VII54wki*  DIALOGE

VII54wki*  DIALOGE

SPRECHEN VON GOTT

 

Egal, welcher Religion ich angehöre oder ob ich ein sogenannter Agnostiker bin, der abgesehen von naturwissenschaftlich untermauerten Erkenntnissen ganz bewusst alles von sich weist, „was man nicht sehen oder anfassen kann“, also einer wie der ungläubige Thomas, um die alle geht es hier, um uns alle. Wie stehen wir zu der Frage, ob es Sinn macht, anderen von dem zu berichten, was mich oder uns bewegt?  Wieso darf ich als Christ zu einem anderen, der anderes glaubt, sagen: Ich weiß etwas, was Du nicht weißt. Erhebt man sich da nicht schon über den Anderen? Nun, wir müssen zuerst einmal zugestehen, dass unser aller Gott sich in anderen Kulturen in anderer Weise und angepasster Art offenbart hat. Zweitens müssen wir davon ausgehen, dass dieser Gott, Der in verschiedenen Weisen angebetet, angesehen und verstanden wird, in Seinem Wesen der Gleiche ist. Er ist unverändert bei allen Menschen der Gott der Liebe. Aber insgesamt bedeutet das nun, dass es gar keinen Grund, gibt, andere Menschen von unseren Glaubensinhalten überzeugen zu müssen. Punkt. Also keine Mission. Oder sehen Sie das anders?

 

Ja, da gibt es schon noch etwas, das wir nicht einfach unbeachtet lassen wollen oder dürfen. Nämlich die Tatsache, dass Er, der unnahbare Gott - und das ist nicht allein unser Glaube sondern geschichtliches Ereignis - zu uns Menschen gekommen.  Zunächst zu den Juden, dann zu den anderen Menschen. Rund tausend Jahre später auch als „Wort“ zu uns. Denn Er hat gesagt: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und tauft sie. Ohne dieses Wort würden wir hier in Mitteleuropa noch ganz anderes denken und glauben. Also haben wir eine Botschaft bekommen, die wir nicht verschweigen dürfen. Weil es Worte von Ihm, dem Herrn selbst sind. Der Apostel Paulus, der einer der ersten Missionare war, hat gesagt: Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündeDas Wort „Mission“ hatte früher nicht immer den besten Ruf. Warum? Sicher wurden in früheren Zeiten große Fehler gemacht, wie das bei solchen Aktionen gar nicht anders sein kann. Das tut dem Ruf der gut gemeinten Glaubensverkündigung nicht gut. Dabei wird heutzutage etwas ganz anderes versucht, als mancher meint. Mutter Teresa hat niemandem ihren Glauben aufgezwungen.

 

Und wenn ich Ihnen jetzt aus dem Briefwechsel zweier Comboni-Missionare vorlese, dann spüren Sie, um was es den Missionaren geht. Hintergrund: In der Nähe der Hauptstadt Juba (Südsudan) wurde eine kleine Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Ca. 300 jugendliche junge Männer wurden umgebracht, wer nicht fliehen konnte wurde einfach erschossen. schreibt ein Missionar aus diesem Land an seinen Freund und Mitbruder in Deutschland, dieser erzählt: Grausame Bilder hat mir Bruder  Bernhard geschickt. Er selber wurde bedroht, man hat versucht, ihn zu vergiften, er hat den Anschlag überlebt. Ja, wenn man sich an die Seite der Armen stellt, gegen Korruption kämpft, ist man auf der Abschussliste.  Der Kollege in Deutschland - also sein Mitbruder hat ihm geschrieben: „Wenn es so schlimm ist, komm doch wieder zurück.“ Er hat mir dann geantwortet:

 

Nach 50 Kriegsjahren wo nur Hass und Gewalt regierte, sind die Menschen verroht. Es gibt nur wenig Stabilität im Land. Die Menschen leiden, viele verlieren ihr Leben unschuldig. Einen wirklichen Wandel in diesem jungen Land Süd-Sudan kann meines Erachtens nur durch gelebte Nächstenliebe und begleitendes Gebet hervorgebracht werden. Dazu sind wir Missionare da.

 

Vielleicht ist an dieser Stelle eine Frage angebracht: Wer führt da eigentlich Krieg in diesem Land? Die Sudanesen sicher nicht. Wir in unserem Land sind da gut informiert. Mit ein wenig Interesse an dem Geschehen in der Welt - das sollten wir aufbringen - können Sie sich die Antwort selbst geben. 

 

Nicht nur bei den Missionaren, sondern auch bei uns sollten Sprechen und Handeln übereinstimmen. Unter „Handeln“ verstehen wir hier unser Verhalten in der Familie, in der Gemeinschaft mit den uns umgebenen Freunden und Bekannten und unsere beruflichen Aktivitäten. Da kann man schon viel Gutes ausrichten. Man kann sich aber auch selbst in einen größeren Rahmen stellen. Die Arbeit der Missionare ist so ein Zusammenspiel zwischen Innen und Außen. Und Missionar-Sein ist so als ganzheitliches Denken und Handeln zu verstehen. Wir hatten die Frage aufgeworfen, warum viele Menschen das Bedürfnis haben, von ihren Erfahrungen mit Gott zu sprechen.

 

Dann sind wir darauf gekommen, dass zu dieser Art des Sprechens über Gott auch das Handeln in Seinem Sinn gehört. Das bedeutet, dass ich mich meinen Mitmenschen liebevoll zuwende. Das ist die Ganzheit eines Menschen, wenn Reden und Handeln übereinstimmen. Es geht um etwas, das ich nicht losgelöst von meinem Wesen als eine Art zusätzlichen Auftrag „miterledige“, nein, es geht darum, dass ich aus der Mitte meines Wesens heraus Rede und Werk hervorbringe.

 

Vielleicht zeige ich Ihnen einen Film über die Arbeit des Missionswerkes "Missio"

(https://www.youtube.com/watch?v=1LNiRtEIiWw).     

    

Ein Tempel im Nepal
Tempel im Nepal

 

Das kleine Bild habe ich vor einem Tempel in Nepal gemacht. Für uns ist das eine fremde Welt. Auf dem nächsten Foto sehen Sie Frauen aus Nepal. Die Frauen sind nicht unglücklich. Ihre Welt scheint geordnet. Sollen wir Ihnen von unserem Gott erzählen?

 

Mission könnte auch darin bestehen, mit den Menschen, die mit ihrem Glauben voll zufrieden sind, in guter Nachbarschaft zusammenzuleben. So hat es doch wohl Mutter Teresa gemacht. Oder? Trotzdem - denkt man - möchte doch auch diese Frau vom Sohn Gottes erzählen, Der für uns alle in die Welt gekommen ist. Aus lauter Freude und Dankbarkeit. Sie allerdings sagte es durch ihr Handeln.

 


Frauen in Nepal
Nepal: Frauen aus einem anderen Kulturkreis

Auch dieses Bild erzählt vom Leben in einem anderen Land. Von Menschen mit einem anderen Glauben.

 Und wir wissen: Der große Gott wird in den verschiedenen Kulturen verehrt,

aber in unterschiedlicher Weise.

Nun muss ich etwas ergänzen: Es genügt nicht, von Gott zu sprechen. Ich muss auch mit Ihm sprechen. Beten.

 

Sprechen mit Gott

 

Bei all den irdischen Problemen dürfen wir den Blick auf die göttliche Majestät und die Dialoge mit Ihm nicht vergessen, wir müssen mit Gott sprechen. Der Dialog mit Gott ist wichtig. Ich denke, wir sehen dann noch mehr als unsere gegenwärtigen Probleme. Denn unsere Welt ist mehr als ein „Topf mit Futter“, das für alle reichen soll. Mehr kann ich und will ich dazu nicht sagen, denn was berechtigt mich, über Dinge zu sprechen, die ich selbst erst noch verstehen möchte? Dass dies jetzt keine besonders neuen Erkenntnisse sind, sondern alte Erfahrungen der Menschen sind, lässt sich daran erkennen, dass es ein sehr schönes altes Gebet gibt, das dies beinhaltet.

 

 

 

                     Denk du in mir, o Jesus

  

          Denk du in mir, o Jesus, dann denk ich licht und klar.

           Sprich du durch mich, o Jesus, dann sprech ich mild und wahr.

           Wirk´ du in mir, O Jesus, gerecht ist dann mein Tun,

           geheiligt meine Arbeit, geheiligt auch mein Ruh´n.

           Erfüll mein ganzes Wesen, durchdring mein ganzes Sein,

           dass man aus mir kann lesen, die große Liebe dein!

           Mach, dass ich hier auf Erden durch deiner Gnad Gewalt,

           kann allen alles werden, komm werd in mir Gestalt.

 

                                                                           (Autor unbekannt)

 

 

Bei meinen Recherchen im Internet habe ich gefunden, dass dieses Gebet bei uns im Alpenraum gesungen wird.

(https://www.br.de/mediathek/video/traunviertler-dreigsang-denk-du-in-mir-o-jesu-av:585dc9133e2f290012a9ab96) Wenn Sie noch eine andere Interpretation des schönen Gebetes hören wollen, dann folgen Sie mir in die Mediathek des Bayerischen Rundfunks. (https://www.youtube.com/watch?v=7sEYp098GOI)

 

Interaktion

Dieser unser aller Gott ist ein Gott, der widersprüchlich erscheint. Er vereint in sich Gegenteiliges. Für uns ist das schwer vorstellbar. Andere Religionen sehen darin kein Problem. In Indien verehrt man eine Gottheit, die gleichzeitig aufbaut und zerstört. Unserem rationalen Denken widerstrebt eine solche Vorstellung. Das bringen wir nicht auf die Reihe. Vielleicht kommen wir dem Verstehen näher, wenn wir uns daran erinnern, dass Gott einmal gesagt hat, dass Er Tiefe und Höhe zugleich ist. In der lateinischen Sprache gibt es sowieso für Tiefe und Höhe nur ein einziges Wort. Und schließlich ist ja alles relativ. Wenn ich von einem Turm aus nach unten schaue, dann habe ich die Tiefe vor mir. Das gleiche Maß nenne ich aber Höhe, wenn ich von unten nach oben zum Turm blicke. Es kommt also immer auf den Standpunkt an, wie ich eine Sache beurteile. Wir Menschen sehen eben meist nur einen bestimmten Aspekt von irgendetwas. Einer der Hohenpriester, einer von denen, die Ihn töten wollten, sagte, dass es besser sei, es würde ein Mensch sterben als viele. Paradox: Er sagte die Wahrheit, meinte aber wohl etwas ganz anderes.

Ein anderes: Jesus ist derjenige, der uns den Frieden bringt. Er hat aber auch gesagt, dass Er das Feuer bringt und sich wünsche, dass es schon brenne. Verstehen wir das? Nun, da gibt es sicherlich Erklärungen für diese anscheinend gegensätzlichen Formulierungen. Jesus hat auch gesagt: „Wer nicht gegen mich ist, der ist für mich“. Der andere bekannte Satz: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ macht eine ganz andere Aussage. Da muss man natürlich dazu sagen, dass diese beiden gegensätzlichen Aussagen immer auf die Situation, in der sie gesprochen werden, bezogen werden müssen. Dann lösen sich die Widersprüche schon ein wenig auf. Die aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze stellen oft nicht dar, was der Sprechende gemeint hat. Das nutzen populistische Redner gern aus. Da kann man dem politischen Gegner schon einmal eins auswischen, wenn man ein Zitat aus dem Zusammenhang reißt und das dem Gegner „hinwirft.“ Dies nur nebenbei.

 

Über dem Kreuz des Herrn hatte man seinerzeit die Inschrift angebracht: „Jesus von Nazareth - König der Juden“. Bemerkenswert: Heiden - römische Soldaten haben Zeugnis für Ihn abgelegt. Paradox ist auch, dass Er, der Verratene, den Verräter Freund nennt und das auch so meint. Auf Seite 106 des Buches von Zulehner „Ich träume von einer Kirche als Mutter und Hirtin“ wird erzählt, dass sich in einer Kirche in Frankreich eine sonderbare Darstellung findet, die Papst Franziskus bei einem Interview folgendermaßen beschreibt und mit dieser Beschreibung ohne weitere Worte gleich eine Interpretation mitliefert:

 

„Im burgundischen Ort Vézelay - wo der Jakobsweg beginnt - steht die Basilika Sainte-Marie-Madeleine. Dort gibt es ein Kapitell, auf dessen einer Seite der erhängte Judas zu sehen ist und auf der anderen der gute Hirte, der ihn auf seinen Schultern fortträgt.“

 

Auch ich werde diese künstlerische Darstellung nicht weiter analysieren, weil sie eben für sich selbst spricht. Das Ganze sollte eine Hinführung zu einem Gedanken sein, den sich ein Theologe sicher nicht erlauben darf. Als Laie darf ich meine Überlegungen darstellen. Denn ich will keiner kirchlichen Lehrmeinung widersprechen und beanspruche auch nicht, diese Überlegungen als einen Spiegel der Wirklichkeit zu erklären. Ich sage nur, was sich mir irgendwie darstellt, wenn ich versuche, die Wirklichkeit erst einmal überhaupt zu sehen. Von Verstehen kann da nicht die Rede sein. Denn das, was ich jetzt sage, ist wirklich paradox. Es sind nämlich die Ungläubigen - die genau wie damals die Römer - dem Herrn die Ehre geben. Genau dann nämlich, wenn sie sagen: „Gott ist nur ein Hirngespinst, ein Produkt menschlicher Sehnsucht, Opium des Volkes.“ Ich weiß, jetzt bin ich Ihnen eine Erklärung schuldig.

 

Zunächst einmal muss man sagen, dass die Wissenschaft noch nicht herausbekommen hat, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Man weiß zwar schon, in welchen Regionen bestimmte Prozesse ablaufen. Aber wie das geht, das weiß niemand. Weil es um Abläufe geht, die sich nicht recht erklären lassen. Und manchmal findet in Gedanken etwas statt, für das wir überhaupt keine Erklärung haben. Vor vielen Jahren hatte ich einmal das Gefühl, dass ich am späten Abend noch bei jemand - die Person war gerade im Ausland - anrufen müsste. Ich war äußerst unruhig, wagte aber nicht, zum Telefon zu greifen. Das tat ich dann am nächsten Tag - und erfuhr, dass es dieser Person am Vorabend gar nicht gut gegangen war. Von solchen Ereignissen, die wir als „Telepathie“ bezeichnen, berichten Menschen öfter. Doch wer glaubt das denn schon? Sicher werden Sie mir diese meine Erzählung auch nicht abnehmen. Brauchen Sie auch nicht. Nur weiß ich, dass es so etwas gibt, weil ich es selbst erlebt habe. Ich will andeuten, dass immer wieder  von Dingen berichtet wird, die sich nicht so leicht erklären lassen.

Für mich denke ich, dass unser Gehirn vielleicht doch eine Schnittstelle zu „etwas Anderem“ haben könnte. Ich benutze dieses Gehirn dazu, mein Wissen über die Welt zu erlangen und auszubauen. Und wenn ich versuche, eine Beziehung zu Gott zu finden, dann brauche ich dazu ebenfalls mein „zentrales Nervensystem“, wie das im Fachjargon heißt. So gesehen ist dieser Gott tatsächlich - wie die Nichtgläubigen sagen - eine Projektion in dem Sinn etwa, dass diese unbegreifliche Gottheit sich in meine „Schaltkreise“ hineinbegibt, sich auf diese Weise zu erkennen gibt. Es stimmt also, was die „Heiden“ sagen, dieser unser Gott ist eine Projektion. Aber andersrum als wir es ausdrücken wollen: Nicht wir machen uns einen "Gott," Gott kommt - als Interaktion - zu uns. Und - Ich mache mir den Gott tatsächlich nach dem, was ich denke. Und auch dafür bringe ich einen Beleg: Jesus hat seinerzeit das Gleichnis von den anvertrauten Talenten erzählt. Das kennen Sie. Mir geht es hier allein um den dritten Diener, der das Geld seines Herrn nicht vermehrt hatte, wie ihm aufgetragen worden war. Der sagte zu seinem Herrn nach dessen Rückkehr:

 

Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast... Noch deutlicher: Streng bist du und du erntest, wo du nicht gesät hast. Kurzum: Du bist ein hartherziger Ausbeuter.

 

Und jetzt kommt das Entscheidende, was wir erkennen sollten: So wie Du Gott siehst, so wird Er für Dich sein.  Oder anders ausgedrückt: Genauso wird Gott für dich sein, wie du ihn dir „in deiner Vorstellung erschaffen“ hast. Denn jetzt kommt die Antwort des mächtigen Mannes aus der Geschichte:

 

Aufgrund deiner eigenen Worte spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe?

 

Sie wissen, dass der Diener bestraft wurde. Das Talent, das er vergraben und nicht auf die Bank getragen hatte, nahm man ihm weg. Und er wurde dorthin gebracht, „wo man mit den Zähnen knirscht“. Natürlich bedeutet das Erzählte nicht, dass wir Gott erschaffen, so wie dieses Wort ursprünglich einmal gebraucht wurde. Richtig ist aber sicherlich, dass es da so etwas gibt, was man heutzutage „Interaktion“ nennt. Das Sprichwort sagt: Wie man in den Wald hineinruft, so ruft das Echo wieder zurück.

Vielleicht antwortet Gott aber auch liebevoll auf den, der ihn einen Ausbeuter nennt. Aber Er muss das nicht, Er kann auch so sprechen, wie das Jesus im Gleichnis gesagt hat. Denn Jesus wollte uns davor warnen, dass wir meinen, es könne uns ja nichts passieren. Wir sollten das schon ernst nehmen, was wir in unserem Inneren als Aufforderung spüren. Eine „Pauschalbegnadigung“ werden wir wohl kaum zu erwarten haben. Wir müssen schon versuchen, das Beste aus unseren Talenten herauszuholen, die uns der Herr gegeben hat.