+V42ma ARMSEIN VOR GOTT

+V42ma ARMSEIN VOR GOTT

Text 2022 minimal überarbeitet. Neue Fassung im eBook

 

Und wie sieht es denn heute aus mit dem Befolgen seiner Hauptgebote?

Nun, anstelle einer klaren Antwort sagen wir da gern etwas Ungenaues:

Etwa so: "Kommt darauf an."

 

ZUERST ICH?

 

ODER ALLE GEMEINSAM MIT GOTT!

 

Gemeinhin meint man mit dem Begriff „Ansichtssache“, dass Menschen verschiedene Meinungen von irgendetwas haben und dass es schwierig ist, darüber zu diskutieren, weil eben verschiedene Perspektiven auch zu verschiedenen Interpretationen führen. In Südafrika hatten die Weißen sicherlich von den Zuständen in ihrem Land vor Nelson Mandela eine ganz andere Vorstellung als die Schwarzen. Nicht viel anders ist es heute: Auch wir im Westen sitzen im gemachten Nest und vermeiden es, darüber nachzudenken, auf welchen Voraussetzungen unser Wohlstand beruht. Nun, es ist kein Geheimnis, dass unser Wohlstand auch auf der Ausbeutung anderer Menschen beruht.  Zweitens treiben wir Raubbau an der Natur und schaden in hohem Grad der Umwelt ohne uns über die Folgen Gedanken zu machen. Drittens leben wir auf Kosten der nächsten Generationen, denen wir mit gefährlichem Atommüll, Vergiftung der Umwelt und Ressourcenverschwendung große Lasten aufbürden.

 

Wir (viele von uns) haben die ziemlich egoistische Auffassung, dass uns das nicht allzu viel angeht, weil es uns dabei (noch) gut geht. Das ist eben unsere „Ansicht“. Ob sich unsere Ansichten auch ändern können? Ja, aber in beiden Richtungen! Es gibt es immer wieder Leute, die das Entstehen von Solidarität torpedieren und eher dazu neigen, sich abzuschotten und verbale Attacken auf Gemeinschaften loszulassen. Die Gefahren, die von solchen Menschen ausgehen, darf man nicht unterschätzen. Solche Menschen ohne Gemeinschaftssinn gibt es in allen Ländern. Das ist ein Problem, das besonders den demokratisch regierten Staaten zu schaffen macht. Weil die eben kein „machtvolles Durchgreifen“ wollen, sondern bemüht sind, sich auf das unbedingt notwendige an „Staatsgewalt“ zu beschränken. 

 

Gehen wir zurück in die Vergangenheit: Früher meinte man, die Sonne kreise um die Erde. Mit dieser „Weltsicht“ ließ sich aber das Verhalten der Planeten nicht erklären. Erst eine neue Perspektive brachte die Wissenschaft weiter. Wenn man nämlich anerkennt, dass die Erde (und auch die anderen Planeten) um die Sonne kreisen, dann wird die Sicht auf das Sonnensystem klar. Dann sind mit einem Mal auch die Bewegungen der Planeten verstehbar. Es scheint also tatsächlich darauf anzukommen, wie man eine Sache anschaut: Geozentrisch ist nicht die rechte Sicht. Also die Sonne als Mittelpunkt. Aber Vorsicht. Die Sonne ist schließlich nur eine einzige unter vielen!

 

Nun kann ich zu dem kommen, was ich Ihnen über das Armsein vor Gott sagen möchte. Dabei geht es um die Frage, ob wir unser Ego oder die Kraft aus der Höhe als die entscheidende Instanz ansehen. Und das ist ein großer Unterschied. Es ist so ähnlich wie mit den beiden oben beschriebenen "physikalischen" Weltbildern. Betrachten wir politische Situationen, also beispielsweise Apartheid aus der Sicht der Menschen, so ist die Beurteilung ganz davon abhängig, ob ich sie als Herrscher oder Unterdrückter sehe.  Die Wahrheit wird dann etwas deutlicher, wenn wir in Gedanken versuchen, das alles so zu sehen, wie es Gott sehen könnte. Dann nämlich fällt den Einen auf, wie sehr sie der Lüge verhaftet sind und die Anderen kommen dahinter, welche Wege sinnvoll aus dem Elend führen. Nelson Mandela hat sich ein ganzes Leben bemüht, den richtigen Weg zu finden. Aber er hat ihn gefunden und ist ihn konsequent gegangen. Danke.

 

Noch einmal blicken wir auf die Probleme unserer Zeit und fragen uns, wie wir uns mit dieser Not auseinandersetzen wollen. Aus eigener Kraft? Oder mit dem Blick auf das unfassbare Wesen, das uns geschaffen hat. Franziskus, der Heilige und Franziskus der Papst - Bei Beiden geht der Blick immer auf Gott, den Urheber  alles Guten. Ich möchte andeuten, dass der Weg ohne den Blick auf den Herrn uns wohl kaum aus unserer Not heraushelfen kann. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Ganzen, den wir mit unserem Verstand erfassen können. Wir sehen nicht klar, wenn wir wie beim „geozentrischen Weltbild“ nur unsere eigenen Interessen ins Spiel bringen. Erst mit der Ausrichtung auf Gott bekommen wir den Blick frei. Dann erst kann es eine Problemlösung geben - durch adäquates Verhalten. In verschiedenen Kulturkreisen und Religionen ist die Durchdringung der Gedanken über das „Transzendente“ mit dem Sozialpolitischen, also dem Tagesgeschehen sehr deutlich. Das lässt sich sowohl an den Buchreligionen als auch an der östlichen „Denkweise“ erkennen. Und - um nun das Universale dieser Verknüpfung noch weiter zu betonen - möchte ich an die ethisch sehr hochstehende Kultur der Indianer erinnern. Bei denen war es bekanntlich so, dass denjenigen die meiste Achtung entgegengebracht wurde, die am meisten an andere verschenkten. Ich denke auch an die Ehrfurcht, die sie für die Tierwelt hatten und ihre Nachfahren immer noch haben. Vielleicht ist an dieser Stelle ein Blick auf die alten Schriften angebracht: Im Buch der Könige heißt es:

 

In jenen Tagen betete Salomo im Tempel zum Herrn: Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen; denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand, deinem hoch erhobenen Arm hören. Sie werden kommen und in diesem Haus beten. Höre sie dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst, und tu alles, weswegen der Fremde zu dir ruft. Dann werden alle Völker der Erde deinen Namen erkennen.

 

Christus war noch nicht erschienen und uns Menschen noch nicht bekannt. Doch Gott hat durch Salomon schon gezeigt, dass Er - der Schöpfergott - der Herr aller Völker ist. Er ist derjenige, der von den Juden angebetet wird und auch von uns Christen. Auch ist Er derselbe, den einige Jahrhunderte nach Christus auch Muslime mit dem Namen „Allah“ anrufen und ehren werden. Dieses Wort ist vom hebräischen Ausdruck „Elohim“ abgeleitet. Auch spricht man im Islam, also bei den Muslimen, vom Allerbarmer, ein Wort, das auch in unserer Religion eine wichtige Rolle spielt. Ich denke, dass auch die Juden Gott als Den ansehen, Der sie voller Erbarmen ansieht. Im Buch vom Leiden des Hiob ist diese Thematik eingehend bearbeitet worden. Man kann die ganze Geschichte der verschiedenen Religionen durchleuchten, man wird immer wieder darauf kommen, dass stets ein und derselbe Gott, nämlich der Schöpfer des Himmels und der Erde, verehrt und angebetet wird.

 

Da müssen wir natürlich nachfragen, woher dann die Zwistigkeiten unter den verschiedenen Glaubensrichtungen kommen. Nun, ich denke, dass die verschiedenen Kulturen mit ihren völlig unterschiedlichen geschichtlichen Erfahrungen auch jeweils ein anderes Bild von Gott haben müssen. Vielleicht hätten wir alle den Allmächtigen mit dem Namen „Ich bin da“ ansprechen müssen. Dann hätte sich die Vorstellung, dass jede Religion einen anderen Gott verehren könnte, vielleicht gar nicht erst entwickelt. Doch inzwischen hat jede Religion ihre eigenen Rituale, die dem gemeinsamen Beten im Weg zu stehen scheinen. Ich denke, dass jeder Mensch, der sich in einem Gotteshaus eines ihm fremden Glaubens befindet, Angst hat, dass er beim Gebet an dieser Stelle vielleicht „seinem“ Gott untreu werden könnte. Diese Befürchtungen scheint der Oberhirte Franziskus nicht zu haben. Ähnlich ist es wohl mit den hochrangigen Vertretern der anderen Religionen, die wiederum mit dem Papst im Vatikan gebetet haben. Dass es auch eine Verwandtschaft im Denken mit den Religionen des Ostens gibt, sei an dieser Stelle nur erwähnt. Es ist aber sehr wichtig, dies zu verstehen, auch wenn die Gottesbilder für uns schwer verständlich erscheinen.

An dieser Stelle möchten Sie vielleicht fragen: Wenn das Miteinander der zwei Religionen, die auf den alttestamentlichen Schriften basieren, schon so schwierig ist, warum musste dann auch noch Jesus in die Welt kommen und noch eine weitere Religion stiften? Er brachte die Botschaft des liebenden Vaters. Er kam, um den Frieden zu verkünden und vorzuleben. Er hat nämlich die Kultur der Juden weiterentwickelt. Es hat die Loslösung von den tradierten Gesetzen bewirkt und als einziges umfassendes Gesetz das Gesetz von der Liebe gebracht - und Er hat nach diesem Gesetz gelebt. Er hat gesagt: Du sollst deine Feinde lieben! - und das ist ein kultureller Fortschritt ohnegleichen. Er hat etwas Neues gebracht, etwas, das schwer zu verdauen ist. Diese Botschaft von der Liebe hat Er mit Seinem Sterben besiegelt. Nur so kann man Ihn verstehen, dass man Ihn als Botschafter Seines Vaters, des Gottes aller Menschen auffasst.

 

Als Einen, der die Menschheit als Ganzes ernst nimmt und annimmt und Seine Liebe allen Menschen schenkt - unabhängig von deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Den Indianern ist es nicht mehr gut gegangen, seit die Einwanderer aus Europa das Land in den "Griff" bekommen haben. Lauter Christen waren das. Dem Namen nach. Doch der Christus, um Den es geht, Der liebt die Eingeborenen und sieht, dass sie ihre Rechte verloren haben. Genommen von denen, die wir uns als Christen bezeichnen. Auf die Knie sollten wir vor ihnen niedergehen, so wie vor den Schwarzen, die jetzt vielleicht erstmals wieder Hoffnung schöpfen auf  Gerechtigkeit. Das sind Rituale, die uns helfen, die Mitte wieder zu finden. Doch was ist inzwischen alles passiert!

 

Theologen werden im 20. Jahrhundert erklären, dass Gott Mensch geworden ist, damit wir Menschen vergöttlicht werden. Diese Überlegungen führen hin zum Auftrag Christi, worüber in einem anderen Kapitel noch eingehend gesprochen werden wird. Nur eines noch: Allein diese Denkweise ist in der Lage, allem Krieg auf dieser Erde ein Ende zu bereiten. Deshalb nehme ich jetzt schon vorweg, was ich später noch ausführlich erörtern werde: Christus hat nicht eine neue Religion „gestiftet“, sondern alle Menschen - egal welcher Religion sie angehören - an sich gezogen, um sie zum Vater zu führen. Er ist der wahre Hirte, Der vom „Ich bin da“ geschickt wurde und auf dessen Bitte hin Er sich Seiner Herde angenommen hat und immer noch annimmt. Der nur ein einziges Gesetz vorgibt: Das Gesetz der Liebe. Die Vergöttlichung des  Menschen ist das, was Gott uns durch Seine Menschwerdung für uns "eingehandelt" hat.