V 63kri* VISION KIRCHE

V 63kri* VISION KIRCHE

Weil die Welt ohne den Blick auf den Herrn, den Allmächtigen und Allbarmherzigen nicht denkbar ist, ist dieses Kapitel gewissermaßen der Weg der Kirche, die den Auftrag hat, das Reich Gottes zu errichten. Es ist der Blick heraus aus unserem vergänglichen Leben in das "Ewig Seiende" - so ähnlich hatten es doch wohl die Philosophen zu der Zeit formuliert, als der Blick unserer Vorfahren noch freier war für die Unendlichkeit. In diesem Aufsatz will ich mich aber auf das beschränken, was unsere Kirche auf der Erde an Zielen hat. Meine Vision Kirche.

 

Es wird erzählt, dass der frühere Passauer Bischof Eder gute Kontakte zu den Menschen - zu denen die ganz normalen Dorfpfarrer gehörten - pflegte. Da konnte es schon sein, dass er von der Heimfahrt von einer Firmung mal einen Pfarrer aus seiner Diözese anrief und so etwas sagte wie: Hast Du ein wenig Zeit, dann komme ich bei dir vorbei. Mach doch schon mal einen Kaffee! Von Kardinal Döpfner und seinem Freund Bischof Stimpfle wird berichtet, dass beide gern zum Bergwandern gingen. Weil es sich so ergab, besuchten sie in ihrem Freizeitlook einen Gottesdienst in der Ramsau. Als der Ortspfarrer bemerkte, welch hohe Gäste in der Kirche saßen, wurde er nervös und die beiden Herren beschlossen, wieder zu gehen, um den Kollegen nicht weiter verlegen zu machen. Beim Verlassen des Gotteshauses wandte sich ein altes Mütterchen um und schimpfte den beiden nach: Euch zwei Lackeln tat ein Gottesdienst auch nicht schaden. Oder so ähnlich. Was ist das für ein Geschenk, wenn man spürt, dass richtige Menschen große Ämter haben. Diese kleinen Geschichten lassen uns ahnen, was aus der Kirche noch werden kann. 

 

Zuerst einmal möchte ich zeigen, dass diese meine Vision von der neuen Kirche eigentlich gar nichts Besonderes ist. Die Kirche muss sich unbedingt - wie das Franziskus will - auf Christus Jesus besinnen. Doch das ist ein schwieriger Weg. Es hat schon seinen Grund, dass Papst Franz die Gläubigen immer wieder dazu auffordert, für ihn zu beten. Wenn jemand Veränderungen wünscht und durchführt, finden sich stets genügend Menschen, die das kritisieren. Franziskus hat u. a. die Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete ermöglicht. Weil er von der Barmherzigkeit Gottes ausgeht. Es gibt aber auch Würdenträger, die, aus welchen Gründen auch immer, diesen Akt der Barmherzigkeit nicht mitvollziehen können. Für diese Leute ist die Kirche anscheinend nicht als Dienst am Menschen gedacht, der die Barmherzigkeit Gottes widerspiegeln soll sondern als ein Ort, der Traditionen aufrecht halten muss. Anscheinend bestehen da gewisse Ängste, dass Menschenfreundlichkeit gleichbedeutend sei mit Machtverlust. Und Machtverlust muss für Menschen dieser Denkart etwas Schreckliches sein. In einem anderen Kapitel "DAS SIND WIR   WIR UND KIRCHE" habe ich aufgezeigt, wie ich mir diese meine Kirche überhaupt nicht wünsche. Und da gibt es eine Menge, das der Änderung bedarf. Dieses Thema will ich hier nicht ein zweites Mal aufrollen. Hier will ich den Blick in die Zukunft richten. Liebe, Lachen und Freundschaft - das ist das Leben, wie wir es uns wünschen.

 

Hier ist ein guter Platz, um das ernste Thema ein wenig aufzulockern. Jetzt will ich Ihne noch etwas zum Schmunzeln zeigen. Schließlich sind wir trotz unserer Schwächen und Fehler zur Freude und zum Lachen geboren. Gott will uns als Menschen voller Lebensfreude und Mut. Und mit dem folgenden Foto von Papst Johannes Paul II. mit einem „Artefakt“, der sich in dieses Foto geschlichen hat, möchte ich Ihnen gern ein Schmunzeln entlocken. Hier ist das Foto, das den Papst zeigt, als er auf seiner Deutschlandreise auf dem Flughafen in Köln angekommen war. Man erkennt also auf dem Bild erstens natürlich den Papst, zweitens den damaligen  Bundespräsidenten Carstens und schließlich scheint man da noch einen „Jemand“ zu sehen, ein Wesen mit einem Ziegenschädel, das auf die beiden hochrangigen Personen blickt.

 

"Der Teufel steckt im Detail" - Das soll heißen, dass große Entwürfe oft an den Möglichkeiten der Umsetzung scheitern. Dieses Bild hat mit dem Sprichwort aber nichts zu tun. Es ist ein "Scherzbild"
Wie heißt es doch: Der Teufel steckt immer im Detail. Doch hier scheint es anders zu sein. Bitte nicht wörtlich nehmen. Ein Lächeln ist erlaubt.

Jetzt zu einem Menschen im Bischofsamt, dessen Verhalten bei vielen Menschen sicher in guter Erinnerung bleibt. Ich durfte den vorhergehenden Vater der Diözese Regensburg, Bischof Manfred, einen freundlichen Menschen, kennenlernen. Von Bischof Manfred Müller - den Vornamen habe ich genannt, um jeglichen Verwechslungen zuvorzukommen - ging sehr viel Sympathie aus. Es war ein Bischof für die Menschen. Für solche Menschen, wie wir sie sind. Danke.

 

Warum sich die Kirche erneuern sollte

 

Nun komme ich wieder zum Thema. Anscheinend will der Mann mit dem bürgerlichen Namen Bergoglio, der viel Elend in der Welt gesehen hat, wahres Leben wieder in die Welt hineintragen. Auch an seinen Arbeitsplatz, wo nur der Geist Gottes, der Geist der Liebe und der Barmherzigkeit Platz haben soll. Nie wäre dieser menschenfreundliche Kardinal Bergoglio Papst geworden, wenn es nach dem Willen der „Hardliner“ im Vatikan gegangen wäre. Jetzt allerdings ist er deren Vorgesetzter. Es ist sehr aufschlussreich, wie Franziskus seine Ideen für eine barmherzige Kirche gegen Widerstand umsetzt. Gleichzeitig muss er (am 21.2.19 hatte im Vatikan eine diesbezügliche Konferenz begonnen) Kante gegenüber den Kirchenmännern zeigen, die sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht haben, denn auch das gehört zur Barmherzigkeit gegenüber denen, die unter den klerikalen Strukturen Opfer von Missbrauch geworden sind. Der Schaden, der hier angerichtet wurde, kann nie wieder gut gemacht werden. Aber es ist ganz wichtig, dafür zu sorgen, dass dieses Fehlverhalten in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Das ist im Moment die schwierige Aufgabe des Oberhirten, der weiß, dass nicht alle seiner Nachgeordneten hinter ihm stehen.  In diesem Zusammenhang fällt mir ein Satz über die Kirche ein, den ich kürzlich erst gelesen haben muss. Sinngemäß heißt es im Blick auf die zahlreichen Kirchenaustritte - diese Zahl betrifft die Zeit nach Bischof Manfred - dass die (teilweise umstrittenen) dogmatischen Festlegungen der Kirche ihr den Boden unter den Füßen weggezogen haben. Als ich 1986 in Indien war, hat man mich einmal nach meiner Religion befragt. Nach meiner Antwort haben mich meine Gesprächspartner etwas verdutzt angeschaut und gleich die nächste Frage gestellt: Streng oder nicht? Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum das so wichtig war. Als ich dann ehrlich sagte,  dass ich es mit der Strenge nicht so habe, schauten mich die sehr sympathischen Menschen beinahe etwas erleichtert an. Anscheinend hatten sie wohl schlechte Erfahrungen mit Christen gemacht, die nach Art der Schriftgelehrten zu sehr dem Gesetz verhaftet gewesen waren. Heute verstehe ich diese Frage. Sie wollten wissen, ob meine Religion wirklich Herzenssache sei. Übrigens: Es ist ganz interessant, welche Menschen in der Kirche die Dogmen  hochhalten und welche sich für Barmherzigkeit einsetzen. Jesus gehört sicher zu denen, die Barmherzigkeit selbst üben und auch empfehlen.

 

Manchmal hört man von Leuten, die dem Papst nicht freundlich gesinnt sind, ein Wort, das nachdenklich macht, sinngemäß: Die Päpste kommen und gehen, die Kirche bleibt. Will heißen, wenn Papst Franziskus mal abgelöst sein wird, dann machen wir alles wieder wie früher. Doch da irren sich diese Leute. Denn das Erreichte lässt sich nicht wieder zunichtemachen. Das Rad der Geschichte lässt sich bekanntlich nicht zurückdrehen. Die Kirche dieser Tage ist nicht die Kirche der Ewig-Gestrigen. Kleinkariertes muss der Vergangenheit angehören. Und überhaupt hat die Reform der Kirche - das lässt sich leicht nachweisen - ihre Neuausrichtung schon unter Johannes Paul II. und Papst Benedikt begonnen. Und das zweite Vatikanum ist ein wichtiger Meilenstein. Allerdings - so richtig Fahrt mit neuem Kurs hat die Kirche schließlich mit Franziskus aufgenommen. Er hat die Kirche wirklich umgestaltet. Nun bringe ich - in extra kleiner Schrift - damit Sie das nicht zu ernst nehmen, ein paar Ideen, die wir uns nur erlauben dürfen, wenn wir in guter Stimmung sind und die üblichen Kontrollmechanismen, die uns normalerweise bremsen, ein wenig herunterfahren. Bitte legen Sie die folgenden Sätze also nicht auf die Goldwaage:

 

In einer Kirche in Rom finden Sie alle bisherigen Päpste jeweils als Gemälde in einem freien Sektor der Decke. Nun gibt es da ein klitzekleines Problem: Da sind nur noch einige Plätze frei. Und nicht wenige der ewigen Schwarzseher sagen voraus, dass das Papstamt dann eben ausgedient haben wird. Nun, das sehe ich ein wenig anders. Es könnte nämlich sein, dass Päpste kommen, die sich gar nicht in diese Reihe hineinstellen lassen wollen, weil einige ihrer Vorgänger gar keinen so guten Ruf hatten. Schließlich sind unter den Päpsten einige, mit denen ich persönlich nicht in einem Atemzug genannt werden möchte. Und außerdem, wie will man es denn halten, wenn die Kleriker in Zukunft heiraten dürfen! Gibt es dann wenigstens Familienfotos? Aber so weit sind wir noch lange nicht. Und außerdem - ein paar Plätze sind ja noch frei.   

Kommen wir zurück in die Wirklichkeit: Ich persönlich will - nachdem ich weiß, was sich alles hat ändern können - nur dieser Kirche, die Jesus Christus zum Vorbild hat, so wie Franziskus das will, angehören. Die Kirche der Hardliner hat keine Zukunft. Die Kirche muss sich nach dem Vorbild des Gottes der Liebe gestalten, wenn sie Kirche bleiben will. Ich möchte jetzt von der Beziehung des Einzelnen zur Weltkirche sprechen und denke für mich da an ein "Fraktal". Fraktal ist ein Wort dafür, dass man im Kleinen das Große wiederfindet. Umgekehrt gilt das genauso. Dafür gibt es in der Kunst einige schöne Beispiele. In unserem Zusammenhang bedeutet das, dass ich versuche, mich mit "meiner" Kirche zu identifizieren. Es heißt aber auch, dass ich meine Vorstellungen in die Weltkirche einzubringen versuche, wenn ich feststelle: "Hoppla, da vergaloppieren sich die Oberen ja." Beispiel: Missbrauch. Darüber gehört gesprochen und Sumpf gehört trocken gelegt. Mehr Beispiele will ich gar nicht bringen, das würde wohl den Rahmen sprengen. Leider. Umgekehrt darf ich mir ab und zu auch etwas sagen lassen von der Kirche. In der Beichte wurde diese Form des Miteinander "von oben nach unten" über Jahrhunderte praktiziert. Der Idealzustand wäre also ein Übereinstimmen der anerkannten Lehre mit dem, was der (oder die) Gläubige in seinem (ihrem) Leben tut. Als nächstes müssen wir die Frage stellen, ob die Kirche selbst sich an die Vorgaben von Christus hält. Diese Fragen sind sehr komplex und von manchen Kirchenoberen wird es gar nicht gern gesehen, wenn Laien sich zu viele Gedanken machen. Das ist aber notwendig, weil das Verhalten mancher Kirchenoberen so abstrus ist, dass man sich fürchten müsste, wenn deren Verhalten von "normalen" Menschen übernommen werden würde. Auch hierzu bringe ich keine Beispiele, weil das sonst wohl ein ziemlich langes Kapitel werden würde.

 

Schauen wir lieber auf Christus. Gehen wir also noch einmal 2000 Jahre zurück. Das könnte tatsächlich genau der Zeitpunkt sein, wo aus Jesus, dem Kind - das bis dato aus der großen Liebe Seiner Mutter Kraft für ein großes Leben mitbekommen hat - ein Mann mit eigenen Vorstellungen und Visionen wurde. Es ist nicht belanglos, daran zu erinnern, dass Seine Mission unlöslich mit dem in Zusammenhang gestanden ist, was er sozusagen mit der Muttermilch in sich aufgenommen hatte: Nämlich die Gewissheit von Geborgenheit, die man ganz gewiss als Baby verspüren kann, auch wenn man noch nicht der Sprache mächtig ist. Wir kennen ja alle, die schönen Kirchenlieder, in denen das so wunderbar zum Ausdruck kommt. Ein zweites: Ich denke, dass neben dem Erleben der Grundgeborgenheit auch noch eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber dem, was wir zum Leben brauchen, die Voraussetzung dafür ist, Ideen und Vorstellungen zu entwickeln. Das war sicher bei Jesus nicht viel anders als bei uns - ich postuliere einfach - den einfachen Leuten der Gegenwart. Nur haben wir anscheinend einen Vorteil, der aber in Wirklichkeit gar keiner ist: Die Bequemlichkeit der Wohlstandsgesellschaft. Diese Bequemlichkeit hindert uns nämlich daran, dass wir uns an ein einfaches Leben (in wirklicher Unabhängigkeit) gewöhnen. Zusammengefasst: Das wären also zwei der Voraussetzungen für ein Leben, das mehr ist als "Dahinvegetieren".

 

Und das "Leben in Fülle" ist ja nun schon etwas, das wir versuchen sollten anzustreben. Und weil wir ein erfülltes Leben bei Jesus erkennen können, dürfte es wohl nicht verkehrt sein, uns diesen Mann zum Vorbild zu nehmen. Vor allem bei dem Bemühen, die Kirche der Welt in unserem eigenen Umfeld einzurichten. Urkirche in der Familie - wenn man das so ausdrücken will. Das Thema "Familie als Zelle der Gemeinschaft" ist immer wieder erörtert worden und verliert nie an Bedeutung. Heute will ich auf die kleinen Gruppen und Grüppchen hinaus, die als Freundeskreise ohne große Worte etwas pflegen, das man gelebten Glauben nennen könnte. Da denke ich an den nicht allzu großen Kirchenchor, in dem ich vor Corona einen Platz hatte. Nach den gemeinsamen Proben in der Kirche konnte man uns oft im Wirtshaus finden. Da ging es keineswegs um besondere Themen. Aber alles, was wir besprochen haben, geschah in einer Weise, die durchaus dem entsprach, was sich der Laie unter einem ordentlichen Kirchenchor vorstellt. Also: Ohne Bösartigkeit, ohne Hass und mit viel Begeisterung. Politik, Zustände in der Gemeinde, ab und zu auch große Politik, Umwelt und auch immer wieder mal Ereignisse in der Orts- oder auch in der Weltkirche. Nichts Besonderes aber gerade deswegen gut und richtig. Eine ganz kleine Gemeinschaft im Namen des gütigen Gottes, auch wenn dieses Thema nur manchmal im Vordergrund gestanden ist. Wenn ich genau dieses lockere Zusammensein von Menschen nach "oben" denke, dann habe ich ein Bild von der Kirche vor mir, die sich an Christus orientiert, aber nicht andauernd darüber redet. Mehr wollen wir gar nicht. Aber auch nicht weniger. Ich denke mir, wenn die Jünger mit Jesus beieinander waren, dann ging es nicht nur um "heilige Dinge" sondern um Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Freundschaft.

 

Jetzt wird es Zeit, auf die jungen Bestrebungen zu schauen, die im Leben der Kirche sichtbar werden. Direkt von der Basis - also von in der Kirche arbeitenden Menschen - gibt es die starke Tendenz, Frauen zu mehr Bestimmungsrecht zu verhelfen. Schlagwort: Maria 2.0. Ich denke, dass Jesus eine Stärkung der Frau in der Gesellschaft wünscht. Das ist nur recht und billig, denn die Frauen tragen das Leben weiter und erledigen sehr viele Aufgaben, denen wir Männer lieber aus dem Weg gehen. Es ist allerhöchste Zeit, Frauen den ihnen zustehenden Raum in der Kirche zu geben. Das ist eine Initiative, die also bis jetzt immer noch außerhalb der Amtskirche positioniert ist.

 

Innerhalb der Amtskirche - aber noch nicht von allen Bischöfen akzeptiert - gibt es eine hoffnungsvolle Initiative: Der Synodale Weg. Das ist eine Initiative zum Mitmachen. Mich stimmt es traurig, das evangelische und katholische Christen sich nicht ganz einig darüber sind, wie man das Glaubensbekenntnis am besten formuliert. Es geht dabei meines Erachtens doch wohl um einen sogenannten "akademischen Streit", ich meine, diese Formulierung ist doch nicht so entscheidend, dass man sich nicht einigen könnte. Ich schlage etwas ganz anderes vor: Wie wäre es etwa so: "Ich glaube an die Kirche, die Gott als Liebenden erkennt." Eine solche oder ähnliche Formulierung würde Gott noch mehr erheben und ehren als die derzeitigen von den Kirchen festgelegten Sätze. Jetzt will ich von einer wirklichen Vision erzählen, die allerdings nicht meine Idee ist. Dazu möchte ich Ihren Blick auf einen Mann richten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Papst Franziskus zu unterstützen. Ich zeige Ihnen hier einen Brief, der die bisherige Tätigkeit des Papstes Franz würdigen soll.

 

Offener Brief von Prof. Zulehner an Papst Franziskus

 

Wenn Sie das hier im Wortlaut gebrachte Schreiben lesen werden, wird es Papst Franziskus schon überreicht worden sein. Es soll dem Oberhirten der katholischen Kirche Rückhalt geben bei dessen Bemühungen, die Kirche im Geiste Jesu zu reformieren.

 

Hochgeschätzter Papst Franziskus!

Ihre pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für Ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind. Es ist Ihnen in kurzer Zeit gelungen, die Pastoralkultur der katholischen Kirche von ihrem jesuanischen Ursprung her zu reformieren. Die verwundeten Menschen, die verwundete Natur gehen Ihnen zu Herzen. Sie sehen die Kirche an den Rändern des Lebens, als Feldlazarett. Ihr Anliegen ist jeder einzelne von Gott geliebte Mensch. Das letzte Wort im Umgang mit den Menschen soll nicht ein legalistisch, sondern ein barmherzig interpretiertes Gesetz haben.  GOTT UND SEINE BARMHERZIGKEIT prägen die Pastoralkultur, die Sie der Kirche zumuten. Sie träumen von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“.  Diesen Ihren Traum teilen wir.  Wir bitten Sie, von diesem eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen, und sichern Ihnen unsere volle Unterstützung und unser stetes Gebet zu.                                            

                                                                                                                                    (Unterschriften)

 

Professor Zulehner hat die Gläubigen - aber eigentlich nicht nur diese - dazu eingeladen, diese Überlegungen mitzutragen und eine eigene Unterschrift unter dieses Schreiben zu setzen. Die Unterschriftenaktion von Prof. Zulehner für die Unterstützung der Anliegen von Papst Franziskus hat immerhin bis Ende Jauar 2018 mehr als 70 000 Menschen auf den Plan gerufen. Und das ist für eine Initiative der Kirche eine ganze Menge. Ich wünsche dem Papst und seinen Freunden weiterhin alles Gute auf dem eingeschlagenen Erfolgskurs für uns alle und besonders für unsere benachteiligten Mitmenschen. Herr Zulehner hat es nicht bei diesem Schreiben bewenden lassen. Er hat gleich noch ein ganzes Buch herausgegeben, in dem er Punkt für Punkt herausgearbeitet hat, was Papst Franz alles "umgekrempelt" hat.

 

 „Ich träume von einer Kirche als Mutter und Hirtin“ ist der Titel des Buches von Prof. Zulehner

 

Papst Franziskus ist auf dem Weg zu einer Umgestaltung der Kirche als eine Kirche Jesu Christi. In Zulehners Buch wird deutlich gemacht, dass Franziskus keine Eigeninteressen verfolgt. Und dass er sich nicht als großer Reformer sieht. Es ist anders. Er fühlt wie wohl so wie der Zöllner Zachäus oder der Autor dieser Website, die ganz neutral von sich sagen können, dass sie zu den Sündern gehören. Der Papst denkt so wie der Zöllner Zachäus: Christus hat ihn angeschaut, eingeladen und ihn zu einem Seiner Anhänger gemacht. Das hat Herr Zulehner in seinem Büchlein (S. 51) recht schön hervorgehoben: Mehrmals wendet der Papst in den analysierten Texten diese biblische Begebenheit auf sich selbst an:  „Siehe, das bin ich: ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.“

 

Das Heft ist ein Fazit aus den Veränderungen, die Papst Franziskus in der Kirche erreicht hat. Vielleicht kann ich auf ein paar ganz wesentliche Punkte hinweisen, die erkennen lassen, dass es sich nicht nur um kleine Schritte handelt. Es wird erkennbar, dass Papst Franziskus ein ganz neues Verständnis für den Auftrag der Kirche offeriert und diesem Auftrag gemäß eine Umgestaltung eine der größten Institutionen in Angriff genommen hat. Verstehen kann man diese Mammutaufgabe, die sich Franziskus aufgehalst nur, wenn man davon ausgeht, dass es sich hier nicht um die Starrköpfigkeit eines alten Menschen handelt - wie manche seiner auch meist recht bejahrten - Gegner behaupten. Ich persönlich gehe davon aus, dass der Heilige  Geist den Menschen Bergoglio belebt und antreibt, einen Anhänger des Herrn, der schon von Haus aus immer auf eine Kirche der Barmherzigkeit ausgerichtet gewesen war. Ich will einen der Grundgedanken andeuten: Es gibt bekanntlich eine Kultur der Logik. Diese bestimmt unser Leben. Zulehner sagt das so:

 

Es ist eine globale Logik, die Logik der aktuellen Wirtschaft, des Marktes und der vermeintlich hilfreichen, unsichtbaren Hand, die Logik medialer Möglichkeiten, die harte Logik der technischen Mittel, des Finanzwesens...und so fort. Dieser weltlichen Logik setzt der Papst gegenüber die: Logik der pastoralen Barmherzigkeit. Diese hat viele Facetten: die Logik des Evangeliums, der Inkarnation, des Empfangens, der Mitgefühls, der barmherzigen Aufnahme, der christlichen Liebe; sie ist eine Logik, die nicht wie bisher ausgrenzt, sondern wiedereingliedert, eine Logik der Integration also, eine Logik, die viel Gefühl und Fantasie benötigt. Diese Logik hat keine Angst vor Machtverlust, nein, die Diener üben sich darin, Macht abzugeben. 

 

Aus dieser Grundhaltung heraus ergeben sich Handlungsweisen. Es wird auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hingewiesen. Es wird  (auf Seite 49) erklärt, wie Franziskus sich das vorstellt:

 

Barmherzig wie der Vater ist also das Leitwort des Heiligen Jahres. In der Barmherzigkeit haben wir den Nachweis, wie Gott liebt. Er gibt sich selbst ganz hin, für immer, als Geschenk, ohne etwas als Gegenleistung zu erbitten. Er kommt uns zu Hilfe, wenn wir ihn darum bitten... Dieses Geheimnis Barmherzigkeit gilt es stets neu zu betrachten. Es ist Quelle der Freude, der Gelassenheit und des Friedens. Es ist Bedingung unseres Heils. Barmherzigkeit - in diesem Wort offenbart sich das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Barmherzigkeit ist der letzte und endgültige Akt, mit dem Gott uns entgegentritt. Barmherzigkeit ist das grundlegende Gesetz, das im Herzen eines jeden Menschen ruht und den Blick bestimmt, wenn er aufrichtig auf den Bruder und die Schwester schaut, die ihm auf dem Weg des Lebens begegnen. Barmherzigkeit ist der Weg, der Gott und Mensch vereinigt, denn sie öffnet das Herz für die Hoffnung, dass wir, trotz unserer Begrenztheit aufgrund unserer Schuld, für immer geliebt sind.

 

Zulehner erläutert die Philosophie Jesu und erklärt, wie wir Ihm nachfolgen sollen. Der Theologe sagt uns, was die Kirche machen soll, wenn sie Kirche Jesu Christi bleiben will: Sie muss immer mehr so werden, wie es der Herr ist: Barmherzig. Und das sollte auch unser Weg sein. Das wäre eine gültige Antwort auf die Liebe Gottes zu uns Menschen.

 

Bei diesen Worten habe ich natürlich schon eine Person im Auge, die sich das in ihr Herz schreiben sollte. Täglich schaue ich auf diesen Menschen, der anscheinend zwei Seelen in seiner Brust trägt. Im Spiegel kann ich ihn sehen. Ich stehe zu all den kritischen Bemerkungen in dieser Arbeit. Aber ich weiß, dass ich oft genug zu denen gehört habe, die falsch gehandelt haben. Ich war nicht auf Seiten derjenigen, die immer als richtig machen. Gott helfe mir. Und nun noch etwas ganz Allgemeines.    

    

Wo steht denn die Kirche überhaupt?

 

Religionsgemeinschaft - das ist mehr als eine zufällig zusammengewürfelte Menge von Menschen, die sich zu einer "Institution" zusammengefunden haben. Es ist eine Gemeinschaft von Menschen mit dem  Willen zu Eintracht und Frieden. Die Lebensgeschichten der Einzelnen mögen dazu geführt haben, dass diese Menschen jeweils in einem verschiedenen kulturellen Umfeld zu Hause sind. Sie bringen ganz spezielle Erfahrungen und Rituale mit, wenn sie auf den "einzigen Gott aller Menschen", den wahren Gott der Liebe schauen.

 

Hierzu fällt mir, dass bei der Geburt unseres Herrn die Engel schon das Programm Jesu verkündet haben: Ehre sei Gott und Friede den Menschen guten Willens. Eine ganz moderne, höchst revolutionäre und umfassende Formulierung für das Programm, das der Sohn des Höchsten später verkünden wird, Der in Sein Programm definitiv alle Menschen einschließt. Unabhängig von deren Hautfarbe und Religionszugehörigkeit.  

 

Es stehen uns also allerhand Veränderungen bevor, wenn wir unsere Kirche im Sinne Jesu "renovieren" wollen. Papst Franziskus sieht das schon richtig, dass der Pontifex Macht abgeben muss, wenn die Kirche wieder zu einer Kirche werden will, die dem Vorbild Christi folgen will. Es ist es eine gute Idee, sich mit anderen Religionen zusammenzutun, denn das Verbindende ist mehr als das Trennende. Papst Johannes Paul II. hat bekanntlich schon vor Jahren das gemeinsame Gebet mit anderen Gläubigen gesucht und dazu nach Assisi eingeladen. Mir erscheint dieser Weg zu gemeinschaftlichen Bemühungen als der Weg der Zukunft.

 

Nur immer nur auf formale Dinge in Glaubensfragen zu sehen, das kommt mir ziemlich "kleinkariert" vor. Natürlich wollen wir keinen "religiösen Einheitsbrei". Das wäre das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Aber anzuerkennen, dass die Wege der Menschen mit anderen im Laufe der Jahrtausende gewachsenen Vorstellungen auch gute Wege vor sich sehen, das sollte man auch in kirchlichen Kreisen anerkennen und irgendwie respektieren. Dann könnte man gemeinsames Handeln anstreben. "Gemeinschaft in der Vielfalt" - dieses Wort würde meine Vorstellungen gut ausdrücken. Das ist so ähnlich wie mit den demokratischen Parteien. In einer mit Herzblut geführten Demokratie liegen die Inhalte der großen - also der von den meisten Menschen bevorzugten Parteien - gar nicht so weit auseinander. Ein ähnliches Verstehen könnte es auch unter den Religionen geben.

 

Vielleicht ist das überhaupt "der Weg" zu einer "Weltgemeinschaft". Beispiel: Nur gemeinschaftliches Anpacken kann dazu führen, dass die Klimaziele tatsächlich erreicht werden. Schließlich eint es die Menschen aller "ehrlichen" Religionen, dass im Mittelpunkt solcher Religionsgemeinschaft der Blick einerseits auf den gütigen Gott und andererseits auf die Mitmenschen gerichtet ist. Glauben Sie ja nicht, dass ein solches Denken uns von unserem Gott der Liebe und Gemeinschaft wegbringen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Man sagt ja nicht umsonst: Ein Gott, viele Wege. Im Übrigen spielt bei all diesen Überlegungen eine ganz wichtige Rolle, dass Christus - der Sohn des lebendigen Schöpfergottes, der in den meisten Religionen der jeweiligen Tradition entsprechend verehrt wird - in Seinen wichtigsten Aussagen zu  a l l e n  Menschen spricht. Da ist keineswegs eine bestimmte Religion hervorgehoben. Und wenn Er "alle Menschen" sagt, dann meint Er auch alle und nicht nur diejenigen, die sich selbst für "auserwählt" halten.

 

Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass eine ganz große Gruppe von Menschen das in ihrem Alltagsleben bereits praktiziert, was wir als Christen anstreben. Auf dem indischen Subkontinent leben Menschen in guter Gemeinschaft, obwohl die Eigentumsverhältnisse dort so extrem sind, dass man als Außenstehender ganz schlimme Spannungen erwarten würde. In unserem Land hingegen ist man sehr darauf bedacht, Verteilungs-Gerechtigkeit herbeizuführen. Und da bleiben Auseinandersetzungen meist nicht aus, weil viele meinen, dass sie dabei Nachteile in Kauf nehmen müssten. In Indien haben die Menschen etwas, das viele junge Menschen anzieht und die Lebensweise trotz der großen Armut attraktiv macht.

 

Und nun erinnern Sie sich daran, das die östlichen-westlichen Verbindungen schon lange bestehen. Goethe hatte seinerzeit schon Ideen in dieser Richtung. Schauen wir doch einmal auf die Denkweise der Menschen in Indien. Wie hatte das Mahatma Gandhi - eine der großen Söhne dieses Landes - das seinerzeit gesehen? In GEA "GEA-Album Ausgabe Nummer 98 Herbst 2021" werden die sieben sozialen Sünden der Menschen genannt, wie sie von Gandhi aufgezählt werden. Und: Dabei liegt er gar nicht so weit weg von Franziskus, der gesagt hat, dass die schlimmsten Sünden von uns Menschen die sozialen Sünden sind.

 

1. Politik ohne Prinzipien

2. Handel (Geschäft) ohne Moral

3. Wohlstand ohne Arbeit

4. Bildung ohne Charakter

5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit

6. Genuss ohne Gewissen

7. Religion nur in der Komfortzone.

 

Ist das nicht dem sehr ähnlich, wovor uns Christus warnt?

An anderer Stelle auf dieser Website wird erörtert werden, wie Christus alle Religionen vereint.

Als Sohn des Allmächtigen richtet Er Seine Botschaft an alle Menschen,

an alle Kinder des einen Gottes der Liebe.

Ich stelle die These ernst zu nehmender Wissenschaftler hier einfach in den Raum:

Jesus Christ ist die Vollendung aller Religionen.

 

Christus als Brücke zwischen den Religionen - Dieser interessante Aspekt wird in einigen der vorhergehenden Kapitel über unseren Freund Jesus sehr ausführlich erörtert, beispielsweise in: IIg7