VI 11ma* gegen UNRECHT

VI 11ma* gegen UNRECHT

Gib uns Frieden, der unser Schweigen inmitten von Gewalt bricht, dann werden sich prophetische Stimmen erheben.

Gib uns Frieden, der uns von dem Sockel unseres Hochmuts herunterzieht, dann werden wir lernen, einander die Füße zu waschen.

 

Gib uns Frieden, der uns von Hass und Intoleranz befreit, dann werden wir Gewehre zu Gitarren machen und singen.

Gib uns Frieden, der unseren Mund verschließt, wenn wir zu viel reden, dann werden wir lernen, auf andere zu hören und sie zu verstehen.

 

Gib uns Frieden, der uns aus unserer Gleichgültigkeit herausreißt, dann werden wir miteinander in der Sonne tanzen.

 

Gib uns Frieden, der unsere teilnahmslosen Herzen entzündet, dann wird in uns ein Feuer entbrennen

und Liebe und Gerechtigkeit erglühen lassen.

                                                                                     Ein Gebet um Frieden von den Philippinen.

Ist es Unrecht, die Wirtschaft immer weiter wachsen zu lassen? Ja, es ist unrecht, weil die Ressourcen, eigentlich allen und vor allem unseren Nachkommen gehören, von uns unnütz "verpulvert" werden. Ohne dass Werte geschaffen werden. Wehren wir uns gegen die Reichen, die die Wirtschaft ankurbeln, damit sie noch reicher werden. Beenden wir  das Wachstum der Spirale, die unseren Nachkommen Schaden bringt. Lassen wir es nicht zu, dass man uns mit Konsumgütern vollstopft. Das Leben ist mehr als man uns weismachen will.

 

Meinen Ausführungen muss ich etwas vorausschicken: Wenn Verkäuferinnen von deutschen Gerichten verurteilt werden, weil es bei Kleinstbeträgen zu Abrechnungsfehlern gekommen ist, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn so etwas bei der Bevölkerung Kopfschütteln hervorruft. Wenn man „Ampelmännchen“ für Geld aus den Taschen der Steuerzahler gegen was anderes auswechselt, wenn Erwachsene ernsthaft darüber diskutieren, ob gewachsene (Faschings-) und andere Traditionen diskriminierend seien und ob es noch zu verantworten sei, dass Kinder sich in der närrischen Zeit als Indianer verkleiden, dann denke ich, ist der Sinn für die uns umgebende furchtbare Wirklichkeit verloren gegangen. Vielleicht sollte man lieber darüber sprechen, ob Kinder im Fasching Spielzeugwaffen tragen sollten. Ob es sinnvoll ist, Freizeiteinrichtungen anzubieten, in denen Kinder mit Laserwaffen auf ihre Kameraden schießen! Angeblich existieren solche Angebote. Man könnte sich auch dafür einsetzen, dass die „Ballerspiele“ aus dem Internet verschwinden. Das wäre sicher sinnvoll. Allerdings: Es ist kein Geheimnis, dass von Waffen seither eine große Faszination ausgeht. Das man daran liegen, dass in der Vergangenheit Waffen immer eine große Rolle gespielt haben. Und jetzt soll und will man davon wegkommen. Nicht ganz einfach! Aber notwendig, damit wir gemeinsam endlich den Frieden finden..

 

Altlasten erkennen und aufarbeiten

Der Umgang mit Altlasten gestaltet sich schwierig. Aus einem Bericht im Straubinger Tagblatt vom 28.8.2018 (Nadja Weigel, dpa) war zu erfahren, dass sich die Historiker nicht leicht damit tun, die in unseren Archiven lagernden ethnischen Schätze aus der Kolonialzeit so zu bewerten, dass deutlich wird, wie sie zum Beispiel in unsere Archive gekommen sind. Es geht darum, im Jahr 2019 in Berlin das Humboldt-Forum zu eröffnen, das diese Gegenstände der Öffentlichkeit präsentieren will. Man will dabei mit den Kollegen vor Ort - ich denke, das sind die Forscher aus dem Land, aus dem das jeweilige Stück kommt - intensiv zusammenarbeiten. Museumsdirektor Koch: das Humboldt-Forum soll eben genau dieser Ort des gemeinsamen Erforschens werden. Ich füge hinzu: Das Forschen ist als Beginn wirklicher Aufarbeitung anzusehen.

Fragen wir, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass unsere Vorfahren nicht verstehen wollten, dass das Kolonialsystem ein System der Ausbeutung war. Nun, im Grunde genommen war die Situation nicht anders als heute. Man ließ es sich gut gehen und dachte nicht daran, dass der Wohlstand auf Ausbeutung beruhte. Die Unterdrückung anderer Menschen wurde in der Vergangenheit immer wieder scheinwissenschaftlich begründet. Nach „erfolgreicher“ ideologischer Vorbereitung konnten - mit dem Einverständnis der Bevölkerung - die Ausbeutungsmechanismen in Gang gesetzt werden. Von einer solchen psychologischen Kriegführung gegen die einfach lebenden Völker in den Kolonien will ich jetzt kurz berichten: Am Samstag, dem 29.9.18 gab es von "Arte" die Dokumentation „Die Wilden“ in den Menschenzoos. In der „zivilisierten“ Welt wurden Menschen aus den Kolonialgebieten zur Besichtigung in Zoos oder auf Jahrmärkten vorgeführt. Letzten Endes sollten diese „Shows“ dazu dienen, der Bevölkerung zu vermitteln, dass die Eingeborenen in den besetzten Ländern keine wirklichen Menschen seien. Es war eine Rechtfertigung für die Verbrechen, die in den Kolonien begangen wurden. Man hat den dort Lebenden die Menschenrechte abgesprochen und so ganz bewusst Rassismus als Lebenseinstellung vermittelt. Müssen wir uns wundern, wenn derartige Denkmodelle immer noch in den Köpfen der Menschen geistern?

 

Der Unsinn dieser schrecklichen Rassentheorie leuchtet uns ein. Unsere Vorfahren sind auf den Schwindel hereingefallen. Sie sahen sich selbst als die Auserwählten an. Man hat auch gar keine Lust, eine Ideologie irgendwie zu bekämpfen, wenn einem selbst die Ideologie irgendwie zugute kommt. So war es denn wohl auch mit der Rassentheorie. Die wurde einfach hingenommen, zumal man diesen Schwindel mit pseudowissenschaftlichen Argumenten erklärte.

 

Die Menschen in Deutschland schauen heute mit berechtigtem Stolz auf das "RKI", das Robert-Koch-Institut, das uns in den Zeiten der Pandemie zur Seite steht, wenn es darum geht, den Schrecken der Seuchen auszuweichen. Robert Koch hatte sich schließlich als Schüler von Rudolf von Virchow einen Namen in der Medizin gemacht. Allerdings wurde Virchow später zum Kontrahenten von Koch. Vielleicht deswegen, weil Koch eben ein Rassist war. Nur wusste das niemand und auch während meines Medizinstudiums habe ich das nie gehört. Wollte man vermeiden, dass ein Forscher von seinem Podest heruntergeholt und als Rassist entlarvt wurde?

 

Auf jeden Fall hat ein Arzt der heutigen Zeit - Michael Lichtwarck-Aschoff - der es in der medizinischen Laufbahn "zu etwas gebracht hat", ein Buch mit dem Titel "Robert Kochs Affe" über die abwegigen Verhaltensweisen von Koch herausgebracht. Kurzum, er hat ihn als Rassist entlarvt und über unzulässige und verabscheuenswürdige Versuche berichtet, die Koch in Afrika mit farbigen Menschen angestellt hat. Er zeigt in diesem Zusammenhang ein Originalfoto aus einem Lager in Deutsch-Ostafrika: Menschen, die an der Schlafkrankheit leiden, dämmern vor sich hin. Viele werden nicht überleben. - so lautet die Unterschrift unter dem Bild, aus dem Bericht "Koch hat Versuche mit Menschen gemacht". (Straubinger Tagblatt vom 10.6.2021). Dem Autor geht es im wesentlichen darum, zu zeigen, dass Koch "in der Kolonie massenhaft Menschenversuche gemacht hat, die in Deutschland verboten gewesen wären."

 

Es ist richtig, dass über dieses Fehlverhalten deutlich gesprochen wird. Der Autor hat mit dieser Veröffentlichung ein Bild von seinen Kollegen gerade gerückt, das tatsächlich korrigiert gehört. Glauben Sie aber nicht, dass das alles der Vergangenheit angehört. Die Menschenwürde wird auch in der heutigen Zeit nicht geachtet. Der Mediziner Krugmann (USA) wurde für seine Arbeiten bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Hepatitis von einer medizinischen Gesellschaft ausgezeichnet. Krugmann "hat geistig behinderten Kindern in einer Anstalt lebende Hepatitis-Viren eingespritzt, um den Impfstoff zu testen", obwohl er damit rechnen musste, dass die Kinder nicht nur schwerst krank werden, sondern manche daran sogar sterben, berichtete Dr. F. Gerster auf einem Kongress in Krelingen 1981. Das ist ein klarer Fall von Menschenrechtsverletzung. Übrigens wurden Hepatitis-epidemica-Versuche auch von Naziärzten vorgenommen (Der Kassenarzt, 7/1984). Über die genannten Aktivitäten hat der Verfasser der Website im Buch "Sag ja zum Leben - sag ja zur Liebe" berichtet. Das Buch ist allerdings vergriffen und nicht im Handel erhältlich.

 

Als verantworungslos muss man wohl auch bewerten, wenn Handlungen vorgenommen werden, bei denen nicht erkennbar ist, dass tatsächlich eine Heilungsabsicht besteht. Am 27.11.2018 war in der Tageszeitung zu lesen, dass ein chinesischer Wissenschaftler versucht haben soll, Kinder mittels Genmanipulation gegen HIV resistent zu machen. Allerdings: Es gibt weder eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff noch eine Bestätigung von anderen Stellen, sondern lediglich einen Eintrag in einem chinesischen Register für klinische Tests. Im Zeitungsbericht wird deutlich gemacht, dass es bei der Motivation für den Eingriff in die Erbanlage nicht um den Schutz von Kindern vor einer möglichen HIV-Infektion der Eltern gegangen sein kann, denn dafür gibt es andere, einfache und risikoarme Wege. 

 

Nun wieder zu uns und unseren eigenen Überlegungungen im täglichen Leben. Wie leicht geraten wir auf Wege, die wir gar nicht gehen wollen. Dazu gehört die Einstellung, dass "das sowieso alle machen." Aus den Zeiten, als man den Staat noch als eine Instanz verstand, die den Menschen nur das "Geld aus der Tasche" zieht, stammt wohl auch die Vorstellung, dass es eine Art "Heldentat" war, wenn man sich ein wenig von dem zurückhält, was "der Staat" verlangt. Es gab ja eine Reihe von Forderungen der Gesellschaft an einfache Leute, die nicht zu verstehen waren. Denken Sie einmal daran, dass man im Frühjahr 1945 noch ganz junge Leute zum Wehrdienst eingezogen hatte. Ein furchtbarer Eingriff des dahinsterbenden Staates in die Lebensrechte der Heranwachsenden. Das ist nicht vergessen worden. Für das Sich-Erinnern an dieses Unrecht ist es für den Einzelnen gar nicht von Bedeutung, dass wir in Deutschland bis Mitte des Jahres 1945 in einem Unrechtsstaat lebten, der mit der heutigen Demokratie nicht zu vergleichen ist. Es ist doch eigentlich verständlich, wenn das Wort "Staat" bei vielen Menschen nicht unbedingt einen guten Klang hat.

 

Wundert es uns denn, wenn auch heute noch Bestrebungen da sind, den Staat aktiv um das zu betrügen, was ihm tatsächlich aufgrund seiner Schutzfunktion uns Bürgern gegenüber zusteht. Zu dieser Einstellung passt auch genau das Wissen, dass Konzerne viel weniger Steuern bezahlen als einfache Staatsbürger. Und tatsächlich gibt es momentan - also im Jahre 2021 wieder so viel Skandale, wo es darum geht, dass gewählte Vertreter des Volkes sich in einer Art "Nebenbeschäftigung" - man nennt das "Beratertätigkeit" - Riesensummen an Geld erschwindelt haben. Warum sollte man da nicht zu der Einstellung kommen, da sollte um der Gerechtigkeit willen mittun, wenn es darum geht, etwa bei der Steuererklärung "etwas mehr herauszuholen" als das, was einem zusteht? Was ich also sagen will, das ist Folgendes: Es ist schon beinahe trendig, dem Fiskus "ein Schnippchen" zu schlagen. Eine neuerliche Untersuchung zeigt uns, dass Korruption auch in Deutschland noch längst nicht vom Tisch ist. Doch wo sollen wir mit dem Aufräumen beginnen?

 

Natürlich muss jeder - und da schließe ich mich mit ein - bei sich selbst anfangen. Solange es noch geht. Wir selbst müssen unbedingt das Rechte tun, anders geht es nicht. Aber dann auch mit gutem Gewissens das annehmen, das uns - wie allen anderen - zugestanden wird. Es ist sehr schwierig, dass alles zu formulieren, weil wir es gewöhnt sind, im "normalen" Leben anders zu sprechen als bei Sonntagsreden oder auch wie hier in aller Öffentlichkeit, ohne dass man dabei in den Status des Moralpredigers abgleitet. In den USA hat einmal ein Politiker seine Karriere abrupt beenden müssen, weil er viele Jahre zurück einmal eine Hausangestellte hatte, die nicht angemeldet war, die also "schwarz" bezahlt worden ist. Gehört das noch zu den Handlungen, die nach einer gewissen Zeit "vergessen" werden können? Oder ist das ein Grund, von vornherein an der Rechtschaffenheit dieses Menschen zu zweifeln?

 

Wer das Glück hat, auf ein langes Leben zurückzublicken, der weiß, dass das Leben niemals glatt verläuft. In Deutschland hat ein Bischof sein Amt abgeben müssen, weil ihm in früheren Jahren mal die Hand ausgerutscht ist und er ein Kind geohrfeigt hat. Das hat er dann aber wiederum nicht gleich zugegeben. Der Mann ist in die Zeitfalle geraten, denn was früher durchaus üblich war, das war dann später verboten. Pech gehabt. Ein schlechter Mensch und ein schlechter Bischof war er nicht. Es gibt da ganz andere, die ein solches Amt innehaben und es besser abgeben sollten. Aber Sie werden es schon verstehen, was gemeint ist, wenn ich meine, dass es nicht um Kleinigkeiten geht, sondern um den Blick auf das Ganze. Fassen Sie das Gesagte als Einleitung zu einem ernsten Thema auf.

 

GEGEN UNRECHT müssen wir uns wenden.

Benachteiligung anderer darf es nicht geben.

Doch es gibt das Unrecht. Nicht nur bei den "anderen".

Benachteiligt sind Frauen und Kinder in unserer Welt.

 

Der einzige Gott, der Gott aller Menschen kennt keinen Hass.

Es ist der Gott des Friedens und der Liebe.

Er verabscheut die Gewalt.

Und die Intoleranz.

 

Schlimm ist, dass es in bestimmten Regionen unserer Welt keinen Frieden gibt. Vorwände gibt es genug. In Wirklichkeit sind es handfeste Interessen, die hier immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen führen. Ich appelliere an alle Verantwortlichen und Machthaber: Schaffen Sie Frieden für die Menschen in all diesen Ländern, deren Not zum Himmel schreit. Und an die Menschen in unserem Land und in der ganzen Welt, die es ermöglichen, dass Waffen in diese Gebiete gelangen. Sorgen Sie dafür, dass Hass und Krieg aufhören.

 

Vergessen wir nicht, dass Machthaber immer dann Kriege angezettelt haben, wenn sie von Schwierigkeiten im Innern ablenken wollten. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird man Ähnliches in Gang setzen,

wenn das - ach so sehr gepriesene - Wirtschaftswachstum an seine natürlichen Grenzen kommen wird.

 

Ernst zu nehmende Wissenschaftler verurteilen jegliche Kriege. Weil sie um die Gefahren wissen.

Vor allem warnen sie vor dem unsinnigen Wettrüsten.

 

Der Nahe Osten - hier eine Stadt
Eine Stadt im Nahen Osten. Stammt die kleine Wolke von einer Explosion? Wer hat eine Bombe gezündet? Wer hat diesen Sprengkörper produziert?
Das Foto erzählt von der einst geteilten Hauptstadt
Der Schnappschuss schaut gar nicht so schrecklich aus. Für mich symbolisiert er die innerdeutsche Grenze nach dem Mauerbau 1961.

Dieses Foto zeigt auf eine Grenze. Es war die Zeit des Kalten Krieges in Deutschland. Ich bin mit der S-Bahn durch Berlin gefahren und war dabei auf Ost-Gebiet hinter den spanischen Reitern, die den Weg auf „Westgebiet“ versperrten. Die Stacheldrahtverhaue wagte ich nicht zu fotografieren. Deshalb zeige ich hier nur dieses seltsame Haus. Ich ehre die Menschen aus Sachsen, die die deutsche Revolution ohne Blutvergießen geschafft haben.

 

Wann werden die entsetzlichen Kriege endlich aufhören, die wir Reichen mit unseren Waffenlieferungen ständig "anfeuern?"
Gier und Hybris haben zum zweiten Weltkrieg geführt. Das Votivbild (Ausschnitt) erzählt von den Nöten in jener Zeit.

 

 

Auf dem Original ist zu sehen, dass Menschen vor der Kapelle um Frieden beten.

 

Mein Appell geht an alle Politiker und Machthaber, an alle Verantwortlichen in der Wirtschaft.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Wohlfahrt für alle Menschen werden kann.

 

 

 

Es muss alles getan werden, damit die Welt endlich Frieden findet. Das ist ein sehr wichtiges Anliegen.

 

Ich fordere die Bundesrepublik Deutschland auf, aus dem Rüstungsgeschäft mittelfristig ohne Kompromisse auszusteigen. Ausnahmen darf es nur für befreundete Länder (beispielsweise innerhalb der EG) geben.

Sinn des Bösen - kann da überhaupt ein Sinn drin sein?

Es bleibt die Frage, warum es überhaupt das Böse gibt. Mit diesem Thema hat sich der schon öfter von mir zitierte Prof. C. Bartscherer beschäftigt. Der Artikel ist im Straubinger Tagblatt am 26.2.2011 im Wochenendmagazin erschienen: "Sinngebung des Bösen".

Weil mir der Artikel so gut gefällt, habe ich ihn auch in meinem Buch „Heimat – wo Dein Friede wohnt“ abgedruckt.

 

Kurz das Resümee seines Aufsatzes, eigenlich ist es eine Liebeserklärung.

"Auf die Verhöhnung, Geißelung und Kreuzigung seines Sohnes durch die Instanzen irdischer Gewalt reagiert Gott eben nicht mit Gegengewalt und einer brutalen Demonstration seiner Macht, sondern mit Liebe."

 

Für andere Menschen da sein und gleichzeitig den Machthabern die Stirn bieten zeigen. Das scheint nicht leicht zu sein. Im Übrigen gibt es in der katholischen Kirche zwei Befreiungstheologien. Eine gewaltbereite wird allgemein abgelehnt. Eine Befreiung ohne Blutvergießen wird insbesondere von Papst Franziskus, aber auch von anderen vertreten. Als Vorbild gilt hier Mahatma Gandhi, der sein Land ohne Anwendung von Gewalt von der Kolonialherrschaft, also von Fremdherrschaft, befreit hat.

 

In den Museen finden sich viele Bilder von Gandhi
In den Museen finden sich viele Bilder von Gandhi
Sehr herzlich verehren die Inder verdiente Personen
Am Grab einer hochgeehrten Persönlichkeit

Nach der gewaltfreien Vertreibung der Kolonialherren aus Indien stand Gandhi sofort vor einer neuen und schwierigen Aufgabe: Er wollte etwas gegen die erschreckende Armut im Lande tun. Dazu besuchte er persönlich viele Orte und machte den Menschen Mut für ein neues Leben. Er sprach Empfehlungen aus: Jede Familie sollte sich eine Ziege zulegen, um sich vor Hunger zu schützen. Auf meinem Foto aus einem der Vororte von Kolkata sind es Kühe, welche die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen.

 

So leben Inder auf dem Land
Typisches Bild vom Landleben in einem Vorort von Kolkata

Von all dem Unrecht, das Menschen angetan wird, müssen wir uns klar und deutlich distanzieren. Hier soll auf Den verwiesen werden, Der den Weg aus Hass und Krieg anbietet. Er ist die einzige Hoffnung, die aus der Not herausführt. Voraussetzung ist die Abkehr vom Bösen. Trotzdem bleiben Fragen: Warum werden genau die Anhänger der Lehre der Barmherzigkeit so brutal verfolgt? Warum wird alle fünf Minuten auf dieser Welt ein Mensch getötet, nur weil er oder sie ein Christ ist?  Es ist gefährlich, Christus nachzufolgen. Papst Johannes Paul II. ist ein prominentes Opfer der Christenverfolgung. Mit knapper Not hat er ein Attentat überlebt.

 

Die deutsche Revolution, die 1989 das DDR-Regime unblutig und gewaltfrei hinwegfegte, war ein Geschenk des Himmels. Jesus sagt, dass man „gefallenen Mächten“ Widerstand nur gewaltfrei entgegensetzen sollte. Das hat der Amerikaner Walter Wink in seinem Buch „Verwandlung der Mächte“ sehr gut erläutert. Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass die Worte des Herrn stets von uns immer wieder neu interpretiert und auf die Gegenwart bezogen werden müssen. Das ist keine Relativierung der Aussagen Jesu, sondern – wenn es unter strenger Prüfung durch das eigene, ernsthaft geprüfte Gewissen geschieht – eine Art von Übersetzung in die Sprache und das Verständnis unserer Zeit. Deshalb ist es durchaus erlaubt, alle Facetten der Aufforderungen des Herrn immer wieder neu zu durchleuchten, da kann man die Frage, die zugleich der Titel des Beitrags ist, nicht einfach ausklammern:

Was, wenn Schutz Gewalt fordert?

 

Die Überlegungen hat Landesbischof Bedford-Strohm bei einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Toten im Mittelmeer angestellt. Der Untertitel zu einem Bericht von dieser Gedenkfeier im Magazin zum Wochenende vom 13.2.2021 lautet:

 

 Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm erklärt uns, warum der Einsatz von Gewalt immer eine Niederlage ist, fragt aber auch, ob sie nicht gerechtfertigt sein kann, um Schlimmeres zu verhüten.

 

Zunächst einmal: Die Kirchen sind sich einig, dass Konflikte mit militärischer Gewalt so gut wie nie gelöst werden können… Konflikte müssen durch zivile Mittel, durch Überwindung der weltweiten Armut, durch einen restriktiven Umgang mit Waffenexporten gelöst werden, darin sind wir uns einig in der Kirche… Trotzdem: Auch Christen können die Anwendung militärischer Gewalt nicht einfach kategorisch aussschließen. Beim Massaker von Srebrenica ermordeten bosnisch-serbische Milizen im Juli 1995 8 000 muslimische Männer und Jungen. UN-Blauhelmtruppen schauten tatenlos zu. Beim Völkermord in Ruanda 1994 wurden in 100 Tagen 800 000 Menschen mit Macheten ermordet, ohne dass die anwesenden UNO-Blauhelmsoldaten eingreifen durften.  Des weiteren kommt der Bischof auf die Schreckensherrschaft von IS-Milizen in Syrien und im Nordirak zu sprechen. Sein Resumee ist, dass es eine moralische Pflicht gibt, das durch Gewalt und Terror verursachte Leid wirksam zu verhindern und dass dabei auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen werden können.