VI 49soz FRAU WEHRLOS

VI 49soz FRAU WEHRLOS

Frauen wehrlos

 

Schon immer sind Frauen benachteiligt, denn es sind nun einmal die Frauen wehrlos.Erwähnen will ich gar nicht, dass Frauen auch in unseren Ländern vielfach schlechter bezahlt werden als Männer. Auch die Benachteiligung der Frauen in der Ehe soll hier nicht diskutiert werden. All das ist bekannt. Ich möchte auf etwas ganz anderes zu sprechen kommen. Doch zuvor muss ich noch einmal meine Position für die Ungeborenen ansprechen. Diese haben - anscheinend überall auf der Welt - die wenigsten Rechte.

 

Aus allen meinen Verlautbarungen über den Wert menschlichen Lebens ist sicher deutlich geworden, dass ich ein entschiedener Gegner der Abtreibung bin. Ich halte daran fest, dass Abtreibung Tötung menschlichen Lebens fest und dass es keine wissenschaftliche oder anderweitige Grundlage dafür gibt, die es erlauben würde, Kinder im Mutterleib zu töten. Das ist und bleibt eine strafbare Handlung. Allerdings gibt es - gab es zumindest früher - tatsächlich in Einzelfällen gewisse Grauzonen, wo beispielsweise zwischen dem Leben der Mutter und dem Leben des Kindes abzuwägen war. Und das wohl auch noch unter größtem Zeitdruck. Dass da Ärzte und Eltern eine ganz große Verantwortung tragen mussten, das braucht wohl nicht weiter betont zu werden. Ich kann dazu nur sagen, dass ich mich in solchen Fällen nicht als Richter fühle sondern als Mitmensch, der spürt, dass der Andere (d i e Andere), die in Not ist und vor einer schwierigen Entscheidung steht) eine große Last zu tragen hat. Von dieser Problematik hat uns die moderne Medizin weitgehend frei gemacht. Aber dafür sind andere Gewissensentscheidungen in den Vordergrund getreten. Um das alles geht es mir hier nicht. Das ist für die Betroffene alles schon schwer genug. Doch nun zu dem Thema: Frauen in Not.

 

                   LEID, LEID   UND NOCHMALS LEID

Hier stelle ich Ihnen einen Beitrag vor, der auf eine Sicht hinweist, die mit unseren Maßstäben kaum zu vereinbaren ist und - sollte Derartiges Routine sein - uns einen deutlichen Hinweis dafür gibt, dass es nicht richtig sein kann, ohne Rücksicht auf den Menschen Prinzipien durchzusetzen. Da stoße ich auf einen Artikel von Jan Christoph Wiechmann und Nadia Shira Cohen im "Stern", der auf schlimmes Verhalten der Mächtigen hinweist. Kurz gesagt, es wird im Artikel "Wir sind keine Mörderinnen. Wir sind Mütter" (Stern vom 9.8.2018) darüber berichtet, dass eine Frau nach einer Fehlgeburt wegen Abtreibung in San Salvador zu einer harten Haftstrafe verurteilt wird. 

 

Die Anklage: Mord durch Abtreibung. Das Urteil: 30 Jahre Gefängnis. Alba Rodríguez hatte ihr Baby durch eine Frühgeburt verloren, jetzt sitzt sie im Knast. Ein Gespräch über ihre Kinder, unmenschliche Gesetze und Hoffnung. [So der Untertitel des "Stern-Gespräches". Jetzt vielleicht noch zwei Sätze aus dem Vorwort zum Interview:] Sie ist eine von 25 Frauen im Gefängnis, die wegen Abtreibung zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Rodríguez hat zwei Töchter und ist Analphabetin.

 

Niemand hier kann diesen Artikel hinterfragen. Ich glaube, dass die Berichterstatter die Wahrheit schreiben. Wir alle kennen die Historie dieses Landes nicht genügend, um zu wissen, wie es zu einer so harten Gesetzgebung gekommen ist. Meist geht es dabei um geschichtliche Entwicklungen. Und um Entwicklungen zu Lasten armer Bevölkerungsschichten. Aber das ist keine Entschuldigung. Ich stimme den Autoren voll zu, dass das Urteil über diese Frau unmenschlich ist und anscheinend nicht einmal genügend durch Indizien begründet. Im Übrigen ist es Aufgabe der Kirche, solchen Menschen Beistand zu bieten. Auch mit juristischen Hilfen. Dazu fordert auch Papst Franziskus mit allem Ernst auf. Jesus war immer auf Seiten derer, die schwere Lasten zu tragen hatten. Nachdenklich muss uns machen, wie die betroffene Frau die Situation in ihrem Land einschätzt. Sie erklärte bei dem Interview über die Gerichte des Landes: Wenn Fälle dieser Art - mögliche Abtreibungen - auf den Tischen der Richter landen,

 entscheiden sie gegen die Frauen. Sie haben Angst. Die Macht der Kirchen und der Abtreibungsgegner in El Salvador ist groß.

 

Vielleicht muss man eben doch noch einmal auf die Geschichte dieses Landes schauen. Dann wird man sicher feststellen, dass es sich hierbei vor allem um einen Effekt der Ausbeutung der Armen dieses Landes handelt. Und das ist etwas, an dem wir Europäer die Schuld tragen. Ich denke, dass es sich bei den Inhaftierten fast immer (vielleicht sogar überhaupt) um Nachfahren der Ureinwohner des Landes handelt.

 

Die Reaktion der staatlichen Organe auf hohe Abtreibungszahlen könnte - durchaus denkbar im Einvernehmen mit   d e r  Kirche, wie sie sich  v o r  Franziskus darstellte - vielleicht der Grund sein für diese extrem schweren Bestrafungen. Aber auch unter der Kirchenführung von Franziskus werden sich solche eingefahrenen Vorgehensweisen nicht mit einem Schlag ändern (wenn überhaupt). Dabei wäre es eine ganz wichtige Aufgabe der Kirche und des Staates, schwangeren Frauen Hilfen anzubieten. Aber das ist ja, wie man weiß, auch in reichen Ländern ein Problem. Sonst gäbe es bei uns - in unserem sehr reichen Land - ja nicht die „soziale Indikation“, die allerdings wohl nicht mehr unter dieser Bezeichnung läuft. Aber - und das ist überall auf der Welt so: Die Ärmsten bezahlen immer die Zeche. Gut, dass es Menschen gibt, die auf solche Missstände hinweisen. Gut, dass es Menschen gibt, die Unrecht und Ausbeutung nicht länger hinnehmen wollen.

 

Not von Frauen in der Kirche

 

Das ist ein ganz schwieriges Kapitel. Es ist insofern schwierig, als es seit ewigen Zeiten so ist, dass Frauen in der Kirche keinerlei echte Ämter innehaben können. Schon Jesus hat sich ganz besonders der Frauen und Kinder angenommen, weil deren Schutz in der Gesellschaft sehr schlecht war. Im Neuen Testament lesen wir das immer wieder. Es ist das neue Denken. Allerdings werden wir feststellen müssen, dass dieses wirklich Neue auch heute noch keinen wirklichen Eingang in die Gesellschaft gefunden hat. Vor allem nicht in der Institution Kirche. Es ist an dieser Stelle angebracht, davon zu sprechen, dass lediglich die evangelische Kirche hier eine Vorreiterstellung einnimmt. Großen Respekt habe ich vor einer evangelischen Bischöfin, die Sie alle kennen, die allerdings wegen eines Fehlers - wäre sie ein Mann, hätte man vielleicht von einem Kavaliersdelikt gesprochen - ihr Amt aufgegeben hat. Wegen einer Fahrt unter Alkoholeinfluss hat sie - Frau Käßmann - anscheinend jede Menge Anpöbeleien erfahren. Als Stichwort sage ich: Männergesellschaft - patriaiarchale Denke - und schließe mich auch hier wieder ein. Nicht, weil ich das Verhalten unserer Gesellschaft billige. Nein, es ist anders. Auch ich habe das Bild von der Rollenverteilung von der vorhergehenden Generation als junger Mensch übernommen. Das hinterfragt man nicht. Bis man irgendwann vielleicht erkennt, dass da etwas schiefläuft. Dass da etwas nicht mehr zusammenpasst. Wie auch immer, Frau Käßmann wurde nach ihrem Verhaltensfehler schwerst beleidigt. Möglicherweise von Leuten, die das Glück hatten, bei einer Trunkenheitsfahrt nicht erwischt worden zu sein. Mit meinem Wissen in Psychologie muss ich davon ausgehen, dass dieses Fehlverhalten angesehen werden muss als Versuch, von eigenem nicht geahndeten Verschulden abzulenken. Frau Käßmann fungiert sozusagen als "Sündenbock". Ihr Schuldeingeständnis - Rücktritt von hohen Ämtern - ist ein Geschehen, mit dem man von eigenem Versagen ablenkt. Frage: Wer von uns ist noch niemals unter Alkoholeinfluss gefahren?

 

Großen Respekt habe ich vor der evangelischen Bischöfin Käßmann, die wegen eines Fehlers - wäre sie ein Mann, hätte man vielleicht von einem Kavaliersdelikt gesprochen - ihr Amt aufgegeben hat. Wegen einer Fahrt unter Alkoholeinfluss hat sie anscheinend jede Menge Anpöbeleien erfahren. Als Stichwort sage ich: Männergesellschaft und schließe mich auch hier wieder ein. Nicht, weil ich das Verhalten unserer Gesellschaft billige. Nein, es ist anders. Auch ich habe das Bild von der Rollenverteilung von der vorhergehenden Generation als junger Mensch übernommen. Das hinterfragt man nicht. Bis man irgendwann vielleicht erkennt, dass da etwas schiefläuft. Dass da etwas nicht mehr zusammenpasst. Wie auch immer, Frau Käßmann wurde nach ihrem Verhaltensfehler schwerst beleidigt. Möglicherweise von Leuten, die das Glück hatten, bei einer Trunkenheitsfahrt nicht erwischt worden zu sein. Mit meinem Wissen in Psychologie muss ich davon ausgehen, dass dieses Fehlverhalten angesehen werden muss als Versuch, von eigenem nicht geahndeten Verschulden abzulenken. Frau Käßmann fungiert sozusagen als "Sündenbock". Ihr Schuldeingeständnis - Rücktritt von hohen Ämtern - ist ein Geschehen, mit dem man von eigenem Versagen ablenkt. Frage: Wer von uns ist noch niemals unter Alkoholeinfluss gefahren?

 

Doch nun zurück zur Stellung der Frau in früheren Zeiten. Die Nichtachtung der Frauen war üblich. Das hängt wahrscheinlich mit dem sozialen Status, einfacher gesagt, mit der Abhängigkeit der Frau vom Mann zusammen. Das von Jesus erlassene Verbot der Scheidung sollte wohl vor allem ein Schutzgebot für Frauen sein. Übrigens hat sich das patriarchale Denken unserer Vorfahren immer wieder weiter "vererbt". Das brauche ich sicher nicht weiter zu belegen. Es ist auch hier nicht die Stelle, andere anzuklagen. Aber es ist eben so. Dass es da erfreuliche Ausnahmen gibt, das sollte natürlich auch gesagt werden. Und das lässt hoffen.

 

Nun möchte ich auf die eigentliche Problematik zu sprechen kommen. Davon weiß aber niemand. Die Kirche hat es vermocht, alle Unterdrückungen von Frauen ziemlich geheim zu halten. Schließlich sind auch die Akten der Päpstin auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Ein Umstand, der darauf schließen lässt, dass es diese Frau an oberster Stelle tatsächlich gegeben haben könnte. In gleicher Weise wie die Machtstrukturen dieser großen Institution die Verbrechen an Frauen ermöglicht haben - und wahrscheinlich auch jetzt noch ermöglichen - so gelingt es auch immer wieder mit Hilfe dieses „Apparates“ Kirche und im Hintergrund agierenden Drahtziehern die geschehenen Verbrechen vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Über den schrecklichen Missbrauch von Frauen in der Kirche spreche ich an anderer Stelle: IIIh9