IV 39ma VISION EUROPA

IV 39ma VISION EUROPA

Unsere Heimat, unser Land

 

Zuallerst einmal schauen wir dorthin, wo wir anfangen müssen: Auf unser eigenes Land. Wenn wir hier einzelne Ziele erreicht haben, dann sollten wir auf das Ganze blicken. Das Gute an dieser Vision Europa: Von den einzelnen Mitgliedsländern aus kann sich das geeinte Europa so entwickeln, wie man es sich vor einem halben Jahrhundert in den kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte. Deutschland ist ziemlich nahe am Ziel. Unsere Führungskräfte zeigen Mitgefühl für die Bürger und ein Großteil der Verantwortlichen ist redlich bemüht, dem Gemeinwohl zu dienen. Ganz besonders konnte man das in der Corona-Krise 2020 spüren. Und echte Fürsorge der Verantwortlichen tut den Bürgern gut. Wir leben auch in einem sicheren Land. Dieses Land ist so sicher, dass unredlich arbeitende Organisationen unsere Heimat gern als Rückzugsgebiet ansehen, weil die Meinungsfreiheit etwas ist, das nicht überall in der Welt verwirklicht ist. Willkür ist hierzulande weitgehend unbekannt. Das ist die Kehrseite der Medaille, dass staatsfeindliche Menschen meinen, sich könnten sich allerhand herausnehmen, was nicht in Ordnung ist. Aber diese Annahme ist falsch, denn Verbrechen werden konsequent aufgedeckt und entsprechend geahndet. Gemeinschaft wird gelebt.

 

Natürlich gibt es auch in unserem Land vieles, das es nicht geben sollte. Der Ordnung halber will ich an dieser Stelle auf Dinge zu sprechen kommen, die vielleicht später wohl einmal korrigiert werden. Zuerst möchte ich daran erinnern, dass Ungeborene bei uns benachteiligt sind. Dass das Lebensrecht auch älterer Menschen in Gefahr ist, liegt wohl im Trend der Zeit. Das ist aber kein Grund, das Recht auf Leben aufzuweichen. Aufgrund der Meinungsfreiheit in diesem Land ist es nicht tabu, über derartiges zu diskutieren. Die obersten Rechtshüter haben im Jahr 2020 grundsätzliche Lockerungen ermöglicht.

 

Ein Blick zum Nachbarn kann manchmal hilfreich sein

 

Manchmal schadet es nicht, wenn man schaut, wie es andere machen. In den Niederlanden hat man sich den Wünschen der - sagen wir mal: Pragmatiker - sehr früh schon geöffnet. Vor Jahren sind Frauen aus Deutschland zur Abtreibung in dieses Land gefahren. Das war weithin bekannt und ich erzähle da kein Geheimnis. Ähnlich ist es mit der Gesetzgebung, was die alten Menschen betrifft. Ich erinnere mich an einen Fall von einem beabsichtigten gemeinschaftlichen Freitod eines Ehepaares. Zuerst half der Ehemann seiner Frau beim Weg vom Leben zum Tod. Als er allerdings die Frau sterben gesehen hatte, änderte er die vorher gemeinsam getroffene Entscheidung. Er tötete sich nicht. Und weil er nun schon am Leben war, so kam es schließlich dazu, dass er später auch wieder heiratete. 

 

 

Jetzt lesen Sie einen Kommentar zu dieser Thematik von Detlev Drewes (Straubinger Tagblatt v. 22.4.2020).

 

Die Niederlande haben an das Projekt aktive Sterbehilfe geglaubt. Sie wollten - wie übrigens auch die Belgier - eigentlich nur eine Ausnahmeregelung für jene schaffen, die unheilbar krank sind, und manövrierten sich damit in eben jene prekäre Situation hinein, die sie kaum noch beherrschen.

 

Denn aus der Ausnahme ist [ähnlich wie bei uns mit der Abtreibung (MK)] in den Köpfen vieler ein Recht geworden, das man beanspruchen kann - nicht nur wegen körperlicher oder seelischer Erkrankungen, sondern einfach deshalb, weil man des Lebens überdrüssig ist. [Erst kürzlich erfuhr ich von einer Familienfeier in den Niederlanden mit vielen geladenen Gästen, die anberaumt worden war, weil der Opa sich vor seinem Tod, der - von wem auch immer - vorgesehen war, von seiner Familie verabschieden wollte.]

...Niemand macht sich diese Diskussion leicht. Die Voraussetzungen, damit die Behörden einem Antrag zustimmen, sind hoch. Und dennoch wächst in den Niederlanden das ungute Gefühl, in eine Spirale hineingeraten zu sein, aus der man kaum noch hinauskommt... Aus den Erfahrungen der Niederlande zu lernen, bedeutet, die palliativen Angebote auszubauen und zu helfen, statt zu töten.

 

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich unser aller Rechtsempfinden eher an praktische Verfahrensweisen orientiert als an göttliche Gebote. Das ist etwas, das damit zusammenhängt, wie sich ein Staatssystem selbst sieht. In früheren Zeiten sahen sich Herrscher (zumindest nach außen hin) als von Gott eingesetzte Machthaber mit mehr oder weniger Verantwortung. Das war manchmal tatsächlich gut, meistens aber nicht, und wir sind dankbar für die heutigen ziemlich klaren Verhältnisse, die allen (wirklichen) Religionen und auch anderen Kulturen gegenüber offen sind.  Wenn Sie in die Grundgesetze (der Länder bzw. der Republik) schauen, dann erfahren Sie, auf welcher Basis ein Staat regiert. Ich persönlich schätze es sehr, wenn ein Staat als Basis des Handelns Jesus Christus sieht. Aber daraus kann ich natürlich keine Forderung ableiten, denn die gewählten Vertreter der Volksgemeinschaft müssen nach ihrem eigenen Gewissen handeln. Das ist sehr wichtig. Es gibt ja eben auch immer noch die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, die ihren Einfluss geltend machen dürfen und sollen. So ist ein dynamischer Prozess zwischen Glaubensgemeinschaften und Staat möglich, was Gesetzgebung und staatliche Aktivitäten betrifft. Es ist auch als gutes Zeichen anzusehen, dass so ein Dialog überhaupt stattfindet.

 

 

Nun möchte ich aber doch deutlich positiv hervorheben, in welche Richtung sich ein Minister bewegt, dessen Vorgänger wohl oft eher die einfachen und abgefahrenen Geleise benutzt hatten, denn sonst hätte man früher vielleicht etwas aus der Presse erfahren, das aufmerksamen Beobachtern nicht entgangen wäre. Ist auch nicht negativ gemeint. Denn es haben sich die Zeiten verändert und für manches Handeln muss notwendigerweise auch die Zeit reif sein. Wie dem auch sei: Entwicklungsminister Müller hat die ganze Welt einschließlich der Klimapolitik im Blickfeld. Sein Ziel könnte man so umschreiben: Bei der Schaffung einer besseren Welt müssen die Nöte der einfachen Menschen in armen Ländern unbedingt berücksichtigt werden. Eine reiche Welt zu Lasten der Armen - das will Minister Müller unbedingt vermeiden, besser gesagt, dem schon bestehenden Ungleichgewicht hat er den Kampf angesagt.  Das will ich kurz mit einer Zeitungsnachricht von Klaus Sterzenbach (6. Mai 2020) belegen:

 

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller warnt davor, arme Länder in der Corona-Pandemie zu vergessen. "Corona besiegen wir nur weltweit oder gar nicht", sagte der CSU-Politiker am Dienstag (also am 5.5.2020) in Berlin. Müller verwies daraufhin, dass die Europäische Union bislang keine Finanzmittel für die Corona-Hilfe in den Entwicklungsländern bereitgestellt habe. Der Minister sprach über die Höhe der notwendigen Finanzhilfen... Er warnte gleichzeitig vor einer "Rückkehr zur Normalität der Globalisierung". Auch die Corona-Krise zeige, dass man umdenken und neue Wege gehen" müsse. Dies betreffe unsere Art zu wirtschaften, das Engagement gegen den Klimawandel und Verlust von Wäldern und Biodiversität sowie das weltweite Bevölkerungswachstum... Am schlimmsten betroffen wären ... "die ärmsten Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern", warnte Müller. Dieser kleine Absatz soll auf die Aufgaben zeigen, die den Führungskräften in Deutschland und der EU obliegen und zum Teil (aber eben erst nur zum Teil) bereits als solche erkannt worden sind. 

 

Ein Blick in die Vergangenheit

 

Dieser Absatz entstand im Mai 2020, also 55 Jahre nach dem Sieg unserer Freunde aus Ost und West - und das Wort Freunde habe ich bewusst gewählt - über die damaligen Machthaber in Deutschland. Warum die Menschen vor diesem denkwürdigen Tag der Befreiung jahrelang einem Mann mit kranken Vorstellungen nachlaufen konnten, das wird man wohl niemals herausbekommen. Problematische Verhältnisse dürften wohl bei vielen Mitmenschen das Mitregieren des Verstandes und der Vernunft ausgeschaltet haben.

 

Glaubensinhalte waren anscheinend nicht tief genug verwurzelt, um dem Ansturm der massenweisen Verirrung und der Propaganda standhalten zu können. Im Übrigen scheint der Kampf gegen die Demokratie gerade in demokratisch regierten Ländern an Fahrt zu gewinnen. Das liegt teilweise auch daran, dass man in demokratisch regierten Ländern sowohl dem Volk als auch dem Machtinhaber sehr viele Rechte überträgt. Dadurch steigt natürlich auch die Gefahr des Macht-Missbrauchs. Die Kräfte des Bösen belasten auch jetzt unsere Welt. Nicht nur Deutschland. Anscheinend haben manche Menschen die Fähigkeit verloren, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Die Mechanismen des Bösen lassen sich am ehesten studieren, wenn man verfolgt, was in der Tageszeitung über die Praktiken der Hassprediger berichtet wird. Man kann es auch andersrum so sagen: Wenn man sich an die Worte Jesu hält, hat man einen guten Kompass, der eine Unterscheidung der auf uns eindrängenden Kräfte ermöglicht.

 

 

Und nun: Unser Kontinent

 

Es ist heutzutage nicht mehr sinnvoll, nur noch in der Kategorie Land bzw. Staat zu denken. Für uns bedeutet das: Europa ist gemeinsame Heimat geworden. Es ist gut so, was seinerzeit mit der Montan-Union zwischen Frankreich und Deutschland entstanden ist. Das nämlich war der Beginn der inzwischen sich klar darstellenden Vision Europa. Die Rede des französischen Außenministers Robert Schuman am 9.5.1950 ist als Ursprung der Europäischen Union anzusehen.

 

 

Vielleicht sollte man sich klarmachen, welche Rolle Europa in der Weltgemeinschaft spielen sollte. Da gibt es ja in den Macht-Blöcken ganz verschiedene Modelle, die angestrebt werden. Suchen wir uns aus, was wir wollen.

 

1. Europa sollte ein Kontinent sein, auf welchem Rede- und Meinungsfreiheit oberste Priorität hat.

2. Europa sollte ein Modellfall werden für Solidarität untereinander und in der Partnerschaft mit anderen Völkern.

3. Europa sollte Vorbild sein für Religionsfreiheit und kulturelle Offenheit.

4. Europa sollte sich dem Frieden in der Welt verpflichtet fühlen und Waffen nur für eigenen Bedarf produzieren.

5. Europa sollte das menschliche Leben achten und schützen in jeder Form.

6. Europa sollte sich weltweit für wirtschaftliche Gerechtigkeit einsetzen.

7. Europa sollte sich verpflichtet fühlen, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

8. Europa sollte sich zudem eigene Ziele suchen, auch was Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen Bereich betrifft.

9. Europa sollte sich von allen Wirtschaftsformen entfernen, die nicht gleichzeitig dem Gemeinwohl dienen.

 

 

 

Um nur einen Punkt konkret anzusprechen: Europa sollte ernsthaft Sorge dafür tragen, dass es den Menschen auf dieser Erde allen gut geht. Das würde Menschen davon abhalten, ihre Heimat zu verlassen. Flüchtlinge sollten - nach entsprechender Prüfung - freundliche Aufnahme in Europa finden. Dieser Reihe mir spontan einfallender Aufgaben wird man noch vieles hinzufügen können, was hier noch nicht angesprochen ist aber vom Sinn her damit übereinstimmt. Meine Aufzählung kann und darf nicht erschöpfend sein. Schließlich ist es Aufgabe auch dieses neuen Europa, sich diese und ähnliche Ziele selbst zu suchen und den Weg dazu auszuarbeiten. Nun frage ich Sie, ob sich bei diesen Zielen nicht etwas in uns bewegt, etwas, das der Erfüllung von Träumen entspricht. Wenn Sie das bejahen können, dann verstehen Sie auch, warum es den großen Demagogen immer wieder gelingt, mit genau solchen und ähnlichen Worten Menschen mitzureißen, ja zu verführen - allerdings sind das dann bei solchen Volksverführern nur große Worte und Versprechungen. Versuchen wir, die Demagogen immer wieder neu zu entlarven. Denn wenn diese Leute nicht dazusagen, dass auch Opfer von ihren Anhängern erwartet werden, dann weiß man schon Bescheid.

 

Vergebens wird man in dieser meiner Liste nach Maximierung des Wohlstands suchen. Es sei denn, man trachtet danach, Benachteiligten im eigenen Land oder in der Welt Hilfe zu bringen. Eine Steigerung des Sozialproduktes sollte als Wunschvorstellung obsolet sein. Und dass bei einer solchen Denkweise Abstriche - deutliche Abstriche - im materiellen Bereich notwendig werden, das dürfte klar sein. Wie sagte doch Gandhi, den wir alle doch ziemlich verehren? Etwa so: In dieser Welt ist genug zu essen für alle da. Aber nicht genug, um anzuhäufen und zu prassen. Hier könnte jeder für sich - Du und ich - noch heute mit der Verwirklichung der großen Gemeinschaft anfangen.

 

Wenn Sie diese Idee des geeinten und freien Europa durchdenken, werden Sie vieles finden, was im Allgemeinen heutzutage keine große Rolle spielt. Auch werden Sie vielleicht den Begriff "Macht" vermissen. Denken Sie doch einmal darüber nach, dass Macht des Geistes mehr ist als Profitdenken. Wir wissen noch gar nicht, welche freien Kapazitäten da frei werden könnten, wenn wir den Versuch machen, uns gemeinsam in die aufgezeichnete Richtung zu bewegen. Und der Blick geht dann schon weiter über unseren Kontinent hinaus auf die Völker dieser Erde. 

 

Der Weg zum Frieden muss von den Bewohnern unseres Kontinents aufgegriffen und ausgestaltet werden. Wem sollten wir denn sonst diese Aufgabe zumuten, wenn wir nicht selbst damit anfangen? Ich kann nur Anregungen geben. Wie hieß es doch gleich zu Beginn dieses Kapitels? Gemeinsam! Und nun folgt noch ein wichtiger Aspekt.

 

Während ich noch darüber nachsinne, wie wir mit unseren menschlichen Mitteln wirklichem Frieden nahekommen könnten, fällt mir ein Artikel des längst verstorbenen Predigers Prof. Biser von 2004 in die Hände. Es war der Weihnachtsartikel im Straubinger Tagblatt.  Es ist bemerkenswert, welche Chancen der Religionsphilosoph seinerzeit dem Europa gab, das sich anschickte zu einer Einigung, die vorhandene frühere Grenzen einfach beiseitegeschoben hatte. Ein hoffnungsvoller Beginn, der von dem begnadeten Religionsphilosophen so kommentiert wurde:

 

"Dabei wird die himmlische Botschaft" - hier bezieht sich der Verfasser auf die Friedenszusage bei der Geburt des Herrn - "nachhaltig durch das Paradigma des sich einigenden Europas verstärkt, das der Welt durch sein Beispiel beweist, dass selbst jahrhundertelange Konflikte durch einen hochherzigen Entschluss, wie er von den europäischen Völkern gefasst wurde, beigelegt und in eine fruchtbare Kooperation aufgehoben werden können...

 

Denn der Friede gehört zu jenen höchsten Eingebungen des Menschengeistes, zu denen es so wenig wie zu der Gottesidee einen Gegensatz gibt. Daher muss der Friede bedingungslos gedacht werden, wie es dem Gott des Christentums entspricht. Von ihm gilt: Gott ist Licht und Finsternis ist nicht in ihm. In ihm gibt es nicht das Dunkel der Drohung und Strafe, sondern nur das Licht der bedingungslosen Liebe..." 

 

 

Vielleicht ist noch ein Zitat für uns von großer Wichtigkeit, das sich am Ende des Weihnachtsartikels findet, ein Zitat, das jeden von uns an dem Platz, an der er gerade steht, zur Mitarbeit am Frieden auffordert: "... im kleinen Bereich des Privatlebens, muss der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, Hass und Gegenhass gesprengt und der gelebten Mitmenschlichkeit zum Durchbruch verholfen werden, weil nur so die Basis für eine Friedenspolitik stehen kann."

 

Allerdings ist unser Bild von Europa nicht vollständig, wenn wir nicht darauf blicken, was auf diesem Kontinent – besser gesagt - was in der Europäischen Union nicht schon alles an kleineren Zielen verwirklicht worden ist. Und das ist sehr viel, denn von einem zerrissenen Existieren einzelner Länder, die jahrhundertelang fast permanent im Krieg lagen, wächst tatsächlich unter „Geburtswehen“ eine wirkliche Gemeinschaft heran. Die Europäische Union hat es da nicht leicht, weil die großen Machtblöcke ein Erstarken Europas wohl nicht unbedingt wünschen und weil es andererseits im Innern immer wieder zu großen und gefährlichen Krisen kommt.

 

Das Gerangel um den Ausstieg Groß Britanniens aus der EU zeigt die schwierige Position deutlich. Das Brexit-Geschehen ist übrigens noch lange nicht vorbei. Es ist schwierig für beide Teile und ich darf vorsichtig daran erinnern, dass der Brexit nicht einem eindeutigen Votum der englischen Bevölkerung, sondern den politischen Capriolen einiger Weniger geschuldet ist, die wahrscheinlich inzwischen schon längst nicht mehr an den Hebeln der Macht sitzen. Die EU hat der Insel immer wieder die Hand ausgestreckt, um einen „harten“ Brexit zu vermeiden, was natürlich für beide Teile viele Nachteile mit sich gebracht hätte. Eine weitere Last war die Finanznot Griechenlands, die einiges an Problemen mit sich gebracht hatte. Derzeit ist erkennbar, dass einige andere Mitgliedsstaaten den Versuch machen, sich in ihrem Land der Rechtsstaatlichkeit zu widersetzen. Die EU wird das sehr wahrscheinlich zu verhindern wissen, denn der Bestand dieserVölkergemeinschaft hängt davon ab, ob das gelingt. Noch sind wir mittendrin in diesem Prozess. Selbstverständlich ist die EU eine Wirtschaftsgemeinschaft. Allerdings unterscheidet sie sich aber dadurch von anderen Strukturen, dass die Wirtschaft nicht allein ausschlaggebend ist. Die Idee von der Freiheit in Gemeinschaft ohne die Vorrangstellung wirtschaftlicher Macht ist (im Prinzip) einzigartig. Aber eben derzeit nur vom Grundsätzlichen, da die Kräfte in der Wirtschaft große Macht haben. Außerdem ist eine Idee nur dann realisierbar, wenn sie vom Wirtschaftlichen nicht abgekoppelt ist. Das wäre weltfremd und nicht praktikabel. Man erkennt die Problematik daran, dass die begehrten Subventionen der EU so etwas wie Zankäpfel sind. Und wenn es um Geld geht, da hört auch in den besten Familien die Gemütlichkeit oft auf. Verkoppelt mit der Geldfrage sind auch die industriellen Standards, die manche der besseren Rendite wegen aufweichen möchten. Um Finanzen geht es auch bei der Flüchtlingsfrage, die so vielschichtig ist, dass immer wieder Länder sich benachteiligt fühlen, weil sie Flüchtlinge zwar aufnehmen sollen aber andererseits das Problem haben, dass andere Ländern, die nicht an das Mittelmeer angrenzen, gar kein Interesse haben, die Flüchtlinge in ihr Land zu lassen. 

 

Andererseits ist es aber auch so, dass in Europa Standards geschaffen werden, an die sich inzwischen auch schon andere Staaten halten, die selbst keine solchen Vorgaben erarbeitet haben. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Datenschutzgrundverordung, die natürlich auch in Europa auf sehr viel Widerstand gestoßen ist. Welche Probleme hat diese Verordnung doch gerade im Vereinswesen hervorgebracht! Trotzdem ist sie wichtig, weil sie eben auch die Giganten in ihre Schranken weist. Selbst Google hat zähneknirschend von Europa Vorgaben angenommen, die dem Konzern gar nicht schmecken. Europa ist also hier eine Art Vorreiter, der Standards anbietet, die weltweit an Bedeutung gewinnen.

 

Das vereinte Europa ist letztlich als Folge christlichen Suchens über viele Jahrhunderte zu verstehen. Von dieser Wurzel her muss Europa verstanden werden, auch wenn man heutzutage nicht mehr so viel über diese Ursprünge spricht.