III 46kri* KIRCHE JETZT
Barmherzigkeit - auch gegenüber Verbrechern?
Kirche Gegewart Rechnen wir vielleicht einmal zurück bis Hälfte des letzten Jahrhunderts. Da gab es ja eigentlich schon ein ziemlich entwickeltes Rechtsempfinden. Aber mit den Begriffen Rechtsempfinden und Barmherzigkeit da sah es und sieht es auch wohl immer noch nicht so ganz klar aus. Ich denke, dass man rechtsstaatliches Verhalten und die Barmherzigkeit des Herrn gegenüber gefallenen Menschen nicht vermengen darf. Sonst bräuchten wir nämlich keine Justiz, wie sie richtigerweise in einem Rechtsstaat verlangt wird. Der Rechtsstaat verlangt Bestrafung in dem Sinn, dass der Verurteilte die Einsicht gewinnt, dass sein Verhalten nicht akzeptabel ist. Über diesen Grundsatz hat man sich allerdings im Vatikan nach dem zweiten Weltkrieg einfach hinweggesetzt. Und da wollen wir ansetzen.
Da gab es im Vatikan einen Bischof Hudal. Schlimm genug, dass dieser Mann vielen Nazis die Flucht nach Südamerika ermöglicht hat. Noch schlimmer ist es, dass er von seinen Kollegen im Vatikan für dieses Tun anscheinend nicht gemaßregelt worden ist. Denn nur so ist es zu verstehen, dass er kurz vor seinem Tod noch sagen konnte, dass er stolz darauf sei, diese Menschen gerettet zu haben. Ob es gut ist, Verbrecher vor ihrer gerechten Bestrafung zu bewahren, das möchte ich bezweifeln. Aber die Barmherzigkeit Gottes können wir nicht ausloten. Schließlich könnte jemand zur Verteidigung Hudals anführen, dass er Leben gerettet habe und das sei grundsätzlich gut. Also werde ich ihn im Nachhinein nicht verurteilen. Dazu habe ich kein Recht. Doch ganz klar möchte ich sagen: Solche Menschen wie Herrn Hudal wünsche ich mir keineswegs an verantwortlichen Positionen in der Kirche. Nun will ich Sie aber zu diesem beinahe unglaublichen Geschehen noch näher unterrichten. Ich stelle Ihnen hier eine Quelle vor, die uns bestätigt, was man schon vorher nicht so genau wusste, nämlich dass von ranghohen Leuten im Vatikan etwas organisiert wurde, was uns erschrecken lässt.
Im "Spiegel" Nr. 21 vom 19.5.2018 findet sich eine Arbeit von Clemens Höges und Walter Mayr, die es sich lohnt zu lesen. In diesem Artikel geht es auch um Ereignisse, die gar nicht so lange zurückliegen.
Es wird u. a. beschrieben, was es mit der "Rattenlinie" auf sich hat. Dabei geht es darum, dass einflussreiche Männer der Kirche den Nazis nach dem Krieg die Flucht aus Europa ermöglichten.

Hier hat sich der Bischof Alois Hudal in Rom negativ hervorgetan, der als einer der wichtigsten Organisatoren gilt. Hudal schrieb in seinen Memoiren, dass er stolz darauf sei, den Nazis geholfen zu haben. Wem hat er geholfen? Unter anderem Adolf Eichmann, dem Organisator des Holocaust und Josef Mengele, dem Auschwitz-Arzt, der Zehntausende Juden in die Gaskammern schickte. Damit sind nur einige der bekanntesten unter den Verbrechern genannt. Über diese Menschen, die "Helfershelfer im Vatikan" habe ich bei Herrn Lütz übrigens nichts gelesen (oder übersehen?).
Aber damit ist noch nicht alles gesagt. Diesen Sumpf - man kann auch sagen - dieses ungute Beziehungs-Geflecht in der Kurie - wurde nun einem Mann unterstellt, von dem man sich erhofft hatte, dass er möglichst alles so lasse, wie es war. Stichwort: Papst Franziskus und die Vatikan-Bank.
Übrigens versucht dieser von vielen im Vatikan nicht gern gesehene Papst nun, allmählich Altlasten abzutragen, Offenheit und Gerechtigkeit zu schaffen. Franziskus hat zumindest einen Verbrecher aus den Reihen des Klerus nicht vor der Verurteilung durch die Justiz bewahrt, wie das vordem wohl des öfteren geschehen ist.
Als oberster Vertreter des Kirchenstaates hat er einfach die Immunität des Missetäters aufgehoben und es so der Justiz ermöglicht, diesen Mann der Bestrafung zuzuführen. Dank an denselben Papst, der im Jahre 2018 erklärt hat, dass die Todesstrafe abgeschafft gehört. Einer der längst fälligen Schritte, die unsere Kirche aus der alten Denkart herausführen können. Auch dafür: Danke.
Im Übrigen hat der oberste Kirchführer auch angesichts der Missstände, die er vorgefunden hat, seinen Humor nicht verloren. Deshalb will ich ein Zitat von ihm bringen, das ihn als Menschen zeigt, der sich durch all das nicht von seinem Weg abbringen lässt. Es ist ein kleines Wort, abgeschrieben aus der Veröffentlichung im Spiegel: "Den Vatikan ändern zu wollen, sagte er vor Kurzem, sei so, als versuche man, "die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen."
Die Jahreszahl 1973 zeigt auf einen Zeitraum, in dem sich mein eigener Lebenslauf mit der eben gerade geschilderten Kirchgengeschichte kreuzte, die ich nur kurz skizzieren konnte. Ein ausführlicheres Bild hat ja Herr Lütz erarbeitet und der musste auf umfangreiche Arbeiten eines anderen Wissenschaftlers zurückgreifen. Meine Begegnung hatte einen ganz konkreten Hintergrund: Es ging darum, den heranwachsenden Kindern eine der Familie gemeinsame religiöse Heimat zu bieten. Und da ist es sinnvoll, wenn der Vater den Glauben der Ehefrau annimmt, damit die Eltern ihren Kindern gemeinsam die Glaubenswelt vermitteln können. Ich lernte die katholische Lehre kennen und ich konnte mich durchaus und dauerhaft mit der katholischen Sicht dessen anfreunden, was die beiden großen christlichen Traditionen trennt: Nämlich die divergierende Vorstellung von dem, was beim Abendmahl eigentlich geschieht:
Ich hatte in meiner Jugend gelernt, dass beim Abendmahl ein Stück Brot gereicht wird, das an Jesus erinnert. Wenn man grob vereinfacht davon ausgeht, dass der evangelische Glaube eher eine Religion der Intellektuellen ist und im 16. Jahrhundert sich bereits Anfänge der Wissenschaft entwickelten, ist diese Sichtweise als durchaus "modern und plausibel" anzusehen. Die Auffassung der katholischen Seite ist anders: Wenn Jesus gesagt hat: "Das ist mein Leib..." dann macht es durchaus Sinn, diese "Einsetzungsworte" auch so zu verstehen, wie sie vom Herrn formuliert wurden. Wer also ist da im Recht? Ich lasse diese Fragen offen, weil ich mich an anderer Stelle mit dem Problem auseinandergesetzt habe. Und weil meine persönliche Meinung niemals entscheidend sein darf und entscheidend sein kann. Ich denke aber, dass man in der Theologie da durchaus einen Konsens finden kann - wenn man das denn überhaupt will. Ich musste diese Problematik anschneiden, weil eine spätere Begegnung mit der katholischen Lehre mit dieser Frage direkt zu tun. Und ich verweise zunächst wieder einmal auf Papst Franziskus, der auch bei dieser Problematik etwas getan, was der Ökumene - also dem gegenseitigen Verstehen der Christen verschiedener Religionen - einen gewaltigen Schub nach vorn gegeben hat. Den Zusammenhang erkennen Sie deutlich, auch wenn ich ab jetzt nicht mehr aus meiner Sicht. sondern ganz sachlich berichten werde.
Das Thema heißt: Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene. Es gab zu dieser Frage eine sehr lange und ausgiebige Diskussion im Vatikan, die damit endete, dass die Mehrheit der Kleriker beschloss, die restriktive Auffassung der Kirche beizubehalten. Eine deutliche Niederlage für Franziskus, der es gewagt hatte, diese Diskussion in Gang zu setzen. Zu dieser Zeit war besagter Bischof G. L. Müller noch Amtsträger in der Kurie und ganz entschiedener Gegner irgendwelcher Lockerungen. Der Prozess der Einigung war also nach altem Muster abgeschlossen. Kein Zugang der "Gefallenen" zur Kommunion.
Dabei wurde völlig außer Acht gelassen war, dass Jesus sich beim letzten Abendmahl ganz anders verhalten hatte. Er hatte nämlich das von Ihm selbst gewandelte Brot auch dem Mann gereicht, von dem er wusste, dass er ihn nur kurze Zeit später verraten und dem Tod ausliefern würde.
Ganz abgesehen von dem rein formalen "Fehlverhalten", das in der heutigen Zeit von unseren Glaubenshütern schon gar nicht geduldet werden würde: Jesus reichte das Brot frommen Juden, die keineswegs getauft oder sich anderweitig als Christen ausgewiesen hatten. Ging ja auch nicht, weil sie alle - genau wie Christus selbst - Juden waren. Nach dem Verständnis heutiger Glaubenshüter war das Tun des Herrn also gar nicht erlaubt. Christus hat sich aber bekanntlich - das lesen wir im Neuen Testament - noch nie nach dem gerichtet, was Menschengesetz ist.
Doch nun weiter zur Entwicklung der "Kommuniongemeinde", wie wir sie jetzt haben. Die gemeinsame Entschließung der Bischöfe: Keine Erlaubnis für wiederverheirate
Geschiedene war nämlich nicht das Ende diese Prozesses. Nach einer gewissen Zeit brachte nämlich Franziskus - wie das bei Päpsten üblich ist - ein Schreiben heraus, das natürlich die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog. In dem Schreiben "Amoris laetitia" findet sich - und so etwas war nun gar nicht üblich - eine recht unauffällige Bemerkung, die
Fußnote Nr. 351. In dieser ist zu lesen, dass die wiederverheirateten Geschiedenen nicht für
immer vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen sind, sondern dass ihnen die Türe von nun an offensteht. Ein großartiges Zeichen
für sich entwickelnde Gemeinschaft. Und eben auch für mich gersönlich von ganz großer Bedeutung.
Ich habe versucht, darzustellen, wie mein Weg sich mit der großen Entwicklungslinie "Christliche Religion" gekreuzt hat. Vielleicht wird auch deutlich, dass es mit den Religionen heutzutage ganz allgemein gar nicht so schlecht gestellt ist, wie man immer meint. Wir denken einfach nicht daran, dass alles früher so schlimm war, dass wir uns das gar nicht mehr vorstellen können. Zu Tausenden treten die Leute heute aus der Kirche aus. Das macht ein schlimmes Bild. Aber die Menschen dürfen das. Früher hatten die Landesherren bestimmt, welcher Religion man angehören musste. Früher gab es keine Scheidungen, weil die Frauen keinerlei soziale Sicherung hatten. Heute haben wir Gesetze, die den Frauen auch nach einer Scheidung noch ein Leben ohne Verlust aller Rechte ermöglichen. Zumindest theoretisch - aber beispielsweise auch praktisch beispielsweise durch eine in der Jugend stattgehabte Berufsausbildung.
Schwarze Schafe
Schwierigkeiten gibt es aber nicht nur im Vatikan. Denken Sie einmal an den Skandal, den der oben schon genannte hochrangige Würdenträger der Kirche durch sein "Kaufverhalten" als Bischof von Limburg vor ein paar Jahren heraufbeschworen hat, ein Geschehnis, das wohl eindeutig als Fehlverhalten gedeutet werden muss. Ein Mitglied unserer kirchlichen Gemeinschaft ist durch sein Verhalten in das Blickfeld der Öffentlichkeit gekommen und hat (anscheinend) berechtigte Kritik hinnehmen müssen. Es ist eine Frage, wie damit umzugehen ist.
Alle Ermahnungen und Predigten an uns einfache Menschen nützen nichts, solange „Schwarze Schafe“ im Klerus durch ihr Verhalten demonstrieren, dass sie die Weisungen des Herrn gar nicht achten, ja
anscheinend gar nicht achten wollen. Gott sei Dank wird das durch die Presse heutigentags auch bekannt. Ich spreche also nur aus, was jedermann über die Medien sowieso schon weiß. Ich möchte aber
hervorheben, dass einige Wenige (so hoffe ich!) dem Ansehen der Kirche insgesamt ganz großen Schaden zufügen. Sie schaden auch den vielen sich ernsthaft mühenden und zu ehrenden Kirchenmännern,
denen wir zu Dank für ihre Arbeit verpflichtet sind. Ich glaube nicht, dass es leicht ist, in der heutigen Zeit die Kirche zu vertreten.
Noch einmal Vergangenes: An die Adresse der Kleriker, die zum Teil als Mitglieder der Kurie schon in einer bekannt gewordenen Weihnachtsansprache des Papstes die Quittung für ihr Verhalten
bekommen haben, habe auch ich ein Wort aus der Sicht des sündigen Mitmenschen, dieses Wort geht an die Würdenträger, welche die ihnen anvertrauten Gläubigen enttäuscht haben. Die folgenden Sätze
lassen übrigens keine Schlüsse zu auf den oder die Angesprochenen. Ich schreibe das mal ganz klein, weil es eigentlich nur an eine einzige Person gerichtet ist:
An einen Würdenträger, der gefallen ist.
Aus Respekt vor dem Amt, das Sie einmal innehatten, werden Sie wohl kaum Kritik zu hören bekommen. Doch das darf Sie nicht
täuschen. Die Leute wissen sehr viel. Sie schweigen - und treten aus der Kirche aus. Gerade von einem kirchlichen Würdenträger, von jemand, dem man einmal Verehrung entgegengebracht hat, erwartet
man gelegentlich auch einmal ein gutes Wort und Zeichen des Entgegenkommens. Damit wir alle wieder eins werden in Christus. Wir sind nicht besser. Vielleicht haben wir nur mehr Glück
gehabt, denn Probleme kommen auf jeden von uns zu. Und wir können auch verstehen, dass man etwas falsch machen kann. So wie es uns eben auch geht. Aber wir wollen den Weg zu Christus gemeinsam
mit Ihnen gehen. Egal, was vorgefallen ist, egal, warum etwas geschehen ist, das nicht hätte sein sollen. Gehen Sie bitte auf alle die Mitmenschen zu, die Ihnen einmal (während Ihrer Amtszeit)
vertraut haben. Wir wollen Sie erkennen als Einen, der wie wir alle den Weg zu Gott sucht. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen. Wir brauchen einander. Der Schaden für die Gemeinschaft
ist nicht etwas, das irgendwann vorgefallen ist. Der Schaden besteht darin, dass die Gemeinschaft der Gläubigen bemerkt, dass Sie nicht mehr da sind. Stehen Sie ein für das, was geschehen ist.
Sprechen Sie mit den Menschen. Sie fehlen uns. Sie gehören zu uns. Das ist eine Bitte. Es ist gute Tradition der Kirche, dass man sich gegenseitig trägt. Stehen wir alle doch unter dem Wort des
Papstes Franziskus, der hat wohl sich selbst und uns alle gemeint, als er sinngemäß formulierte: „Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes. Ich bin Sünder, ich bin fehlbar.“ Und noch etwas ganz
Praktisches und sehr Positives: Es gibt hohe Würdenträger, die sich nach dem altersbedingten Verlust ihres hohen Amtes einen Wunsch erfüllt haben, den sie vielleicht vergessen hatten, sie ließen
sich eine kleine Gemeinde zuteilen, um das zu tun, was das Wichtigste eines geistlichen Lebens ist, für die Menschen ganz real als Seelsorger da zu sein. Das passt aber nicht für jeden.
Vielleicht denken Sie darüber nach, wo Ihre Aufgaben liegen könnten! Schauen Sie mal bei Wikipedia nach! Alles notiert. Das ist auch für einen Würdenträger besser, als es sich in einer schönen
Wohnung in einer wunderschönen Stadt (so lässt es sich vermuten) gut gehen zu lassen. Es würde Ihnen weiterhelfen und uns auch.
Nun sollte man aber schon auch darauf zu sprechen kommen, dass die Messlatte für Bischöfe und andere Würdenträger sehr hoch angesetzt wird. Manche der Verurteilungen würden bei einem Manager, Politiker oder Machthaber ganz anders klingen, etwa so: Der hat Mut, der traut sich was. Dafür trägt er ja auch Verantwortung für seinen Konzern. Erinnern Sie sich noch an das unwürdige Gezerre um die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017, das der Demokratie sehr geschadet hat und unseren Staat beinahe an den Abgrund geführt hätte. Fehlverhalten ist deutlich geworden. Das haben wir alle hingenommen ohne zu Murren.
Denken Sie daran, dass es Machthaber in unserer Welt gibt, die vor keinem Unrecht zurückschrecken. Ich werde die geschehenen und bekannten Verbrechen an Menschen nicht nennen. Sie wissen das alles aus Nachrichtenquellen, die sich vor der Gewalt nichtdemokratischer Länder nicht beugen. Doch das nimmt man achselzuckend hin, denn keiner von uns kann das ändern. Aber wenn ein Vertreter der Kirche sich in eine Nobelkarosse setzt, dann meint man, das sei ein guter Grund, endlich aus der Kirche auszutreten. Und wenn der Papst seine Untergebenen völlig zu Recht kritisiert, dann heißt das aber auch noch lange nicht, dass auch wir zusätzlich noch Steine werfen müssen. Dieser Einschub war notwendig, weil manche Geschehnisse nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden dürfen. Man diskutiert ja auch darüber, warum Menschen der Kirche den Rücken kehren. Allerdings wird die Zahl derer, die deswegen so reagieren nicht allzu groß sein. Dass es viele andere Gründe gibt, die insbesondere mit dem Trend unserer Zeit zu tun haben, das muss auch gesagt werden.
Und noch etwas, das unserem Verständnis sehr viel weiterhilft. Es spricht kaum jemand darüber, dass ein sehr verdienter und hochrangiger Vertreter der Kirche,
ein Bischof, der sich schon während seines Dienstes um die Menschen in einem
Behindertenheim gesorgt hat, nach seiner Emeritierung schließlich seinen Wohnsitz in diesem Heim genommen hat, um nun ganz bei denen zu sein, denen er schon immer Freund und Ansprechpartner war.
Anscheinend Einer, der schon jetzt sein Paradies gefunden hat.
Gutes geschieht in der Stille. Denken Sie bitte daran, dass Jesus als eine der ganz wichtigen Handlungen den Jüngern die Füße gewaschen hat. Dahinter steckt eine Demut, die sich bei Jesus nicht in symbolischen Handlungen erschöpft hat. Bei Jesus sind Wort und Symbol immer Wirklichkeit. Das sagt uns, dass nur eine Kirche im Geiste Christi den Menschen, die im 21. Jahrhundert neu heranwachsen, etwas geben kann: Den Suchenden Halt, den Hungernden Brot und den Gesättigten Sinn. Das ist es auch, was die Religionen eint.
Eine Abrechnung mit der katholischen Sexualmoral und und ihren Verfechtern - Das ist der Untertitel des Buches von Wolfgang Rothe, der trotz erlebten Missbrauchs weiterhin Priester bei dieser seiner Kirche bleiben will. Und hier ist auch gleich die Antwort, die er bei einem Interview Frau Rosemarie Vielreicher gegeben hat: Im Straubinger Tagblatt vom 13.9.2021 konnte man das Interview zu lesen.
Über die Vorgeschichte zum Missbrauch kann Herr Rothe sprechen. Über den Missbrauch selbst muss er schweigen, das hat ihm die katholische Kirche "auferlegt - mit der Androhung, dass ich mit Strafmaßnahmen rechnen muss." Doch schon diese Drohung macht deutlich, mit welchem Gegner es es der missbrauchte Pfarrer zu tun hat: Mit der klerikalen Macht, die selbst schon als eine der Hauptursachen des Missbrauchs deutlich geworden ist. Von dieser Macht aber will die Amtskirche anscheinend keinesfalls zurücktreten. Das wird klar, wenn man das Missbrauchsgeschehen untersucht.
Doch nun zu dem, was sich vor dem Missbrauch ereignete, "dass mir mein damaliger Bischof am Abend des 6. Dezember im Bischofshaus eine Tablette verabreicht hat, die sich später als ein verschreibungspflichtiges Psychopharmakon herausgestellt hat. Es macht sehr schnell süchtig und entfaltet auch sehr starke Wirkungen: muskelrelaxierend, den Willen brechend, hypnotisierend und mehr. Das hat der Bischof zugegeben."
Nun kann jeder Interessierte das alles selber lesen. Deshalb sei an dieser Stelle nur noch gesagt, was Herr Rothe für Forderungen an die Kirche hat: "Wer zölibatär leben möchte, sollte dies auch unbedingt tun dürfen. Auf der anderen Seite halte ich es für unmenschlich und auch nicht mehr zeitgemäß, jemandem eine solche Lebensführung aufzuerlegen."
Herr Rothe hat auch eine Anregung für den Umgang der Kirche mit dem Missbrauchsskandal als solchem: "Ich erlebe immer wieder, dass die Kirche nur auf öffentlichen Druck reagiert. Es wäre viel hilfreicher, wenn die Kirche von sich aus sagen würde, wir übergeben die Aufarbeitung an kirchenunabhängige Personen und stehen dazu, was in unserer Kirche geschehen ist. "
Den klaren Aussagen des Missbrauchten ist nichts hinzuzufügen. Bemerkenswert ist, dass seine Feststellungen große Übereinstimmung mit all dem zeigen, was von anderen Personen im Zusammenhang mit den stattgefundenen Verbrechen formuliert worden ist. Wann werden die Machthaber endlich begreifen?
Es hat sich so ergeben, dass es mit der Kommunikation zwischen Kirche und Naturwissenschaft nicht immer so richtig funktioniert hat. Dabei hat es
sich letztlich immer um Missverständnisse gehandelt. Die Naturwissenschaftler meinen manchmal, sie hätten das religiöse Denken „überwunden“ und die Theologen fürchten immer wieder, dass ihre
Glaubenssätze an dem zerbrechen könnten, was die Wissenschaftler behaupten. Stichwort: Erschaffung der Welt in einer Woche oder im Laufe von Milliarden Jahren.
Unterschiedlicher können die Auffassungen nicht sein. Bei näherer Betrachtung geht es aber auch bei dieser Frage nur darum, dass man eigentlich über zwei völlig verschiedene Sachen redet. Einmal
geht es in der Bibel um ein Bild vom Schöpfungsakt und in der Wissenschaft um die Erfassung von Daten zu diesem Geschehen. Die Kirchenoberen, die sich gegen die Erkenntnisse der Naturwissenschaft
gewehrt haben, haben der Kirche keinen guten Dienst erwiesen. Man muss daran erinnern, dass die Naturwissenschaftler in den letzten Jahrhunderten immer wieder auf große Zusammenhänge gestoßen
sind, die unser Bild von der Welt vervollständigt haben und die Ehrfurcht vor Dem, Der dies alles geschaffen hat, nicht minderten, sondern wachsen ließen.
Bei jeder neuen Entdeckung aber hat man in Kirchenkreisen Angst bekommen, die Wissenschaftler könnten schließlich auf die Idee kommen, Gott überhaupt „abschaffen“ zu wollen. Welch armseliges Denken! Es ist nur so, dass sich Gott der naturwissenschaftlichen Forschung erfolgreich entzieht, entziehen muss, weil er sonst nicht Gott wäre. Er, der Schöpfergott steht außerhalb und über der Naturwissenschaft. Im Übrigen hat es gerade unter den Forschern viele Menschen gegeben hat, die angesichts ihrer Erkenntnisse ihren christlichen Glauben umso intensiver gelebt haben, je mehr sie an Wissen gewonnen hatten. Ein ganz einfaches Beispiel: Aus den Erkenntnissen der Astrophysik wissen wir, dass unser Weltall eine Begrenzung, einen „Horizont“ hat, über den wir niemals hinausschauen können, geschweige denn mit einem Raumschiff durchbrechen könnten. Hier ist eben die Wissenschaft an ihrem Ende.
Es ist nicht verwunderlich, dass die Kirchenmänner im Allgemeinen eher weniger von Astrophysik verstehen (wollen). Die Forscher hingegen müssen bei ihren Untersuchungen den Glauben an Gott
ausklammern, sonst wären die Ergebnisse ihrer Analysen nicht objektiv. Ich möchte Ihnen einen Vertreter der Kirche vorstellen, der anscheinend eine Menge von den Naturwissenschaften verstanden
hat. Wenn Sie dessen beide Wissenschaften umfassende Sicht kennenlernen wollen, dann lesen Sie das Buch „Der Anfang aller Dinge“ von Prof. Hans Küng.
Geradezu harmlos gegenüber dem Krieg der "Hardliner", über den ich hier gleich sprechen werde, ist das Verhalten des früheren Bischofs von Limburg Tebartz-van Elst zu bewerten, der "lediglich" durch überzogene Geldausgaben in einer unvorstellbaren Größenordnung aufgefallen ist. Trotzdem: Auch eine solche Kirche, wie sie dieser Würdenträger vor Augen hatte, will niemand. Das ist nicht im Sinne dessen, der sinngemäß gesagt hat: Nehmt nichts Unnützes mit auf euren Weg. Wenn nun Franziskus diesen Bischof nicht in Schutz genommen hat, so bedeutet dies ganz einfach, dass die Anhäufung von Reichtum dem Auftrag Jesu widerspricht und deshalb inakzeptabel ist.
Der frühere Bischof von Regensburg und spätere Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller spielt eine ganz besondere Rolle, die an dieser Stelle angesprochen werden muss. Zunächst steht er im Dauerclinch mit Papst Franziskus und vertritt in seinen Verlautbarungen eindeutig die konservativen Hardliner im Vatikan und anderswo. Anscheinend hat er sich in dieser Position des Nein-Sagens festgefahren. Das war schon erkennbar, als er noch das Amt in der Glaubenskongregation innehatte. Nachdem Papst Franziskus die Amtszeit nicht verlängert hatte, waren ihm die Möglichkeiten zum direkten Protest genommen. Seitdem mangelt es nicht an Verlautbarungen, in denen er seine Meinung zur Haltung der katholischen Kirche kundtut. Er hat beispielsweise, wie man am 11.2.19 einer Pressemitteilung entnehmen konnte, mit einem "Glaubensmanifest" die Bestrebungen des Papstes direkt unterlaufen, in dem er konstatiert, dass wiederverheiratete Geschiedene und Nichtkatholiken die Heilige Eucharistie "nicht fruchtbar empfangen, weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht". Als Reaktion auf die Verlautbarung hat der "frühere Kurienkardinal Walter Kasper das Glaubensmanifest kritisiert. Dieses enthalte zwar viele Sätze, die jeder Katholik "nur bejahen könne". Andererseits biete es "halbe Wahrheiten", allzu pauschale Aussagen oder nur "private theologische Überzeugung", so Kasper am Sonntag (also am 10.2.19) in einer eigenen Erklärung. Man kann ergänzen, dass Altbischof Kasper einen guten Ruf in der Kirche hat.
Von Bischof G. L. Müller hingegen ist zu sagen, dass er - so wird glaubhaft berichtet - seinerzeit die Diözese Regensburg "mit eiserner Hand" regiert hat. Machtbesitz und Inanspruchnahme der Macht - das könnte man als ein Zeichen kirchlicher Hardliner verstehen. Als erste seiner Amtshandlungen hatte Bischof G. L. Müller bekanntlich den bestehenden Diözesanrat aufgelöst und damit den damaligen Leiter dieses Laiengremiums Graf Ballestrem seines Postens enthoben. Ich erinnere mich noch an die große Enttäuschung dieses verdienten Mannes, als er aus dem Dienst für die Kirche ausscheiden musste. Ballestrem hatte Zusammenarbeit anders verstanden, hatte er doch unter dem Vorgänger Bischof Manfred eine freie und offene Kirchenführung kennengelernt. Aber so ist es eben in einem hierarchischen System. Da ist man auf Gedeih und Verderb den Inhabern der Macht ausgeliefert. Im Klartext als Forderung: Klerikale Macht muss sich selbst abschaffen. Das hat Jesus so gemacht und Sein derzeitiger Nachfolger ist zum Entsetzen seiner Gegner ebenfalls dabei, immer mehr von der ihm zugeteilten Macht abzugeben. Beispielsweise an die Bischofskonferenzen.
Ich beginne mit dem Geschehen in unserer Heimat. Fürstin Gloria in Regensburg scheint wohl zu den Menschen gehören, die sich die alten Verhältnisse wieder wünschen, wie sie vor Franziskus bestanden. So lassen sich ihre Verlautbarungen verstehen. Vor zwei Jahren hatte sie in Äußerungen den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen relativiert. Gloria von Thurn und Taxis hat unter anderem - wie aus verschiedenen Pressemitteilungen hervorgeht - auch Kontakt mit dem rechtskonservativen früheren Chefstrategen von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon.
Der Text mit dem Titel "Ein Aufruf für die Kirche und für die Welt - an Katholiken und alle Menschen guten Willens" kritisiert die Corona-Maßnahmen scharf. Darin heißt es: "Es sind Tatsachen, dass unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt wurden, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung."
Man habe Grund zur Annahme, "dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen". Deren Ziel sei, dauerhaft "Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der Verfolgung all ihrer Bewegungen" durchzusetzen. "Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht." ...Der Aufruf ist eine Initiative des früheren Päpstlichen Botschafters in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano. Der Mitunterzeichner Kardinal Müller... hatte sich zuletzt auch gegen Gottesdienstverbote wegen Corona ausgesprochen.
Nun ist es durchaus richtig, dass Diktaturen gerade in Krisenzeiten immer wieder Abstriche an den Grundrechten der Bürger vollziehen. Da wird bekanntlich auch die Corona-Krise weidlich ausgenutzt. Das Schreiben von Herrn Müller aber richtet sich nicht definitiv an totalitäre Systeme. Es werden also auch die Verantwortlichen demokratischer Staaten angesprochen. Insofern ist es tatsächlich unqualifiziert und irreführend. Es könnte manch einen dazu verleiten, die in unserem Land vorgesehenen Hygiene-Maßnahmen nicht ernst zu nehmen. Es geht hier tatsächlich um eine Aufforderung, staatlichen Regelungen den Gehorsam zu verweigern. Wenn nicht "hochwürdige Herren" hinter dieser Forderung stünden, würde wohl der Staatsschutz einschreiten, um solche unqualifizierten wie schädlichen Äußerungen zu unterbinden. Die Thematik ist sehr ernst, denn die unendlich vielen Demos in den Pandemiejahren lassen erkennen, dass die Menschen teilweise bereit sind, unvernünftig zu handeln, weil sie die Maßnahmen (zu ihrem eigenen Schutz) nicht verstehen. Das Schreiben könnte also letztlich durchaus als verfassungsfeindlich bewertet werden. Früher war der Ausdruck "Querdenker" durchaus positiv zu verstehen, heute bezeichnen sich Nichtdenker mit diesem Prädikat.
Es steht mir nicht zu, Menschen mit einer sehr hohen Intelligenz zu kritisieren. Aber: Intelligenz ist nicht alles. Und manchmal scheint es doch wohl so zu sein, dass auch ein hoher Intelligenzquotient nicht davor schützt, Irrtümer zu begehen. Und Mangel an Empathie lässt sich durch "klares Denken" nicht ausgleichen. Deshalb möchte ich ein Wort zum Nachdenken anfügen, das nichts mit einer persönlichen Beurteilung zu tun hat, sondern eher als Anregung zu verstehen ist. Da war am Sonntag, dem 16.7.2011 die Lesung für mich so etwas wie eine Aufforderung, den Nächsten vor Hochmut zu warnen.
Es ist für uns alle nämlich ganz interessant, wie der Schöpfergott über Hirten urteilt, denen die Liebe zu ihren Schäfchen fehlt. Ich zitiere aus Jer 23 nach der Bibel aus Innsbruck:
Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn. Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn. Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen - Spruch des Herrn.
Es ist sehr gut, dass sofort nach Bekanntwerden dieses Schreibens vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz Georg Bätzing sehr deutlich herausgestellt wurde, dass sich die Gemeinschaft der deutschen Bischöfe von diesem Aufruf klar distanziert. Auch der Nachfolger auf dem Bischofsstuhl in Regensburg Bischof Rudolf hat sich - so war es schon einen Tag später in der Zeitung zu lesen - klar der Aussage des Vorsitzenden der Bischofskonferenz angeschlossen und nicht der Meinung seines Vorgängers im Amt. Das Geschehen macht deutlich, dass die Ansichten des Hardliners und Kardinals G. L. Müller nicht ernst zu nehmen sind. Er vertritt mit seinen Verlautbarungen nicht die katholische Kirche, sondern allenfalls eine persönliche und teilweise sehr abstruse Meinung. Im Übrigen hat mich ein Leserbrief in der Tageszeitung sehr beeindruckt. Darin heißt es nämlich in Bezug auf Müller, man solle sich doch daran erinnern, dass auch er ein Mensch sei. Gut gesagt, recht hat er, der Leserbriefschreiber. Aber ist das nicht erst recht ein Grund, sich mit dem Verhalten des Nächsten ehrlich und gerecht auseinander zu setzen? Auch dazu wird von Jesus aufgefordert. Nur so ist es möglich, der Wahrheit näher zu kommen. Ich habe kein Recht, Herrn Müller zu verurteilen. Aber die Problematik sollte schon angesprochen werden, denn ich wünsche mir nicht, dass Herr Müller wieder mächtig wird. Er hat viele Jahre eine wichtige Position in der Kirche eingenommen. Beispielsweise einen Posten, der seinen Vorgänger bekanntlich direkt in das Papst-Amt katapultiert hatte.
Noch ein Gedanke: Der kleinste diplomatische Fehler von Papst Franziskus, eine Erkrankung oder eine andere Schwäche würden dazu führen, dass sich das "Schattenkabinett", das sich jetzt schon mit
allen Mitteln den Reformen des Papstes widersetzt, extrem hart zuschlagen würde, um die Macht des päpstlichen Stuhles an sich zu reißen. Wer würde wohl dann den Anspruch auf den Sitz anmelden?
Sicher der, der den Reformer schon immer an die Wand zu drücken versucht. Und heute als Wortführer auftritt. Ich sehe G. L. Müller klar als jemand, der sich jetzt schon in den Startlöchern
positioniert. Das ist einer der Gründe, der mich dazu berechtigt, über die Machenschaften dieses und der anderen Franziskus-Gegner zu sprechen. Genau von Herrn Müller kommt die Warnung, dass
Papst Franziskus mit seinem Tun eine Spaltung der Kirche herbeiführen könnte. Es ist aber anders: Herr Müller steuert die Kirche auf ein solches Schisma zu, denn wenn sich für Herrn
Müller eine Mehrheit abzeichnen sollte, dann wird Papst Franziskus "in die Wüste" geschickt werden. Nur sollte sich Herr Müller darüber im Klaren sein, dass der Heilige Geist dann eher bei dem
ist, der in den Armenvierteln jederzeit Unterkunft und Obdach finden wird und dort auch eher zu Hause ist als in den leeren Hallen des Vatikan, der endgültig auf den Wert eines Museums
abfallen würde. Aber in einem hätte Müller recht: Die Kirchenspaltung wäre Realität. Ich will mir an dieser Stelle nicht ausmalen, was ein solcher Vorgang für die Weltkirche bedeutet. Auf jeden
Fall würden wieder einmal die einfachen Menschen und auch die Arbeiter im Weinberg des Herrn die Leidtragenden sein. Übrigens dürfen Sie sicher sein, dass es schon längst ein
"Schattenkabinett" gibt, das dann sofort den "Segen" der Hardliner bekommt, wenn die Ewig-Gestrigen Morgenluft für einen Neubeginn nach altem Muster wittern sollten. Die "Seilschaften" unguter
Prägung gehören leider zu dem Bild, das die Kirche selbst der Welt vermittelt.
Wenn man nun meint, dass ich da etwas übertreibe, der hat die Problematik, in der sich die Kirche befindet, noch nicht ganz erfasst. Eine völlig unauffällige Zeitungsmeldung vom 22.12.2020 zeigt ganz deutlich, dass die katholische Kirche sich endlich dem Synodalen Weg gegenüber aufgeschlossener zeigen solllte. Ich zitiere aus dem Bericht:
Der ehemalige Prior des Klosters Andechs, Anselm Bilgri, ist zu den Alt-Katholiken übergetreten. "In dieser Kirche ist all das verwirklicht, was auch meine Vision von Katholizismus in der modernen Welt ist. Ich glaube nicht mehr an den aufrichtigen Reformwillen in der römisch-katholischen Kirche", sagte Bilgri am Montag... Ihm zufolge hat die Alt-Katholische Kirche - entgegen dem, was der Name vielleicht vermuten lässt - eine synodale Struktur, keinen Pflichtzölibat für ihre Priester, lässt Frauen zu allen Weiheämtern zu und traut gleichgeschlechtliche Paare. Der Papst wird als Patriarch des Abendlandes respektiert, gilt aber nicht als unfehlbar.
Und nun wieder zu dem Geschehen in der Römisch-Katholischen Kirche. Von Christoph Bartscherer liegt mir ein Artikel aus dem Wochenendmagazin des Straubinger Tagblatts vor. In diesem Aufsatz "Das Haus der Kirche brennt" (16.5.2020) wird das Buch von Marco Politi vorgestellt: "Das Franziskus-Komplott. Der einsame Papst und sein Kampf um die Kirche."
Anhand zahlreicher Beispiele und Fakten legt der Vatikan-Insider Politi dar, wie Franziskus die katholische Kirche von Grund auf erneuern möchte, aber permanent auf den Widerstand
fundamentalistischer Hardliner in der Kirchenspitze stößt. Seine Ziele sind ebenso einleuchtend wie notwendig: Er möchte den "absolutistischen Zentralismus" des Papsttums abschaffen und
die kalte kirchliche Bürokratie in eine "warmherzige Beteiligungskirche" umwandeln. Er möchte höhere kirchliche Ämter für
Frauen öffnen, verheiratete Kleriker als Priester zulassen und wiederverheirateten Geschiedenen den Zugang zur Kommunion ermöglichen. Er möchte die in der katholischen Kirche grassierenden
Krankheiten entfernen und sowohl den mafiosen Sumpf der Vatikanbank austrocknen als auch die infame Seuche der Pädophilie ausmerzen. Er möchte im Sinne der "Laudato si" das Bewusstsein der
Christen für unseren Planeten schärfen und Gottes Schöpfung für die kommenden Generationen erhalten. Und da er als ehemaliger Erzbischof von Buenos Aires um die Sorgen und Nöte der einfachen
Leute von der Straße weiß, möchte er die Ausbeutung der Armen, Obdachlosen und Migranten verhindern und für menschenwürdige Lebensverhältnisse für die Menschen von unten sorgen.
Der Pontifex wird also eine neue Kirche auf den Weg bringen, eine, die den Menschen ernst nimmt.
Als Beispiel für die menschenfreundliche Haltung des Papstes erklärt Herr Bartscherer - in Anlehnung an das Buch - wie es Franziskus gelungen ist, gegen den großen Widerstand der Hardliner den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene zu ermöglichen. Darüber werde ich an anderer Stelle berichten. Auf jeden Fall war das ein ganz deutliches Zeichen Papstes, das niemand übersehen konnte.
Dieses Signal, das als Akt der Barmherzigkeit gedacht war, wurde - [wie Politi nachzeichnet] - vom "Anti-Bergoglio-Block" um die Kardinäle Caffara, Burke, Brandmüller und Meisner (+) als offene "Kriegserklärung" aufgefasst: In einem offenen Brief wenden sie sich im November 2016 an den Papst und melden theologische Zweifel an dieser Öffnung an. Das könnte man als Beginn einer Kampagne der Denunziation ansehen, der Papst Franziskus immer noch ausgesetzt ist. Der Begriff "Franziskus-Komplott" ist der Name für die gegen den Papst gerichteten Angriffe.
Bei Wikipedia gibt es Informationen über einen ganz besonderen Gegner von Papst Franziskus. Viganò gilt als einer der lautstärksten und militantester Kritiker und Gegner von Papst Franziskus...[9] Viganò bezeichnete Präsident Trump als göttliches Werkzeug im Krieg gegen die Kinder der Finsternis.
Nun, das braucht wirklich keinen Kommentar. Es ist traurig, was solche Kirchenmänner wie Vigano von sich geben.
In dem bemerkenswerten oben genannten Aufsatz von Herrn Bartscherer werden tatsächlich "Ross und Reiter" genannt, also die Personen, die den Papst am liebsten von seinem Posten vertreiben würden. Es geht also hier um eine Art von "Bürgerkrieg", bei dem die Hardliner immer mehr die Oberhand gegen den ziemlich alleingelassenen Franziskus bekommen. Wenn man tatsächlich Franziskus kritisieren will, dann müsste man ihm vielleicht seine Großzügigkeit gegenüber den Gegnern zum Vorwurf machen. Ein anderer Amtsträger hätte vielleicht mit "eiserner Hand" zu Beginn seines Pontifikates die alten "Seilschaften" zerschlagen und aus den Ämtern entfernt. Aber hätte das in der Art von Franziskus gelegen?
Hätte er damit nicht wieder genau auf die Macht zurückgegriffen, die er im Begriff ist, abzuschaffen? Also ist er konsequent
im Loslassen der Macht. Und durchbricht so den Teufelskreis der Gewalt.
Wollte er nicht gerade so wie Jesus seinen Feinden auch "die andere Wange" hinhalten, um den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen? Es erfordert sicherlich mehr Mut, den Weg des Miteinander zu suchen! Und er hofft auf Gott. Auch wenn er weiß, dass er vielleicht zu Lebzeiten den Sieg über die klerikale Macht nicht mehr sehen könnte.
Ja, mit dem päpstlichen Stuhl, da hat es schon etwas Besonderes. Es ist nämlich entscheidend, wer darauf sitzt. Und jetzt sitzt schon lange einer drauf, der alles verändert. Den die ewigen Neinsager gar nicht dorthin haben wollten. Wenn wir auch manchmal zweifeln, ob denn Gott immer noch an Seiner Kirche festhält, Er hält sie eben doch fest in seiner Hand. Gott sei Dank.
Es ist nicht immer leicht, über die Kirche und über die Menschen zu sprechen, die in der Kirche tätig sind. Vielfach ist es so, dass man einerseits dringend darüber sprechen muss, wo Fehler gemacht wurden. Das ist wichtig, vor allem dann, wenn andere Menschen gedemütigt und verletzt wurden. Papst Franziskus forderte auf der Konferenz gegen Missbrauch im Februar 2019 seine Mitarbeiter auf, ohne Rücksicht auf Personen gegen diese schlimme Sünde vorzugehen und dem Missbrauch durch Änderungen im System ein Ende zu bereiten. Es gibt aber noch mehr dazu zu sagen. Wir alle, die wir - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Schusslinie stehen, sind beileibe keine Engel.
Früher hat es „Watschn“, also Ohrfeigen gegeben. Und da war jeder schnell mal dabei, der in der Zeit gelebt hat, als so etwas noch durchaus üblich war. Sie wissen, dass solche Ausrutscher auch nach Jahren noch zu einem Verlust eines in der Zwischenzeit erlangten Bischofsstuhls (Augsburg) führen können. Ich kannte den früheren Stadtpfarrer von Schrobenhausen Herrn Mixa, den späteren Bischof von Augsburg, persönlich und schätze ihn sehr.
Ich kann - da ich etwa gleichen Alters bin - nachempfinden, was in der Zeit des Umbruchs auf eine neue und bessere Art der Erziehung stattgefunden hat. Auf einmal war es nicht nur anstößig, sondern verboten, Kindern eine Ohrfeige zu verpassen. Man musste also umdenken. Und was vorher geschehen war, wurde auf einmal auch im Nachhinein geahndet. Und ich sehe so ein Fehlverhalten in einem ganz anderen Licht als Missbrauch, denn dabei geht es um Verbrechen. Das ist eine völlig andere Größenordnung. Sind Ohrfeigen etwa schlimmer als sexueller Missbrauch? Nein, sicher nicht. Aber die Leute, die da in früheren Zeiten anscheinend mal aus der Rolle gefallen sind, kann man anscheinend leichter packen. Übrigens muss ich mich als alter Mann fragen, ob ich mich gegenüber Frauen stets korrekt verhalten habe. Erst dann hätte ich das Recht über diejenigen zu wettern, die sich etwas zu Schulden kommen ließen. Ich denke jedenfalls, dass mir Hochmut nicht ansteht. Aber diejenigen, die behaupten, dass sie immer als richtig gemacht haben, die sind mir am meisten suspekt. Nach diesen Vorbemerkungen möchte ich auf ein Thema ansprechen, bei dem es um scheußliche Verbrechen geht:
Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat zu einer großen Krise geführt, die noch längst nicht
überwunden ist.
Da gibt es anscheinend einige Priester, die - ähnlich wie wenn eine Sekte ihre eigene Auffassung als allein richtig erklärt - der Meinung sind, dass Missbrauch etwas sei, dass sie - nämlich diese Priester - durchaus mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten. Ist ja klar, sie waren (oder sind immer noch) Täter. So jedenfalls habe ich die Aussagen eines Dokumentarfilms interpretiert, der von Arte gesendet wurde. Bemerkenswert ist, dass die Ausstrahlung dieser Dokumentation unterbunden wurde. Hat da vielleicht jemand interveniert, dessen Fehlverhalten im Film deutlich geworden ist? Ist nicht schon dieses Video ein Dokument des Missbrauchs? Bis die strafbare Handlung nachgewiesen ist, kann sich auch ein gefallener Mensch auf die demokratischen Rechte - also die Unschuldsvermutung - berufen. Im Missbrauchskapitel unter DAS SIND WIR GEGEN UNRECHT Frauen machtlos habe ich mich eingehend mit dieser Problematik befasst.
Auf jeden Fall mahne ich auch an dieser Stelle Gerechtigkeit für die Geschädigten an. Für die Opfer von Missbrauch.
Denn im kirchlichen Dienst missbrauchte Frauen sind vielfach zusätzlich auch noch denunziert oder auch zu Abtreibung gezwungen
worden. Das jedenfalls geht aus diesen und anderen Berichten hervor, die jedermann zugänglich sind. Übrigens drängt die Zeit, denn außer Mord verjähren viele Verbrechen - und
können dann nicht mehr geahndet werden. Spielt da vielleicht jemand auf Zeit, der in dem Film abgebildet ist? Es braucht nicht viel Fantasie, um diesen Mann herauszufinden, denn es gibt
tatsächlich eine Szene in diesem Film, die heimlich aufgenommen wurde. In dieser Szene geht es darum, dass man die Angehörigen der Opfer zu einem Gottesdienst geladen hatte. Und in diesem
Gottesdienst wurde gezeigt, mit welchen Beschwichtigungen man die Beteiligten dazu aufforderte, Schweigen über das Geschehen auszubreiten. Natürlich kann ich das nur so aus der Erinnerung heraus
sagen. Da kann ich mich nicht mehr genau festlegen. Aber eben dieses Video würde Aufschluss bringen. Ich denke so: Wer das Zeigen eines Videos verbietet, der hat etwas zu verheimlichen. Und in
diesem Fall scheint es wohl darum zu gehen, einen (oder mehrere) Schuldige zu decken und dem Zugriff der Justiz zu entziehen - zumindest bis zur Verjährung der Verbrechen.
Dieser ganze Unrat, mit dem wir uns beschäftigen müssen, verwirrt uns. Da entsteht ein Bild von der Kirche, das auch viele Menschen nur noch abstoßende Wirkung hat. Doch es soll nicht das letzte Wort sein. Vergessen wir nicht, dass wir auf Fundamenten stehen, die in Jahrhunderten entstanden und gewachsen sind - und uns auch heute noch etwas zeigen wollen, was wir ansonsten vergeblich in der Welt suchen. Ich zitiere aus einem Leitartikel des Straubinger Tagblatts vom 23.10.2021. Der Verfasser des Leitartikels erinnert daran, dass es auch andere, gute Seiten dieser Kirche gibt:
"...der Papst aus Argentinien. Natürlich kann er sich im eitlen Vatikan nicht durchsetzen. Und schon seine Angst, dass die Kirche gerade unter seinem Pontifikat zerbricht, lässt ihn allzu vorsichtig bleiben. Aber wer seine Texte genau liest, vor allem auch ihre politischen Konnotationen, der muss doch sehen, welch revolutionäre Entscheidung der Kardinäle genau dieser Papst Franziskus immer noch ist. Der mit seinem Leben, Handeln und Reden Zeichen setzt, dass es so in der Welt nicht weitergehen darf.
Oder auch all die Einrichtungen der katholischen Kirche, die den Menschen dienen. Die Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen oder sogar Universitäten. Was wäre eine Welt ohne diesen Kern des christlichen Glaubens für eine Welt! Eine Plastikveranstaltung ohne Geist und ohne Seele."