nicht bekannt, wenn sie uns nicht von Gott gesagt oder - wie es in der Sprache der Bibel heißt - geoffenbart werden. Das ist schließlich nichts Neues, dass ein Liebender oder eine Liebende das dringende Bedürfnis hat, den Wunsch nach Nähe der geliebten Person auch auszudrücken, eben zu sagen, was man auf dem Herzen hat. Und genauso geht es Gott, Er will es uns sagen, dass Er unsere Liebe zu Ihm wecken möchte. Er macht sich uns bekannt - und zwar durch Jesus Christus, Der zu uns gekommen. Doch vorher schon sprechen die Propheten von der Ankunft des hohen Gastes. Ausgedrückt wird das alles in der Feier der Heiligen Messe.

 

Jesus Christus ist das Ziel unseres Lebens

Schauen wir erst einmal auf das Ziel der Herzensneigung Gottes. Was machen wir - also unsere Generation - mit der Kostbarkeit, die uns zuteil geworden ist? Zunächst einmal schauen wir uns diesen Fund an - und tun das Gleiche, was J. Steinbeck in seiner Geschichte beschrieben hat. Jeder will den Stein in seinen Besitz bringen - und mancher riskiert dabei sein Leben oder seine Seele. Dabei ist das Besitzenwollen ja bekanntlich keine gute Idee. Aber gerade in der Liebe wird das manchmal vergessen. Den Partner besitzen zu wollen, ist beispielsweise etwas, das wir ganz schnell vergessen sollten. Denn so funktioniert Liebe eben nicht. Schon gar nicht bei unserem Herrn Jesus Christus. Er ist das Ziel unseres Lebens. Aber nicht so, dass wir Ihn in Besitz nehmen wollen.

 

Aber auch dieser Gedanke ist, so klar er dem erwachsenen Kulturmenschen erscheinen möge, ganz und gar nicht selbstverständlich. Das hat seine Gründe. Unser aller Entwicklung hat damit angefangen, Macht über die Mama zu gewinnen, die von uns, den Säuglingen und Kleinkindern nicht als gute Mutter empfunden, sondern als alleiniger und größter "Besitz" verstanden wird. Erst später müssen wir lernen, dass uns die Liebe der Mutter nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk zuteil geworden war. 

 

Zurück zu Jesus Christus. Schließlich kommt Er selbst zu uns. In Menschengestalt. Seine Liebe ist die Perle, die wir nicht verachten, sondern als Geschenk achten und annehmen sollen. Der kostbare Stein, der zu uns aus dem Meer gekommen ist, ist schließlich Er selbst. Als Freund. Er setzt sich unseren Blicken aus und riskiert dabei, übersehen oder gar missachtet und weggeworfen zu werden. Er geht das gleiche Risiko ein, das ein Verliebter eingeht, wenn er der Angebeteten von seiner Herzensneigung erzählt. Ja, für Ihn war es noch schlimmer, denn Seine Werbung wurde damit beantwortet, dass man ihn zum Tod am Kreuz verurteilte. Ja, es ist so, der kostbare Stein, den die Brandung an den Strand gespült hatte, den zerschlugen wir im Übermut und Trotz. Es sind tatsächlich ganz verschiedene Facetten dieses Auf-uns-Zugehens Gottes und der Antwort, die wir Gott geben. Dieses komplexe Geschehen sollten wir ein wenig "aufdröseln", wie man in Norddeutschland zu sagen pflegt.

 

Schauen wir doch einmal auf den Weg, den Gott nahm, um uns in Seine Geheimnisse einzuweihen. Er wurde schon Jahrtausende vor Seinem Erscheinen als Sohn Davids angekündigt.

 

Pyramide in Ägypten
Um einen ganz groben Eindruck über die Geschichte zu vermitteln, zeige ich Ihnen ein Bild, das uns in die Zeit versetzt, von der hier die Rede ist.
Davidsgrab
Das Foto zeigt das Davidsgrab im Heiligen Land

Mit dem "Besitz" Gottes scheint es ja doch wohl eine ähnliche Entwicklung in den verschiedenen Kulturen der Menschheitsgeschichte gegeben zu haben. Vielleicht sage ich es genauer: Den "Besitz" der einzigen und endgültigen Wahrheit über das Wesen Gottes will jeder beanspruchen, der auch nur eine minimale gewisse Kenntnis von Gott hat oder zu haben meint. Dabei können wir doch gar nichts über Gott wissen, was Er uns nicht vorher als eine Art "Info" hat zukommen lassen. Das ist dann aber ein Geschenk, ein Unterpfand Seiner Liebe und niemals etwas wie ein "Besitz". Vielfach sind wir - und da schließe ich mich durchaus mit ein - über das Denken in den Kategorien des "Haben-Wollens" noch nicht bis zum "Sein-Wollen" vorgestoßen. Das hat Erich Fromm eigentlich recht schön in seinem Buch "Sein und Haben" erläutert. Es lohnt sich, immer mal wieder in dieses kleine Buch des großen Philosophen hineinzuschauen. Doch was hat dieses alles mit der wirklichen Religionsgeschichte zu tun? Was können wir rückblickend dazu sagen? Es ist nicht nur für Wohlhabende.

 

Nun zunächst einmal kamen die Erkenntnisse von der Welt und dem Herrn über Himmel und Erde nur "bröckerlweise", also in kleinen Häppchen. Wie ist denn der Gedanke an Gott entstanden? Da gab es heftige Gewitter und Wetterphänomene, die von unseren Vorfahren als das Walten einer über uns stehenden Macht gewertet wurden. Ohnmacht gegenüber diesen Naturkräften war wohl der Auslöser zu einer Religion, in der die Abhängigkeit des Menschen von übergeordneten Kräften bestimmend war. Im Fachjargon: Naturreligionen sind entstanden.Die Ägypter hatten schon in frühester Zeit die gewaltigen Kräfte unserem Muttergestirn zugeschrieben. Demgemäß wurden Gott und Sonne gleichgesetzt und verehrt. Die Reise der Sonne über den Tag war - so sagte man - allerhand Gefahren ausgesetzt und man war froh, den Lebensspender an jedem neuen Tag begrüßen zu dürfen. Also war damit auch schon das Böse - der Widersacher Gottes - im Weltbild der Menschen untergebracht. Weil das alles recht gut zusammenpasste, konnte diese Religion Jahrtausende überdauern. Im Übrigen stand das Geschlecht der Pharaonen der Sage nach in enger verwandtschaftlicher Beziehung zum Sonnengott. Das gab diesem System von grundsätzlichem Monotheismus einen deutlichen Halt in der Gesellschaft.

 

Wenn wir an den wunderbaren Stein denken, da erkennen wir schon die Konturen von etwas, das jetzt schon in dieser Urform als Kulturgut der Menschheit angesehen werden muss. Wenn wir wieder an die Geschichte vom wertvollen Stein erinnern, dann könnte man das so ausdrücken, dass ein wichtiges Teilstück der vollen Wahrheit vom "Stein des Himmels" schon bekannt worden war. Allerdings konnte die festgefügte Hypothese vom Sonnengott nicht auf ewig bestehen. Irgendwann war die Religion der Ägypter nicht mehr haltbar, weil Gott eben nicht einfach nur die Sonne ist. Denn auch die Sonne ist - so wichtig sie für uns auch ist - eben nur Teil der Schöpfung und eben nicht Gott. Gott musste sich - in Gestalt des Menschen Jesus Christus - einer Volksgemeinschaft zu erkennen geben, in der noch Raum war für Ihn. Außerdem musste dieses Volk erst einmal so weit entwickelt sein, dass es mit einer solchen gewaltigen Offenbarung auch etwas anfangen konnte. Anscheinend ist das Volk Israel aus diesen und vielleicht noch anderen Gründen vom Herrn gewählt worden als Träger einer Kultur, die Er dann schließlich noch weiter entwickeln wollte. Als Angehöriger einer der drei Buchreligionen kann man mit Recht sagen, dass die Formel "Gott = Sonne" sich nicht mit dem vereinbaren lässt, was wir über den Gott Abrahams zu wissen glauben.

 

Von unserem Wissen über vergangene Zeiten war es ja auch so, dass beim Auszug der Juden aus Ägypten von gewaltigen Kräften berichtet wird, die den Juden zur Seite standen und dem bis dato unumstrittenen Machtinhaber, den Pharao ins Wasser stürzten. Das wird von jeher als Beweis dafür gewertet, dass der wahre Gott nicht der Gott der Ägypter, sondern der Gott Israels ist. Von diesem entscheidenden Geschehen wird in den heiligen Büchern genauestens Bericht gegeben. Es sind Berichte, die im Wesentlichen vor allem von den Forschern als Bildsprache verstanden werden. Doch darüber sind sich die Angehörigen der Buchreligionen gar nicht einig. Diese Einzelheiten sind allerdings Glaubens- und Kulturfragen, die hier nicht diskutiert werden sollen - und im Übrigen tatsächlich auch gar keine Rolle spielen, es sind Punkte, über die man sich im 21. Jahrhundert nicht mehr streiten sollte.

 

Viel wichtiger ist es, die vielen Gemeinsamkeiten unter den verschiedenen Religionen zu betonen. Ich denke, dass ich an dieser Stelle ein Bild von Christus zeigen sollte. Denn hier sind wir gewissermaßen an einem Zentralpunkt, wo sich die verschiedenen Religionen treffen.

 

Jesus Christus - der auferstandene Herr
Die Ankunft des Herrn – hier ein Bild vom Auferstandenen – war also ein von langer Hand vorbereitetes Geschehen.

Kristalle aus einem Stein
Die seltenen Steine stehen symbolisch für das, was uns wertvoll ist.
Bergkristall im Sonnenlicht
Dieser Bergkristall spiegelt sehr deutlich das kräftige Blau des Himmels wider

Als Ganzes gesehen fügen sich die beschriebenen Ereignisse jedenfalls gut ein in das übrige Geschehen, von dem im Alten Testament berichtet wird. Die Propheten hatten ja immer wieder betont, dass Gott sich das Volk Israel als "Sein Volk" auserwählt habe, dass Er dieses Volk beschützen und groß machen wolle. Insofern macht es ja auch Sinn, anderen Völkern zu demonstrieren, dass deren Götter nur steinerne Gestalten seien, die in Wirklichkeit gar nicht existierten. Erst über die Entmachtung der "Pseudogottheiten" konnte es gelingen, später einmal auch die Menschen, die tote von Menschen gemachte Bilder anbeteten, von ihrem Irrtum abzubringen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, den wahren Gott kennenzulernen. So ist es jedenfalls ganz grob ausgedrückt, zumindest die Sichtweise der Menschen, die sich an eine der drei Buchreligionen halten wollen. Mag sein, dass das Gebot Gottes: "Du sollst Dir kein Bild von Gott machen" durchaus damit zusammenhängt, dass es ein Irrweg der Menschheit ist, in totem Gestein Gott erkennen zu wollen.

 

Man ahnt jetzt schon: Der noch nicht vom Staub der Ereignisse befreite "Fundstein" wird schon differenziert betrachtet. Den Einen fällt dieses auf, den Anderen etwas ganz Anderes. Das liegt nun auch daran, dass Christentum und Islam sehr viel später entstanden sind. Was den Islam betrifft, da kann ich mich kurzfassen, weil ich zu wenig Einblick habe. Jedenfalls gibt es von beiden Seiten immer noch erhebliche gegenseitige Vorbehalte. Mit dem Christentum ist es so, dass Jesus als Jude aufgewachsen ist und - soweit sich das beurteilen lässt - nicht gegen die Religion Seiner Eltern revoltiert hat. Er ist durch Geburt und war auch von Seiner religiösen Grundhaltung Volljude. Und so lebte Er auch.Heute sagt man gern, die Juden seien die älteren Geschwister der Christen - und ich füge hinzu - die Verwandten der Menschen mit anderen Vorstellungen von Gott. Anstoß hat Jesus Christus nur deshalb erregt, weil Er die Art und Weise des Verhaltens der Religionshüter deutlich missbilligte und kritisierte. Mit den "einfachen" Menschen hatte Er keinerlei Schwierigkeiten. Er bekam auch Probleme, weil Er davon sprach, dass man seine Feinde lieben soll. Weil Er als jemand auftrat, der Frauen und Kindern die gleichen Rechte wie Männern zugestand. Niemals jedoch ist Jesus Christus als Gründer einer neuen Religion aufgetreten. Doch warum kam es überhaupt dazu, dass sich Seine Jünger schließlich definitiv als Seine Anhänger und Nachfolger identifizierten? Und damit entstand natürlich eine "neue" Religion, die sich als eigenständig differenzierte. Das war wohl seinerzeit auch notwendig, denn sonst würden wir heute nichts vom Christentum wissen.

 

Vom Glauben der Väter wandten sich die Jünger Jesu Schritt für Schritt ab. Ein Vorgang, der von Jesus zwar vorausgesehen aber nicht unbedingt beabsichtigt war.

 

Er sprach von neuem Wein in neuen Schläuchen und meinte wohl Seine - auch heute noch revolutionären - Ideen

 

und der Herr fügte hinzu, als Er das Gleichnis vom neuen Wein in neuen Schläuchen erzählte: Manche aber bevorzugen den alten Wein. Damit ist gemeint, dass diese Leute die jüdischen Prinzipien nicht aufgeben wollten, also als Juden weiterleben wollten. Das war also eine Feststellung des Sachverhaltes und keineswegs so etwas wie ein Urteil.

 

Auf den imaginären Stein bezogen könnte man sagen: Jetzt zeigte sich, dass der Stein wohl aus mehreren Stücken bestand. Vielleicht wollte Gott diese Vielfalt und Fülle, um darin Seine Größe zu zeigen. Weil alle Vereinfachung Seiner Fülle Abbruch tun würde. Folgerichtig ist es dann an uns, den Angehörigen anderer Religionen ganz große Achtung entgegen zu bringen. Man könnte auch sagen: Je nachdem aus welcher Sicht oder von welcher Kultur her man den Stein betrachtete: Immer wieder gab es neue Facetten, die sich keineswegs in Einklang bringen ließen, denn wir haben - das müssen wir nun einmal zugeben - eben nicht den vollen Überblick über die Geschichte der Religionen.

Es stellt sich die Frage, die Lessing in der "Ringparabel" anspricht:

 Wenn alle Religionen gleichberechtigt sind, gibt es dann überhaupt eine Religion, die "richtig" ist?

Gehören die Nicht-Buch-Religionen auch zu dem "Stein der Erkenntnis Gottes"? Ich sage jetzt einfach: Ja, sicher. Denn große Weisheit geht von diesen Religionen aus.

Sind Sie ein Teil des Reiches Gottes?

Ich denke ja.

 


  Und was ist dann mit den Religionen des Ostens, die es ja auch noch gibt.

 Eine Religion, die von der Liebe Gottes spricht, kann im Prinzip nicht verkehrt sein.

 

 

Und um das Bild zu vollenden: Vergessen wir nicht die der Natur angepasste "Vorstellungswelt" der Indianer!Wenn wir uns nach den Lebens-Prinzipien der Indianer gerichtet hätten, würden wir heute nicht vor einem weltweiten Scherbenhaufen stehen, der mit den harten Worten "Ausbeutung" und "Klimanotstand" bezeichnet werden kann. Das Wissen von Gott, das wir glauben vor uns hertragen zu müssen, hat uns nicht davor bewahrt, Mitmenschen und Erde auszubeuten. Bescheidenheit und Umkehr würde uns - die wir uns doch als Anhänger des Schöpfergottes zu erkennen geben - gut anstehen. Doch die Bilanz unserer eigenen Kultur zeigt fast nur rote Zahlen. Wenn zu Zeiten Jesu die Pharisäer und Schriftgelehrten die eine Seite des Steins besudelt hatten, tun wir das in großem Stil mit der anderen Seite in einer Art und Weise, die es uns verbieten sollte, überhaupt über Gott zu reden, weil wir Ihn mit unserem Tun ständig ins Gesicht schlagen und Sein Gebot zur Nächstenliebe derart missachten, dass die grausamen Geschichten des Alten Testamentes, über die wir uns aufregen, Kinderkram sind gegenüber den heutzutage verübten Verbrechen an den Armen dieser Welt. Es geht um Verbrechen, die wir schon gar nicht mehr als solche erkennen, weil sie an der Tagesordnung sind.

 

Es geht um Verbrechen, die nicht Einzelfälle sind sondern gewissermaßen zum gesellschaftlichen System gehören. Gott sei uns gnädig. Wir führen Seinen heiligen Namen im Mund und im gleichen Moment finden unbarmherzige Feldzüge gegen Unterdrückte und Ausgebeutete statt. Ich denke, es ist sehr wichtig, bei der Betrachtung der Geschenke von Gott auf das Unrecht in der Welt hinzuweisen. Wir dürfen die Ärmsten bei unseren Diskussionen nicht einfach vergessen. Schließlich geht es hier um einen Kernpunkt dessen, was uns Jesus Christus aufgetragen hat. Man kann nicht Gott und dem Mammon gleichzeitig dienen. Wir schauen uns den "Jedermann" bei den Festspielen in Salzburg an und erkennen nicht, dass es um uns selbst geht. Oder wir sitzen vor dem Fernseher in einer Kleidung, die in Sklavenarbeit in Asien gefertigt worden ist und entrüsten uns über die Zustände, die Charles Dickens in seiner Weihnachtsgeschichte beschrieben hat. Allerdings geht es hier immer nur um Feststellung von besonderen Situationen und nicht um Verurteilungen.

 

Überhaupt hat Jesus den Sozial-Aspekt im Glauben zum Dreh- und Angelpunkt des Verhaltenskodexes für Seine Anhänger gemacht.

 

Gleich nach der Liebe zu Gott steht das Gebot der Nächstenliebe, das in der heutigen Zeit global verstanden werden muss. Das Prinzip Liebe ist das Grundverhalten Gottes.

 

Und genauso wie Jesus Christus sollen wir auch zu Liebenden werden.

 

Gesagt hat uns das alles der Herr, Der sich als "Menschensohn" auf den Weg zu uns gemacht hat, um uns das alles zu erklären. Und um Gewaltlosigkeit und Güte als göttliches Prinzip vorzuleben. Er selbst ist die Idee Gottes, das "Wort Gottes, das Fleisch geworden ist", wie es im Johannes-Evangelium gesagt wird. Das Ganze hat geradezu eine kosmische Dimension, eine Dimension, die unser aller Dasein mit umfasst.

 

Ein Kristall, in dem sich der Himmel spiegelt
Auch in diesem Kristall spiegelt sich der Himmel
Ein Steinstück mit Kristallen
Ein Steinstück mit Kristallen
Ein Stein mit schönen Farben, ein Bild für den starken Herrn Jesus Christus
Ein wunderbarer und farbenfroher Stein - doch Vorsicht, als Gegner des Gottessohns Jesus Christus kann man an diesem Eckstein zerbrechen

 

 

Er ist der Stein, der aus dem All gekommen ist und uns mit Seinem wunderbaren Licht umgibt. Und wie der Stein im Foto oben die Farbe des Himmels widerspiegelt.Er ist der Stein, der aus dem All gekommen ist und uns mit Seinem wunderbaren Licht umgibt. Und wie der Stein im Foto oben die Farbe des Himmels widerspiegelt.Wenn wir nun feststellen müssen, dass die Vollendung der Welt als "Reich Gottes" zwar irgendwie vorgezeichnet aber noch nicht vollendet ist, gibt es aber trotzdem noch etwas ganz Wichtiges, das zu beachten ist.

 

 

 

Vielleicht ist dieses Etwas sogar die Krönung dessen, was hier nur in einer groben Skizze dargestellt wurde. Im Bild gesprochen: Der "Stein aller Weisheit" - die Inhalte aller Religionen und Kulturen stehen immer noch nebeneinander und bilden in ihrer Gesamtheit einen ganz großen Schatz der Menschheit. Die Vielfalt  der Aspekte Gottes wird deutlich. Es ist aber alles noch getrennt voneinander und Jesus Christus sprach doch von einer Zukunft, in der Alle Eins seien. Was fehlt denn da noch?


Vielleicht helfen uns dabei die Gedanken östlicher Philosophen weiter, die im Christentum noch mehr erkennen können als eine Religion unter vielen anderen.

 

Panikkar - ein bekannter Religions-Philosoph - sagte, dass Jesus Christus keine neue Religion gebracht habe sondern dass Er die Erfüllung aller Religionen sei, wobei die Betonung wahrscheinlich auf dem kleinen Wörtchen "aller" liegen muss.

 

Doch wie ist das nun zu verstehen? Ist da nicht schon wieder eine Verwässerung oder gar eine Hintanstellung aller anderen Religionen geplant? Ist das vielleicht so, dass der Vorrang des Christentums - sozusagen durch die Hintertür - wieder eingeführt wird? Auf diesen Gedanken könnte man leicht kommen, wenn man die Geschichte der Religionen, besonders die der Christen aufrollt und analysiert.

 

Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken so zu ordnen, dass es mir gelingen könnte, dieses fehlende Vertrauen in unsere Religion wiederherzustellen, denn oft genug sind da in der Vergangenheit Fehler gerade von sogenannten Christen aus Europa gemacht worden. Über diese Verbrechen werde ich an dieser Stelle nicht sprechen, denn das ist alles bekannt und wir haben allen Grund, uns für das zu schämen, was wir den Menschen anderer Länder angetan haben. Ich denke, dass die gesamte Eroberungs- und Kolonialpolitik nichts mit dem Christentum zu haben. Im Gegenteil, das Christentum wurde als Vorwand zur Unterdrückung der Einheimischen benutzt. So wie auch heute noch die Religion als Vorwand zum Verbrechen genutzt wird. Wenn wir schon vom Widersacher Gottes sprechen, dann sollte an dieser Stelle gesagt werden, dass wir uns zu Komplizen der Feinde Gottes gemacht haben. 

 

Es heißt: "Du sollst den Namen des Herrn Deines Gottes nicht missbrauchen." Und damit dürfte genau das gemeint sein, was ich eben angesprochen habe. All der Missbrauch Seines Heiligen Namens unsererseits ändert aber nichts am Willen des Herrn, Der immer nur von Liebe gesprochen und als Liebender gehandelt hat. Und darüber möchte ich jetzt ein paar Sätze sagen, denn verbindlich für uns kann nur sein, was Er von uns will.

 

Ich denke, dass Einigkeit darüber besteht, dass wir uns alle im Klaren darüber sind, dass die Namen "Allah", "Schöpfergott", "Jahwe" der einzigen großen Kraft und Intelligenz zugeordnet sind, die unser All, unsere Welt und jeden von erschaffen hat und jeden (jede) bei seinem (ihrem) Namen ruft, um ihm (ihr) das ewige Leben zu schenken. Um in der westlichen Hemisphäre zu bleiben, verweise ich auch auf Den, Den die Indianer den "Großen Geist" nennen. Und wenn viele Menschen heutzutage einfach vom "Guten" sprechen, dann sollten wir darüber nachdenken, was (oder wer) hinter diesem Begriff steckt. Eine offene Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Ich denke, wir sprechen hier über den Herrscher des Alls.

 

Menschen in einem Tempel
Andere Völker, andere Rituale - aber eine einzige vielfältige Kraft, die wir ehren

 

Doch wie verhält es sich mit den Religionen des Ostens. Da gibt es doch ganz entscheidende Unterschiede. Oder? Man hat da eben auch nicht nur einen einzigen Gott. Man denkt an die Wiedergeburt der Lebewesen als Teil eines kosmischen Kreislaufs und was ist mit dem Himmel, wo gibt es denn den? Das "Nirwana" übersetzen wir leichthin mit "Nichts". Also der totale Gegensatz? Mitnichten - Viele Gemeinsamkeiten lassen sich finden, wenn man sich von den tatsächlich bestehenden Äußerlichkeiten nicht abschrecken lässt. Denn im Kern der Überlegungen lassen sich viele Übereinstimmungen finden.

 

Und wenn man im Osten von Gott nicht als Person spricht, dann ist das keine Verneinung Gottes, sondern eine Form der Verehrung des göttlichen Geheimnisses. Es ist ja schließlich auch keine Religion, die irgendwie als Offenbarung zu erklären ist. Da hatten wir es anscheinend leichter mit den Propheten, die uns schon in Vorzeiten eine Menge an Infos mitgeteilt haben. So gesehen ist es leicht zu erklären, dass man im Osten vieles anders sieht als im Westen. Also auch hier die verschiedenen Facetten ein- und desselben Edelsteins? Doch immer wieder: Die Fülle des Lebens.


Lassen Sie mich nun nach all diesen Überlegungen auf Jesus Christus zu sprechen kommen. Wir ehren Ihn als den Sohn des lebendigen Gottes. Doch wir sollten nicht kleinlich danach fragen, wer dieser Gott denn nun ist. Sondern wir stellen den einen Gott, der alle Menschen geschaffen hat, nicht mehr als "Bild" vor unsere Augen, denn das "Bild-Machen" hat Er ausdrücklich verboten. Nein,

 

wir sehen in diesem Gott die alles umfassende Wahrheit, die Weisheit und die unendliche, unbegreifliche Liebe, die starke Kraft, aus der alles Lebendige hervorgegangen ist.

 

All das ist unseren Blicken verborgen und für uns Menschen wird es ewig ein ganz großes Geheimnis bleiben. Mit einer solchen geradezu "kosmischen" Vorstellung verraten wir kein Gramm unseres christlichen Glaubens. Und können sicherlich getrost in der Heiligen Messe Seinen heiligen Leib empfangen. Doch wir erweitern unseren Blick und anerkennen, dass auch andere Kulturen vom Strahl der Liebe des Allmächtigen getroffen werden und als Seine Kinder "erleuchtet" sind in einer Art von Erkenntnis, die wir wegen der Verschiedenheit der Kulturen nicht so nachvollziehen können. Aber wir können das akzeptieren und auch das tut unserem Glauben keinerlei Abbruch. 

 

Im Übrigen verweisen die Vertreter der hier dargestellten Auffassung auf eine alttestamentliche geheimnisvolle Figur, die in einer übergeordneten freundschaftlichen Beziehung zu Abraham zu stehen scheint: Melchisedek. Bei Wikipedia lesen wir über diesen hochgeachteten Mann:

 

"Die Bedeutung Melchisedeks besteht darin, dass er der erste überhaupt im Tanach erwähnte Priester ist und dass er für sein Opfer Brot und Wein verwendet, nicht Fleisch von Opfertieren, wie die späteren Priester des Alten Testaments." 

 

Man kann also Melchisedek als ersten der Priester überhaupt verstehen, der - so wie es Christus später tun wird - Brot und Wein als Opfer darbringt. Bemerkenswert ist, dass Abraham als untergeordnet zu Melchisedek beschrieben wird. Das kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass das Opfer Melchisedeks zeitlich gesehen und auch von der Bedeutung her noch vor der Entstehung der Religion der Kinder Israels eine Handlung darstellte, die alle Menschen als Gotteskinder umfasste. Also auch diejenigen, die damals noch nicht zu dem Volk gehörten, das sich Gott dann später auserwählt hat. Das ist keine Herabstufung der Juden, sondern eine Erzählung, die Menschen der verschiedensten Glaubensrichtungen gleichermaßen erhebt und ein Hinweis sein könnte auf Den, Der Jahrtausende später auftreten und mit allen Menschen nach der Ordnung des Melchisedek "das Brot brechen" wird.

 

Außerdem: Wenn ich Gott meine Gaben bringe - Brot und Wein - dann hat das eine ganz andere Qualität als ein "Opfer", das Wort erinnert immer daran, dass zuvor ein lebendes Wesen getötet wurde. Viel schöner ist es doch, sich selbst, seine Arbeit, sein Denken als Gabe vor Gott hinzustellen. An anderer Stelle wird erklärt, dass Walter Wink recht schön herausgearbeitet hat, dass der Begriff des Opferns - vor allem um Gott milde zu stimmen - gar nicht zu der Vorstellung vom gütigen Vater passt, Der gar keine Opfer will  sondern eine Herzens-Antwort auf die von Ihm geschenkte Liebe. 

 

Der "Menschensohn" wird sicherlich alle Menschen einmal in einer Art "eucharistischer Gemeinschaft" vereinen. Doch das liegt immer noch in der Zukunft. Ob Gott das wirklich so vorhat? Das weiß natürlich niemand, aber man darf schließlich darüber nachdenken, ob so etwas in dieser oder jener Form, die wir uns nicht vorstellen können, möglicherweise so sein könnte. Auf jeden Fall wäre es etwas ganz Großes und Schönes, durchaus vorstellbar, denn wir wissen ja, unser aller Gott ist ein Gott der Liebe.   

 

Natürlich dürfen wir uns das alles vorstellen. Mitunter erkennt man ja jetzt schon das „Reich Gottes“, das in Form kleiner "Inseln" im Ozean der Geld-“Haie“ vereinzelt sichtbar wird. Das könnten Inseln sein, deren „Bewohner“ sich immer enger verbünden und schließlich die heutige Ordnung nach dem Schema Raubtierkapitalismus irgendwann als unbedeutende und nichtssagende Parallelwelt - als Schattenwelt - entlarven.

 

Zurück zu Jesus Christus und zu dem, was uns gezeigt worden ist. Wir wissen, dass die Gedanken des Gottes aller Menschen auf der Erde deutlich geworden sind. In Gestalt eines Menschen, eines zuverlässigen Boten Gottes! Folgerichtig müssen wir erkennen: Christus ist die Erfüllung aller Religionen. Das ist Seine kosmopolitische Dimension, die Ihm mit Fug und Recht zugestanden werden muss. Er hat sich im Namen des Höchsten aufgemacht und ist zu allen Menschen guten Willens gekommen, nicht nur zu denen, die von sich sagen, sie seien Christen. Kleiner und geringer darf man Seinen Aufenthalt auf dieser Erde nicht sehen. Das würde Seiner wirklichen Größe Abbruch tun.

 

Der Auferstandene begegnet Maria Magdalena
Ganz bewusst zeige ich den Herrn hier nicht am Kreuz sondern als Den, Der den Tod überwunden hat (Veröffentlichungserlaubnis von "Panorama" Altötting)

Im Grunde genommen sollte ich hier nichts weiter hinzufügen, denn das Gesagte ist - so denke ich - doch eine ganz wichtige Aussage. Aber eines noch muss dazugesagt werden, um einem falschen Verständnis vorzubeugen.

Wir haben es hier nicht mit einem "kreuzbraven Mann" und einem für uns recht fernen Gott zu tun, der "irgendwo im Himmel" wohnt. Nein, Jesus Christus ist der unumschränkte Herrscher des Alls und Er wäre nicht denkbar, wenn man nicht auch auf Seine Mächtigkeit schauen würde.  Deshalb fehlt noch eine wichtige Aussage, die auch für uns nicht bedeutungslos sein kann. Er ist der Eckstein der Kirche oder des Reiches Gottes, das Er aufbauen wird. Doch an diesem Eckstein sind schon viele zu Fall gekommen,

 

"weil sie nicht an Jesus Christus als den Herrn des Himmels und der Erde geglaubt haben."

 

Es ist der Stein, an dem Seine Feinde zu Fall kommen und sterben. Es ist eine starke Macht, die Er in sich vereinigt. Eine Macht, die auch unser Dasein beschützt, wenn wir das so wollen und immer wieder um Seine Freundschaft nachsuchen.

 

Ganz wichtig erscheint mir noch die Frage: Wer wird von der Güte des Herrn nicht erreicht werden? Oder in der Sprache der Bibel: Wer wird am Tag des Gerichts erfahren, dass er das "Leben in der Ewigkeit" nicht bekommen hat? Wer auf Erden an Jesus Christus vorbeigegangen ist und die Worte Jesu nicht in Taten umgesetzt hat, der hat sich selbst durch sein Tun (oder Nicht-Handeln) von der Liebe Gottes ausgeschlossen. Ist eigentlich ganz logisch. Wer sich nicht nach Jesus richtet, der lehnt Ihn ab. Ohne diese Konsequenz wäre die Soziallehre Jesu nichts mehr als "Worte in den Wind".

 

Bringen wir es auf den Punkt, der von Jesus Christus vorgegeben ist: Wenn nun dieses selbst herbeigeführte Urteil des Ausgeschlossenseins klar werden wird, werden die verlorenen Menschen fragen: "Herr, wann haben wir Dich hungrig gesehen und Dir nicht zu essen gegeben?" Und der Herr wird sagen:

 

"Wenn ihr einen Hungrigen gesehen habt, habt ihr mich gesehen. Und ihr habt mir nicht zu essen gegeben."

 

Das ist eine klare Ansage. Handeln wir also, ehe es zu spät für uns ist. Denken wir daran, wie ungerecht die Güter dieser Erde verteilt sind. Da gibt es viel zu tun.

 

Allerdings könnte einem bei solch einer endgültigen Verurteilung der Gedanke kommen: Sollte der doch alle Menschen liebende Gott da nicht doch noch etwas wie eine Begnadigung bereithalten? Das glaube ich nicht, ich denke, die Zusammenhänge werden deshalb so klar von Jesus formuliert, weil ein derartiger Freispruch kaum zu erwarten ist. Denn sonst könnte es am Ende geschehen, dass die Ausgebeuteten dieser Erde schließlich ihre Ausbeuter wieder auf der Sonnenseite sehen würden und deren höhnisches Gelächter ertragen müssten. Und das wird der Herr auf gar keinen Fall wollen. Eine pauschale "Begnadigung" dürfte deswegen wohl kaum zu erwarten sein.

 

Aber ein Freispruch, wenn wir uns redlich darum bemühen, die Anliegen Gottes zu den unsrigen zu machen. Doch wer kann von sich selbst sagen, dass diese Redlichkeit immer da war? Aber wir dürfen Hoffnung haben, denn Seine Gnade ist ohne Ende.