V 57rel VISION FRIEDEN
Kostantin Wecker: "Der Liebe zuliebe"
Am 14.11.2020 fand sich im Magazin zum Wochenende (Straubinger Tagblatt) ein interessanter Artikel vom Liedermacher und Pazifisten Konstantin Wecker: "Der Liebe zuliebe". Es geht Herrn Wecker um die Vision Frieden. Über die spricht er: Während ich gerade an einem Manifest zur "Systemrelevanz" der Kultur in Zeiten der Pandemie schreibe, erreicht mich diese dpa-Meldung: 4. November 2020: Dank brummender Geschäfte in den USA und Europa hat der Waffenhersteller Heckler & Koch einen deutlichen Gewinnsprung verbucht. In den ersten neun Monaten lag der Gewinn nach Steuern bei 13 Millionen Euro gegenüber 1,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen mitteilt. Der Umsatz kletterte um 12Prozent auf 207,5 Millionen Euro." Ich könnte kotzen.
Das ist der Anfang eines Beitrages, in dem es später heißen wird: Machen wir uns nichts vor: Im Endeffekt geht es bei Kriegen ums Geschäft. Klarer kann man es nicht formulieren. Der Autor spricht am Schluss auch noch die einzig mögliche Lösung an: ...wir wollen menschliche und solidarische Initiativen aufbauen. Nur so geht es. Fangen wir im Kleinen damit an, bei uns.
"Vison Frieden" ist die Vision vieler Menschen, ja die Arbeit für den Frieden ist eine wichtige Aufgabe für uns alle.
Meine Vision, mein Traum heißt: Vision Frieden - in der ganzen Welt. Eigentlich der Traum aller Menschen. Die Frage ist, wie wir an diesem großen Projekt mitarbeiten können. Resolutionen der UNO werden immer wieder blockiert. Von der UNO ist viel Gutes geleistet worden. Es ist aber auch viel Wichtiges von Mitgliedsstaaten durch deren Veto vereitelt worden. Wenn ein Land, das in den Vereinten Nationen vertreten ist, ein Unrecht begeht, also etwa einen Krieg anzettelt, dann muss es nicht damit rechnen, dass die UNO diesen Krieg verurteilt. Eine derartige Verurteilung wird zwar von den übrigen Mitgliedsstaaten gefordert, vorbereitet und der Versammlung vorgelegt. Doch die Vertreter des Landes, das durch eine Resolution in die Schranken verwiesen werden sollte, legen gegen eine derartige Resolution ein Veto ein. Von dieser Regelung wird man auch nicht wegkommen, weil einige Länder auch gegen eine geänderte Regelung wiederum ihr Veto dagegen einlegen würden. "Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz" - so sagt man gern, wenn ein System sich selbst blockiert.
Wie wäre es mit einem unabhängigen Gremium, das zusätzlich zu der genannten Organisation neutral und unabhängig die Weltlage - und natürlich die Entscheidungen der UNO - kommentiert? Ich denke da nicht an einen Apparat mit Tausenden von Mitarbeitern, was wiederum zu finanziellen Abhängigkeiten führt. Da reicht eine Handvoll Engagierter oder gar nur eine couragierte Person. Da könnten sich Menschen gesprächsweise und zwanglos anschließen, die sich für die „Sache Frieden“ in der Welt engagieren wollen. In einer ganz normalen Wohnung könnte die Zentrale sein. Denn - und nun komme ich zu meinen Vorstellungen über die Arbeitsweise des Gremiums - die eigentliche Arbeit würde sich im „virtuellen Raum“ abspielen und und nicht in Büros. Eine Website wäre erforderlich, um Ziele und Aktionen sichtbar zu machen. Handy und Computer sind die Medien für den Austausch untereinander. Dabei wird man tunlichst davon absehen, die bekannten zwar praktischen aber nicht abhörsicheren Kanäle zu benutzen. Ich denke, dass es ein paar gute Alternativen für einen streng verschlüsselten Informationsfluss von Anbietern gibt, deren Server in einem Land mit strengen Datenschutzrichtlinien untergebracht sind. Auf der anderen Seite sollten alle Gespräche von gewichtigem Inhalt öffentlich gemacht werden vor entsprechenden Organen des Rechtsstaats. Das halte ich sogar für sehr wichtig, denn nichts ist gefährlicher als Geheimniskrämerei. In dieser Dimension wäre es durchaus denkbar, dass dieses Konzept von einer Hausfrau in Eigenregie umgesetzt würde. Die wichtigsten Voraussetzungen für ein objektives Arbeiten - Unabhängigkeit und Neutralität - wären gewährleistet. Juristen könnten für ein solches Projekt als Berater gewonnen werden. Da gibt es sicherlich genügend Fachleute, die sich für eine solche gute Sache engagieren würden. Der Vorteil eines derartigen Konzeptes wäre die Möglichkeit unmittelbaren Handelns. Menschen würden zu Menschen sprechen - eine Organisationsform, wie wir sie von den Bienen kennen.
Nun, sie merken es schon, das Ganze ist nur eine Idee, aber eben auch nur ein Traum. Die Zukunft wird zeigen, dass diese Idee sich irgendwie - wahrscheinlich in einer ganz anderen Form - etablieren wird. Vielleicht als eine Organisation, die in Partnerschaft mit der UNO tätig wird. Unter Umständen reicht schon ein guter Kommentar, um auf Situationen unguter Art aufmerksam zu machen. Journalisten bringen sich auch jetzt schon positiv ein. Manchmal riskieren sie dabei ihre Freiheit oder gar ihr Leben. Auf jeden Fall wird es irgendwann eine derartige Initiative geben, weil es nicht sein kann, dass ein Staat, der negativ auffällt, mit dem Vetorecht Resolutionen gegen das eigene Land verhindert. Die von mir hier vorgeschlagene Friedensinitiative würde f ü r alle Menschen dieser Welt die gleichen Rechte und andererseits auch v o n allen Leuten die gleichen Pflichten einfordern. Es müsste eine Plattform sein, die sich im Prinzip auf die von Jesus gelehrten Grundsätze beruft, wobei es genügend Formulierungen gibt, die problemlos auch von Nichtchristen akzeptiert werden. Im Grunde genommen entspricht die Forderung nach einem derartigen „Kontroll-Organ“ dem Prinzip der Gewaltenteilung, das sich in den Demokratien bewährt hat. Im Übrigen gibt es diese Plattform schon längst: Die Menschen in aller Welt, die bereit sind, Wahrheit herauszufinden und laut zu sagen. Und dafür eben auch oft genug in Gefängnisse müssen oder umgebracht werden. Sie machen das in dem Wissen, dass die Wahrheit nicht vernichtet werden kann. Im Übrigen können die Seligpreisungen zumindest im allgemeinen Teil auch für Nichtchristen Handlungsgrundlage sein. Ich sage dazu nur noch, dass wir Christus bei all unseren Initiativen brauchen. Wirklicher Friede kommt von Gott. Ist ein Geschenk. Diese Aussage widerspricht keineswegs dem Satz, dass wir alle auch etwas für den Frieden tun müssen. Ich sage nur: Netzwerk.
Friedenspolitik ist anspruchsvoll. Umso bemerkenswerter ist es, wenn hochkarätige Politiker oder Wissenschaftler sich mit dieser Problematik ernsthaft befassen. Da möchte ich Sie gern auf einen Aspekt verweisen, den Theoretiker gern vernachlässigen. Es geht also hier um eine Betrachtung, die gewissermaßen im politischen und gesellschaftlichen Bereich Wege zum Frieden eröffnen will:
Im Magazin zu Ostern 2021 (Straubinger Tagblatt) findet sich ein Beitrag des Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber: "Ohne Europa ist alles nichts!" Er erläutert, warum Europa "ein wunderbares Friedensprojekt" ist. In der Tat, Europa baut nicht auf Macht und Stärke sondern auf Vernunft und ein gutes Miteinander, auf Recht. Das erkennt man beispielsweise daran, dass Staaten der Gemeinschaft, die in ihren Gesetzen andere Prioritäten setzen, letztendlich nicht in der Europäischen Gemeinschaft verbleiben können. In Europa konnten die Kriege untereinander verbannt werden. Weber schreibt: "Doch heute wirkt die EU auch als globaler Friedensfaktor oder Soft Power unter den großen globalen Akteuren. Die Verfasstheit der EU ist dabei einmalig." In ähnlicher Weise muss man wohl auch diese Aussage auffassen: "Beispiel Corona-Politik: Es ist ein immens wichtiges Signal, dass die EU angkündigt hat, einen Teil ihrer überschüssigen Impfdosen - die EU hat langfristig weit mehr Dosen bestellt, als sie selbst nutzen kann - für Länder in Nordafrika, auf dem Balkan oder Dritte-Welt-Länder einzusetzen. Die EU wird hier Solidarität mit den Ärmeren oder Ärmsten zeigen. Dieses Brückenbauen wird sich mittel- bis langfristig politisch auszahlen." Zusammenfassend erklärt Weber: "Nirgendwo sonst auf der Welt werden Freiheit, Gleichheit von Frau und Mann, Demokatie, Rechtsstaatlichkeit, Religions- und Meinungsfreiheit, Umweltschutz oder soziale Marktwirtschaft so gelebt, sind so in den Verfassungen verankert wie in den EU-Staaten." Das alles macht uns Hoffnung und gibt uns Mut.