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IV 43wki ER sucht uns

IV 43wki ER sucht uns

Unser Heimweh

Träume

 

Ich habe schon des Öfteren darüber nachgedacht, was es eigentlich mit der Ewigkeit auf sich haben könnte. Wie das wohl dort (oder dann) sein könnte. Wir wünschen ja manchmal, dass dieses oder jenes Erleben niemals ein Ende haben sollte. Wenn wir an einem schönen Strand liegen dürfen. Oder – so habe ich spintisiert - eine wunderbare Melodie immer wieder neu singen wollen. Geht aber nicht. Der Gedanke, wie ein kleines Kind in den Armen des Gottes zu ruhen, der uns zugleich Mutter und Vater ist – etwas zugleich sehr Einfaches und doch auch etwas ganz Großes. Oder – wenn es einem geschenkt wird - in den Armen des geliebten Menschen zu liegen. Wünschen wir nicht ab und zu, so etwas aus der Zeit hinaus in die Unendlichkeit hineinnehmen zu können? Sicher sind das Gedanken, die wir uns in dieser konkreten Form nicht gestatten, weil wir wissen, dass das alles nicht realisierbar ist. Aber trotzdem: Die Sehnsucht bleibt.

 

In Kroatien habe ich dieses Schiff fotografiert.
Schiff und Meer, das sind Symbole, die unsere Sehnsucht wecken.

Aus dem Buch „Vom Geist der Liturgie“ von Romano Guardini will ich nur ganz wenige Sätze bringen. Man kann da tatsächlich ganz schlecht aus dem Zusammenhang etwas herausschneiden. In dieser Arbeit geht es wie in einem Fluss von einem Punkt zum anderen. Und schließlich wäre es langweilig, all die Argumente und Überlegungen einfach abzuschreiben. Auf Seite 101 des kleinen Büchleins heißt es: Das ist die wunderbare Tatsache, die in der Liturgie gegeben ist: Kunst und Wirklichkeit ist eins im übernatürlichen Kindsein vor Gott. Was sonst nur im Reich des Unwirklichen ...gegeben ist, nämlich die Formen der Kunst als Ausdruck vollbewussten Menschlebens, das ist hier Wirklichkeit.“  Die wenigen Sätze lassen uns verstehen, wie tiefgründig wir schauen müssen, wenn wir den Sinn der Liturgie verstehen wollen. Es ist gut, darüber nachzusinnen, weil man derzeit immer wieder hört, dass es an der Zeit wäre, allerhand abzuschaffen, was man in der Kirche eigentlich gar nicht brauche. Das liegt wohl daran, dass wir in der Gegenwart nicht mehr genug Muße finden, um in die Tiefe zu gehen.

 

Ich erlaube mir anzudenken, was kaum diskutiert wird, was gläubige Menschen vielleicht aber doch mal in einer ruhigen Stunde für sich selbst überlegen: Was machen die erlösten Menschen eigentlich die ganze Ewigkeit im Himmelreich? Das ist ja wohl eine lange Zeit. Pardon. Ein zeitloses „Für Immer“. Eine Vorstellung, die Angst machen könnte. Uns aber - wenn wir an Christus glauben - eher Freude machen sollte. Vielleicht kann man das so sehen: Die Liturgie ist Anbetung. Das ewige Leben könnte vielleicht darin Erfüllung finden, dass man den ewig schenkenden Gott ohne Unterbrechung ehrt. Und das Wort Unendlichkeit ist dasselbe wie Ewigkeit. Doch eines ist vielleicht wichtig: Der Mensch ist nur in Gemeinschaft lebendig, in der Beziehung zu einem „Du“. Und wenn dieses „Du“ nun dieses aus der Unendlichkeit flutende Wesen der Liebe ist, das über allem steht und sich jedem Einzelnen von uns liebevoll zuneigt - Ist das nicht etwas, das schon genügt, um Ewigkeiten währende Dankbarkeit zu zelebrieren, zu feiern? Wer die beglückende Erfahrung machen durfte, dass Gott bei uns lebt, diesem Menschen macht es kein Problem, die Worte des Herrn als ganz große Hoffnung zu verstehen, denn „kein Ohr hat es gehört und kein Auge gesehen“, was der Herr denen bereitet hat, die Sein Wort hören und danach handeln. Machen wir brav und mit ganzer Hingabe unsere Hausaufgaben, damit uns dieser Schatz, diese kostbare Perle nicht verloren geht!

 

Manche Lieder singen wir immer wieder und wenn man die Klänge schon sehr lange kennt, da kann man etwas von dem spüren, was es heißt, das Gleiche und Bekannte immer wieder von Neuem anzustimmen. Das ist dann wie ein Fluss, der immer weiter fließt oder wie ein Verweilen am Meer, wo man meint, man könne ewig hier verharren und der Melodie des Wassers lauschen.

 

 

                                         Ewigkeit - was ist das?

 

 

When we‘ve been there ten thousand years,    Bright shining as the sun,

 

We‘ve no less days to sing God‘s praise            Than when we‘d first begun.

 

Die diesem Absatz vorangesetzten englischen Worte sind dem ziemlich bekannten Gospel „Amazing Grace“ entnommen. Die Übersetzung in unsere Sprache ist nicht ganz leicht. Sehr frei habe ich den Text sinngemäß etwa so interpretiert - „Wenn ich Dich, Gott, tausend Jahre mit meinen Liedern erfreut habe, dann ist es mir dabei zumute, als hätte ich gerade erst mit meinem Lobgesang begonnen.“ Könnte dieser Vers eine Art von Antwort sein auf die Frage, was Ewigkeit für einen Liebenden bedeutet? Vielleicht fällt einem bei dieser Thematik das von uns so oft vergessene Wort "Muße" ein?

 

Und nach Lieben ist mir durchaus zumute, wenn ich denke, was mir in meinem Leben alles vom Gott der Liebe geschenkt worden ist. Mir, der ich doch gar nicht so viel wert bin. Und auch das ist ein Gedanke, der in einem anderen Vers dieses Liedes zum Ausdruck kommt. Mit der kleinlich-wörtlichen Übersetzung dieses (oder auch anderer Lieder) lässt sich das Eigentliche oft gar nicht so richtig erfassen, was damals aus den Herzen der Menschen „hervorgesprudelt“ ist. (Den Text des Liedes habe ich aus dem Internet.) 

 

Sehnsucht. Hat vielleicht Gott Sehnsucht nach uns Menschen?

Viele Hinweise sprechen dafür.

 

Gott zieht es zu uns

Anscheinend will Er uns um sich haben. Schon im Alten Testament war die Rede davon, dass Gott Gemeinschaft mit uns will. Es scheint Ihm sehr ernst mit diesem Seinen Anliegen zu sein. Dann müsste man unsere ganze Entwicklungsgeschichte - also nicht nur die der Menschen, sondern auch die des Kosmos - als einen Vorgang ansehen, der zielgerichtet auf ein einziges Ziel ausgerichtet ist: Schaffung des Gottesvolkes, der Gemeinschaft von Menschen, die auf den Herrn schauen. Aber eben nicht „als Untertanen“ sondern als wirkliche Gemeinschaft. Als Gemeinschaft, die eine Trennung durch Staatsgrenzen, Religion oder Kultur ablehnt. Der Gedanke vom „Volk Gottes“ wird von Jesus aufgenommen und lässt sich im Neuen Testament an Seinem Handeln und Sprechen weiterverfolgen. Die Kirche hat dies folgerichtig in die wichtigen Gebete der Heiligen Messe eingearbeitet. Hier folgt die Formulierung im zweiten Hochgebet. Da heißt es im Sprechen zum Vater-Gott von Jesus:

 

 „Um deinen Ratschluss zu erfüllen

und dir ein heiliges Volk zu erwerben,

hat er sterbend die Arme ausgebreitet

am Holze des Kreuzes.“

 

Wir haben es da mit einem Spannungsbogen zwischen Erde und Himmel zu tun. Unser Sehnen geht dahin, wo ewiger Friede herrscht. Unser Gott sehnt sich nach uns, wo Er dieses Friedensreich gemeinsam mit unseren Beiträgen etablieren möchte. Das ist die dritte Bitte im Vaterunser. Wenn ich mir das so recht überdenke, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich hier auf dieser Erde bin, um meine Entscheidung für - oder gegen - Ihn zu treffen. Bin ich bereit, bei jedem Einkauf, bei jedem Gespräch, bei jeder noch so nebensächlichen Handlung immer das große Ganze in den Blick zu nehmen? Anders gesagt, bin ich innerlich darauf ausgerichtet, Gottes Geschenke als solche zu begreifen und dankbar anzunehmen. Das Gericht, von dem die Bibel spricht, das findet hier und heute statt. Und der Richter bin ich selbst. Durch mein Verhalten gebe ich meine Gesinnung kund. Meine Einstellung zur Gemeinschaft und zum Urheber allen Lebens. Der Beitrag von Ihm ist mit dem Leben und Sterben des Herrn geleistet. Es liegt nun an uns, den Sieg über den Tod zu verkünden - und die Auferstehung zu feiern. Es ist auch unsere Auferstehung - wenn wir das denn so wollen und annehmen.

 

Wenn wir einmal gesagt haben, dass unsere Seele die Stimme Gottes ist, dann ist es das Göttliche in uns, das auferstehen wird zum ewigen Leben. Das müssen wir in uns wachsen lassen. Sonst ist nichts da, was in das ewige Leben eingehen kann. Denn der Leib kann nur Hülle sein für das wirkliche Sein des Menschen. Und das Böse in uns? Das lassen wir getrost (spätestens mit unserem Tod) zugrunde gehen. Es ist nicht von Gott und hindert uns daran, zu Gott zu kommen. Das alles können wir irgendwann einmal auf der Erde zurücklassen, an dem Platz, von dem wir einmal geholt werden zu Ihm, Der immer auf der Suche nach uns ist.