VI24me* HOHES GUT LEBEN
Die wissenschaftlich exakte Deutung der Weltentstehung soll uns nicht hindern, auch auf die Überlieferung zu schauen. Es ist schließlich nur ein anderer Aspekt des gleichen Geschehens. Jetzt also zu den Bildern, die über Generationen ohne "Wenn" und "Aber" verkündet und von uns Menschen ebenso als Wahrheit angenommen werden.
Die jüdische Tradition berichtet, dass Gott die Menschen aus Erde gemacht hat. Bei jeder christlichen Beerdigung heißt es: Von der Erde bist du genommen, zur Erde kehrst du zurück. Auch die Wissenschaft erklärt, dass wir Erde sind und Sternenstaub in uns tragen. In unseren Blutkörperchen finden wir Eisen. Das ist entstanden, als nach Sternengenerationen erstmals Schwermetalle bei den neugeborenen Sonnen aufgetreten sind.
Am sechsten Tag, so heißt es in den alten Schriften, schuf Gott den Menschen.

Vielleicht noch ein paar Bemerkungen zum Beginn des menschlichen Lebens. Über den Anfang und das Ende des menschlichen Lebens wird in neuester Zeit immer wieder diskutiert. Ich denke, da gibt es einiges, das keine Abstriche duldet: Jeder Mensch hat eine unverwechselbare Identität, ist ein in sich geschlossenes lebendiges Wesen, in dem von Anfang an alle Entwicklungsmöglichkeiten in noch nicht sichtbarer Weise angelegt sind. Seine Würde hat jeder Mensch von der Befruchtung an, weil er - oder sie - ein Kind Gottes ist. Jedes Kind hat nicht nur ein unbedingtes Recht auf Leben sondern auch auf liebevolle Behandlung. Diese meine Auffassung möchte ich gleich hier wissenschaftlich untermauern. Diese Überlegungen sollten Konsequenzen für unser Handeln haben. Jedenfalls fordert das Papst Franziskus. Und ich denke, dass er da genau das sagt, was auch Jesus will.

Wir wollen darüber nachsinnen, wie Gott ihn gewollt hat. Sehr verehrte(r) Website-Leser(In) Sie werden mir zugestehen, dass es ganz schwierig ist, hier eine Person als Zielperson auszuwählen. Wenn wir jetzt auch noch voraussetzen, dass dieser Mensch eine(r) sein soll, welche(r) Gottes Handschrift unverstellt aufweist, dann wird das noch problematischer. Es gibt eigentlich nur zwei Menschen, die da in Frage kommen.
Ich wähle Jesus. Und ich wähle Jesus, weil Er eine ganz wichtige Aussage bereithält: Wenn ich mich bemühe, den Willen Gottes zu tun, dann kann Er mich formen und ich werde mich aus freiem Willen heraus dorthin führen lassen, wo Er mich haben will. Nämlich in den Strahlkreis Seiner Liebe.
Das drückt wohl auch das Bild von Jesus aus, das an der Kirche in Hengersberg zu sehen ist, Der gerade dabei ist, einen schweren Weg anzutreten. Solche großen Aufgaben hält Gott aber nur für ganz Wenige bereit.
Wenn wir alle den uns zugewiesenen Prozess durchlaufen haben, der unseren Möglichkeiten entspricht, dann könnte die Schöpfung - was unser eigenes Leben betrifft - vollendet sein. Momentan sind wir aber noch mittendrin in dem Prozess des Werdens. Mit der Chance, Änderungen herbeizuführen. Die gesamte Schöpfung ist auf ein gutes Ziel gerichtet. Christus ist uns als Ziel gezeigt worden. Sein Weg macht uns frei zum Kampf gegen alles, was dem Leben feindlich gegenübersteht.
Papst Franziskus: Über das Leben
Papst Franziskus hat sich die ganz große Aufgabe gestellt, für Gerechtigkeit einzutreten und das ihm Mögliche dafür zu tun. Dazu gehört anscheinend auch, dass er bereit ist, immer mehr von seiner Macht abzugeben. Für Arme, Benachteiligte und Unterdrückte fordert er Gleichberechtigung. Das gilt auch für Kranke, Alte und für die Schwächsten in der Gesellschaft, die Ungeborenen. Bei der Generalaudienz am Mittwoch, dem 10.10.18 sagte der Heilige Vater deutlich zum Thema Abtreibung, man müsse das Leben schuetzen. Am 11.1018 war der erste Bericht in der Tageszeitung. Der Pontifex
hat Abtreibungen mit einem Auftragsmord gleichgestellt. "Aber wie kann ein Akt, der das unschuldige Leben... unterdrückt, therapeutisch, zivil oder einfach menschlich sein...
Ich frage Euch: Ist es gerecht, jemanden umzubringen, um ein Problem zu lösen? Das kann man nicht machen, es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch wenn er klein ist," sagte Franziskus. Und er fuhr vom Redemanuskript abweichend fort: "Es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen." Wenn Eltern die Diagnose einer schweren Behinderung ihres ungeborenen Kindes bekämen, brauchten sie "wahre Nähe" und Solidarität, um ihre Ängste zu überwinden. "Stattdessen bekommen sie hastige Ratschläge, die Schwangerschaft abzubrechen", sagte Franziskus bei einer Audienz am Petersplatz, die das Gebot "Du sollst nicht töten" zum Thema hatte. "Das sagt man so: die Schwangerschaft unterbrechen. Aber das bedeutet, jemanden direkt um die Ecke zu bringen."
Der Papst hat die Abtreibung aus "medizinischer Indikation" angesprochen. Die meisten Abtreibungen werden vorgenommen, weil "eine gemischt-soziale" Indikation vorliegt. Das heißt im Klartext: Es ist vielleicht kein Platz in der Wohnung, es sind schon Kinder da und außerdem ist das Geld knapp. Noch klarer: Eigentlich ist kein Kind mehr erwünscht. Man wird mir vorwerfen, dass ich die Nöte der Frauen nicht genügend würdige. So ist es nicht. Ich bin der Auffassung, dass man gar nicht genug für Menschen in Not, besonders für Schwangere und Mütter tun kann. Gerade Alleinerziehende Mütter stehen in unserer Gesellschaft immer an den Rändern. Da müssten sich die Politiker - und auch wir als Nichtbetroffene - etwas einfallen lassen. Ich spreche jetzt als Mensch und Arzt:
Der Papst hat völlig Recht: Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, dass man einen nicht erwünschten Menschen tötet.
Dieser Gedanke ist allerdings nicht auf eine Glaubensrichtung oder eine Religion beschränkt. Das Recht jedes Menschen auf Leben ist ein allgemeines, das für alle Menschen auf diesem Planeten gültig ist und daher auch von jedem mündigem Bürger akzeptiert werden sollte. Davon ist die Welt allerdings noch weit entfernt. Ich setze meine Hoffnung hier auf Europa. Auf unserem Kontinent haben die Bürger begriffen, dass Kriege keine Lösung für Meinungsverschiedenheiten sind. Das gibt mir die Hoffnung, dass man in den mit uns befreundeten Ländern am ehesten die Entwicklung eines Verständnisses für das Lebensrecht voranbringen kann. Dazu kommt, dass demokratische Strukturen solche Entwicklung überhaupt ermöglichen. Es ist ja auch so, dass die Grundausrichtung der christlichen Religion dem Demokratieverständnis entgegenkommt. Diese Chance sollte nicht vertan werden. Dazu ist zu erwähnen, dass ein von "One of us" gegründetes Menschenrechtsforum 2019 den Betrieb aufgenommen hat.
Kommen wir wieder auf die Aussage von Papst Franziskus zurück. Der Bischof von Rom - so lässt sich der bescheidene Franziskus nämlich sehr gern anreden - geht da ein Problem an, das von der Kirche in den nächsten Jahren noch zu lösen sein wird. Bis in die Amtszeit von Johannes Paul II. hinein war es üblich, dass die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen für ihre Arbeit von der Kirche bezahlt wurden. Dann aber hat die Kirche festgestellt, dass sie sich theoretisch zur Mithilfe bei Abtreibung schuldig macht, weil von den Beratungsstellen nach einer entsprechenden Beratung eine Quittung dafür ausgestellt wurde, dass die Schwangere über entsprechende Hilfen bei Austragung des Kindes informiert worden ist. Das ist völlig legal, denn es ist nicht verboten, ein Schriftstück anzufertigen, das eine stattgefundene Beratung dokumentiert. Nun aber ist es so, dass dieser Beratungsschein von der Schwangeren vorgelegt werden muss, wenn sie den Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen will. Nun hat man sich bei der Kirche gefragt, ob man dadurch nicht Beihilfe zur Tötung des Kindes leistet. Und das will sich die Kirche später einmal nicht nachsagen lassen. Also kam die Vorschrift aus Rom: Beratung ja, Ausstellung des Beratungsscheins nein. Formal durchaus richtig. Kein Makel am Verhalten der Kirche. Jetzt haben wir aber ein anders denkendes Oberhaupt der Kirche. Dem ist eine „zerbeulte“ Kirche lieber als eine, die „alles richtig macht“ - und dafür ab und zu immer wieder mal ein Leben rettet. Denn - auch nur ein einziges Leben, das gerettet ist, ist tausendmal mehr wert als eine saubere Fassade. Deshalb wird - neben anderen wichtigen Dingen - irgendwann die Kirche wieder die Schwangerenberatung bezahlen - und auch den Beratungsschein ausstellen. Wie wir Einzelnen steht auch die Kirche hier vor der Entscheidung zwischen dem formal Richtigen oder dem, was formal nicht in Ordnung aber vom Herzen her gefordert ist.
Vielleicht muss man noch dazusagen, dass sich sicher viele Frauen, die fest zu einer Abtreibung entschlossen waren, ab dem Zeitpunkt nicht mehr an die Beratungsstellen der Kirchen wandten.
Engagierte Beraterinnen (solche, die vorher in katholischen Beratungsstellen tätig waren) gründeten daraufhin den Verein „Donum vitae“, der Beratung einschließlich Schein anbietet. Diese
Einrichtung, die ich gelegentlich unterstütze, weil sie sich mit Spenden finanziert, leistet eine hervorragende Arbeit - und ist von der Amtskirche anscheinend gar nicht so gern gesehen. In der
Zukunft wird sich zeigen, dass sich die Kirche dieser Einrichtung wieder zuwenden wird, denn sie dient dem Leben. Und das allein ist ausschlaggebend.
Die Entscheidung der Kirche für das formal Richtige könnte mit der Problematik zusammenhängen, die man Papst Pius XXII. vorwirft. Man sagt, er habe sich nicht entschieden genug der Politik
Hitlers widersetzt. Er hat aber, und auch das steht fest, vielen Juden das Leben gerettet. Die demnächst vorgesehene Öffnung der Akten wird vieles klären. Aus der Sicht des Menschen, der einem
Staat mit totalitären Ansprüchen leben musste, kann ich nur sagen, dass es immer wieder zu Gewissenskonflikten kommt, die dann jeweils neu eine überlegte Entscheidung einfordern. Bei manchen
Gelegenheiten darf ich nicht untätig bleiben, bei anderen wiederum ist es sinnlos, sich als Held zu gebärden. Der von mir sehr verehrte Papst Johannes Paul II. hat in seiner Jugend im Widerstand
gegen sein kommunistisch regiertes Land gelebt. Deshalb ist ihm sicherlich jegliche Kooperation mit Regierungen, deren Handeln er nicht akzeptiert, suspekt. Von daher ist es möglicherweise zu der
Entscheidung gekommen, auf jeden Fall zu verhindern, dass die Kirche sich an einem Unrecht - nämlich dem der Abtreibung - in irgendeiner Weise beteiligt.